Staatliches Museum für Völkerkunde Stuttgart
Oishii! Essen in Japan noch bis zum 23. April 2017 im Lindenmuseum Stuttgart

An einem regnerischen Freitag im Mai war ich mittags zu einer kleinen Verkostung für Foodblogger und Journalisten eingeladen. Und wie es der Zufall wollte, saß mir gegenüber der Frank vom Blog Chef de Cambuse und ich vernahm auf einmal die Worte „Herbst, Ausstellung, Japan, Blogger“, was mich sofort dazu veranlasste, heftig auf mich aufmerksam zu machen. Was für ein Glück! Ich wurde neulich von ihm zum Event eingeladen, sagte innerhalb kürzester Zeit zu und diese Woche fand dann das Bloggertreffen in Sachen „Essen in Japan“ im Linden-Museum Stuttgart statt.

Essen in Japan - Bloggertreffen
Frank vom Blog „Chef de Cambuse“ hat die Blogger_innen zusammengetrommelt und mimt hier unter stilisiertem Kirschblütenhimmel das Nummerngirl. Angesagt sind die Hashtags #oishii2016 und #lindenmuseum

Japanisches Essen war lange Zeit ein Insider Tipp

Meine Vorliebe für japanische Kunst, Kultur und Kulinarik begann bereits in jungen Jahren, auch wenn zu der Zeit Informationen zum Thema oder japanische Restaurants äußerst rar gesät waren. Irgendwann, meiner Erinnerung nach Mitte/Ende der Achtziger Jahre, wurde Japan so ganz langsam auch hierzulande populär. Die ersten Leute aßen toten rohen Fisch, der mit obskuren Meeresalgen auf klebrigem Reis montiert wurde, zwar noch ein wenig mit Schaudern, aber doch todesmutig.

 

 

Meist schleppten diejenigen, die dank beruflicher Verpflichtungen bereits in Japan waren, die „Rückständigen“ mit ins japanische Restaurant, um denen erstmal zu zeigen, wie lecker toter roher Fisch schmeckt. Mittlerweile bekommt man japanische Küche in deutschen Großstädten in relativ guter Präsenz serviert, nicht nur Sushi und Sashimi, sondern es gibt durchaus auch schon Nudelsuppenrestaurants, die sich auf Mahlzeiten mit Ramen, Udon und Soba spezialisiert haben oder japanische Yakiniku Restaurants, in denen eine Art japanisches Indoor-BBQ stattfindet.

 

Nudeln, Reis, Meerestiere, Rindfleisch und Schwein
Schwein gehabt? Auch wenn das japanische Schwein nicht annähernd so berühmt wie das japanische Rind ist, verzehrt wird es trotzdem sehr gerne.

 

Nudeln und Schweinefleisch in Japan

Wer nun also glaubt, in Japan essen die Menschen überwiegend Sushi und damit Reis und Fisch, der lernt in der Ausstellung „Oishii! Essen in Japan“ schnell anderes kennen. Mengenmäßig liegt der Verzehr von Schweinefleisch deutlich höher. Das weltberühmte Wagyu Rind, das nach einem Ortswechsel und einer gewissen Zeit der Akklimatisierung dann auch als Kobe Rind angeboten werden darf, ist dann doch eher eine etwas seltener genossene Delikatesse, auch in Japan.

Ramen, Soba, Udon, Somen
Bei diesen Nachbildungen von verschiedenen japanischen Nudelgerichten muss man wirklich aufpassen, dass man nicht zugreift ^^

 

Außerdem isst man in Japan gerne Nudeln, meist in Form von ziemlich habhaften „Eintöpfen“ oder zumindest sieht das in der Schüssel aus, als käme es aus einem Topf, ist aber mit Sicherheit aus verschiedenen Komponenten zusammengestellt.

 

Sehr authentisch wurden die japanischen Speisen in der Sonderausstellung „Oishii!“ präsentiert. Wie in japanischen Ramen-Restaurants oder in japanischen Sushi Bars oft üblich, gibt es in einer Vitrine vor dem Lokal alle angebotenen Speisen als naturgetreue Nachbildung aus Kunststoff zu bewundern. Da sind wahre Künstler am Werk. Manche Nudelsuppen sehen so echt aus, dass man sie glatt verspeisen würde. Je besser die Nachbildungen sind, desto mehr Kundschaft erwartet sich dann der Wirt.

