Surreale Stimmung in Avignon gegenüber der Markthalle
Mein persönliches Avignon-Bild ist dieses, einfach weil ich die Stimmung hier so surreal finde. Es erinnert mich an Werke von Giorgio di Chirico, auch wenn dieser mit Avignon meines Wissens nach nichts zu tun hatte.

In Avignon kamen wir nach einer ca. halbstündigen Zugfahrt von Nîmes aus an, eine Strecke, die kaum der Rede wert ist, da kurz und schmerzlos. Direkt vom Bahnhof aus konnten wir zu Fuß unser Hôtel de l’Horloge erreichen, das sich am gleichnamigen Platz befand. Ein Vier-Sterne-Hotel, prominent in der Nähe des Rathauses platziert und mitten in der Stadt, was uns die fußläufige Erreichbarkeit sämtlicher wichtigen Sehenswürdigkeiten ermöglichte.

Kleines Hotelzimmer mit französischem Charme
Unser Zimmer im Hotel de l’Horloge in Avignon war relativ klein und dunkel, dafür hatten wir eine grandiose Aussicht über den Place de l’Horloge, wo sich ein Restaurant neben dem anderen befindet.

Nach dem einchecken bot sich keiner an, uns das Gepäck aufs Zimmer zu tragen. Es gab aber immerhin einen Aufzug, mit dem ich die steile Treppe in den ersten Stock umgehen konnte. Über gut angebrachte Wegweiser und nachdem wir ein paarmal um irgendwelche Ecken und irgendwelche zweistufigen Treppchen auf und ab gegangen waren, standen wir dann auch vor unserem Zimmer. Erwartungsvoll öffneten wir die Tür und mussten da gleich aufpassen dass wir nicht weitere zwei Stufen übersehen und komplett mit Gepäck ins Bett stürzten. Klein, etwas dunkel und auch hier zum Höhenausgleich verschiedener Ebenen Stufen. Für uns soweit okay, wennn auch leicht befremdlich, aber für Leute, die auf barrierefreie Zugänge angewiesen sind, sicherlich nicht zu empfehlen.

Einkaufen in der Markthalle von Avignon
Sonntagvormittag in französischen Markthallen – scheint ein echtes Event zu sein. Wir waren vormittags in Nîmes und gegen Mittag in Avignon in der Markthalle. Letztere diente uns dann auch als Quelle für ein Picknick auf der Parkbank.

Leckereien für das Parkbankpicknick aus der Markthalle

Kaum hatten wir also unser Hotelzimmer bezogen, machten wir uns auch schon wieder auf den Weg. Schließlich wollten wir ja ein wenig von der Stadt sehen und es war auch schon so langsam Zeit für einen kleinen Imbiss am Mittag. Was läge da näher, als einfach in Avignon nochmals Les Halles aufzusuchen, ein äußerlich begrüntes und dicht bewachsenes Gebäude. Wir waren zwar am Vormittag bereits in der Markthalle von Nîmes, aber da war uns nach reichhaltigem Frühstück noch nicht nach Essen zumute.

Die Markthalle in Avignon - ein Paradies für Feinschmecker
Das Angebot in der Markthhalle von Avignon ist beeindruckend vielfältig und vor allem frisch. Außerdem ist die Markthalle auch ein guter Ort, um direkt dort etwas zu genießen. Zum Beispiel Austern, mehrgeschossige Meeresfrüchteplatten (Plats de fruits de mer) oder andere Delikatessen.

Das Angebot in der Markthalle Avignons war absolut beeindruckend! Angefangen bei provencalischen Produkten wie Gewürze und Lavendel über Obst und Gemüse bis hin zu Fisch, Geflügel, Meerestieren und Fleisch findet man hier einfach alles. Und zwar alles frisch und appetitlich. Zutaten für Ratatouille, den provencalischen Gemüseeintopf, gibt es hier genauso wie unsere Lieblingskräutermischung „Herbes de Provence“, die wir sowohl fürs Ratatouille verwenden als auch für den provencalischen Kräuterbraten, den es bei uns immer mal wieder gibt.

Frischer Fisch in der Markthalle von Avignon
Die Doraden sehen aus, als seien sie vor ein paar Stunden noch munter durchs Wasser gehüpft. Die Markthalle von Avignon ist ein echtes Paradies für Feinschmecker. Vieles kann auch vor Ort und zubereitet verzehrt werden.

