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Okay, jetzt gebe ich also auch noch meinen Senf dazu. Dass derzeit omnipräsente Thema rund um das Coronavirus hat jetzt mittlerweile auch uns persönlich erreicht, insofern, als dass wir die Auswirkungen als bislang glücklicherweise nur indirekt Betroffene zu spüren bekommen. Um für mich später nochmal einen Blick zurück werfen zu können – sofern ich diese Seuche überleben werde #spaß! – widme ich dem ganzen jetzt etwas Raum auf meinem Blog.

Angefangen hat das Ganze ja – zumindest für uns hier – in den letzten Tagen des Jahres 2019. Ich erinnere mich tatsächlich daran, eher beiläufig als mitfühlend die Nachricht mitbekommen zu haben, dass in China eine neuartige Lungenkrankheit grassiere, die schon „eine Handvoll“ Todesopfer gefordert habe. An eine genaue Zahl erinnere ich mich nicht, aber es waren nicht so viele, als dass es mich schockiert hätte. Für mich war es eben ein weiterer Virus aus Fernost, der sich in die Reihe der Vogel- und Schweinegrippen sowie deren Mutanten einreihen würde. Also nichts was mich jemals persönlich betreffen könnte.

Irgendwann gegen Ende Januar/Anfang Februar 2020 vernahm ich, dass es erste Infizierte und/oder Erkrankte im europäischen Raum und wohl auch in Deutschland gab. Alles Leute, die aus China bzw. direkt aus Wuhan eingereist waren – so zumindest meine Erinnerung. Auch noch kein wirkliches Problem für mich, da ich weder Kontakt zu Leuten hatte, die diesbezüglich unterwegs waren noch sonstwie eine Verbindung bestand.

Zeitgleich gab es ab ungefähr Anfang Februar in verschiedenen Online-Medien zu lesen, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe einen lustigen Rezeptwettbewerb plane, bei dem für ein Kochbuch Rezepte aus der Bevölkerung gesammelt würden, was man denn alles Leckeres aus dem Notvorrat und ohne Verfügbarkeit von Leitungswasser und Strom kochen könne. Spätestens hier zog ich mal eine Augenbraue hoch und dachte: „Nachtigall, ick hör dir trapsen!“ – zumal ich die Aufrufe besagter Behörde aus dem Jahr 2016 noch ziemlich genau in Erinnerung hatte, als im Spätsommer überall verbreitet wurde, man solle auch bitteschön vorsorglich an einen Notvorrat denken.

Naja, mehr als zweimal wollte ich mir das auch nicht sagen lassen, deswegen packte ich so langsam bei jedem üblichen Einkauf ein paar Sachen mehr in den Einkaufswagen. Nicht kartonweise, sondern tatsächlich stückweise. Da ich aber übers Jahr ohnehin immer so einkaufe, dass ich bei Angeboten gleich ein paar Stück mehr davon mitnehme, hatte ich schon einen kleinen Vorrat für uns beide angelegt, der im großen und ganzen nur noch um weniges ergänzt werden musste.

Gegen Ende Februar war das Virus doch schon recht verbreitet, aber immer noch nicht in meinem direkten Umfeld. Rückblickend erinnert mich das gerade ein wenig an das Aufkommen des HI-Virus in den 80er Jahren, als man erst von Ferne nur die prominenten Erkrankten und Opfer mitbekam, bis die Einschläge näher kamen und auf einmal der nette Friseur, der lokale Modedesigner und andere von der Stange fielen…

Ende Februar waren dann auch die Faschingsferien, die wir als bekennende Nichtskifahrer zuhause und nicht in Südtirol verbrachten. Obwohl zu dem Zeitpunkt, als die meisten in den Skiurlaub fuhren, noch nichts über Südtirol als Virenhotspot bekannt war. Italien schon, aber hier auch nur ein paar Orte oder Gegenden.

Ende der Faschingsferien trudelten hier die ersten Elternbriefe und Empfehlungen aus der Schule per E-Mail ein, was man zu tun habe, wenn man zufällig im mittlerweile als Risikogebiet eingestuften Südtirol im Urlaub war oder mit jemandem Kontakt hatte, der dort war und als infiziert identifiziert worden war. Okay, auch da hatte ich jetzt keine Bedenken, außer so ganz leise, dass vielleicht doch der eine oder andere Klassenkamerad (m|w|d) meiner Tochter möglicherweise dort die Ferien verbracht hat.

Parallel dazu mehrten sich die Fälle der infizierten und erkrankten Personen in Deutschland. In NRW gab es mehrere Fälle und ein paar Hundert Personen durften vorsorglich zuhause zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Okay, unter diesen möglichen Zukunftsaussichten erscheint ein Notvorrat durchaus sinnvoll, allerdings dann doch eher für 14 Tage statt der empfohlenen 10 Tage. Wenn hier jetzt im Zusammenhang mit diesem zeitlich ähnlich gelagerten Rezeptwettbewerb auch jemand die Nachtigall trällern hört, dann kann ich das durchaus nachvollziehen…

Das Virus rückte näher und wurde auch schon in meinem geographischen Umkreis lokalisiert. Gut, ist ja immer noch weit genug entfernt, denkt man sich da vernünftigerweise, ohne dabei unvernünftig zu werden.