Japanisches Restaurant
So könnte der Eingang zu einem japanischen Nudelrestaurant aussehen – man denke hier nur an den berühmten Film „Tampopo“

 

Aber auch eine ansprechende Arbeitskleidung im Nudelrestaurant und der passend dazu abgestimmte zweigeteilte Tuchvorhang am Eingang soll dazu beitragen, mehr hungrige Gäste ins Restaurant zu locken. Auf dem Tuchvorhang findet sich traditionell das Familienwappen des Inhabers, oft aber auch ein paar Schriftzeichen, die über das Speiseangebot informieren. Hängt dieser Vorhang vor der Tür des Restaurant, dann ist geöffnet. Fehlt er, dann hat das Restaurant geschlossen. Bei meiner ersten und bislang einzigen Japanreise sagte man mir, dass dieser Vorhang auch dazu diene, dass die Gäste mit einer gewissen Demut den Raum betreten, da sie meist den Kopf leicht senken müssen, um durch die (für Europäer) niedrige Tür und zwischen dem zweigeteilten Vorhang hindurch zu schreiten. Kann man sich auch gut vorstellen, dass hier einer, der mit hochnäsig erhobenem Haupt durch die Tür geht, erstmal lächerlich wirkt, wenn er einen dekorativ bedruckten Stofflappen im Gesicht hat…

 

Japanische Lackarbeiten
In diesen schön lackierten Stapelkästen werden japanische Köstlichkeiten optisch ansprechend einsortiert.

 

In der japanischen Küche wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass zum einen alles perfekt zusammen passt und harmoniert, zum anderen, dass die Optik stimmt. Verglichen mit dem, wie und was hierzulande manchmal als Essen auf den Teller gehäuft wird, sind japanische Gerichte meist richtige Gesamtkunstwerke. Auch wenn beispielsweise diese entzückenden Stapelboxen gefüllt weren, dann nicht einfach so, damit sie randvoll sind, sondern immer durchdacht und mit viel Sinn für das ebenfalls mitessende Auge.

interaktive Ausstellung
Interaktives Museum – hier kann man an Tablets rein virtuell japanische Speisen zubereiten oder nebenan den Umgang mit japanischen Essstäbchen erlernen

 

Man entdeckt in der Ausstellung nicht nur historische Gegenstände, Holzschnitte oder andere Kunstwerke rund um das japanische Essen, sondern es gibt auch die Möglichkeit, rein virtuell an Tablets selbst japanisch zu kochen oder das Essen mit Stäbchen zu erlernen. Mitmachen ist angesagt, denn wer ausprobiert, wie es ist, mit Stäbchen kleine Kügelchen aus einem Gefäß zu fischen, der versteht dann sicherlich auch besser, warum bestimmte Gerichte ganz besondere Eigenschaften haben. Oder warum es in Japan bestimmte Gepflogenheiten beim Essen gibt, die man schon in benachbarten Ländern so nicht mehr findet.

Foodporn in der Vitrine

Ama und der Oktopus
Netsuke – kleine japanische Schnitzereien

 

Für mich ebenfalls beeindruckend waren die ausgestellten Netsuke, kleine aus Elfenbein geschnitzte Figuren, die in diesem Fall fast schon wortwörtlich als Foodporn durchgehen könnten. Da gibt es zum einen diesen gefangenen Oktopus, zum anderen eine der japanischen Taucherinnen, die nackt nach Meerestieren tauchen und sie zutage fördern. In der Darstellung des Netsuke wird diese Meerfrau von einem Oktopus bedrängt, den sie offensichtlich nicht abwehrt, wie sie es normalerweise tun…

Ich sag da nur „On y soit qui mal y pense…“

Sushi für Ushi
Wer gerne im Museum hängen möchte, der kann ein Bild von sich in Hochformat ans Linden-Museum senden. Vorausgesetzt, das Foto zeigt, wie man selbst gerade japanische Essen verspeist. Außerdem werden die unterschiedlichsten Sushi-Modelle gezeigt, so dass man zukünftig ganz fachmännisch den Unterschied zwischen Akagai no nigiri und Anago no nigiri erklären kann ^^

 

