Aix-en-Provence – eine Stadt mit ganz besonderer Atmosphäre

Eine Woche in den Herbstferien ohne Auto, dafür mit Tochter durch Südfrankreich und fünf verschiedene Städte erkunden. Was wir dabei erlebt, gesehen, entdeckt und verkostet haben, das lest ihr nach und nach auf dem Liebstöckelschuh. Inzwischen sind wir in Aix-en-Provence, eine Stadt, die uns durch ihre besondere Ausstrahlung fasziniert.

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Diese ockerfarbenen Häuser sind so typisch für Aix-en-Provence
Immer der Sonne entgegen - auch in Aix-en-Provence bestätigt sich unser Reisemotto. Hier spiegelt sich die Sonne in einer Scheibe, während die echte Sonne irgendwo schräg hinter uns leuchtet.

Keine halbe Stunde dauerte die Fahrt mit dem TGV von Avignon nach Aix-en-Provence. Die Bahnhöfe waren in beiden Städten etwas außerhalb des Zentrums, so dass wir innerhalb einer guten Stunde zweimal mit dem Taxi fuhren – einmal zum TGV-Bahnhof in Avignon und nach Ankunft vom TGV-Bahnhof Aix-en-Provence zu unserer Unterkunft im Zentrum von Aix. Auf Shuttle-Busse und Kofferakrobatik hatte ich wenig Lust, mein Rücken war ohnehin schon leicht im Eimer und von daher waren die Taxifahrten die gesundheitsbewussten Alternativen.

Ein Zimmer für uns im Quartier Mazarin in Aix-en-Provence
In der rue 47 Roux Alpheran in Aix-en-Provence befindet sich das Gästehaus „Le Jardin de Marie“, ein Patrizierhaus aus dem 17. Jahrhundert.

Secret Garden hinterm Haus – Le Jardin de Marie

Kaum standen wir vor dem ockerfarbenen Haus unserer Unterkunft in einer ruhigen Straße im Quartier Mazarin und hatten geläutet, wurde uns schon von einem jungen Mann die Tür geöffnet, ein kleines Mädchen sprang uns entgegen und verkündete „Aujour d’hui est Halloween!“, Marie, eine sympathische Frau mit kurzen dunklen Haaren erschien und begrüßte uns. Aha, dachte ich, eine Unterkunft mit Familienanschluss und leichtem WG-Charakter.

Salon mit Ausblick zum Secret Garden
Im Salon wurde uns dann erstmal alles wichtige gesagt, Tipps gab es von Marie obendrauf, was wir alles anschauen sollten. Leichter gesagt als getan, wenn einem nicht allzu viel Zeit zur Verfügung steht.

 

Marie bat uns, den Koffer im Eingangsbereich abzustellen und schonmal ins Wohnzimmer zu gehen. Okay, jetzt waren wir hier das erste Mal und wussten auch nicht so genau, wo das Wohnzimmer zu finden war. Immerhin stand eine Tür zu einer Küche offen, wo wir mal reinschauten und dahinter befand sich dann auch gut erkennbar ein Wohnzimmer mit altem Sofa und großem ovalen Tisch. Ins Auge sprang uns gleich ein Holzskulptur mit einem fast lebensgroßen Dromedar, auf dem zwei Reiter saßen. Sehr pittoresk und sehr charmant, auch der Ausblick durch die hohen Sprossenfenster mit Rundbögen auf einen Garten hinterm Haus überraschte uns, da wir das von diesem Gebäude von der Straße her nicht vermutet hätten.

Frühstück bei Marie in Aix-en-Provence
Der Frühstückstisch am nächsten Morgen im Salon von Marie. Sehr malerisch und sehr liebevoll eingedeckt, wir waren zum Glück die ersten und konnten den Tisch noch unberührt fotografieren.

 

Das Quartier Mazarin ist ein schachbrettartig angelegtes Adelsviertel aus dem 17. Jahrhundert in Aix-en-Provence, wo lauter Patrizierhäuser stehen, die ihre Pracht hauptsächlich dann zeigen, wenn man sie von innen sieht. Von außen sehen sie für meine Begriffe eher schlicht aus, nicht so opulent verziert, wie man es beispielsweise vom Pariser Haussmann-Stil her kennt.

