Lesestoff für den Sommerurlaub
Für einige spannende Stunden sorgte der Roman von Torsten Seifert "Wer ist B. Traven?"

Seit ungefähr Oktober vergangenen Jahres lag das Buch auf meinem Stapel ungelesener Bücher, in Fachkreisen auch SuB genannt. Jetzt kam ich endlich dazu, den Roman, dessen Autor für das Manuskript 2017 den Blogbuster-Preis der Literaturblogger gewann, zu lesen.

Dass dieser Roman „Wer ist B. Traven?“ von Torsten Seifert bei mir landete, war einzig und allein der vielversprechenden Beschreibung auf dem Klappentext zu verdanken:

1947: Leon, ein aufstrebender Journalist, verschlägt es nach Zentralmexiko. Hier wird „Der Schatz der Sierra Madre“ gedreht, basierend auf einem Roman von B. Traven. Leon soll herausfinden, wer sich hinter dem Pseudonym des Schriftstellers versteckt. Doch er verbringt seine Zeit lieber mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, John Huston und einer geheimnisvollen Frau namens María. Zurück in Los Angeles lässt ihn Travens Geheimnis aber nicht mehr los: Wer ist dieser Autor? Stimmt es, dass alle, die nach ihm gesucht haben, unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen? Leon bricht erneut auf. In Wien kommt er einer Antwort näher, des Rätsels Lösung aber liegt in Mexiko. Und Leon merkt plötzlich: er ist nicht der Einzige, der B. Traven auf den Fersen ist…

Hier haben mich tatsächlich die Namen der Schauspieler und des Regisseurs gereizt, ebenso wie die Zeit, in der die Handlung spielt und natürlich dieser mysteriöse Autor namens B. Traven. Alles Eckdaten, mit denen ich in irgendeiner Weise schon mal in Berührung kam.

Entsprechend gut gefällt mir auch gleich der rasante Einstieg in die Handlung, der zwar ein wenig an Krimis der Schwarzen Serie erinnert, aber nichts desto trotz als Aufhänger sowohl stilistisch als auch auf Handlungsebene meinen Geschmack trifft. Markant, etwas mit Machismo gewürzt und mit einer ersten Leiche beginnt eine Geschichte, die sich über 25 Kapitel erstreckt und für mich zu keinem Zeitpunkt langweilig wurde.

Leon Borenstein, ein Journalist mit gutem Händchen für große Stories dank inoffizieller Beziehungen zur Polizei, hat die Leiche des Skandalreporters schneller als andere Journalisten „im Kasten“ und landet damit mal wieder einen großen Coup fürs Titelblatt der Nachmittagsausgabe. Daraufhin wird er direkt zum Chef ins Büro bestellt, der zwar nicht die erhoffte Gehaltserhöhung in Aussicht stellt, ihn dafür aber auf eine ganz heiße Geschichte ansetzen möchte. Nämlich geht es um die Frage: Wer ist B. Traven?

Borenstein wird nach Mexiko zum Drehort der Verfilmung des Romans „Der Schatz der Sierra Madre“ geschickt und bekommt dort Kontakt zum eher etwas schwierig geltendenden Schauspieler Humphrey Bogart, ohne jedoch bei dieser Gelegenheit großartige Neuigkeiten zum mysteriösen Autor herausfinden zu können.

Dafür aber taucht man als Leser in die Welt der ausgehenden 40er Jahre Amerikas ein und bekommt einen Hauch von Hollywood und Mexiko mit. Stellenweise erinnerte mich die Beschreibung ein wenig an Krimis von Raymond Chandler, was sicherlich nicht nur dem gut recherchierten Charakter Humphrey Bogarts geschuldet war, der ja fast mit der Chandler-Figur Philipp Marlowe verschmolzen zu sein schien.

Reporter Borenstein jedenfalls kommt ohne nennenswerte Ergebnisse und vor allem ohne die erhoffte Knüllerstory nach Los Angeles zurück. Eine mexikanische Zeitung wiederum brüstet sich mit der Enthüllung der wahren Identität von B. Traven und das Thema ist verlagsseitig erstmal vom Tisch.

