Das Verschwinden - © ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris
Michelle Grabowski sucht nach ihrer verschwundenen Tochter © ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris

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Herbstabende sind dafür da, es sich zuhause gemütlich zu machen. Zum Beispiel auf dem Sofa vor dem Fernseher, eingekuschelt in eine Decke und am besten mit einem wirklich guten Film. Genau das könnt ihr Ende Oktober zelebrieren, wenn ihr ebenso wie ich auf anspruchsvolle Filme mit guter Besetzung und einem spannenden Handlungsstrang steht. Dann nämlich wird an vier abendlichen Sendeterminen die Miniserie „Das Verschwinden“ von Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Hans-Christian Schmid im Ersten ausgestrahlt.

Das Verschwinden – Krimi und schonungsloses Generationenportrait im heutigen Deutschland

Kurz zur Handlung:

In Forstenau, einer Kleinstadt nahe der tschechischen Grenze, verschwindet die zwanzigjährige Janine Grabowski (Elisa Schlott). Während vieles darauf hindeutet, dass sie klammheimlich der Provinz den Rücken kehren wollte, ist ihre Mutter Michelle (Julia Jentsch) überzeugt, dass Janine etwas zugestoßen sein muss. Die Vermisstenanzeige verschwindet allerdings schnell in den Akten der Polizei. Niemand mag an ein Verbrechen glauben, nicht hier. So ist Michelle gezwungen, sich auf eigene Faust auf die Suche zu machen. Je mehr sie über ihre Tochter und deren Umfeld in Erfahrung bringt, desto stärker stellt sich ihr die Frage, wie sehr ihr eigenes Verhalten in der Vergangenheit dazu beigetragen hat, ein Netz aus Lügen und Geheimnissen zu spinnen, in dem Janine nicht das einzige Opfer bleibt.

Die ersten beiden Teile dieses ARD-Vierteilers durfte ich bereits vorab ansehen und habe definitiv bedauert, nicht auch noch Teil drei und vier im Vorfeld zur Verfügung gestellt bekommen zu haben. Warum!? Weil mich die Story sofort in ihren Bann gezogen hat, genau wie ein gutes Buch, das man zu lesen anfängt und erst dann wieder aus der Hand legt, wenn man fertig damit ist.

Das Verschwinden - © ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris
Janine mit ihren Freundinnen Manu und Laura bevor sie verschwindet
© ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris

Janine ist die ältere Tochter der alleinerziehenden Michelle Grabowski, die genau einen Tag nach ihrem zwanzigsten Geburtstag auf mysteriöse Weise verschwindet. In der nahe der tschechischen Grenze gelegenen Kleinstadt Cham offenbaren sich durch das Verschwinden von Janine nach und nach Abgründe hinter dem scheinbar Normalen, die man auf den ersten Blick nicht vermutet hätte. Janines Mutter Michelle, die bald böse Vorahnungen hat, das das Verschwinden ihrer Tochter nicht freiwillig gewesen sein könnte, sieht sich plötzlich selbst in der Rolle der Ermittlerin wieder. Warum? Weil die Polizei zunächst keinerlei Anstalten macht, eine Vermisstenanzeige aufzunehmen, da Janine schließlich eine junge Erwachsene ist und bestimmt nur mal im nahegelegenen Tschechien richtig auf den Putz haut. Wie das eben so junge Leute machen, Party bis zum umfallen…

Michelle deckt nach und nach auf, wer von den Freundinnen ihrer Tochter alles in Drogengeschichten rund um Chrystal Meth verstrickt ist. Immer, wenn sie eine neue Spur findet, die vielleicht ein neues Puzzleteilchen rund um das Verschwinden ihrer Tochter sein könnte, stößt sie gleichermaßen oft auf Mauern des Schweigens, der Ablehnung und auf riesige Gespinste von Lügen, die ihr aufgetischt werden.

Das Verschwinden - © ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris
Manus Eltern, das einflussreiche Unterneherpaar, machen sich Sorgen um ihre Tochter und deren Abhängigkeit von Chrystal Meth
© ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris

Eigentlich lügt fast jeder in dieser Geschichte. Egal ob es das ortsansässige Unternehmerpaar ist, deren Tochter Manu sich ebenfalls in dieser lokalen, grenznahen Chrystal Meth Szene verstrickt hat oder ob es der ortsansässige Kleindealer Tarik, Sohn eines türkischen Imbissbesitzers und dessen Frau ist. Auch der örtliche Polizeichef Markwart, der seinen ganzen Ehrgeiz darin fokussiert, dem Kleindealer Tarik das Handwerk zu legen, hat seine Gründe, die Wahrheit zu bestimmten Aspekten zum Verschwinden von Janine zu verschleiern. Aber auch bei Janines anderer Freundin Laura, die mit zwei kleineren Geschwistern, ihrer sehr kranken Mutter und ihrem poltrigen Vater unter einen Dach lebt, wird gelogen, dass sich die Balken biegen.