Gestern abend dann die Nachricht, die dieses Virus nun schon recht deutlich in unsere Nähe brachte. Frollein Tochter bekam über die Schülerbuschtrommel WhatsApp einen Screenshot der InstaStory einer Mitschülerin aus der Parallelklasse. Sinngemäß war zu lesen, dass diese Schülerin seit gestern abend bestätigt positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Und da der Unterricht bei dieser Klassenstufe teilweise klassenübergreifend stattfindet, hatte meine Tochter durchaus den einen oder anderen Berührungspunkt in gemeinsamen Unterrichtsstunden, wenn man mal davon absieht, dass man sich in der Schule sowieso auf dem Hof, in der Pausenhalle oder sonstwo klassenstufenweise miteinander austauscht oder unterhält.

Da war ich gestern schon ganz schön froh über die Buschtrommel, denn andernfalls hätten wir sicherlich wesentlich länger auf diese Info warten dürfen. Es sprach sich schnell herum, welche Eltern ihre Kinder am nächsten Tag – also heute – nicht zur Schule schicken würden. Nein, es sind keine Helikoptereltern. Sondern eher die verantwortungsvollen, die aus verschiedenen Gründen eine Ausbreitung verhindern möchten. Übrigens waren es deutlich über die Hälfte der Schüler (m|w|d), die zuhause bleiben sollten.

Ich war heute ab halb sechs wach und habe dann schon mal im Netz nach aktualisierten Fallzahlen aus der Landeshauptstadt gesucht. Es gab zwar News bezüglich erst gestern abend festgestellter Erkrankungen und Klassenstufenaussperrungen, aber unsere Schule und unser Jahrgang war nicht dabei.

Also rief ich morgens im Sekretariat an, wo ich nach gut 20 Minuten dann auch endlich durchkam. Meine Einstiegsworte: „Ich rufe auch wegen dieser bestätigten Corona-Infektion an…“ Es wurde mir überlassen, ob ich mein Kind in die Schule schicke oder nicht. Mit den Worten „also, dann soll sie heute mal daheim bleiben“ erlaubte mir die Sekretärin, dass das Kind heute mal daheim bleibt… wir würden später noch eine E-Mail mit weiteren Informationen erhalten.

Tatsächlich kam dann abends eine Mail mit dem schmucklosen Anhang eines Schreibens vom Gesundheitsamt, das zum einen über eine 2-tägigie Schulschließung informierte und außerdem darüber, dass alle Schüler (m|w|d) unserer Klassenstufe zwei Wochen zuhause bleiben müssen. Dazu gab es noch einen Wust von weiterführenden Links mit Informationen aller Art zum Thema, die mir aber insofern nichts nützten, als ich nicht wusste, in welche Kategorie wir eingestuft werden.

Jetzt bleibt für mich erstmal abzuwarten, ob wir morgen einen Anruf vom Gesundheitsamt erhalten und damit dann weitere Informationen über die Vorgehensweise bekommen. Und natürlich interessiert mich auch, ob wir bzw. meine Tochter als Kategorie 1 oder 2 der Kontaktpersonen klassifiziert werden. Weiterhin interessiert mich, wie ich mich als mit Risiko behaftete Person vor einer Infektion schützen kann. Ich kann ja schlecht meine Tochter 14 Tage auf dem Balkon ausharren lassen, falls sie bereits Trägerin sein sollte…

Alles in allem bin ich richtig froh, weitgehend mit Vorräten eingedeckt zu sein. Am vergangenen Samstag, als ich das letzte Mal vor diesem Ereignis einkaufen war, hätte ich mir noch nicht träumen lassen, dass sich die Situation so schnell würde ändern können. Nein, ich habe keine 10 XXL-Packungen Klopapier und Nudeln bis 2023 zuhause, allein schon deswegen nicht, weil ich zu Fuß unterwegs bin und alles mit eigener Körperkraft heimschleppe. Aber für 2 Wochen werden die Vorräte einigermaßen ausreichen, außer vielleicht das Frischzeugs. Aber da bekam ich schon ein Angebot von einer lieben Freundin in der Nähe, die uns im Ernstfall etwas vorbei bringen würde.

Jetzt bin ich wirklich auf die nächsten zwei Wochen gespannt und hoffe sehr, dass dieser Kelch an uns vorübergehen wird. Frollein Tochter hat mittlerweile einen dezent fragilen Familienverbund um sich herum, bei dem man sich einen Ernstfall für sie gar nicht vorstellen mag.

