Ein altes Rezept, überliefert und total einfach, aber sehr lecker: Kartoffelkuchen vom Blech. Damit kann man bestimmt alle an der Kaffeetafel begeistern!
Lesedauer 3 Minuten

Kartoffeln gibt’s ja schon wieder eine ganze Weile aus neuer Ernte. Spätestens mit dem Spargel bekommt man ja „Neue Kartoffeln“ auch aus heimischen Gefilden. Aber so richtig Saison haben sie dann doch erst im Herbst. Sei es, weil’s früher üblich war, zentnerweise Herbstkartoffeln im Keller für den Winter einzulagern oder eben, weil die meisten Sorten dann doch erst jetzt reif für die Ernte werden. Wie auch immer, Kartoffelrezepte aller Art haben im Herbst Hochsaison, aber nur die wenigtsten davon sind süße Rezepte für Naschkatzen. Eines habe ich jetzt hier anzubieten:

Kartoffelkuchen mit Zimtzucker vom Blech

Bevor ich aber dieses simple, aber sehr gute Rezept weitergebe, möchte ich noch ein wenig persönliche Geschichte drumherum erzählen. Einfach von früher, als meine Eltern mit meiner Schwester und mir gefühlt jedes zweite Wochenende sozusagen in eine andere Welt reisten. Nicht nur aufs Land, sondern gefühlt auch ein paar Jahrzehnte zurück. Meine Patentante lebte mit ihrem Mann und den gemeinsamen 3 Kindern nur unweit von uns entfernt, aber eben nicht innerstädtisch, sondern eher ländlich, eingebettet zwischen grünen Hügeln, Wald und Bundeswanderweg, flankiert von einer Mühle – derer gab es sieben in dieser Gegend – und in bäuerlicher Umgebung. Die Familie selbst war nicht landwirtschaftlich tätig, sondern sie betrieben eine Bäckerei, die schon lange bevor es Mode wurde, naturnah, demetermäßig und sicherlich auch BIO, aber ohne Zertifikat, aus der zugehörigen Mühle gemahlenes Getreide verarbeitete. Und zwar nur wie Brotbäcker und nicht nach Art des Zuckerbäckers und Schaumschlägers. Es gab zwar außer Brot auch Kuchen, aber der war eben bodenständig, lecker und bäuerlich und nicht geschichtet aus Biskuitböden mit Schmonzes dazwischen und versteckt unter Kuvertüre oder Fondant.

Kartoffelkuchen vom Blech mit Rezept
Einfach und zünftig darf’s im Herbst sein. Das reichhaltige Angebot an Herbstfrüchten spricht für sich – da braucht es keine kunstvoll verzierten Torten zum Kaffee, um glücklich zu werden.

Also, kurz gesagt: das Brot war super und kam aus dem Holzofen – immer – und die Kuchen waren noch besser, wurden ebenfalls im Holzofen gebacken und sind für mich definitiv eine positive Kindheitserinnerung. Die Familie lebte übrigens direkt über der Bäckerei und es war immer richtig gemütlich dort. Vor allem zur Weihnachtszeit. Aber das ist eine andere Geschichte…

Mittlerweile sind ein paar Jahrzehnte vergangen, der Onkel, welcher buk, bäckt nun gar nicht mehr – zumindest nicht hier auf Erden. Seine hinterbliebene Frau freut sich, wenn sie mal jemanden zum Plaudern hat und ich erinnerte mich in letzter Zeit immer öfter unter anderem an diesen Kartoffelkuchen. Also rief ich meine 88-jährige Patentante neulich an, hörte geduldig eine Stunde ihren Erzählungen zu und bat sie dann um das Rezept für diesen phänomenalen Kartoffelkuchen. Sie wunderte sich gar sehr, dass ich mich daran noch erinnern konnte, kramte in ihren Aufschrieben und hatte dann tätsächlich das richtige Rezept für mich parat.

Genau einen Tag später buk ich diesen Kartoffelkuchen vom Blech nach und war begeistert. Der schmeckte tätsächlich nach glücklicher Kindheit auf dem Lande! Und dabei ist er auch noch so einfach zuzubereiten. Da kommt keine künstlich gepimpte Motivtorte mit – das gilt natürlich nur für die Leute, die wie ich eher auf innere Werte als auf effekthaschende Optik stehen.

Genug gelabert, das Wochenende steht vor der Tür und hier gibt’s das Rezept für diesen einfachen, aber genialen Kartoffelkuchen. Probiert es aus, der ist schneller weg als ihr den Kaffee dazu servieren könnt!

Zutaten für einen Kartoffelkuchen vom Blech

  • 250 g Mehl
  • 15 frische Hefe
  • 125 ml Milch
  • 250 g gekoche Kartoffeln (idealerweise vom Vortag)
  • 2 x 50 g weiche Butter
  • 50 g Zucker
  • 50 g Zimtzucker
  • 1 Prise Salz

Zubereitung des herbstlichen Kartoffelkuchens

Das Mehl auf die Arbeitsfläche oder in eine Schüssel sieben. Eine Mulde in die Mitte drücken und die Hefe hineinbröseln. Die lauwarme Milch dazugießen, alles leicht verrühren und kurz stehen lassen.

In der Zwischenzeit die 250 g gekochten und geschälten Kartofeln auf einer Reibe raspeln. Die geriebenen Kartoffeln auf den Mehlrand geben, 50 g Zucker und 50 g weiche Butter in kleinen Stückchen dazu geben und alles zu einem geschmeidigen Hefeteig verkneten und zu einer glatten Kugel formen. Zugedeckt an einem warmen Platz für ca. 30 – 45 Minuten gehen lassen.

Den Ofen auf 170 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen (Originalwortlaut: mittlere Hitze). Den Hefeteig auf einem gefetteten Backblech (alternativ mit Backpapier ausgelegt) auswellen und nochmal ca. 30 Minuten zugedeckt ruhen lassen. Anschließend das Blech auf die zweite Schiene von unten in den Ofen schieben und ca. 30 Minuten backen.

Wenn die Farbe schöne goldbraun ist, das Blech aus dem Ofen holen und sofort die zweite Portion Butter in Flöckchen darauf verteilen und anschließend den Zimtzucker darüber streuen. Den Kuchen dann bitte sofort in Sicherheit bringen, damit sich keiner den Mund verbrennt, wenn jemand angesichts des köstlichen Duftes die Beherrschung verliert.

Kartoffelkuchen mit Zucker und Zimt
Dieser Kartoffelkuchen ist sicherlich ratzfatz verzehrt – am besten man macht gleich die doppelte Menge.

Sofort Kaffee aufsetzen, Tisch decken und den Blechkuchen lauwarm servieren. Am besten macht man gleich zwei oder drei Bleche davon (die Mengen dann entsprechend multiplizieren!) – so lecker ist das Zeug!

Kennt ihr diese Art von Kuchen? Und wenn ja, habt ihr ihn auch schon gebacken?

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