Kuchentasche mit Haube
Lesedauer 6 Minuten

Mal ganz unter uns, aber dieser coronabedingte Shutdown war für mich persönlich ein echter Gewinn – bis jetzt. Ich habe das Nähen wiederentdeckt und arbeite mich gerade so Schritt für Schritt wieder in die Materie ein. Und weil’s nicht nur darum gehen soll, aus neuer Webware etwas zu gestalten, sondern auch darum, alten, ausgedienten Textilien neues Leben einzuhauchen, habe ich bei der Gelegenheit eine alte Stuhlhusse unter anderem in eine Kuchentasche umgewandelt.

Ich war auf der Suche nach einem kleinen Projekt, dass man auch abends noch kurz umsetzen kann, wenn einen noch die Nählust überkommt. Und was bietet sich da mehr an, als zum Beispiel eine Tasche. Ein Shopper sollte es nicht werden, aber die Kuchentaschen hatten es mir angetan. Also schaute ich mir das Prinzip an und bastelte mir meine eigene als Upcycling einer alten Stuhlhusse aus naturweißem Baumwollcanvas.

Und damit das Ganze auch den lässigen Charme Frankreichs ausstrahlt, entschloss ich mich dazu, den hellen Stoff mit blauen und roten Zierstichen zu verschönern, so ein wenig Tricolore und ein wenig Ethnolook oder Folklore oder wie auch immer man das bezeichnen möchte.

Da die Tasche alleine aber nicht ganz vollständig für mich wäre, um einen Kuchen zu transportieren, habe ich selbstverständlich noch eine „Mütze“ für die Springform gefertigt, damit der Kuchen sicher vor irgendwelchen infektiösen Tröpfchen von zuhause zur besten Freundin transportiert werden kann. Übrigens für mich nicht erst seit Corona wichtig, Lebensmittel spucksicher aufzubewahren oder zu transportieren. Nichts hasse ich mehr, als wenn mir z.B. beim Bäcker ein Baguette in eine zu kurze Papiertüte gepackt wird. Dann verlange ich grundsätzlich noch eine weitere, um das Brot unbefleckt nach Hause bringen zu können. Aber das wäre bereits Thema für einen anderen Blogpost.

So, da bei Instagram die Mehrheit derer, die dort immer meine Nähprojekte in den Stories verfolgen, dafür abgestimmt hat, dass ich eine Nähanleitung schreiben sollte, mache ich das jetzt mal. Hoffentlich verständlich…

Kuchentasche (passend für 26er Springform/8 cm hoch)

2 Stoffstücke in den Maßen 72 x 38 cm (incl. Nahtzugabe)
2 fertige Bänder jeweils 32 cm lang und zwischen 3 und 6 cm breit. Alternativ aus vorhandenem Stoff Griffe zuschneiden, 32 cm lang und die doppelte fertige Breite sowie jeweils 1 cm Nahtzugabe an den Längskanten. Bei 4 cm fertiger Breite wäre der Zuschnitt 10 cm breit.

Als erstes fertigen wir die Griffe, sofern nicht auf beispielsweise Gurtband oder andere fertige Bänder zurückgegriffen wird. Ich habe bei meiner Tasche die Bänder der Stuhlhusse verwenden können, mit denen normalerweise hinten am Stuhl eine dekorative Schleife gebunden wurde. Also, wer das alles nicht fertig zur Verfügung hat, schneidet sich für zwei 4 cm breiten Henkel zweimal je einen Streifen von 32 cm Länge und 10 cm Breite im Fadenlauf.

Dann auf beiden Seiten 1 cm umbügeln. Die ganz gewieften basteln sich aus einem Stück Pappe, wie sie manchmal bei Strumpfhosen eingelegt ist, eine 8 cm breite Bügelschablone – Länge so lang wie möglich. Diese Schablone wird auf die linke Stoffseite des Henkelzuschnitts gelegt, so dass oben und unten 1 cm Stoff hervor schaut und dann kann man die Kanten exakt einen Zentimeter umbügeln. Anschließend die Schablone herausnehmen und den Henkel der Länge nach nochmals auf die Hälfte umbrechen und bügeln. Jetzt liegen die offenen Kanten idealerweise exakt aufeinander und der Henkel hat 4 cm Breite.

