Der besondere Charme von Nîmes

Eine Woche in den Herbstferien ohne Auto, dafür mit Tochter durch Südfrankreich und fünf verschiedene Städte erkunden. Was wir dabei erlebt, gesehen, entdeckt und verkostet haben, das lest ihr nach und nach auf dem Liebstöckelschuh. Hier geht es um unser erstes Etappenziel, nämlich um Nîmes, eine Stadt, deren Fußböden so blank sind, dass man glatt davon essen könnte...

Saubere Gässchen in Nîmes
Die Straßen und Gassen in der Altstadt Nîmes waren Sonntagvormittag blitzblank und glänzten. Das hat mich wirklich beeindruckt!

Natürlich möchten wir nicht unbedingt vom Fußboden essen, weder zuhause noch in der blitzblank geputzten Altstadt von Nîmes, aber diese Böden sehen wirklich fast aus wie eine geputzte Arbeitsplatte in der Küche. Zumindest war es so, als wir dort waren. Sonntagmorgen fuhr die Straßenreinigung durch die Gassen und polierte offensichtlich den Nîmer Fußboden auf Hochglanz. Sonntagmorgens in Stuttgart sehen die Straßen und Gehwege ganz anders aus…

Sonntagmorgen in der Markthalle von Nîmes

Und wenn wir schon gerade beim Sonntag sind, so kann ich euch hier gleich das wöchentlich wichtigste gesellschaftliche Event in Nîmes verraten: Sonntags in die Markthalle zu gehen, die auch hier einfach „Les Halles“ genannt werden und von unserem Hotel L’Amphithéâtre bequem zu Fuß erreichbar waren.

Straßencafé in Nîmes
Gegenüber von der Markthalle in Nîmes trifft man sich am Sonntagvormittag auf einen Kaffee oder einen Aperitif – so lässt sich das Leben genießen!

 

Da trifft man sich, nicht nur um Obst, Gemüse, Pasteten, Fleisch und anderes gutes Zeug einzukaufen, sondern auch, um dort einfach schon das eine oder andere zu probieren, den Magen so langsam mal in Stimmung zu bringen und natürlich um mit Freunden und Bekannten die Ereignisse der vergangenen Woche revue passieren zu lassen.

Verkauf von Muscheln und Schalentieren in der Markthalle von Nîmes
Austern, Miesmuscheln, Schalentiere – alles was das Herz eines Feinschmeckers begehrt!

 

Wir hatten im Hotel bereits excellent gefrühstückt und insofern nur wenig Bedarf, gleich wieder etwas zu verspeisen. Aber hätten wir noch Platz gehabt und hätten wir nicht wenig später mit dem Zug gleich weiter nach Avignon fahren müssen, dann wäre hier bestimmt die eine oder andere Leckerei vor Ort verspeist oder eben mitgenommen worden.

Obst, Fleisch, Käse, Oliven - es gibt einfach alles in den Markthallen von Nîmes
Bei dieser Vielfalt an Köstlichkeiten, die in der Markthalle von Nîmes angeboten werden, fällt es schwer, sich zurückzuhalten. Immerhin, von den Mandarinen in der linken unteren Ecke habe ich welche gekauft 😉

 

So kaufte ich nur ein paar Mandarinen, die übrigens auch ganz hervorragend waren. In Frankreich scheint man ein ganz anderes Verhältnis zu Lebensmitteln zu haben als in Deutschland. Hier kaufen die Leute eher kritisch ein. Es käme nichts in die Tüte, was unfrisch oder nicht appetitlich ist. Deswegen kann man bei so gut wie jedem Stand auch probieren, bevor man einkauft. Natürlich nur bei den Lebensmitteln, bei denen es sich anbietet. In eine rohe Hasenkeule wird man in der Markthalle wohl eher nicht probeweise reinbeißen…

Fischhändler in der Markthalle von Nîmes
Schalen- und Krustentiere, große und kleine Fische – hier hat man die Qual der Wahl.

