Maison Carré Nîmes
Diese Abbildung des römischen Tempels in Nîmes fand ich in meinem alten Lateinbuch - und was hat die Jeansjacke am oberen Rand damit zu tun?

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„De Bello Gallico“ von Gaius Julius Caesar – ich hätte es niemals vermutet, dass mich eines dieser Bücher von ihm eines Tages in irgendeiner Form wieder einholen würde. Gut, wir haben damals natürlich immer nur einzelne Abschnitte daraus im Lateinunterricht durchgekaut, aber tief in meinem Inneren brachte ich das Zeug gar niemals mit Frankreich in Verbindung. Zumindest nicht mit dem modernen Frankreich. Gallien war für mich weit weg, da Historie, und außerdem war ich kein Fan von Asterix. Sonst hätte ich hier sicherlich besser Bescheid gewusst.

Wanderer, kommst Du nach Nîmes

Jetzt hatte es uns also nach Nîmes verschlagen, eine 150-Tausend-Seelen-Stadt, für mich irgendwo im Süden Frankreichs. Ich wäre nicht selbst auf die Idee gekommen, einmal dorthin fahren zu wollen. Schade eigentlich. Das ganze Geschichtsgedöns um die Römer hätten sie uns damals in der Schule ruhig ein wenig unterhaltsamer vermitteln können, so dass man einfach auch Lust bekommt, sich diese historischen Orte einmal näher zu betrachten.

 

Museum im Amphitheater zu Nimes
Das Amphitheater von Nîmes scheint auch Kindern Spaß zu machen. So toll wie hier die Zeit der Römer in die Gegenwart geholt wird, treffen die Museumspädagogen nicht nur den Nerv der Kleinen, sondern auch der Großen.

Frollein Tochter und ich landeten also nach unserer mehrstündigen Anfahrt mit einer dreiviertel Stunde Verspätung auf dem Bahnhof von Nîmes und bekamen gleich mal einen Eindruck davon, wie charmant alte Bahnhöfe in Frankreich sein können. Wir haben zwar in Stuttgart auch einen relativ alten Bahnhof, aber der hat mittlerweile nicht einmal mehr Charme…

Schöner alter Bahnhof in Frankreich
Nîmes lässt sich in wenigen Stunden bequem mit dem TGV von Paris Gare de Lyon erreichen.

Unser Hotel in Nîmes

In wenigen Minuten Fußmarsch vom Bahnhof aus zu erreichen und absolut zentral gelegen befand sich unser Hotel. Wie der Name Hôtel de l’Amphithéâtre schon verriet, befand es sich auch noch in der Nähe des Amphitheaters, was zu den am besten erhaltenen römischen Arenen überhaupt zählt.

 

Unser Zimmer in Nîmes war sehr behaglich eingerichtet
In diesem geräumigen, gemütlichen Zimmer im Hôtel de l’Amphitéâtre übernachteten wir in Nîmes. Das Hotel liegt mitten in der Altstadt, ist aber trotzdem sehr ruhig gelegen.

Dieses zentral, aber dennoch ruhig gelegene Drei-Sterne-Hotel bietet einen idealen Ausgangspunkt für Besichtigungen innerhalb Nîmes, aber auch für Ausflüge in die nähere Umgebung. Unser Zimmer war mit französischem Charme in hellen Farben eingerichtet, groß genug für uns beide und bezauberte durch wenig Altbauflair. Für mich als Liebhaber renovierter Altbauwohnungen natürlich super!

Nachtaufnahme Rue des Arènes in Nîmes
Blick aus dem Fenster und Sicht auf die Straße, wo unser Hotel in Nîmes lag. Bei der Straßenaufnahme sieht man am Ende einen Torbogen des Amphitehaters von Nîmes. Unser Zimmer hatte übrigens die Fenster auf diese Straße hinaus und war absolut ruhig.

