Place Richelme Aix-en-Provence
Hier am Platz Richelme hätte eigentlich der Bauernmarkt stattfinden sollen. Tat er aber nicht. Dafür hat es noch für ein atmosphärisches Häuserbild von Aix-en-Provence gereicht...

Aix-en-Provence, in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur gelegen, war wie bereits hier erwähnt, unsere dritte Etappe auf der Tour #FrenchCityAward, die uns in den Herbstferien durch fünf verschiedene französische Städte in Frankreichs Süden führte.

Nachdem wir uns die Stadt ein wenig hatten zeigen lassen, schlenderten wir alleine weiter um gegen Mittag dann irgendwo etwas essbares zu finden. Dass das nicht weiter schwer sein dürfte in Südfrankreich, ist natürlich klar, allein die Auswahl und unser nächster anstehender Termin machten uns dann doch die Wahl zur Qual. Wir entschieden uns für ein gut belegtes kleines Baguette mit Getränk und verspeisten dies auf einem Brunnenrand sitzend, während wir die anderen Leute beim essen in den Restaurants um uns herum beobachteten. Welcher Brunnen das jetzt war, weiß ich nicht mehr, aber es war in der Rue Espariat auf dem kleinen Place des Augustins, der von der Rue Paul Doumer und der Rue de la Couronne abgegrenzt wird. Aix hat ja Brunnen en masse, das Wasser soll wohl auch der Grund gewesen sein, warum sich hier in früheren Zeiten die ersten Kelten niedergelassen hatten.

 

In Aix-en-Provence war es Ende Oktober noch warm genug um draußen zu essen
In dem Viertel nördlich des Place du Général de Gaulle findet man jede Menge kleine Lokale, die zur Mittagszeit geöffnet haben.

 

Nach unserem Lunch auf dem Brunnenrand begaben wir uns direkt zu unserem nächsten Date im Office de Tourisme von Aix-en-Provence. Dieses Fremdenverkehrsbüro liegt übrigens ebenfalls am Place du Général de Gaulle, von dem aus auch der Prachtboulevard Cours Mirabeau abzweigt und auf dem der weithin sichtbare große Brunnen Fontaine de la Rotonde steht. Also fast nicht zu übersehen und von daher auch bestens als Treffpunkt geeignet.

Fontaine de la Rotonde in Aix-en-Provence
An diesem prachtvollen Springbrunnen beginnt der mit Platanen bepflanzte Prachtboulevard von Aix „Cours Mirabeau“

Les Deux Garcon am Cours Mirabeau – die alteingesessene Brasserie in Aix-en-Provence

Mit unserem deutschsprachigen weiblichen City-Guide machten wir uns also auf den Weg, um die Altstadt von Aix noch ein wenig intensiver zu erkunden. Unter anderem zeigte sie uns das Lokal Les deux Garcons, wo man unter Platanen auf dem Prachtboulevard Cours Mirabeau sitzen und Leute beobachten kann. Sie gab uns den Tipp, nur zum Kaffee trinken hier einzukehren.

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Die Terrasse und das teure Angebot der Brasserie sei eher etwas für die Touristen. Die Einheimischen kehren in den Innenräumen des Lokals ein und hier auch nur in dem etwas bescheidener eingerichteten Hinterraum. Aber es seien Lehrer, Journalisten und Pensionäre, die hier zum morgendlichen Kaffee erscheinen. Das Les deux Garcons gibt es wohl schon seit dem 18. Jahrhundert und ist damit natürlich eine echte Institution von Aix-en-Provence. Berühmte Gäste dieser Location waren wohl Paul Cézanne, Emile Zola, Pablo Picasso, Edith Piaf, Albert Camus…

Passage Agard – fernab vom Trubel in Aix-en-Provence

Passage Agard in Aix-en-Provence
Die meisten Läden hatten während unseres Besuches der Passage Agard noch Mittagspause.