Nachdem wir ungefähr fünf Runden durch die Halle gedreht hatten, weil wir uns einfach nicht entscheiden konnten, was wir für unseren mittäglichen Imbiss auswählen sollten, entschieden wir uns irgendwann für eine kleine Auswahl an Pasteten, die man auch gut kalt verzehren konnte und zum Nachtisch kleine Törtchen, die man auch relativ problemlos auf der Parkbank direkt aus der Hand essen konnte. Das einzige Problem, was wir hatten, war in der Markthalle ganz einfaches Trinkwasser aus der Flasche zu finden. Wein hätte es in rauen Mengen gegeben, Säfte ebenfalls, aber wir wollten Wasser! Zum Glück fanden wir gegenüber eines Seitenausganges der Halle einen kleinen Supermarkt, bei dem wir gerade noch zwei Flaschen kaufen konnten, bevor er seine Pforten schloss. Sonntags schließen die Lebensmittelläden mittags, aber immerhin haben sie vormittags geöffnet.

Leckere frische Obsttörtchen
Die süßen Törtchen in der Markthalle von Avignon – alle zum Reinbeißen! Klar, dass zwei kleine davon als Nachtisch für unser Parkbankpicknick mitgenommen wurde!

Übrigens begann ich in der Markthalle von Avignon schon mit dem Souvenir-Einkauf. Ich hatte mir vorgenommen, keine Staubfänger nachhause zu bringen, sondern nur verbrauchbare Mitbringsel. Und was läge da näher, als sich hier mit typischen Produkten aus der Provence zu einzudecken. Hier kaufte ich fast pfundweise Kräuter der Provence sowie Lavendelblüten. Das muss man schließlich ausnutzen, wenn man die Möglichkeit hat, das Zeug direkt vor Ort zu bekommen!

Enge Gassen kennzeichnen das Straßenbild im alten Teil Avignons
Frollein Tochter und ich stromern durch die Gassen von Avignon

Verwinkelte Gassen in Avignon

Nach unserem Picknick auf der Parkbank ging es direkt wieder durch die Altstadt von Avignon Richtung Hotel, da wir hier ein Date mit unserem deutschsprachigen Guide Jeroen der Kinderen hatten, der uns dann ein paar Highlights der Stadt zeigte. Im Gassenwirrwarr der Altstadt hatte Frollein Tochter die beste Gelegenheit, uns per Stadtplan zu unserem Ziel zu führen, während ich wie ein Zugvogel rein nach meinem inneren Magnetismus das Ziel einzukreisen versuchte. Irgendwie klappte es aber und wir waren pünktlich zurück im Hotel, um uns dann gleich wieder auf die Socken zu machen…

Museumsshop in Avignon
Im Museumsshop des Papstpalastes haben wir übrigens auch noch ein Souvenir gekauft. Hier findet man zum Beispiel schöne Repliken der außergewöhnlichen Fliesen aus dem Papstpalast, aber auch Bücher, Fotos und Postkarten über Avignon und den Palast.

Nach der Besichtigung des Musée Calvet, des Papstpalastes und der Brücke von Avignon war dann die Sonne auch so langsam hinter dem Horizont verschwunden und es wurde Zeit für uns, wieder einen kleinen Abstecher ins Hotel zu machen. Tagsüber konnte man übrigens hier gut nur mit Shirt und ohne Jacke herumlaufen, abends wurde es dann doch etwas frischer.

An der Warteschlange vorbei ins Le Vintage

Zum Abendessen war für uns ein Tisch im Le Vintage reserviert. An der Rezeption unseres Hotels fragte ich noch nach dem schnellsten Weg ins „Lö Vähtaasch“ und mühte mich auf französisch ab, während der Portier den Restaurantnamen dann leicht und verständlich auf englisch aussprach. Manchmal ist es doch einfacher als man vermutet…

Lässiges Ambiente im Le Vintage in Avignon
Das Restaurant von außen mit der Leuchtreklame in Retro-Schrift und die Innenansicht mitsamt Frollein Tochter, ihrem iPhone und meinem Côtes du Rhône

Das „Le Vintage“ befindet sich in der 10 Rue Galante in der Altstadt Avignons, eine Straße, an der wir bereits mittags irgendwann vorbeigekommen waren. Von außen könnte man es übersehen, wäre da nicht diese Leuchtwerbung im Retro-Look und wäre da nicht eine Schlange von Menschen, die sich anstellen um hier essen gehen zu dürfen. Wir schlenderten lässig an den Wartenden vorbei, da wir ja schließlich einen reservierten Tisch hatten.

