Avignon: die Brücke, die Päpste und noch mehr Kunst und Kultur

Eine Woche in den Herbstferien ohne Auto, dafür mit Tochter durch Südfrankreich und fünf verschiedene Städte erkunden. Was wir dabei erlebt, gesehen, entdeckt und verkostet haben, das lest ihr nach und nach auf dem Liebstöckelschuh. Mittlerweile erkunden wir bereits die zweite Stadt in der Provence, Avignon steht auf dem Programm. Da darf natürlich weder der Papstpalast noch die Brücke von Avignon fehlen.

Sur le pont d'Avignon
Diese Aufnahme entstand, als wir drei Schritte später auf der weltberühmten Brücke von Avignon standen.

Avignon ist weltberühmt geworden, weniger wegen der Brücke selbst, die über die Rhone führte, sondern mehr aufgrund des Liedes „Sur le Pons d’Avignon“, das der Nachwuchs in vielen Ländern bereits im Kindergarten und in der Vorschule lernt. Ein echter Evergreen ist dieses französische Volkslied, schließlich haben schon Generationen dazu einen Ringelreihen getanzt.

Im Zugangsbereich zur Brücke von Avignon ist eine Wand mit diesem Bild und den Noten des Liedes gestaltet. An dieses Bild kann ich mich noch erinnern, da es in einem meiner alten Kinderliederbücher abgedruckt war.
Im Zugangsbereich zur Brücke von Avignon ist eine Wand mit diesem Bild und den Noten des Liedes gestaltet. An dieses Bild kann ich mich noch erinnern, da es in einem meiner alten Kinderliederbücher abgedruckt war.

Jetzt waren wir endlich auch mal auf dieser Brücke, die seit dem 15. Jahrhundert besungen wird. Der richtige Name der Brücke von Avignon lautet übrigens Pont Saint-Bénézet, aber den dürften wohl nur die wenigsten kennen. Und ganz sicher ist es auch nicht mehr die Originalbrücke, die in Avignon besichtigt werden kann. Schließlich wurde das Original schon mehrfach zerstört, weil es von den Fluten der Rhône hinweggerissen wurde. Irgendwann beschloss man, die Brücke nicht mehr vollständig mit ihren 22 Bögen aufzubauen, sondern nur noch einen Teil der Brücke mit vier breiteren Bögen wieder herzustellen.

Wer kennt nicht die Brücke von Avingnon!?
Diese Brücke führt nicht mehr ans andere Flussufer. Man müsste den Rest schwimmen 😉

 

Sur le Pont d’Avignon – auch wir waren auf der Brücke

Wer also heute zu Fuß über die Rhône gehen möchte, sollte sich nach einer anderen Brücke umschauen. Diese hier führt nur noch bis zur Mitte des Flusses und den Rest der Strecke müsste man dann schwimmen, um ans gegenüberliegende Ufer zu gelangen. Halte ich persönlich aber eher für eine nicht so gute Idee…

Schönes Abednlicht auf der Brücke von Avignon
Auf der Brücke von Avignon zur goldenen Stunde

 

Laut Legende war der „Bauherr“ dieser Brücke im 12. Jahrhundert ein einfacher Hirte aus dem Umland Avignons, der dank göttlicher Einflüsterung den Auftrag erhielt, die beiden Ufer der Rhône miteinander zu verbinden und eine Brücke zu bauen. Wie auch immer der Bau letztendlich vonstatten ging, es war definitiv eine Meisterleistung für damalige Verhältnisse. Leider hielt die erste Version der Brücke nur ca. 40 Jahre und musste dann nochmal komplett neu gebaut werden. Eigentlich über die Jahrhunderte immer wieder, diese Brücke war sozusagen eine ewige Baustelle, wie man es mittlerweile nur von solchen Projekten wie dem Berliner Flughafen, der Hamburger Elbphilharmonie oder anderen zeitgenössischen Bahnhofsprojekten kennt.

Schatten auf der Brücke von Avignon
Hier sieht man an der Seitenwand der Kapelle, die sich ebenfalls im Bauwerk der Brücke von Avignon befindet, unsere Schatten.