 

Wenn man schon in der Ecke vom Les Deux Garcons ist, dann kann man von dort aus auch gleich den Zugang zur Passage Agard finden. In dieser kleinen Passage durch eng aneinandergeschmiegte Häuser finden Beautyqueens gleich zwei interessante Läden. Einmal MAC Cosmetics und zum anderen einen Laden der hierzulande wohl sehr begehrten Marke SEPHORA. Aber auch wenn man sich nicht mit Lippenstiften, Mascare und Eyeliner eindecken möchte, lohnt sich ein Besuch bei SEPHORA um sich die interessante Gestaltung des Ladens anzusehen.

Interessante Architektur kombiniert aus alt und neu
Hier kann man auch mal durchschlendern, wenn man keine Beauty Queen ist. Die Architektur des Ladens SEPHORA in der Passage Agard ist sehenswert.

 

Hier wurden einfach bereits vorhandene Bauelemente einer spätromanischen Kirche mit integriert, so dass meiner Meinung nach ein sehr cooles Ambiente entstand. Um die heutige Passage Agard befand sich angeblich wohl mal ein Konvent, von dem aber so gut wie nichts mehr übrig sein soll. Ich liebe solche etwas verborgenen Passagen, da sie meist eine ganz besondere Stimmung haben. Schön, wenn man hier etwas Zeit hat, um richtig zu fotografieren.

Passage Agard in Aix-en-Provence
Wenn sich früher in der Passage Agard tatsächlich ein Kloster befand, dann hat es der Leibhaftige doch schon bis vor die Mauern des Konvents geschafft – oder wie ließe sich der Name des benachbarten Schuhgeschäftes sonst deuten 😉

Gut bemoost: Fontaine d’Albertas, einer der gefühlt tausend Brunnen in Aix

Fontaine d'Albertas in Aix-en-Provence
Dieser Brunnen hat ein richtig fettes Moospolster – sieht für mich sehr märchenhaft vor dem alten palastähnlichen Gebäude aus.

 

Ein weiteres „must see“ in der historischen Altstadt von Aix ist auf jeden Fall der Place d’Albertas, der von einem Gebäudekomplex mit barocken Stilelementen eingerahmt ist. Fertiggestellt wurde das u-förmige Gebäude 1745 für den Marquis d’Albertas. Hier steht ein malerisch anmutender moosbewachsener Brunnen im Hof, der wohl ein beliebtes Fotomotiv zu sein scheint.

Fontaine d'Albertas Aix-en-Provence
Wir wissen nicht, ob der Mann hinter dem Brunnen eine Nahaufnahme vom Wasserbecken macht oder ein Selfie mit den besonders gestalteten Balkongittern im Hintergrund… (on y soit qui mal y pense)

 

An lauen Sommerabenden finden hier am Fontaine d’Albertas wohl auch Konzerte statt, was sicherlich sehr romantisch ist. Erst durch meine nachträglichen Netzrecherchen zu diesem Platz bin ich dann noch auf die etwas skurril ausgearbeiteten Balkongeländer hingewiesen worden. Der eine oder andere sieht hier wohl ganz klar phallischen Symbolismus – leider ist mir das vor Ort nicht aufgefallen, sonst hätte ich hier sicherlich eine Detailaufnahme gemacht…

 

Stadtmuseum von Aix-en-Provence

Wer sich jetzt schon den Place d’Albertas angeschaut hat, der braucht mehr oder weniger nur um die Ecke zu gehen in die 17 rue Gaston de Saporta und findet sich dort vor einem prächtigen ehemaligen Adelspalast aus dem 17. Jahrhundert wieder, in dem heute das Stadtmuseum von Aix-en-Provence untergebracht ist.

Musée Estienne de Saint-Jean
Freischwebende Putten am Himmel des Stadtmuseums von Aix-en-Provence

 

Das Musée Estienne de Saint-Jean bietet kostenlosen Eintritt und eine kleine, aber feine Ausstellung von Möbeln, Kleidung, Gemälden, Paravents und mehr, die das Leben und die Traditionen in Aix widerspiegeln. Also, wer dort ist: einfach reingehen und sich umschauen. Fotografieren war für mich hier ein wenig schwierig, da das Licht fehlte und ich kein Stativ dabei hatte.