In diesem Hotel wurden wir auf der ganzen Reise, die noch vor uns lag, am persönlichsten betreut. Einfach irgendwie familiär. Man trug uns hier sogar den Koffer aufs Zimmer und brachte ihn bei der Abreise auch wieder zum Ausgang. Auch als wir abends vom Essen zurück kamen, empfahl man uns, noch unbedingt den Tempel bei Nacht zu fotografieren, was sich als sehr wertvoller Tipp entpuppte.

 

 

Gefrühstückt wurde in einem hell eingerichteten Raum, wo es außer unseren heißgeliebten Croissants und Pains au Chocolat auch Müsli, Joghurt, Schinken und Käse gab. Aber das können wir ja auch zuhause essen…

Imposant: die Arena von Nîmes

Antike Ruinen kannte ich seither hauptsächlich aus Griechenland und der Türkei. In Rom war ich noch nicht. Aber das, was wir hier in Nîmes als Arena besichtigen konnten, war in einem phantastischen Zustand, der natürlich mit allen Mitteln erhalten wird, da man sich der geschichtlichen Bedeutung dieser Bauwerke bewusst ist. Außerdem wird diese Arena von Nîmes nicht nur als musealer Ort der Antike genutzt, sondern im Sommer auch für viele kulturelle Veranstaltungen und Kongresse unter freiem Himmel bespielt.

 

Ein sehr gut erhaltenes Bauwerk aus römischer Zeit
Panoramabilder ohne Stativ sind immer so eine Sache – aber ich wollte euch einfach mal die Dimension der Arena von Nîmes zeigen. Rechts im Bild huschen irgendwo so kleine Menschlein rum ^^

Zu römischen Zeiten allerdings war die Unterhaltung des Volkes noch etwas deftiger als heute. Es fanden auch in Nîmes Tier- und Gladiatorenkämpfe statt, genauso wie Jagdspiele. Die Römer errichteten diese Arena im ersten Jahrhundert nach Christus und dank der späteren Nutzung zu anderen Zwecken, beispielsweise im frühen Mittelalter als Festung, wurde dieses Bauwerk ständig in Schuss gehalten.

Gladiatorenkleidung in der Arena von Nîmes
Im Inneren des Amphitheaters von Nîmes gibt es einen Rundgang mit erklärenden Bildern zur römischen Antike vor Ort. In einem Seitengang wiederum fanden wir diese Ausstellung über die Römer mit römischen Sandalen zum Anfassen. Man beachte die genagelte Sohle für den besonderen Grip ^^ Ganz rechts hängt ein Ärmel aus schuppenförmig übereinander befestigte Eisenplättchen, vermutlich für den rechten, waffenführenden Arm. Das Ding war ganz schön schwer!

In den 1960er Jahren begann man, die Arena von Nîmes so langsam für kulturelle Veranstaltungen wiederzuentdecken und veranstaltete dort Jazzkonzerte. Mittlerweile ist die Nutzung für Events wesentlich breiter gefächert und ich kann mir gut vorstellen, dass ein Konzertbesuch in diesem Bauwerk ein Erlebnis ist. Mehr Infos zum Veranstaltungsprogramm vor allem im Amphitheater gibt es hier. Übrigens sind die Stierkämpfe in Nîmes, die ebenfalls in der Arena stattfinden, unblutig. Hier geht es nur darum, dem Stier die bunte Deko (cocarde) zwischen den Hörnern zu entfernen.

 

Die Arena von Nîmes
Diese Fotos entstanden bei unserer nachmittäglichen Besichtigung des Amphitheaters. Die Dimensionen sind beeindruckend, der Zustand bestens erhalten und zudem sind die Steinstufen gleich ein Workout für die Oberschenkelmuskulatur ^^

Das Maison Carrée – der einzige vollständig erhaltene Tempel der Antike

Das Eingangsbild, welches ich aus meinem alten Lateinbuch abfotografiert habe, zeigt diesen antiken Tempel in Nîmes sicherlich in einem Zustand in den 1950er oder 60er Jahren. Mittlerweile wurde das Gebäude aufwändig restauriert und der Platz um den Tempel attraktiv gestaltet.