 

Wir waren dort am späten Nachmittag, nachdem wir schon allerlei anderes in Avignon angschaut hatten und das war großartig, weil wir das allerschönste Abendlicht mitnehmen konnten. Alles in goldenes Licht getaucht wirkten unsere Fotos dann teilweise wie Ölschinken alter bekannter Maler. Wer also vor Ort ist, der geht am besten zur goldenen Stunde auf die Brücke, die natürlich je nach Jahreszeit zu einer anderen Uhrzeit stattfindet. Zugunsten des Lichtes haben wir übrigens auf die Ausstellung zu Beginn der Brücke verzichtet, sonst wären wir erst zur blauen Stunde auf die Brücke gelangt und das hätte hier nicht mehr so gut gepasst.


Wie gesagt, die Brücke von Avignon stand erst nachmittags auf dem Plan. Zuvor haben wir mit einem sehr guten deutschsprachigen Guide noch andere Sehenswürdigkeiten von Avignon angeschaut. Zum Beispiel den Papstpalast, den man übrigens auch sehr gut von derweltberühmten Brücke aus sehen kann.

Palais de Papes
Von der Brücke von Avignon hat man einen schönen Blick auf den Papstpalast.

 

Es gibt Kombitickets für Papstpalast und die Brücke von Avignon, so dass man beide Bauwerke in einem Durchgang anschauen kann. Genau das hatten wir gemacht. Ich habe nur für diesen Artikel die Brücke als Aufhänger genommen und deswegen wird die Tour sozusagen rückwärts erzählt.

So ein Prachtbau für annähernd hunder Jahre Papstexil!

Avignon Palais du Pape
Der Papstpalast zu Avignon in voller Größe und in strahlender Nachmittagssonne

 

Kenner der Geschichte des Katholizismus wissen vielleicht, dass die Päpste nicht nur in Rom residierten, sondern zwischendurch im 14. Jahrhundert auch mal nach Frankreich ausweichen durfte. Das hatte unter anderem politische Gründe, wie so oft in solchen Fällen und führte eben dazu, dass immerhin neun Päpste in Avignon residierten. Da musste natürlich auch eine Residenz her, die unter zwei aufeinander folgenden Päpsten in nur zwanzig Jahren Bauzeit errichtet wurde. Auch das wieder ohne modernes Baugerät, wie es uns heute zur Verfügung steht.

Der Papstpalast von Avignon ist eine beeindruckende Anlage
Einer der Innenhöfe des riesigen Papstpalastes von Avignon.

 

Auch wenn ich jetzt nicht aus Glaubensgründen zu Papstpalästen pilgern würde, so empfehle ich doch, sich dieses festungsähnliche Bauwerk von unglaublichen Dimensionen in Avignon anzuschauen. Ich war wirklich beeindruckt, auch wenn vieles der ehemaligen Pracht mittlerweile nicht mehr so erhalten ist, wie es wohl mal aussah. Viele Gebäudeteile zeigen einfach nur die Dimensionen der Hallen, die aber früher mal mit Fresken reich verziert gewesen sein müssen sowie der Fußboden mit kunstvoll glasierten Fliesen belegt gewesen sein muss. Da der Papstpalast aber nur circa hundert Jahre von Päpsten als Residenz genutzt wurde, bevor sie wieder nach Rom zurück kehrten, haben die nachfolgenden Nutzer natürlich nicht alles im Originalzustand erhalten. Zeitweilig war wohl sogar Militär im Palast untergebracht und die Hallen wurden durch eingezogene Zwischendecken als Schlafsäle genutzt, wie uns unser Guide Jeroen de Kinderen erzählte.

Innenräume Papstpalast von Avignon
Diese Dimensionen im Papstpalast von Avignon lassen die Menschen absolut zu Zwergen schrumpfen.

 

In einigen Räumen, die von der Ausstattung her noch etwas opulenter waren, durfte nicht fotografiert werden. Wen es also interessiert, wie es dort ausgesehen hat, der sollte unbedingt mal persönlich dort vorbeischauen. Je nachdem, wo man sich in Südfrankreich aufhält, kann Avignon auch als Tagesausflug ins Programm genommen werden.