Die Kathedrale von Aix-en-Provence

Ebenso schwierig war die Fotografiererei in der Kathedrale von Aix-en-Provence. Aber diese Kirche, gemischt aus unterschiedlichen Baustilen von Romanik bis hin zu Barockelementen, ist wirklich sehenswert. Der Altarraum der Cathedrale Saint-Sauveur erinnert von der Wandgestaltung her an die Sainte-Chapelle in Paris, die mich vor gefühlt hundert Jahren zutiefst beeindruckt hatte, als ich sie das erste Mal besichtigte.

Cathedrale Saint-Jean Aix-en-Provence
Die Kathedrale von Aix-en-Provence wirkte auf mich sehr geheimnisvoll, aber nicht düster.

 

Auch hier in der Kathedrale von Aix herrscht eine eigenartig mysteriöse Stimmung, die durch den insgesamt dunklen Charakter noch betont wird. Wobei ich hier aber nicht dunkel mit düster gleichsetzen würde. Dieses Bauwerk hat eher einen freundlichen Charakter, sofern man das so sagen kann.

Cathedrale Saint-Jean Aix-en-Provence
Derzeit halb eingerüstet ist die Kathedrale von Aix-en-Provence. Ein Besuch lohnt sich meines Erachtens nach trotzdem.

 

Eigentlich hätten wir nach unserer Stadtführung ja noch ein Date mit Paul und anschließend mit Marilyn gehabt. Paul ist der bekannteste „Sohn“ der Stadt Aix-en-Provence, nämlich kein geringerer als Paul Cézanne. Wir hätten sein Atelier besichtigen können, allein es scheiterte daran, dass wir es nicht fanden, obwohl wir sicherlich schon ganz nah dran waren. Ein Mann, den wir fragten, wollte uns gar einen halben Kilometer weit auf den Hügel hochschicken, aber das hätte von der Adresse und den Hausnummern her nicht gepasst. Also mäanderten wir uns mit unserem Stadtplan in der Hand noch eine Weile durch die Gegend, fanden nichts – was aber sicherlich an uns lag – und beschlossen dann, noch einen kurzen Abstecher zu unserer Unterkunft zu unternehmen. Aus Gründen…

Dieser Abstecher und meine manchmal etwas seltene Begabung, trotz Stadtplan bestimmte Punkte nicht zu finden, führte dann dazu, dass wir auch Marilyn Monroe nicht besuchten, die gerade eine Ausstellung im Hôtel de Caumant – Centre d’Art hatte. Wir waren tagsüber bestimmt ein paarmal an diesem Museum vorbei gegangen, als wir es aber dann gezielt aufsuchen wollten, war es auf einmal weg… ich möchte jetzt aber nichts hören im Sinne von „Frauen & Stadtpläne“. Danke.

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Dafür sind wir aber schon sehr rechtzeitig zum Abendessen losgezogen, schließlich wollten wir uns hier aufgrund eventueller Extrarunden durch die abendliche Stadt keine Zeitverzögerung leisten. Es war Halloween und viele Hexen, Monster und Gespenster geisterten durch Aix, aber alle friedlich und nicht harmlose Touristen anpöbelnd. Auf einem der Plätze, auf denen vormittags noch Markt gehalten wurde, war jetzt ein Straßenlokal neben dem anderen zu sehen, wo man noch einen Aperitiv nehmen konnte. Ich entschied mich für den landestypischen Pastis, Frollein Tochter für eine Orangina. Man konnte immer noch draußen sitzen, mit Jacke zwar, aber es war gut auszuhalten.