Wunderschöner römischer Tempel
Das Maison Carrée war ehemals ein römischer Tempel und ist das besterhaltene Bauwerk seiner Art. Auch heute hat das Gebäude noch eine Funktion.

Dieses antike Bauwerk entstand ebenfalls im ersten Jahrhundert nach Christus, zentral angelegt auf einem großen Platz, der schon damals Zentrum des öffentlichen Lebens war. Im 16. Jahrhundert wurde dieser Tempel aufgrund seiner viereckigen Bauweise praktischerweise nur noch als „carrée“ bezeichnet, woraus sich dann im Laufe der Zeit der Begriff „La Maison Carrée“ entwickelte.

Ein wunderschönes Beispiel römischer Baukuunst
Ein beeindruckendes Beispiel antiker Baukunst ist der einzige vollständig erhaltene römische Tempel in Nîmes, der mittlerweile natürlich auch restauriert wurde.

Aktuell befindet sich im geschlossenen Inneren des Gebäudes eine Art Info-Zentrum zur Stadtgeschichte, in dem Bilder und ein 30-minütiger Film zur Stadt angeschaut werden können. Viele Leute sollen laut Claudia Vandin, die uns Nîmes zeigte, erstaunt darüber sein, dass die Säulen in ca. zwei Dritteln des Gebäudes geschlossen sind. Das war jedoch die übliche Bauweise von Tempeln und es war keineswegs so, dass nur freistehende Säulen ein Dach trugen. Dieses Bild wird oft in Filmen oder über andere Medien vermittelt.

Das Maison Carrée in Nîmes mit Details des Daches und der Säulen
Für mich absolut unvorstellbar ist, wie vor ungefähr 2000 Jahren solche detailreichen Bauwerke wie der einzige, vollständig erhaltene römische Tempel in Nîmes entstehen konnten.

Heute ist der Tempel bzw. das Maison Carrée auch ein beliebter Treffpunkt für die jungen Leute der Stadt, die sich abends auf den Tempeltreppen niederlassen und sich mit ihrer Clique treffen. Im Sommer ist das bestimmt ein romantischer Platz für ein unverfängliches erstes Date…

Museum, Stadtbibliothek, Mediathek in Nimes
Dieses Beispiel zeitgenössischer Architektur zeigt, wie gut sich moderne Bauten in antiker Nachbarschaft integrieren lassen.

Genau gegenüber vom Maison Carrée befindet sich das Carré d’Art, ein Beispiel gelungener zeitgenössischer Architektur in direkter Nachbarschaft zu römischer Antike. Nur drei Architekten sollen seinerzeit Entwürfe für das Projekt eingereicht haben, da der Plan, ein Kulturzentrum neben den geschichtsträchtigen römischen Tempel zu setzen als ziemlich schwierig wahrgenommen wurde. Der Gewinner der Ausschreibung war der bekannte britische Architekt Lord Norman Foster, der die Stilelemente des Maison Carrées auf moderne Art und Weise zitierte und den Bau des Kulturzentrums so entwarf, dass dieser sich mit einer eleganten Leichtigkeit in die Umgebung aus antiken Bauwerken und Häusern der Renaissance einfügte.

Unsere Streifzüge durch die Altstadt von Nîmes

Zeit hatten wir eigentlich viel zu wenig, um dieses schöne Städtchen wirklich zu erobern. Zwar zeigte uns Konferenzführerin Claudia Vandin mit sehr viel unterhaltsam vermitteltem Wissen die Altstadt von Nîmes mitsamt Arena, aber wie das so ist, wenn man zuviel Neues in zu kurzer Zeit erfährt, verflüchtigt sich wieder jede Menge obwohl man sich eigentlich alles merken wollte. Notieren ist keine Option, wenn man gleichzeitig auch noch alles fotografisch festhalten möchte. Deswegen gibt es hier einfach noch ein paar Eindrücke vom historischen Stadtkern von Nîmes, der sich zu entdecken lohnt.