Sonderausstellung mit breit gefächertem Begleitprogramm

Das Thema Japan in Kombination mit dem Essen zieht sich begleitend zur Sonderausstellung „Oishii! Essen in Japan“ durch verschiedene Veranstaltungen, die zum Teil im Linden-Museum, zum Teil aber auch in anderen Institutionen stattfinden. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich hier aus verschiedenen Richtungen dem Thema nähern. Manga-Zeichenkurse für Kids, Teens oder auch „nur für Erwachsene“,  Ausstellungsführungen mit anschließendem Besuch eines japanischen Restaurants, Einladungen zur Teezeremonie, musikalische Darbietungen mit Haiku-Dichtereien – alles dreht sich um das Land der aufgehenden Sonne.

Ich finde das Programm hochinteressant und überlege jetzt schon, wie ich die eine oder andere Fachlehrerin meiner Tochter davon überzeugen könnte, mal mit der Klasse in die Ausstellung zu gehen. Davon abgesehen gibt es aber für mich persönlich jede Menge Termine, die ich in diesem Zusammenhang gerne wahrnehmen würde. Zum Beispiel interessieren mich diverse japanische Filme, die in diesem Kontext gezeigt werden. Oder speziell eine Führung zu japanischen Holzschnitten im Rahmen der Ausstellung. Oder japanische Textiltechniken. Oder japanische Essenszubereitung…

Ein Sake-Fass aus der Austellung „oishii! Essen in Japan“ im #lindenmuseum in #stuttgart. Diese Sake-Fässer live und in rauer Anhäufung konnte ich in Japan in verschiedenen Shinto Schreinen bewundern. Ich weiß nur nicht mehr genau, wo das war, vermute aber dass es der Asakusa Schrein in Tokio und Isaniwa Schrein auf Matsuyama war – zu lange her ^^ Aber so ein Sake-Fässchen wäre auch eine schöne Homedeco, finde ich zumindest ? Die Ausstellung im Lindenmuseum hat vor rund zehn Tagen erst eröffnet und geht noch bis zum 23.04.2016. Unbedingt einplanen, lohnt sich sehr! ???????? #liebstoeckelschuh #lifestyle #food #museum #sake #sakebarrel #japan #nihon #japanesefood #oishii2016 #oishii #japanese #food #instagood #japanesefood #beautiful #jp #art #japon #yummy #vscocam #foodstagram #oishi #stuttgart #0711 #germany #stuggi #ig_stuttgart #igersgermany #0711

Ein von Salvia von Liebstöckelschuh (@salvia_von_liebstoeckelschuh) gepostetes Foto am

Informationen zur Ausstellung „Oishii! Essen in Japan“

Bevor ich jetzt hier noch weiter schwafle, verweise ich die die lieben Leser*innen, die dank meiner neutralen Berichterstattung jetzt ebenfalls sofort in diese Ausstellung gehen möchten, zunächst mal auf die Website vom Linden-Museum.

Besonders empfehlen möchte ich die Führungen durch die Ausstellung mit Kuratorin Dr. Uta Werlich. Sie hat auch uns Blogger*innen durch die Hallen geleitet und alles sehr anschaulich erklärt.

Kuratorenführungen mit Dr. Uta Werlich Sa. 29.10./26.11./10.12./14.1./11.2./11.3./22.4., jeweils 14 bis 15.30 Uhr € 5,- zzgl. Eintritt

Begleitend zur Ausstellung gibt es einen Katalog, den ich allen Japan-Fans auch sehr ans Herz legen kann. Wer nicht persönlich ins Linden-Museum gehen kann, aber trotzdem einen Katalog haben möchte, der kann diesen auch online bestellen.

Weitere Veranstaltungen und Vorträge mit dem Programmschwerpunkt Japan gibt es auch bei der VHS Stuttgart.

Preise, Öffnungszeiten, Anfahrtsmöglichkeiten usw. entnehmt ihr am besten direkt der Website vom Linden-Museum, bevor ich das jetzt alles hier abtippe.

Ich kann nur sagen: Diese Ausstellung muss man gesehen haben – zumindest wenn man sich für Japan, das Essen oder beides interessiert!

Natürlich freue ich mich, wenn ihr mir in den Kommentaren erzählt, wie euch die Ausstellung gefallen hat oder welches der vielen Begleitangebote euch ganz besonders interessiert.

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