Borenstein wird für eine andere Story in das Wien der Nachkriegszeit geschickt, eine Reise, die er nur ungern antritt, zumal er als Kind in den 30er Jahren mit seiner deutsch-jüdischen Familie aus Deutschland in die USA übergesiedelt war und aus der Ferne mitbekommen hat, wie sich die Lage in der alten Heimat entwickelt hatte. Doch in Wien, das zu dieser Zeit in vier Sektoren unterteilt war und deswegen so manchen Leser an den Film „Der dritte Mann“ erinnern mag, findet Borenstein eine neue heiße Spur in Sachen B. Traven.

Leon Borenstein hat längst Blut geleckt und will auf jeden Fall auf eigene Faust weiter recherchieren, wer jetzt dieser geheimnisvolle B. Traven tatsächlich ist, der außer dem ebenfalls bekannten Roman „Das Totenschiff“ noch einige andere Bücher und Artikel veröffentlicht hat. Seine Recherchen in Wien führen ihn abermals zurück nach Mexiko, genauer nach Acapulco, wo ihn jedoch nicht nur angenehme Begegnungen erwarten.

Dort ist er oft ganz dicht an der Entdeckung der wahren Identität des Autors dran, ohne es tatsächlich zu wissen…

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht über die Handlung verraten.

Meiner Meinung nach ist Torsten Seifert hier ein wirklich gut recherchiertes Buch mit für mich stimmigem Handlungsstrang und für mich ebenfalls stimmiger Erzählweise gelungen. Beim Lesen des Romans hatte ich tatsächlich das Gefühl, in die ausgehenden 40er Jahre zurück versetzt worden zu sein, die ich natürlich nur aus Erzählungen und aus Filmen kenne, aber möglicherweise als Babyboomer doch dichter dran bin als jemand aus der Generation der Millennials.

Das Buch selbst ist für mich ein sehr hochwertiges Verlagsprodukt, sowohl was Layout, Satz und Umschlagsgestaltung betrifft als auch dem Umstand geschuldet, dass es wirklich auffallend gut recherchiert und auch lektoriert wurde. Das spricht für sich, wenn das Lektorat positiv beim Lesen auffällt!

Für den Roman „Wer ist B. Traven?“ von Torsten Seifert kann ich hier nur eine ausdrückliche Leseempfehlung aussprechen. Perfekt als Lektüre auf der Terrasse mit einem Strohhut gegen die sengende (mexikanische) Sonne!

Hier noch einmal die „technischen“ Daten zum Buch:

Titel: Wer ist B. Traven?
Autor: Torsten Seifert
Gebundene Ausgabe: 269 Seiten
Verlag: Tropen; Auflage: 1. Druckufl. (14. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608503471
ISBN-13: 978-3608503470
Preis: € 20,00

War euch der Autor B. Traven bereits ein Begriff? Wenn ja, was kennt ihr von ihm? Ich freue mich über eure Kommentare!

4 KOMMENTARE

  1. ich kannte den Autor des Buches bisher nicht wirklich – aber der Titel ist mir in jedem Fall auch schon mal untergekommen! ich finde diese Lektüre klingt wirklich spannend und ist warscheinlich auch sehr zum nachdenken anregend … persönlich müsste es bei mir deswegen auch derzeit auf dem Bücherstapel verweilen, weil ich neben der Uni nur leichten Lesestoff „vertrage“ 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von Liebe was ist

    • Das kann ich total nachvollziehen, dass es einem manchmal nur möglich ist, leichte Lektüre zu konsumieren 😉 – geht mir mitunter nicht anders. Ich brauche auch Zeit und Muse, um mich mit etwas anspruchsvolleren Texten auseinanderzusetzen.
      Liebe Grüße
      Salvia von Liebstöckelschuh

  2. Klingt sehr interessant! Nein war mir jetzt vorher noch gar kein begriff, ändere ich jetzt aber bald mal. Danke für die Rezension!

    Lg aus Norwegen
    Ina

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