Nôtre Dame et Saint Castor in Nîmes
Diese romanische Kirche aus 11. Jahrhundert spiegelt teilweise die Architektur des römischen Tempels Maison Carrée wieder. Hier ein paar Eindrücke der Außenansicht und des Innenhofes dieser Kirche.

Wer also in der Nähe ist oder eine Tour durch das Languedoc-Roussillon geplant hat, sollte Nîmes auf jeden Fall einen etwas längeren Besuch abstatten als wir es taten. Dass Nîmes schon sehr früh eine bedeutende Stadt war, ist nicht zu übersehen. Im sechsten Jahrhundert vor Christus siedelte hier ein keltischer Volksstamm, da sie hier sprichwörtlich an der Quelle sitzen konnten und das war natürlich ein Argument, um sich niederzulassen. Diese Quelle wurde vergöttert und man baute ihr sogleich eine Heiligenstätte. Dann kamen die Römer und Nîmes wurde eine Kolonie des lateinischen Rechtes, womit dann auch die große römische Bauphase begann.

Collage von verschiedenen Haustüren
Hier eine exemplarische Sammlung von Haustüren in Nîmes, die sowohl einfachere Türen als auch Eingänge zu Patrizierhäusern zeigen.

Im achten Jahrhundert wurde das mittlerweile errichete römische Amphitheater als Festung genutzt, zweihundert Jahre später trauten sich die Leute wieder mehr heraus und begannen so langsam mit dem Weinbau, der Olivenernte und mit der Schafszucht, woraus sich ein Fundament für Handelsgeschäfte ergab.

Ab der Renaissance ging es mit dem Wohlstand immer mehr bergauf, was sich natürlich auch in der Architektur der Stadt zeigte. Ganz besondere Bedeutung hatte unter anderem der Textilhandel, aus Nîmes kamen die schönsten Seidenstoffe und Brokate. In Sachen Stoff konkurrierte man mit Lyon.

 

Römisch designte Hundekotbeutelspender
Wir staunten nicht schlecht, dass es in Nîmes sogar Hundekotbeutelspender aus der Römerzeit gibt. Und oben links im Bild sieht man mein Gebein in blauen Stoff aus Nîmes gehüllt 😉

Allmählich verändert die Textilwirtschaft in Nîmes ihr Profil, mehr und mehr setzte man auf robuste Baumwollgewebe und auf Stoffe, die mit dem Farbstoff der Indigopflanze aus Genua/Italien blau eingefärbt wurden. Ein Stoff aus Nîmes ist bis heute weltberühmt. Es ist der in Köperbindung gewebte „Serge de Nîmes“, der blau eingefärbt auf einmal weltweit im Handel zu finden war. Lange Rede, kurzer Sinn: Levi Strauss kaufte im 19. Jahrhundert zufällig einen blauen Ballen Nîmer Stoffs und fertigte daraus Bekleidung für Grubenarbeiter und Goldsucher. Die Blue Jeans war geboren mit dem immer noch angesagten Stoff „DENIM“! Und ich habe jetzt elegant die Kurve zum ersten Beitragsbild gekratzt (mehr Info siehe oben)…

Soviel erstmal zu Nîmes als Stadt mit bedeutender Architektur und als Ursprung jenes Stoffes, der auch heute noch Menschen jeden Alters und jeder Herkunft bekleidet.

Jede Menge mehr Informationen findet ihr auf der deutschsprachigen Tourismus-Seite von Nîmes. Von Übernachtungsmöglichkeiten bis hin zu Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen findet ihr hier alles, was wichtig ist. Für alle, die Nîmes einen Kurzbesuch bis zu einer Dauer von 3 Tagen abstatten möchten, gibt es hier die Möglichkeit, völlig unkompliziert alles aus einer Hand zu buchen.

Wer von euch war schon in Nîmes? Was habt ihr euch angeschaut? Habt ihr Tipps, was man unbedingt gesehen haben muss? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Atout France im Zuge des French City Awards. Hier werden aber ausschließlich unsere Erlebnisse und Meinungen verbloggt.

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