EDIT: Nachdem ich jetzt schon mehrfach per Messenger gefragt wurde, welche Infos wir vom örtlichen Gesundheitsamt bekamen, werde ich hier jetzt einfach die Links aufführen, die wir zum Selbststudium erhalten haben. Dazu gab’s eben noch ein individuelles Schreiben, das auf die Situation an unserer Schule einging sowie den Link zur Pressemitteilung der Stadt, die zur aktuellen Lage an unserer Schule berichtet.

https://coronavirus.stuttgart.de/

https://www.infektionsschutz.de/fileadmin/infektionsschutz.de/Downloads/Merkblatt-Infektionsschutz-Coronavirus.pdf

https://www.infektionsschutz.de/fileadmin/infektionsschutz.de/Downloads/200303_BZgA_Atemwegsinfektion-Hygiene_schuetzt_A4_02_Ansicht.pdf

https://www.stuttgart.de/img/mdb/item/687022/153082.pdf

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Management.html

5 KOMMENTARE

  1. Passend dazu; zwei Coronafälle im Lehrerkollegium, es wird fröhlich weiterunterrichtet, bis die Testergebnisse da sind, anstelle die Schule gleich konsequent unter Quarantäne zu setzen. Großkotzig wird noch vom Fizerex verkündet, man habe sich zu früh gefreut, die Schule wird nicht geschlossen, aber dann schön feixen, sobald die SZ ein Interview will; Zitat: „Die Schule ist dicht.“
    Herrlich.

  2. Gerade auf Facebook eine schöne Zusammenfassung gefunden:

    Zusammenfassung vom 11.03.2020 -Coronavirus – die ich erhalten habe.
    Tom Hanks und seine Frau sind in Australien positiv getestet worden. Trump erklärt Einreiseverbot aus allen europäischen Ländern (nicht aus Großbritannien)
    Die WHO erklärt Covid-19 für eine Pandemie
    NBA setzt alle Spiele bis auf weiteres aus
    LA bestätigt den ersten Tod
    Die Schulen in Seattle schließen zwei Wochen lang
    Italien schließt Geschäfte
    Dänemark schließt Schulen
    Die Gesamtzahl der Fälle in New Jersey steigt auf 23
    Der Bürgermeister von DC erklärt den Notfall für die öffentliche Gesundheit
    39 neue Fälle in NY und erhöht die Gesamtzahl auf 212
    Erster Toter in Indonesien
    Bestätigte Fälle in Frankreich über 2.000
    Großbritannien meldet den 7. Tod
    Chicago bricht die Parade zum St. Paddy’s Day ab
    NY schickt Nationalgarde
    In den USA ist King County im US-Bundesstaat Washington mit 273 Fällen nach wie vor das Epizentrum des schlimmsten Ausbruchs.
    Senegal meldet ihren fünften Fall des Virus, der sich in Lateinamerika und Afrika weiter ausbreitet.
    Die IADB bricht das Treffen in Kolumbien ab, da sich das Virus in ganz Lateinamerika verbreitet
    Berichten zufolge plant Utah, öffentliche College- und Universitätsgelände zu schließen
    Dr. Fauci warnt. dass das Virus 10x tödlicher als die Grippe ist und könnte Millionen infizieren, wenn es nicht frühzeitig behandelt wird
    Australien verabschiedet ein Konjunkturpaket in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar
    Die Schweiz meldete am Mittwoch 148 neue Fälle von Coronavirus, insgesamt 645 Fälle, 58 Fälle in Zürich und 78 Fälle in Genf.
    Laut Seoul sind 99 Fälle durch ein Call Center infiziert
    Die FEMA evakuiert das Büro in Atlanta wegen Coronavirus-Angst
    3 Boeing-Mitarbeiter positiv
    Harvard verteilt Unterkunft und Verpflegung für Studenten
    US-Fälle überschreiten 1.000
    Der britische Gesundheitsminister infiziert
    Irland, Bulgarien und Schweden melden erste Todesfälle
    Connecticut erklärt den Ausnahmezustand
    UK erreicht insgesamt 456 nach dem größten täglichen Sprung seit Bestehen (83 neue Fälle)
    Globale Fälle bestehen 120.000
    Berichten zufolge plant Japan, den Ausnahmezustand zu erklären-

    Quelle: Doro Schreier, Gründerin der Netzfrauen

  3. Hoffen wir mal, ihr bleibt gesund und die berechneten Vorräte reichen grad so noch aus.. Genieße Artikel wie diese sehr. Das braucht man gerade..

  4. Was mich am meisten an der ganzen Sache aufregt ist wahrscheinlich dass man nichts anderes mehr hört….Die Nachrichten sind von Covid-V19 überflutet und anderes wird nur nebensächlich genannt.
    Ich bin mir im Klaren darüber dass der Virus eine Gefahr bringt aber es ist nicht das einzige was momentan passiert.
    Ich denke auch dass die Schule einfach direkt nach den Ferien 2 Wochen Pause hätte machen sollen um weitere Verbreitung zu verhindern.Naja bin gespannt was jetzt noch alles auf uns zu kommt….
    Um das ganze mit Humor zu sehen eine Spotify-Playlist Empfehlung:
    https://open.spotify.com/playlist/55V6HUzPnISl7ADpE3yfUD?si=sGVhPGOzTgyFv9pwUuF3Pw

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