Natürlich hat jeder der Beteiligten seinen guten Grund, nicht mit der Wahrheit herauszurücken, auch wenn die Gründe teils eher darin zu finden sind, dass man nicht sein Gesicht verlieren oder vielleicht eine andere Ordnungswidrigkeit oder Straftat verdecken möchte. Doch diese ganzen Heimlichkeiten sind natürlich wenig zweckdienlich, wenn es der alleinerziehenden Mutter hauptsächlich darum geht, möglichst schnell ihre Tochter wiederzufinden.

Das Verschwinden – Autorenfilm vom Feinsten und Must-see für alle Serienfans

Normalerweise bin ich, was TV-Filme betrifft, meist nur schwer zu beeindrucken. Doch hier ist es den Filmemachern definitiv gelungen, mich von Anfang an in die Story hineinzuziehen. Wie ich eingangs schon erwähnt habe, bedauerte ich, Teil drei und vier nicht gleich anschauen zu können – so spannend fand ich die beiden ersten Folgen der Miniserie. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir als Mutter sehr gut vorstellen kann, wie es sein könnte, wenn die Tochter auf einmal spurlos verschwindet. Vielleicht kam auch noch hinzu, dass ich mich ganz besonders gut in die Rolle der zwangsweise selbst ermittelnden, alleinerziehenden Michelle hineinversetzen konnte. Wie sie immer wieder im übertragenen Sinne gegen Wände fährt, wenn sie von den „sauberen“ Familien in der kleinen bayrischen Provinzstadt Antworten erfragt. Wie man ihr offen ins Gesicht lügt und jeder versucht, seinen eigenen Dreck am Stecken zu vertuschen.

Auch konnte ich mich gut hineinversetzen in diese hilflose Situation der jeweiligen Eltern, die ihre Kinder an die Droge Chrystal Meth verlieren, die nicht wissen, wie sie helfen können und in ihrer Hilflosigkeit genau das Falsche zu machen scheinen.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie diese Geschichte weiter geht und hoffe natürlich darauf, dass die verschwundene Janine einigermaßen unversehrt aus dem Schlamassel herauskommt. Ob es so ist!? Keine Ahnung!

Das Verschwinden – Kinovorführungen und Sendetermine im Ersten

Wer jetzt Lust bekommen hat, den Film anzuschauen, kann das entweder via Fernseher in vier Teilen genießen oder sich die komplette Serie auf einmal anschauen, allerdings nur in ausgewählten Kinos.

In Berlin gibt es den kompletten Film am Samstag, 14. Oktober 2017 von 11:00 bis 17:30 Uhr im Kino International. In Hamburg könnte ihr den kompletten Film am Sonntag, 15. Oktober von 13:00 bis 20:00 Uhr im Kino Abaton sehen. Womit das Wochenende für die Berliner und Hamburger schonmal gerettet wäre.

Alle anderen können sich die Serie „Das Verschwinden“ gemütlich zuhause vor dem Fernseher anschauen. Die Ausstrahlung ist jeweils am 22. / 29. / 30. und 31. Oktober um 21.45 Uhr im Ersten und erfolgt zunächst in 4 x 90 Minuten sowie anschließend in 8 x 45 Minuten in den Dritten Programmen.

Mein Tipp: unbedingt anschauen! Und vorher genügend Knabberzeug bereitstellen, nicht dass noch vor lauter Spannung die Fingernägel dran glauben müssen!



10 KOMMENTARE

  1. Hallo Salvia,
    Von der Beschreibung hört sich die Serie ja relativ spannend an. Doch leider bin ich alles andere als ein Fan, von allem was aus deutscher Hand kommt. Egal ob Film oder Serien.
    Trotzdem ist das sicher für einige ein super Tipp für das Abendprogramm.

    Liebe Grüße
    Ronja

  2. Wow! Das ist ein Film nach meinem Geschmack … sehr spannend und für mich als Mutter sowieso ein fesselndes Thema. Unvorstellbar! … muss ich mir unbedingt anschauen :-)!

    Liebste Grüße
    Verena

  3. Da würden sicher auch meine Fingernägel dran glauben, wenn ich nicht genug Knabberzeug bereit stelle 🙂 Danke für den TV-Tipp, wenn ich dran denke und nichts besseres läuft, schalte ich bestimmt mal ein 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

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