So kurz vor Ostern habe ich eine Neuerscheinung eines Kinder- und Jugendbuches für euch gelesen. Meiner Meinung nach ein absoluter Tipp fürs Osternest! Warum? Lest selbst:

Ben ist ein elfjähriger, britischer Junge, der jeden Freitag bei seiner Oma verbringen muss, weil seine tanzverrückten Eltern schon seit Jahren den Freitagabend für sich reserviert haben, um entweder irgendwelchen Live-Turniertanzshows beizuwohnen oder aber sich in einem indischen Restaurant mit Fladenbrot in ungeahnten Mengen vollzustopfen.

Ein spannender Roman für Jungen und Mädchen, empfohlen für das Alter von 10 – 12 Jahren


Ben ist also jeden Freitag dazu verdonnert, bei seiner sehr einfach lebenden Großmutter zu übernachten, die großmütterlicher kaum sein könnte mit ihren Bartstoppeln am Kinn, den dritten Zähnen, dem geblümten Kleid und dem sie umhüllenden Kohlduft, da sie sich tagaus tagein nur von ekliger Kohlsuppe zu ernähren scheint. Grundsätzlich gehört zu diesen stets gleich ablaufenden Freitagabenden auch, dass sie nach dem Essen noch eine Runde Scrabble spielen, bis ihn die Oma dann viel zu früh ins Bett schickt, obwohl er bei seinen Eltern zuhause am Wochenende mindestens bis um zehn Uhr wach bleiben dürfte.

Kein Wunder, dass das einem Elfjährigen nicht passt. Aber nicht zuletzt dank des entscheidenden Hinweises eines indischen Kioskbesitzers, bei dem Ben immer seine Lieblingslektüre kauft, eine Fachzeitschrift für das Klempnerhandwerk, kommt Ben eines Tages dahinter, dass seine Oma ein Geheimnis hat: Sie war früher eine berühmte Juwelendiebin!

In einer alten, abgeschabten Blechkeksdose vom 25-jährigen Krönungsjubiläum der Queen entdeckt Ben anstelle von Keksen jede Menge Juwelen. Auf einmal ist seine Großmutter keine langweilige Alte mehr, sondern ab diesem Zeitpunkt wird sie mit ihrer Geschichte auf einmal interessant für ihren Enkel. Vollends Feuer und Flamme ist er, als er erfährt, dass sie noch einen großen Coup landen möchte, sozusagen die Kür für eine Meisterdiebin: sie will die Kronjuwelen der Queen stehlen. Und auf einmal kann sich Ben nichts Spannenderes mehr vorstellen, als die Freitagabende bei seiner Großmutter zu verbringen und mit ihr den letzten großen Coup zu planen.

Doch was wäre eine Gangster-Geschichte ohne überraschende Wendungen und Hindernisse. Welche das sind, wird natürlich nicht verraten, nur soviel: die gesamte Story steckt voller Überraschungen, die nicht unbedingt zu erahnen sind. Dabei erzählt Autor David Walliams mit einem schrägen, britischen Humor, der mir ständig laute Lacher entlockte, Geschichten von Alt und Jung, von drei Generationen, skizziert die britische Mittel- und Unterschicht, berichtet von einem Jungen, der sich nicht sicher ist, ob er überhaupt von seinen Eltern geliebt wird, lässt einen eine Gefühlsbandbreite von alberner Belustigung bis hin zu tränenschwangerer Rührseligkeit durchleben und garniert das Ganze mit einem gekonnt geführten Spannungsbogen.

Ich persönlich fand dieses Buch, was für Schulkinder im Alter von 10 bis 12 Jahren gedacht ist, sehr amüsant und kurzweilig zu lesen. Die karikierten Charaktere sind natürlich alle ein wenig überzogen, aber genau das entspricht ja dem Wesen einer Karikatur, dass die jeweils typischen Eigenschaften nochmals besonders hervorgehoben werden. Es gibt auch eine pädagogisch wertvolle Botschaft hinter dieser amüsanten Story, nämlich die, dass eben die Alten auch mal jung waren und keineswegs so grau und langweilig sind, wie sie den Youngsters auf den ersten Blick erscheinen mögen. Man muss als Enkel vielleicht nur mal ein paar Fragen stellen und auf einmal wird Oma oder Opa zu einer schillernden Persönlichkeit mit dem Zeug zum Helden.

Das Buch ist übrigens mit vielen ansprechenden Illustrationen von Tony Ross ausgestattet, die den humorvollen Charakter nochmals unterstreichen. Beispielsweise die bildhafte Anleitung, wie man den Anschein erweckt als ob man Zähne putzt oder die Schemazeichnung der Oma mitsamt Beschriftung, was eben diese eine Großmutter so ausmacht: falsches Gebiss, braune Strümpfe, Karamellbonbons in der Tasche, Hörgerät etc. pp.

Wer also für ein Kind im entsprechenden Alter noch ein spannendes Buch fürs Osternest sucht, der ist mit diesem Schmöker sicherlich gut beraten, den meiner Meinung nach Jungen wie Mädchen gleich gut lesen können. Allerdings muss ich gleich dazu sagen, dass es nicht unbedingt maßgeblich ist, dass ich häufig über die Situationskomik in dem Buch lachen konnte. Meine Tochter, genau im Alter der Zielgruppe und eigentlich auch mit einem leicht britisch anmutendem Humor ausgestattet, konnte sich nur hin und wieder ein Lächeln abringen und ansonsten hatte sie überfließendes Mitleid mit der Oma von Ben…

Aber im vorderen Klappentext steht ja eigentlich schon die Warnung: Du wirst Tränen lachen oder vielleicht weinen, auf jeden Fall wirst du deine Oma mit anderen Augen sehen.

Gangsta-Oma
Autor: David Walliams
Übersetzung: Salah Naoura
Illustrationen: Tony Ross
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag (11. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499217406
ISBN-13: 978-3499217401

Preis: € 14,99
auch bei Amazon erhältlich

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