Sloppy Joe, Key West and Hemingway [Rezept]

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Neulich stöberte ich mal nach Rezepten und stieß dabei auf den Sloppy Joe, eine Art Hamburger vom Geschmack, von der Konsistenz her aber eher eine lose ins Sandwich gehäufte Hackfleischsoße mit ordentlich Ketchup und anderen amerikanischen Geschmacksnuancen.

Irgendwie machte mich das an, weil ich zugegebenermaßen schon manchmal so einen richtigen Heißhunger auf Burger habe, aber in den gängigen Lokalitäten keinen essen mag, da hier mein Misstrauen zu groß ist. Könnte ja wer weiß was in dem Gehackten drin sein…

partyrezept
Sloppy Joe with french fries


Also habe ich selbst welche basteln wollen, aber keine Lust gehabt, die Bratlinge zu formen und zu grillen. Von daher kam mir der Sloppy Joe gerade recht, da er ganz einfach und lässig herzustellen ist. Bevor ich allerdings zum Rezept komme, möchte ich noch elegant die Kurve kratzen und ein wenig über Florida, die Keys und Hemingway plaudern.

Dort waren Schwesterherz und ich vor einigen Jahren, als wir noch zusammen bei einer Firma arbeiteten, die Reisen dieser Art zur Motivation ihrer Innen- und Außendienstler veranstaltete. Wir flogen damals für zwei Wochen nach USA mit Aufenthalten in Houston TX, Las Vegas NV und Miami Beach FL. Letzteres war natürlich ein prima Ausgangspunkt, um einen Ausflug zu den Keys zu unternehmen, insbesondere natürlich nach Key West, der südlichsten dieser kleinen Inseln.

Wir waren damals eine Reisegruppe von bestimmt 15 – 20 Personen, eben alles Firmenangehörige und alle bestens drauf, was vor allem immer zu endlosen Abenden führte, bei denen literweise Dom Perignon floss, wahlweise auch Daiquiries und anderes Zeug. Entsprechend kurz waren die Nächte und entsprechend angeschlagen waren wir in den Morgenstunden, wenn wir halb verkatert zum Frühstück erschienen. Untergebracht waren wir im Fontainebleau Miami Beach an der Millionaire’s Row, wo einst einer der Schauplätze des legendären James Bond Streifens Goldfinger war und wo ich erstmals in meinem Leben Kakerlaken von 4-5 cm Länge begegnete. Sie kamen nachts aus den Ritzen der Bodendielen an der hoteleigenen Strandbar und marschierten völlig gechilled an den Stuhlbeinen hoch oder auf dem Tresen herum und wenn man dann angewidert beschloss, aufs Zimmer zu gehen, begrüßte einen die hoteleigene Kakerlake im 3. Stock sobald man den Aufzug verließ…

Mittlerweile wurde das Haus in mehrjähriger Arbeit generalüberholt und damit sicherlich auch von diesen Tierchen befreit – hoffe ich.

Eines Morgens machten Schwesterherz und ich uns auf und fuhren per Reisebus als einzige der Belegschaft runter in die Keys, während die anderen alle noch ihren Rausch ausschliefen. Wir hatten Zwischenstopp auf Key Largo (bekannt aus Gangster in Key Largo mit Humphrey Bogart) und als Ziel Key West. Im Kopf lief natürlich der Song von Sadé, der bereits einige Jahre vorher die Hitlisten besetzte.

Ich weiß nicht mehr, wieviele Stunden wir da unterwegs waren, aber irgendwann landeten wir ausgeschlafen und wohlbehalten auf Key West, dem südlichsten Zipfel der USA und dem Punkt, von wo aus es nur noch 90 Meilen nach Kuba sind. Auf Key West standen natürlich die üblichen Touristenattraktionen an, nämlich ein Besuch auf dem Leuchtturm, von wo aus man eine phantastische Aussicht genießt, der Besuch des kleinen Hafens mit vielen Fotomotiven, ein Bummel durch das Städtchen und natürlich ganz wichtig: ein Besuch im Hemingway House, bei dem ich nachhaltig von den vielen Katzen beeindruckt war, die hier den schönen Garten rund um die Villa bevölkerten. Ernest Hemingway lebte einige Jahre auf Key West und war neben Tennessee Wiliams und ein paar anderen einer der bekannteren Bürger dieser Insel.