Das Ambiente ist eher unprätentiös, blanke Tische mit roten Tischplatten, alles kommt ein wenig improvisiert, aber genau deswegen sehr sympathisch und lässig rüber. Die netten jungen Kellner sind schwer auf Zack und zeigen sich trotz Stress und Hektik noch humorvoll. Die Speisekarte ist überschaubar, bietet aber trotzdem für jeden Geschmack etwas. Da wir irgendwie immer noch nicht total ausgehungert waren, entschieden wir uns für ein halbes Menü, bestehend aus Hauptgericht und Dessert.

Unser Abendessen im Le Vintage
Unser Entrecôte vom Black Angus mit Pommes frites und Salat, danach eine Pavlova mit roten Früchten – sehr lecker war’s!

Während wir unser Essen verspeisten, staunten wir nicht schlecht, wie hoch der Andrang über den ganzen Abend hinweg war. Kaum wurde ein Tisch frei, standen schon die nächsten in den Startlöchern und trotzdem wurde die Schlange am Eingang nicht wesentlich kleiner. Wer also hier essen gehen möchte, tut gut daran, Plätze zu reservieren. Sonst muss man sich wirklich auf Wartezeiten einstellen. Für uns war dann auch schnell klar, warum das so ist: Das Essen, auch wenn wir nur ein einfaches Entrecôte vom Black Angus mit Pommes frites und Salat sowie zum Dessert eine Pavlova mit roten Früchten verzehrten, war ganz hervorragend. Dazu die lockerlässige Stimmung im Restaurant, perfekt um einen schönen Abend zu verbringen. Also, wenn ihr mal in Avignon seid, dann geht ins Le Vintage zum Essen. Die Karte wechselt wöchentlich, es gibt saisonale Gerichte zu einem meines Erachtens nach fairen Preis. Auch die Weinauswahl kann sich sehen lassen, in erster Linie natürlich Weine aus der Region.

Nächtlicher Bummel durch Avignon

Shop mit französischen Süßigkeiten und Keksen
In diesen Laden in Avignon wären wir am liebsten eingebrochen 😉 – so eine tolle Auswahl an bestimmt superleckeren Keksen, Tees, kandierten Früchten und anderen Süßigkeiten! Und dann noch so wunderschön präsentiert – wir waren entzückt, der Laden aber leider schon geschlossen.

Auf dem Heimweg Richtung Hotel drückten wir uns noch an dem ein oder anderen Laden die Nase platt und bedauerten, nicht noch einen weiteren Tag in Avignon bleiben zu können. Obwohl wir schon tagsüber bestimmt ein paar Kilometer zu Fuß hinter uns hatten, ließen wir es uns nicht nehmen, nochmal durch die romantischen kleinen Gassen zu schlendern und außerdem dem Papstpalast noch einen Besuch abzustatten.

Nächtliche Gasse in Avignon
Auch in der Dunkelheit haben die Gassen Avignons ihren Reiz.

Speziell von diesem konnten wir eigentlich gar nicht genug bekommen, da er in jedem Licht etwas anders und doch immer ganz zauberhaft aussah, wie aus einem Märchen. Stativlos aus der Hand fotografiert sind uns doch auch in nächtlicher Beleuchtung noch ein paar Bilder gelungen.

Papstpalast zu Avignon leuchtet gülden und violett
Richtig knallig kommt der Papstpalast abends mit der farbigen Beleuchtung zur Geltung.

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass wir abends immer ziemlich k.o. waren und uns keinesfalls mehr die Nächte um die Ohren schlagen wollten. Also ging es nach dem kleinen Abendspaziergang zielstrebig ins Hotel zurück, um am nächsten Morgen möglichst ausgeschlafen und möglichst als eine der Ersten im Frühstücksraum aufzutauchen und zum Abschluss in Avignon noch ein sehr leckeres französisches Petit Déjeuner zu genießen. Wie immer in Frankreich für uns: Croissants und Pain au Chocolat.

 

Nach dem Frühstück ging es dann per Taxi zum etwas außerhalb gelegenen TGV-Bahnhof von Avignon, um die nächste Etappe unserer Tour „Immer der Sonne entgegen“ anzusteuern. Welche das ist und was wir erlebt haben, erfahrt ihr demnächst hier.

Wer von euch war schon in Avignon? Was könnt ihr empfehlen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Atout France im Zuge des French City Awards. Hier werden aber ausschließlich unsere Erlebnisse und Meinungen verbloggt.

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