Wenn beide Henkel so umgebügelt sind, die offenen Kanten an der Nähmaschine aufeinandersteppen und den Bruch auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls knappkantig absteppen. Wer möchte, kann beide Kanten nochmals füßchenbreit (7 mm) absteppen.

Jetzt geht es an die eigentliche Tasche. Einen der beiden Stoffzuschnitte mit den Maßen 72 x 38 cm mit der rechten Seite nach oben legen. Die Mitte der schmalen Seite jeweils markieren (also bei 19 cm) und von der Mitte aus 3,5 cm nach beiden Seiten abmessen und ebenfalls markieren. Hier legen wir jetzt die Henkel so an, dass die innere Kante des Henkels jeweils 3,5 cm von der Mitte entfernt ist – also insgesamt 7 cm Abstand zwischen den beiden inneren Kanten. Mit Stecknadeln oder Klammern kurz fixieren und dann mit großem Stich (4-5 mm) einfach füßchenbreit kurz anheften. Dann verrutscht hier nichts.

Auf das Taschenteil, auf welches wir jetzt die Henkel geheftet haben, legen wir das andere Taschenteil mit der rechten Seite nach unten – also rechts auf rechts. Dann schließen wir die beiden Nähte mit 1 cm an den kurzen Kanten, an denen die Griffe angebracht sind. Ich steppe an dieser Stelle die Nahtzugaben schmalkantig auf dem Taschenfutter ab, sodass mir nachher das Bügeln und absteppen der Kante leichter fällt.

Anschließend wenden wir die Tasche – geht ja problemlos durch die beiden offenen langen Seitennähte. Die geschlossenen Nähte bügeln und gleich die Kante schön herausarbeiten. Anschließend an der Maschine nochmal knappkantig von der Außenseite der Tasche absteppen.

Jetzt markieren wir uns wieder die Mitte der Tasche, dieses Mal auf den beiden langen seitlichen, noch offenen Kanten. Hier liegt die Mitte ungefähr bei 35 cm, am besten man faltet die doppelte Stofflage einfach einmal zusammen und bügelt jeweils einen kleinen Knick rein. Anschließend werden die beiden abgesteppten Kanten mit den Henkeln so fixiert, dass sie jeweils 5-6 cm von der Mitte entfernt angelegt sind. Es entsteht also eine Art Freiraum von ca. 10-12 cm.

Zur Fixierung steppe ich auch hier wieder mit einem großen Stich einfach kurz an beiden Seiten entlang, mit einem Abstand von 1,5 cm zur Schnittkante. Dann hält es und man muss nicht mit vielen Stecknadeln rumjonglieren.

Für meinen folkloristischen Look habe ich anschließend erst mit blauem Nähgarn jeweils zwei Ziernähte an jede Seite gesetzt. Die erste ungefähr auf vorangegangene Heftnaht bei ca. 1,5 cm von der Schnittkante entfernt, die zweite blaue Ziernaht habe ich 2,5 cm von der Schnittkante entfernt gesetzt. Natürlich auf beiden Seiten parallel.

Anschließend habe ich die Maschine auf rot umgefädelt und zwischen die beiden blauen Ziernähte noch eine rote gesetzt. Et voila! Fertig ist die Tasche!

Fast zumindest. Denn ich wollte die offenen Schnittkanten noch kontrolliert ausfransen Deswegen habe ich die Nahtzugaben auch nicht nach innen gelegt und die Seitenkanten nicht verstürzt. Hier einfach vorsichtig mit dem Nahttrenner die Fäden aus dem Gewebe holen, bis ein guter Zentimeter Fransenrand entstanden ist. Dann dürfte auch beim Waschen in der Waschmaschine nichts mehr schiefgehen, wenn vorher kontrolliert ausgefranst wurde.