Überall zu sehen: das Nîmer Stadtwappen

Auch hier in der Nîmer Markthalle fanden wir ganz prominent das Nîmer Stadtwappen an allen möglichen Stellen eingearbeitet. Diesem Wappen, das ein Krokodil und eine Palme darstellt, begegnet man ständig in Nîmes. Auf den Gehwegen, den Plätzen, auf Pollern oder an anderer Stelle.

Krokodil an einer Palme angekettet
Hier das in Fußboden der Markthalle eingearbeitete Stadtwappen von Nîmes. Dem Krokodil vom Nil entkommt man einfach nicht, selbst wenn es noch an die Palme angekettet ist.

 

Ebenfalls am gut besuchten Place du Marché, wo der Brunnen nach Entwürfen des französischen Künstlers Martial Raysse steht, wurde das Symbol Krokodil und Palme versinnbildlicht. Ein Brunnen mit einem nicht mehr angeketteten Krokodil und die prominent aufgestellte Palme auf dem ehemaligen Marktplatz zitieren das Stadtwappen. Übrigens ist dieser Platz ein beliebter Treffpunkt um etwas trinken oder essen zu gehen.

Berühmte Palme in Nîmes
Die prominenteste Palme in Nîmes steht auf dem Place de Marché, genau gegenüber von dem Brunnen mit dem Krokodil. Beides sind Symbole aus dem Stadtwappen von Nîmes.

 

Geschichte hinter der Symbolik des Nîmer Stadtwappens ist, dass ein römischer Feldherr und Adoptivsohn von Gaius Julius Caesar (der Cäsar, den wir alle kennen) namens Oktavian im Jahr 31 v. Chr. in kriegerischer Absicht nach Ägypten aufbrach und zusammen mit Agrippas Seeflotte das Reich am Nil zu Zeiten Cleopatras eroberte. Zur Feier dieses Ereignisses wurde in der römischen Kolonie Nîmes die Münze mit dem an die Palme geketteten Nilkrokodil geprägt. Im Jahr 1986 wurde das Nîmer Wappen von Designer Philippe Starck modernisiert. Heute sieht man es wirklich überall in der Stadt gülden glänzen.

Brunnen mit Krokodil und Palme
Sobald es dunkel ist, hat der Place de Marché in Nîmes einen ganz besonderen Zauber. Hier lässt sich auch entspannt sitzen und etwas essen und trinken.

Essen und genießen in Nîmes

Dass „Les Halles“ in Nîmes eine gute Quelle für den Einkauf von frischen Lebensmitteln ist, habt ihr ja nun schon erfahren. Darüber hinaus kann man natürlich auch in Nîmes gut essen gehen oder leckere Backwaren einkaufen. Da unsere Zeit nur knapp bemessen war, haben wir hier nicht allzu viel persönlich erkunden können, aber eine Boulangerie soll hier auf jeden Fall erwähnt sein: Croquant Villaret zentral gelegen in der Altstadt von Nîmes.

Empfehlenswerte Bäckerei in Nîmes
Aus dieser Bäckerei im Herzen Nîmes stammt eine Mandel-Spezialität, nämlich der Croquant Villaret. Hier muss es wirklich gute Sachen geben, der Laden lief wie geschmiert und die Baguettes gingen weg wie warme Semmeln 😉

 

Dieser Laden ist schon seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz. Berühmt wurden sie damals durch ein Mandelgebäck, nämlich „Croquant Villaret“, welches zwar steinhart, aber sehr lecker sein soll. Wer in dieses Gebäck  nicht mehr herzhaft hineinbeißen konnte, hat es eben in ein Gläschen Champagner getunkt, so dass man sich den Croquant auf der Zunge zergehen lassen konnte – das zumindest erzählte uns Konferenzführerin Claudia Vandin, als wir mit ihr zusammen durch die Stadt streiften.

