Der Berg ruft!

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In wenigen Tagen ist es endlich soweit und Frollein Tochter darf endlich die Reise antreten, auf die sie schon seit fast zwei Jahre entgegen fiebert. Es geht nach Südtirol ins Schullandheim.

Diese Schuhe kamen erst vor ein paar Tagen bei uns an und müssen etwas eingelaufen werden.
Sie kommen auf jeden Fall mit nach Südtirol, aber für die Bergwanderungen haben wir dann noch feste Schuhe, die bis über den Knöchel geschnitten sind.

So langsam macht sich auch bei mir der Packwahn breit und ich gehe im Kopf schon dauernd Klamotten durch, die sich möglichst für alle Wetterlagen und kreuz und quer sowie schichtweise kombinieren lassen. Der Aufenthalt mit An- und Abreise dauert eine knappe Woche, wie das Wetter in den Bergen ist, weiß man vorher auch nie so genau und deswegen ist man gut beraten, wenn die Klamotten so ausgewählt sind, dass alles irgendwie passt.

Ich kann mich erinnern, dass es selbst im August in Südtirol schon geschneit hat, gerade als wir damals so kurz vor der ersten Hütte angelangt waren. Zum Glück, denn wir waren irgendwie nicht so richtig auf Schnee eingerichtet und konnten uns dort kurz aufwärmen und von dort aus flugs wieder nach unten gehen…

Die letzten Tage war Frollein Tochter unter anderem damit beschäftigt, nicht nur ihr Zeug zusammen zu suchen, was sie gerne mitnehmen möchte, sondern auch noch sich an ihre Wanderschuhe sowie die neuen Sneakers zu gewöhnen. Es gibt schließlich nichts schlimmeres, als während der Wanderung auf einmal Druckstellen, Blasen und blutige Fersen zu bekommen…

Hoffen wir mal, dass sie davon verschont bleibt. Alter Trick ist, bei Wanderungen immer zwei Paar Socken zu tragen, die dünneren hautnah und die dickeren oben drüber. Dann müssten Blasen und Druckstellen weitgehend vermieden werden können.

Vom Schullandheim selbst bin ich schwer beeindruckt. Kein Vergleich mit diesen abgehalfterten Landheimen meiner Schulzeit! Der reinste Luxus ist das, zumindest auf den Fotos. Alpin angehaucht, natürlich viel Holz, aber alles in allem sieht es ziemlich gemütlich aus. Es gibt sogar für jedes Zimmer ein eigenes Bad mit Dusche und WC. Keine Ahnung, ob das für Schullandheime mittlerweile Standard ist, aber ich kann mich noch an sanitäre Einrichtungen erinnern, die grundsätzlich außerhalb des Sechs-Bett-Zimmers lagen.

Das Essen soll angeblich sehr gut sein, was man bei der Südtiroler Küche erwarten darf, was aber für Schullandheime nicht immer selbstverständlich ist. In diesem Fall wurde aber die Verpflegung nicht nur von den Lehrern hochgelobt, sondern auch von den Schülern, die ein, zwei Klassenstufen älter und damit diese Ausfahrt bereits hinter sich hatten.

Neben irgendwelchen Wanderungen in den Dolomiten, die hoffentlich nicht über die Vegetationsgrenze hinausgehen und hoffentlich keine schmalen Trampelpfade mit steilen Wänden an der einen und tiefen Abgründen an der anderen Seite tangieren, geht es außerdem noch ins Ötzi-Museum nach Bozen. Ich bin gespannt, was Frollein Tochter berichten wird!

Anlässlich des bevorstehenden Schullandheimbesuches habe ich mir natürlich die Gegend ein wenig auf entsprechenden Karten angeschaut und schlagartig fielen mir auf einmal wieder die ganzen Namen von irgendwelchen Bergen und Hütten ein, die ich gefühlt vor hundert Jahren mal besucht bzw. erklommen habe. Wenn ich daran zurückdenke, dann dreht es mir heute nachgerade den Magen um. Heute brächten mich keine zehn Pferde mehr auf solche Wege, wie ich sie damals zwar mit manchmal ganz schön weichen Knien, aber immerhin doch bewältigt habe.

Mein erster Berg war der Peitlerkofel mit Übernachtung in der Schlüterhütte und Ausdehnung der Bergrunde am nächsten Tag über irgendwelche unvorhergesehene Umwege. Richtig schön in Erinnerung behalten habe ich die rustikale Schlüterhütte und das deftige Essen dort. Aber ich erinnere mich auch an Situationen, wo ich tatsächlich keinen Schritt mehr vor oder zurück gehen wollte und man mich nachgerade wie so einen bockigen Esel bequatschen musste, damit ich im Gebirge weiter wandere…

Nach dem dritten oder vierten Bergwanderurlaub hatte ich dann irgendwann beschlossen, dass ich keine Gemse bin und auch niemals eine sein werde. So schön das da oben ist, der Aufstieg ist mühsam, der Abstieg mitunter noch mehr und wenn man dazu tendiert, vom Abgrund magisch angezogen zu werden, dann ist die Bergwanderei mit anspruchsvollen Wegen und Klettersteigen einfach nicht so das ideale Freizeitvergnügen…

Zurück zum bevorstehenden Schullandheim: Ich hoffe jetzt mal, dass die beiden begleitenden Lehrkräfte kein Risiko eingehen, wenn sie mit ungefähr 25 Schülern unterwegs sind und sich nur solche Wanderwege aussuchen, die sie mit so einer großen Gruppe auch problemlos bewältigen können. Ich weiß jetzt schon, dass ich nächste Woche jeden Abend sehnsüchtig auf WhatsApp Nachrichten warten werde!

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