Kuchenabdeckhaube

Für das Mützchen, das auch fast aussieht wie ein französisches Baskenkäppi, habe ich aus dem gleichen Stoff dann noch einen Kreis ausgeschnitten, der groß genug sein musste, um die 26er Springform abzudecken und seitlich am Rand noch etwas Stoff haben sollte, damit man das Mützchen auch ordentlich aufsetzen kann. Bei mir war’s etwas knapp bemessen, weil die Stuhlhusse nicht mehr allzuviel hergab. Normalerweise würde ich schon 5 cm Rand einplanen, bei mir sind’s nur ca. 3 cm. Berechnet habe ich den Kreis wie folgt: 13 cm Radius (bei 26er Springform) plus gewünschte Randbreite (z.B. 5 cm) ergibt einen Radius von 18 cm. Zirkel vom Kind klauen und einen entsprechend großen Kreis direkt auf die linke Stoffseite zeichnen. Alternativ erst einen Papierschnitt basteln und dann nach diesem ausschneiden.

Bei mir war durch die Stuhlhusse eine bereits fertige Naht in dem Kreis, die ich genau in die Mitte gelegt habe. Und damit die nicht so auffällt, dachte ich mir, ich steppe einfach imaginäre Kuchenstücke auf, und zwar in den Farben blau und rot. Also habe ich in der einen Farbe den Kuchen geviertelt, in der anderen dann geachtelt – fertig war die dekorative Zierstickerei mit ganz ordinärem Zickzackstich.

Damit es vom Design her zur Tasche passt, habe ich die offene Kante zweinmal im Kreis herum bei 1,5 cm und bei 2,5 cm mit rotem Zickzackstich abgesteppt.

Damit das Mützchen auch Halt findet auf der Springform, bekam es noch ein Gummiband. Dank der coronabedingten Umstände habe ich derzeit eine hübsche Auswahl an farbigen Gummibändern, unter anderem auch blaues oder rotes in 5mm Breite. Perfekt dafür! Um das Gummiband richtig zu bemessen, brauchen wir den Umfang der 26er Springform. Und davon ziehen wir dann 10-15 cm ab, da das Gummiband ja ein wenig Zug drauf haben sollte. Also entweder mit dem Maßband losziehen und den Umfang messen oder einfach pi mal Daumen oder wie war gleich die Formel dafür? 2 x pi x r oder hier klicken und automatisch rechnen lassen.

Das Gummiband hat bei mir eine Länge von 72 cm (incl 2 cm Nahtzugabe). Ich habe es einfach an den abgesteppten Kreisvierteln jeweils mit einer Nadel fixiert, so dass es gleichmäßig verteilt ist und der Zug auch gleichmäßig wirkt. Anschließend das blaue Gummiband mit blauem Garn im Zickzack mittig zwischen den beiden roten Ziernähten feststeppen.

Dann sind wir auch schon fast fertig. Richtig fertig sind wir, wenn wir die Kanten vom Mützchen auch noch kontrolliert ausgefranst haben, was streckenweise etwas nervig ist, da sich schräg geschnittene Kanten schwieriger ausfransen lassen. Aber mit ein wenig Geduld wird das schon!

So, und jetzt fehlt nur noch der Kuchen. Da dürft ihr euch jeder selbst einen backen, hauptsache die Springform passt dann anschließend in die Tasche. Natürlich nur, wenn ihr den Kuchen transportieren wollt, zur besten Freundin, ins Büro, zur Familie oder zur Gartenparty.

Wer jetzt bis hierher durchgehalten hat und auch noch Lust bekam, sich diese Kuchentasche nachzubasteln, der darf mir gerne Fotos vom fertigen Produkt zukommen lassen oder mir einen Link zum eigenen Blogbeitrag oder InstagramPost schicken. Ich würde diese Praxisbeispiele dann gerne hier noch ergänzend einbetten oder verlinken. Und nun wünsche ich viel Spaß beim Nähen dieser Kuchentasche mit Häubchen!

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