Blick auf die Straße durch vergittertes Fenster
Unser Maisonette-Zimmer im Gästehaus Le Jardin de Marie ging nach vorne zur Straße raus, was aber nicht weiter störte, da die Straße ruhig ist. Zur Sicherheit hatten wir noch Gitter vor dem Fenster, damit wir nicht nächtens türmen konnten 😉

 

Marie plauderte mit uns im Wohnzimmer am großen Esstisch, der morgens stets für die Hausgäste als Frühstückstisch eingedeckt wurde, über die Gepflogenheiten des Hauses, das Kennwort für die Haustüre und die Frühstückszeiten sowie über unsere Pläne in Aix-en-Provence. Außerdem händigte sie uns einen Stadtplan aus, auf dem dick und fett ihr Gästehaus angekreuzt wurde sowie das Atelier von Paul Cézanne und sein Lieblingsort ein paar hundert Meter weiter, wo er wohl gerne unter freiem Himmel malte. Während sie uns das alles erzählte, malte sie noch ein hübsches Willkommenstäfelchen, das dann fortan unsere Zimmertür für uns kenntlich machen sollte.

Unser Zimmer im Le Jardin de Marie in Aix-en-Provence
Das kuschelige französische Bett befindeet sich in der oberen Etage. Wer hier zu zweit übernachtet, sollte sich schon ziemlich gern haben. Auf Distanz kann man hier fast nicht gehen…

 

Unser Zimmer im Le Jardin de Marie

Dann durften wir endlich in unser Zimmer – oder vielleicht besser Maisonette-Apartement. Es lag direkt nach vorne zur Straße, sozusagen neben der Haustür. Im Erdgeschoss ein kleiner Vorraum mit zwei Stühlen, einem französischen Bistrotisch unter der Treppe, einem kleinen Kleiderschrank und dem Zugang zu einem Designer-Badezimmer mit steinernem Waschbecken und Holz-/Schieferausstattung. Im Obergeschoss, erreichbar über eine schmale Treppe, befand sich ganz prominent ein französisches Bett und links und rechts davon noch Leuchten bzw. Nachttischlampen. Erst als Marie uns dann alleine ließ, erlaubten wir uns zu staunen, wie man auf ein paar Quadratmeter Grundfläche ein zweigeschossiges Gästezimmer unterbringen kann…

Unser Zimmer im Le Jardin de Marie in Aix-en-Provence
Die innen angebrachten hölzernen Klappläden wurden mit einem ganz besonders raffinierten Mechanismus geschlossen, den uns Marie geduldig erklärte.

 

Am nächsten Morgen wurden wir mit einem opulent gedeckten Frühstückstisch positiv überrascht. Die Geschäftspartnerin von Marie hatte Frühstücksdienst und beste Laune. Wir waren wie fast immer die ersten beim Frühstück und konnten deswegen auch noch rettend eingreifen, als es auf einmal in der offenen Küche heftig zu zischen anfing, weil ein Topf mit Milch überkochte und Maries Kollegin in dem Moment nicht anwesend war. Sie schien froh zu sein, als sie entdeckte, dass sie nur noch die eingebrannte Milch vom Ceranfeld kratzen musste und die Milch nicht den ganzen Küchenboden bedeckte…

Mit sehr viel Liebe zum Detail genießt man die Gastfreundschaft im Gästehaus Le Jardin de Marie
Sehr malerisch auch die Details vom Frühstück. Besonders gut gefiel uns das Arrangement von Teedosen auf dem Beistelltisch.

 

Wie gesagt, ein wenig WG-Feeling im Garten von Marie, aber irgendwie lustig und interessant. Wer also gerne mal anders als in einem relativ anonymen Hotel übernachten möchte, dem sei Le Jardin de Marie herzlichst empfohlen. Unser Zimmer war übrigens „La Lavandiere“, die Waschfrau, auf der Website angepriesen als Unterkunft für verliebte Pärchen. Ja, wer hier übernachtet, sollte sich wirklich gerne haben. Auf Distanz gehen kann man nämlich in diesem Miniatur-Maisonette-Apartement nicht…

Erste Schnuppertour durch Aix-en-Provence

Auf Aix, wie diese Stadt lässigerweise abgekürzt wird, hatte ich mich richtig gefreut. Die Stadt war mir bereits theoretisch ein Begriff als Künstlerstadt, als sehr provenzalische Stadt, als Studentenstadt – schlicht und ergreifend als ein Ort, der betont lässig ist und durch seine außergewöhnliche Atmosphäre verzaubert.