Fenster Papstpalast Avignon
Fenster und Kreuzgewölbe im Papstpalast zu Avignon

 

In der folgenden Bildersammlung gibt es einfach nochmal ein paar Außenansichten des Papstpalastes in unterschiedlichem Licht fotografiert zu sehen.

 

 

Während der Sommersaison findet im Innenhof des Papstpalastes das bekannte Festival d’Avignon statt, dessen Programm man zu gegebener Zeit aktualisiert auf der Festival-Website erfahren kann.

Musée Calvet – ein sehenswertes Patrizierhaus in Avignon

Weiter geht es in unserem kulturellen Spaziergang zu einem prachtvollen Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert, in dem heute ein Kunstmuseum untergebracht ist, das Musée Calvet. Alleine schon um das Gebäude von innen anzuschauen lohnt sich der Besuch dieses Kunstmuseums.

Eingang zur Sammlung der schönen Künste im Musée Calvet in Avignon
Schon das prachtvolle Portal des Musée Calvet lässt auf ein sehenswertes Patrizierhaus schließen.

 

Ausgestellt wird hier eine Samlung von Malereien und Skulpturen vom 15. – 20. Jahrhundert, zwar nicht unbedingt von den Meistern, die jedermann kennt, aber trotzdem und vielleicht gerade deswegen als Geheimtipp unbedingt sehenswert.

Eine sehenswerte Sammlung im Musée Calvet
Dank des Stifters Marcel Puech wurde dem Musée Calvet eine Sammlung von sechshundert Kunstwerken vermacht, bestehend aus Gemälden, Mobiliar, Fayencen sowie Wandbehängen und Skulpturen.

 

Meisterwerke französischer Maler wie Joseph Vernet, der 1714 in Avignon geboren wurde, David Corot, Chasserériau, Manet, Sisley, Dufy, Bonnard und Soutine begleiten den Besucher bis ins 20. Jahrhundert. Außerdem sind in weiteren drei Sälen ägyptische Sammlungen ausgestellt. Altniederländische Kunst vom 15. – 18. Jahrhundert wird ebenso gewürdigt wie der herausragende Stifter dieser Sammlung Marcel Puech (1918 – 2001), dessen Name uns in Avignon ständig begegnete.

Marmorskulpturen im Musée Calvet
Klassizistische Marmorskulpturen im weißen Säulensaal des Musée Calvet – besser lassen sich die Skulpturen kaum präsentieren!

 

Auch hier lautet meine Empfehlung: hingehen und anschauen, wenn ihr euch für Kunst, Kultur und Architektur interessiert.

Stimmungsvolles Licht im Musée Calvet
Immer wieder: die Sonne!
Selbst im Museum in Avignon entkommt man ihr nicht, wenn sie den einen oder anderen Strahl stimmungsvoll in das Musée Calvet schickt. Das Motto unserer Tour „Immer der Sonne entgegen“ begegnete uns also auch im Museum.

Das waren unsere kulturellen Highlights am Nachmittag in Avignon. Da wir erst mittags ankamen und am nächsten Morgen gleich weiterzogen, blieb hier leider nicht allzu viel Zeit, um noch mehr anzuschauen. Was aber nicht heißen soll, dass ich nicht noch einen Blogpost zur Stadt Avignon auf Lager hätte. Wen also interessiert, was wir sonst noch so entdeckt haben, wo wir übernachtet und wo wir gegessen haben, der möge demnächst wieder hier vorbei schauen.

Bis dahin freue ich mich natürlich über eure Kommentare zu Avignon und dem, was wir so angeschaut haben. Vielleicht war der eine oder die andere selbst schon dort und kann noch ein wenig dazu ergänzen. Ich freue mich jedenfalls auf eure Kommentare!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Atout France im Zuge des French City Awards. Hier werden aber ausschließlich unsere Erlebnisse und Meinungen verbloggt.

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