Alt, aber nicht tot - Alanito
Eierlikörtage - Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

Winterzeit ist ganz eindeutig Lesezeit und so kam ich dann auch ganz überraschend zu einem Buch, von dem mir mein Schwesterherz vor ein paar Wochen die erste Seite via WhatsApp übermittelte. Sie hatte nämlich zum Zeitvertreib auf einer Veranstaltung gerade mit der Lektüre begonnen und saß wohl schon kichernd an ihrem Messestand, während sie auf Besucher wartete. Ich las die erste Seite von Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre via WhatsApp und bat um schnellste Weiterleitung des Buches an mich.

 

Mittlerweile landete das Buch bei mir und innerhalb kurzer Zeit hatte ich das geheime Tagebuch des Hendrik Groen dann auch durchgelesen, immerhin 416 Seiten. Der Klappentext kündigt an:

Hendrik Groen mag alt sein (83 1/4, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen. Aber deshalb nur noch Kaffee trinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht infrage. Ganz im Gegenteil. Hendrik hat immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch fhren und darin endlich alles rauslassen…

Hendrik Groen lebt in einem Nord-Amsterdamer Altenheim, das wohl nicht als noble Seniorenresidenz bezeichnet werden kann, sondern eher als die Institution, in der sich im Alter irgendwann die sogenannte untere Mittelschicht einfindet. Er zeichnet in Tagebuchform, mit geschärftem Blick und einer ordentlichen Prise Selbstironie, die letzte oder vorletzte Phase des Lebens auf, die die Heimbewohner dort erleben. Nach dem Altenheim kommt höchstens noch das Pflegeheim, wenn man nicht vorher rechtzeitig den Absprung schafft.

Hendrik Groen gründet mit fünf anderen Bewohnern aus dem Heim den Club „Alt, aber nicht tot“, kurz Alanito, der den Zweck hat, die Clubmitglieder einfach durch selbst initiierte Aktivität noch am Leben teilhaben zu lassen, statt sich wie das Gros der Bewohner durch Routinen im Heimalltag und Sedierung mittels Medikamentation und dank fehlender Anregung so langsam Richtung Dämmerschlaf zu bewegen. Wie im richtigen Leben auch neiden selbst die Hochbetagten denen, die ihr Leben so gut wie möglich noch selbst in die Hand nehmen, genau deren Aktivität und die damit verbundene höhere Lebensqualität.

Humorvoll geschrieben und trotzdem nachdenklich stimmend ist dieses geheime Tagebuch des Hendrik Groen unterhaltsame Gegenwartsliteratur, gleichzeitig aber auch ein ziemlich unverblümter Blick darauf, wie es den älteren Herrschaften in unserer westlichen Welt wohl gehen mag, in der das Alter als ein Mangel oder ein Defekt wahrgenommen wird.

Wer selbst den Kontakt zu älteren Mitmenschen hat, sei es beruflich oder privat, der findet hier ganz bestimmt einiges wieder, was man so schon erlebt hat, aber eben aus der Sicht eines 83 1/4-jährigen geschrieben. Ich konnte für mich jedenfalls sehr viele Parallelen entdecken, die ich derzeit teilweise schon in meinem persönlichen, familiären Umfeld sehe. Genau deswegen musste ich sicherlich auch öfters während der Lektüre kichern oder zumindest schmunzeln.

Für mich eine ganz klare Leseempfehlung – schließlich laufen wir fast alle Gefahr irgendwann mal diese Lebensphase zu erreichen und können uns dank dieser Einblicke schon mal auf das eine oder andere gefasst machen!

Über den Autor

Hendrik Groen veröffentlichte die ersten Einträge seines Tagebuchs auf der Website des »Torpedo Magazine«, bevor es in Holland zu einem überragend erfolgreichen Buch wurde und sich im ganzen Land Hendrik-Groen-Fanclubs gründeten. Er sagt über seine Romane: »Kein Satz ist eine Lüge, aber nicht jedes Wort ist wahr.«

 

Übrigens ist auch schon der zweite Band dazu erschienen, den ich aber noch nicht gelesen habe.