Markt in Aix-en-Provence
Ein Besuch auf dem Markt in Aix-en-Provence gibt einen schönen Überblick über die regionalen Produkte.

 

Geraldine vom Fremdenverkehrsbüro holte uns bei Marie ab auf unseren ersten Spaziergang durch die Stadt. Sie zeigte uns kurz die wichtigsten Punkte, damit wir einen groben Überblick und eine grundsätzliche Orientierung bekamen. Unter anderem hatten wir das Glück, noch den typisch provenzalischen Markt auf dem Place des Prêcheurs anzuschauen sowie den Blumenmarkt auf dem Place de l’Hôtel de Ville. Mir gefiel der provenzalische Markt mit Obst, Gemüse, Oliven, Honig aus der Umgebung, Seifen und anderen landestypischen Produkten besonders gut. Wer also vor Ort ist, sollte sich das nicht entgehen lassen. Veranstaltungstermine und Öffnungszeiten findet man hier.

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Eine Spezialität aus Aix-en-Provence: Calissons

Nach dem Marktbesuch gab’s als Dessert noch eine kleine Verkostung von Calissons. Jetzt fragt ihr euch sicher, was das ist. Ich kannte das vorher auch noch nicht, aber jetzt weiß ich Bescheid. Calissons sind ein Konfekt auf der Basis von Mandeln, kandierten Melonen und Orangen, die laut Überlieferung anlässlich einer Hochzeit des Königs René im 15. Jahrhundert kreiert wurden.

Calissons - eine Mandelspezialität aus Aix
Calissons d’Aix der Marke „Roy René“ kann man im Laden in der 11 Rue Gaston de Saporta im Zentrum von Aix-en-Provence kaufen und verkosten.

 

Heute gibt es die Calissons in den unterschiedlichsten Geschmacksvarianten, außerdem gelten sie als Spezialität von Aix-en-Provence. Wir haben sie probiert, sie schmecken natürlich süße, mandelig, ganz leicht nach Marzipan und sehr lecker. Die Calissons d’Aix sind auch jetzt zur Weihnachtszeit schwer angesagt, da sie als eine von 13 Süßigkeiten traditionell an Weihnachten serviert werden.

Calissons, ein südfranzösisches Mandelkonfekt
Wer in Aix ist, sollte unbedingt mal die Calissons du Roi René probieren! Übrigens auch ein schönes Mitbringsel für die Lieben zuhause, das garantiert keinen Staub ansetzt.

 

Wir waren übrigens zur Verkostung im Laden von „Le Roy René“, die die einzig wahren und originalen Calissons d’Aix herstellen. Wer jetzt gerade im Weihnachtsbackwahn ist, der kann sich ja mal an der Herstellung von Calissons versuchen. Ich habe hier ein Rezept ausfindig gemacht. Wer möchte, kann auch das Musée du Calisson besuchen und in die Geheimnisse der Herstellung dieses Konfekts eingeweiht werden.

Bevor ich weiter von unserem Aufenthalt in Aix-en-Provence erzähle, mache ich hier erstmal eine kleine Pause. Sonst wird der Artikel zu lang. Wer also noch mehr von unserer persönlichen Tour de France in den Herbstferien lesen möchte, bleibt einfach dabei. Nehmt dazu am besten die Verfolgung über euren bevorzugten SocialMedia Kanal auf. Buttons dafür gibt es ja genug auf der Seite ^^

Wart ihr schon einmal in Aix? Kennt ihr Calissons? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Atout France im Zuge des French City Awards. Hier werden aber ausschließlich unsere Erlebnisse und Meinungen verbloggt.

2 Kommentare

  1. Ganz toller Artikel. Habe entdeckt, dass Le Roy René auch einen E-Shop hat, und mir gerade ein paar Calissons nach Prag bestellt, so lecker, wie die auf den Photos aussehen. Das Ladengeschaeft besuche ich Anfang Mai bei meiner Rundreise (Sete, Montpellier, Nimes, Arles, Aix, Marseille). Beste Gruesse!

    • Das freut mich immer zu lesen, wenn ein Artikel gefallen hat 🙂
      Anfang Mai in diese Gegend im Süden Frankreichs zu reisen ist bestimmt ein Highlight – am liebsten würde mich auch wieder auf die Reise begeben!
      Viel Spaß bei der Reise und
      viele Grüße, Salvia von Liebstöckelschuh

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