Die Boulangerie Croquant Villaret war jedenfalls am Sonntagvormittag fast wie ein Taubenschlag. Ein ständiges kommen und gehen von Einheimischen, die sich hier ihre Baguettes, Croissants und Pains au Chocolat holten. Es wirkt auf mich immer sehr vertrauenserweckend, wenn vor allem auch Einheimische und nicht nur Touristen in bestimmten Läden einkaufen oder in Restaurants speisen. Dann kann ich eigentlich davon ausgehen, dass es gut und landestypisch sein muss und nicht speziell für Touristen attraktiv hergerichtet wurde. Beinahe hätte ich’s vergessen zu erwähnen: in der Boulangerie Croquant Villaret kann man auch einfach frühstücken gehen. Oder Kaffee trinken und sich einmal durch deren Leckereien futtern…

Restaurant Le Cheval Blanc Nîmes
Dieses Restaurant gegenüber vom Amphitheater haben wir nicht ausprobiert. Mir hat hier lediglich der äußere Eindruck gefallen.

 

Über Restaurants in Nîmes können wir aus eigener Erfahrung nicht allzu viel berichten, da wir tatsächlich nur einmal zu Abend gegessen haben. Im Villa Roma am Amphitheater war das Essen italienisch angehaucht und empfehlenswert. Alles frisch und appetitlich zubereitet.

 

Andere Lokale haben wir nicht von innen besichtigt, aber hier gibt es eine ganz schöne Auswahl verschiedener Restaurants in unterschiedlichen Preisklassen und Stilrichtungen.

Weiter geht es der Sonne entgegen

Bronzestatue eines Stierkämpfers in Nîmes
Frollein Tochter wurde gleich zum wilden Stier, als sie den Torrero vor der Arena in Nîmes entdeckte.

 

Bei unserem sonntäglichen Stadtspaziergang durch Nîmes kamen wir auf der Schattenseite der Arena auch diesem Stierkämpfer etwas näher. Okay, der steht hier schon seit Jahren und wartet auf seinen Einsatz, aber er scheint den Leuten auch ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ob das wohl nur an den perfekt ausgearbeiteten Stickereien seines Boleros liegt?

Bronzestatue mit zuvielen Details vor der Arena in Nîmes
Sehr detailgetreu wurde die Bronzestatue eines Torreros vor der Arena Nîmes ausgearbeitet. Die Stickereien auf dem Bolero sowie das Stoffmuster des Brokates lassen sich sehr genau erkennen.

 

Nachdem wir unseren vormittäglichen Sonntagsstreifzug durch Nîmes beendet hatten, hieß es auch schon wieder Koffer packen. Schließlich wollten wir ja noch weiter der Sonne entgegen fahren. Nîmes war schon vergleichsweise mild und sonnig von der Atmosphäre her. Aber da ist bestimmt noch eine Steigerung möglich!

Nîmes ist ein richtig nettes Städtchen
Unser Weg vom Hotel zum Bahnhof in Nîmes war wie ein erholsamer Spaziergang durch einen Park.

 

Deswegen beenden wir den Besuch in Nîmes mit dem Gang zum Bahnhof, um bald mit der nächsten Stadt im Süden Frankreichs Bekanntschaft zu schließen. Hier fanden wir schon so eine gewisse südliche Leichtigkeit. In Nîmes dürften sich alle schwäbischen Kehrwochenfetischisten sehr wohl fühlen, so blank gewienert wie sich die Altstadt präsentiert. Sehr adrett und sehr nett – wir wären gerne in die Verlängerung gegangen.

Wer von euch war schon einmal dort? Was habt ihr entdeckt? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Nîmes hat sich übrigens für den Titel „UNESCO Welterbe“ beworben. Wer dieses Anliegen ebenfalls unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen (englisch/französisch) sowie einen schönen Imagefilm über diese Stadt.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Atout France im Zuge des French City Awards. Hier werden aber ausschließlich unsere Erlebnisse und Meinungen verbloggt.

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