Ebenfalls in Aix-en-Provence Hier haben wir abends unseren Aperitif eingenommen, bevor wir zum Essen ins Restaurant gingen. Ich als alter Lakritzfan habe natürlich Pastis bestellt, Frollein Tochter nahm dann doch lieber eine Orangina 😎 Die abendliche gelbliche Beleuchtung, die roten Schirme und die alten Platanen auf dem Platz – das ist für mich so typisch (süd)französisch 😍👍🌴 #liebstoeckelschuh #lifestyle #travel #travelling #FrenchCityAward #visitfrance #aixenprovence #atoutfrance #architecture #adventure #amazing #art #fineart #colors #provence #colorsofprovence #picoftheday #photooftheday #travelgram #instatravel #instagood #instaphoto #france #lemidi #aperitif #pastis

Ein von Salvia von Liebstöckelschuh (@salvia_von_liebstoeckelschuh) gepostetes Foto am

Irgendwann schlenderten wir dann zum Place des Cardeurs, wo sich ein Restaurant neben dem anderen befindet. Hier, könnte man meinen, ist das Speisezimmer der Stadt. Unser anvisiertes Restaurant, das „Les Baratineurs“ befand sich am anderen Ende des Platzes, und da wir ohnehin etwas früh dran waren, drehten wir einfach noch eine Ehrenrunde.

Burger Restaurant in Aix
Die tiefergelegten Gasträume im Les Baratineurs. Für einen kurzen Augenblick dachte ich, da säße Vincent van Gogh, bis mir dann wieder einfiel, dass dieser sich zeitweilig in Arles aufhielt.

 

Im „Les Baratineus“ hatten wir die Wahl zwischen einem eher lauten Essplatz an der Bar mit Live-Musik oder einem etwas ruhigeren Platz. Ich entschied mich für den ruhigeren Platz und das war Anlass, uns in die Katakomben des Lokals zu führen. Eine steinerne steile Wendeltreppe in Keller hinab und schon waren wir zunächst die einzigen Gäste in pittoresk ausgestalteten Keller.

Außergewöhnliche Lampen im Les Baratineurs in Aix
Außergewöhnliche Lampen im Les Baratineurs in Aix

 

Die Karte bot als Hauptgerichte hauptsächlich Burger & Pommes in ein paar verschiedenen Varianten, so dass wir uns dann auch für die Spezialität des Hauses entschieden hatten. Naja, so richtig toll schmeckte der fade Burger mit den lasch hängenden Pommes Frites nicht, aber die Atmosphäre im Lokal war lustig, so lange wir zwei beiden alleine waren und allerlei Faxen machen konnten. Übrigens machten wir die nicht so lange, bis der nächste Tisch belegt wurde, sondern nur so lange, bis Frollein Tochter mit ihren Adleraugen die Webcam entdeckte… da war’s dann eher Schluss mit lustig und wir gewannen schlagartig die Conténance wieder.

Und wir wunderten uns noch, warum die Kellnerinnen einen Stock über uns zu ahnen schienen, wann wir fertig waren mit dem Lesen der Karte oder mit dem Essen... die Kamera rechts oben auf dem Regal war exakt auf uns gerichtet.
Und wir wunderten uns noch, warum die Kellnerinnen einen Stock über uns zu ahnen schienen, wann wir fertig waren mit dem Lesen der Karte oder mit dem Essen… die Kamera rechts oben auf dem Regal war exakt auf uns gerichtet.

 

Soviel zu Aix-en-Provence. Auch die dritte Stadt unserer Tour durch südfranzösische Städte gefiel uns wirklich sehr gut. Was uns auch hier fehlte, war die Zeit, um einfach die Stimmung auch mit dem Herzen und nicht nur in einer gewissen Eile mit der Kamera aufnehmen zu können. Zwei Tage sollten es schon sein, besser vielleicht vier Tage, um diese schöne Stadt einigermaßen kennenzulernen.

Für uns ging es am nächsten Tag gleich weiter in die nächste Stadt. Immer der Sonne entgegen, dieses Mal mit direktem Anschluss an die große weite Welt. Wohin wir weiter reisten? Wenn ihr das wissen möchtet, dann schaut bald wieder vorbei!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Atout France im Zuge des French City Awards. Hier werden aber ausschließlich unsere Erlebnisse und Meinungen verbloggt.

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