Wenn man schon auf den Spuren eines so berühmten Schriftstellers wie Ernest Hemingway ist, dann darf natürlich auch ein Besuch einer seiner Stammkneipen nicht ausbleiben. Natürlich waren wir im Sloppy Joe und natürlich fühlten wir uns großartig, dort an der Theke zu sitzen, wo einst ein großer, weltbekannter Autor saß und vermutlich seinen Durst nach Alkohol stillte. Ich weiß nicht mehr, was wir dort zu uns nahmen. Nicht weil wir uns die Dröhnung gaben, sondern weil es einfach vermutlich nicht wichtig genug war, um es sich über die Jahre zu merken. Ich habe mir nur gemerkt, dass sich die Kneipe in einem Eckhaus befand und dass sie mit abgeschabten dunklen Möbeln bestückt war – offensichtlich sieht sie heute noch genauso aus.

Jetzt begegnete mir eben dank meiner Rezeptsuche Sloppy Joe nach Jahren, nein, Jahrzehnten, erneut und in diesem Zusammenhang fielen mir die ganzen Reiseerinnerungen ein. Leider habe ich damals natürlich alles analog fotografiert und selbstverständlich auch noch auf Kodakchrome 64 als Diapositive, deswegen gibt es hier jetzt keine Bilder zu sehen.

Aber zurück zum Rezept. So ein wenig American Diner Feeling kommt mit diesem lässig dahingeschlappten Burger auf jeden Fall auf und geschmeckt hat er Frollein Tochter und mir ganz hervorragend. Vorausgesetzt natürlich, man mag diese Art von kulinarischem Genuss.

Wir benötigen für einen

Sloppy Joe nach Liebstöckelschuh Art (für 2 Personen)

2 Burger Buns (Hamburgerbrötchen) gekauft oder selbstgebacken
300 g reines, mageres Rinderhack, frisch durchgelassen beim Metzger des Vertrauens
1 Zwiebel
1/2 Tasse Ketchup
1 EL Zucker
1 EL Senf
1 EL Essig
Tabasco nach Belieben
Öl zum braten

 

Zur Garnitur so Zeug wie

Salatblätter
Saure Gurken der Länge nach in Scheiben geschnitten
Tomatenscheiben
Zwiebelringe

als Beilage

selbst geschnitzte oder selbst gekaufte Pommes Frites, wahlweise Potato Wedges

Die Zwiebel erstmal um 2 Scheiben Zwiebelringe erleichtern, die brauchen wir später für die Garnitur. Den Rest schneiden wir in mehr oder weniger feine Würfelchen. Das Öl in einer Pfanne erhitzen, das Rinderhack dazu geben und kurz anbraten, dann die gewürfelte Zwiebel in die Pfanne geben und bei etwas niedrigerer Temperatur zusammen mit dem Hackfleisch weiterbraten. Sobald das Hackfleisch gebräunt ist, kippen wir den Ketchup, den Zucker, den Senf und den Essig dazu und vermischen alles.

Diese Masse wird nun bei offenem Deckel noch ca. 20-30 Minuten gedünstet, bis sich die Soße reduziert hat. Dann kann man nach Belieben noch mit Tabasco abschmecken, natürlich nur wenn die Kinder am Tisch damit einverstanden sind. Sonst separiert man den Anteil für die Kids im Vorfeld und würzt den Rest ordentlich mit der scharfen Soße.

Die Burger Buns wurden mittlerweile getoastet, auf Tellern bereit gestellt und werden dann mit der Hackfleischmasse gefüllt und mit dem Dekozeug garniert. Deckel drauf, Pommes Frites dazu, nochmal Ketchup über die Pommes und gleich genießen.

Und nun: Guten Appetit!

Wer von euch war schon auf den Keys und hat ein paar schöne Bilder dazu? Zeigt sie mir und wenn ich damit persönliche Erinnerungen verbinde, verlinke ich euren dazugehörigen Blogpost hier direkt darunter!

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