 

EIERLIKÖRTAGE – Das geheime Tagebuch des HENDRIK GROEN, 83 1/4 Jahre
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (1. Dezember 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492311911
ISBN-13: 978-3492311915
Preis: € 11,00

 

21 KOMMENTARE

  1. schon allein der Titel macht ja Lust mehr über Hendrik Groen zu erfahren! überhaupt haben sich solche langen Titel in der Literatur ja äußerst beliebt gemacht, wenn man mal an „Der Hundertjährige …“ denkt 🙂
    scheint mir deiner Rezension nach auf jeden Fall eine lesenswerte Biografie zu sein!

    schönen Sonntag und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina

  2. Mit dem Buch habe ich schon auf der Frankfurter Buchmesse geliebäugelt – da wurde es vorab präsentiert. Dann habe ich es unter der Fülle der Eindrücke glatt vergessen! Danke fürs Erinnern, jetzt pack ich es sofort auf meine Wunschliste!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag!

  3. Liebe Salvia, (ich hoffe ich addressiere dich so richtig 🙂 ) schon als ich den Titel des Buches gelesen habe dachte ich mir dass es bestimmt ein super Buch ist. Und auch die erste Seite klingt ja schon sehr vielversprechend 🙂 Ich werde mir das Buch auf jeden Fall kaufen. Auch wenn ich erst 21 Jahre alt bin und es mit dem alt werden noch ein bisschen dauert 🙂 vielen Dank für deine Leseempfehlung 🙂

    Ein schönes Restwochenende und liebe Grüße
    Shirin 🙂

  4. Klingt super, in dieser Sparte gibt es inzwischen ja mehrere Bücher und das ist auch gut so, denn es gibt immer mehr ältere Menschen, die im Heim leben. Und kein Mensch sollte im Altenheim nur „dahinvegetieren“ müssen, nur leider sieht die Wirklichkeit anders aus.

  5. Hey,

    finde es klingt echt interessant und spricht ein wichtiges Thema an. Danke das du und das Buch vorgestellt hast und es uns näher gebracht hast. 🙂

    Lg
    Steffi

  6. Hey meine Liebe,

    das nenne ich mal ein originelles Buch, wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind das „echte“ Auszüge aus dem Tagebuch dieses Mannes!? Kling auf jeden Fall super spannend! Merke ich mir doch glatt vor! 😉

    Liebe Grüße

    • Ob der Tagebuchschreiber tatsächlich ein ü80-jähriger ist oder ob es vielleicht doch ein Mittvierziger schrieb, der sich gut in einen Hochbetagten hineinversetzen kann, weiß man nicht so genau. Aber wie auch immer: es ist toll geschrieben und absolut lesenswert.
      LG
      SvL

  7. Da gebe ich dir recht, irgendwann trifft es uns ja alle und ich glaube das Buch könnte auch was für mich sein. Ich habe bisher weder was von dem Titel gehört, noch das Cover jemals gesehen… also quasi ein echter Geheimtipp. Ich habe es leider dem ganzen Januar nicht geschafft zu lesen, vielleicht ist das Buch der perfekte Ansporn.

    Liebe Grüße,

    Nicky

  8. Muss gestehen, dass es nicht meine Genre ist und ich von diesem Buch auch nie was gehört habe, was mich total wundert… immerhin interessiere ich mich sehr für die Literatur. Es hat irgendwie meine Neugierde geweckt 🙂

    Lots of Love, Dilan

  9. Das klingt nach super Lesestoff! Ich mag Biografien von Menschen die etwas zu sagen haben und es scheint humorvoll geschrieben zu sein. Leider habe ich noch ein paar Bücher vom letzten Jahr (genauer gesagt ein Stoß von mindestens 7 Büchern) liegen. Ich muss mal meinen Rückstand „auflesen“ bevor ich mir dieses Buch kaufe. Ich kaufe nämlich ständig Bücher, die mich interessieren … und dann habe ich gar keine Zeit zum Lesen.

    Danke für diesen Buch Tipp <3!

    Ganz liebe Grüße
    Verena

    • Oh ja, ich habe auch noch einen großen Stapel ungelesener Bücher. Meist kauft man als echter Bücherwurm viel zu viele Bücher ein, mehr, als man in kurzer Zeit lesen könnte. Und dann entdeckt man zwischendurch wieder etwas…
      Liebe Grüße
      Salvia von Liebstöckelschuh

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