Es hätte meiner Meinung nach kaum ein besseres Datum für die Veröffentlichung dieser Buchrezension geben können, als den heutigen 8. März, den Internationalen Frauentag. Denn um Frauen geht es in dem neu aufgelegten Buch von Bärbel Kerber, um die Frauen von heute, wie sie stets versuchen, Beruf, Familie und Haushalt unter einen Hut zu bekommen.


Unter dem Titel „Und was jetzt? Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt“ läuft das komplett überarbeitete und aktualisierte Buch, das bereits im Jahr 2003 beim Metropolitan-Verlag, Regensburg unter dem Titel „Die Babyfalle erschienen ist.

Genau diese Frage „Und was jetzt“ ist es, die sich viele Frauen stellen dürften, wenn sie sich für eine Option der Lebensgestaltung aus vielen entschieden haben und auf einmal merken, dass die Entscheidung doch nicht ganz den eigenen Erwartungen entspricht.

Die Autorin Bärbel Kerber setzt mit ihrem Buch genau dort an, wo der momentane Zeitgeist vermittelt, dass grundsätzlich für Frauen alle Türen offen stehen und alles machbar sei. Es gibt die unterschiedlichsten Lebensmodelle für Frauen, nicht mehr wie früher, als feststand, dass eine Frau zu heiraten, Kinder zu gebären und großzuziehen hat. Heute darf frau vermeintlich frei wählen zwischen traditionellen Rollenbildern oder modernem Lifestyle, sie darf entscheiden, ob sie als Vollzeitmutter und Ganztagshausfrau ihrem Karriere machenden Mann den Rücken freihält und die gemeinsamen Kinder aufzieht oder ob sie lieber selbst Karriere macht und auf Kinder verzichtet bzw. sich einen Hausmann anlacht, der dann eben im Rollentausch die häuslichen Pflichten und die Kindererziehung übernimmt.

Im vorliegenden Buch werden die unterschiedlichen Rollen, die einer Frau heutzutage zur Verfügung stehen, von allen Seiten beleuchtet, sei es die der Vollzeitmutter, die der berufstätigen Mutter oder die der späten oder verhinderten Mutter, aber auch das Lebensmodell der Singlefrau, die lieber auf Kinder verzichtet um stattdessen ihr Leben genießen und ihre Karriere voran treiben zu können. Bärbel Kerber geht intensiv auf die jeweiligen Rollen ein, so dass ich mich selbst und meine Situation wirklich in verschiedenen Beschreibungen wiederfinden konnte, welche jeweils garniert mit diesen unterschwelligen oder offensichtlichen Vorwürfen und Vorhaltungen waren, die Frauen gerne von ihrem Umfeld, von der sogenannten Gesellschaft zu hören bekommen und durch Fallbeispiele sowie Studien belegt wurden.

Nur als Beispiel: bekommt sie Kinder und bleibt daheim, dann ist sie die Glucke oder das Heimchen am Herd, bekommt sie welche und geht gleich wieder arbeiten, dann ist sie Rabenmutter, bekommt sie keine und lebt nur zu ihrem eigenen Vergnügen, dann ist sie egoistisch und lebt auf Kosten der Erziehungsleistung anderer Eltern. Mit anderen Worten: wie frau es auch macht, es ist irgendwie immer nicht ganz richtig und es gibt fast immer irgendjemanden, dem gegenüber sich frau für ihren eigenen Lebensentwurf und Lebensstil rechtfertigen muss.

 

Frau kann sich also noch so sehr bemühen, alles richtig zu machen, aber wenn sie der gesellschaftlichen Pauschalmeinung glauben darf, dann wird sie es eben doch nie schaffen, obwohl es ihr von den Medien ständig vorgegaukelt wird, dass sie eine eierlegende Wollmilchsau sein könne. Ein paar Paradebeispiele von Frauen gibt es schließlich, die es trotz Kinder in nicht unerheblicher Zahl zu einer glanzvollen Karriere gebracht haben. Es ist verflixt, aber es ist tatsächlich so, wie ich aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit anderen Frauen bestätigen kann. Das Problem für viele Frauen ist dabei, dass sie tatsächlich glauben, sie müssten all diesen von außen angetragenen Anforderungen gerecht werden, stets versuchen perfekt zu sein und sich bei der Gelegenheit komplett aufzuopfern und an ihr Limit zu gelangen.

Um diesem Aufrieb entgegen zu wirken und um Frauen zu mehr Gelassenheit, vielleicht auch zu mehr Lässigkeit im Umgang mit diesen von außen gestellten Anforderungen zu verhelfen, gibt Bärbel Kerber im letzten Drittel des Buches einige Tipps. Sie macht gut umsetzbare Vorschläge, zum Beispiel wie auf die gängigen Vorhaltungen reagiert werden kann, wie sich frau aus Krisen befreien kann, aber auch wie sie sich mit dem Partner über Aufgabenteilung und Entlastung auseinander setzen und hoffentlich auch einigen kann.

Insgesamt lässt sich das Buch sehr gut lesen, ist gleichermaßen informativ wie unterhaltsam geschrieben und hat mir an wirklich vielen Stellen aus der Seele gesprochen. Manchmal hatte ich das Gefühl, man bräuchte wirklich nur dieses Buch mit der passenden Stelle zitieren, wenn mal wieder jemand als Doktor der Bescheidwissenschaften daher kommt und einem erzählen möchte, wie man alles rund um Kind(er), Familie, Arbeit und Haushalt besser gebacken bekommt, um denjenigen damit in seine Schranken zu weisen bzw. schachmatt zu setzen. Es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, bestenfalls bringt es konstruktive Diskussionen in Gang, die nachhaltige Veränderungen bewirken könnten. Vielleicht anfangs nur im Kleinen, aber das kann ja auch wachsen.

Mein Tipp: Unbedingt lesen! Am besten gleich in Kombination mit diesem Buch.

Die Autorin Bärbel Kerber ist Journalistin und Buchautorin. Von ihr erschien auch „Das innere Korsett – Wie Frauen dazu erzogen wurden, sich ausbremsen zu lassen“ im Verlag C.H. Beck (2015)

Und was jetzt?
Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingtBärbel Kerber
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (30. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3739281510
ISBN-13: 978-3739281513

€ 14,99Und während ich das so schreibe, lese ich, dass in der Türkei eine Demonstration von Frauen für mehr Frauenrechte anlässlich des Internationalen Frauentages gestern gewaltsam aufgelöst wurde… es gibt noch viel zu tun!

1 KOMMENTAR

  1. Danke für diesen tollen Buchtipp! Ich " nur " Hausfrau, Mutter, Chauffeurin, Alleinunterhalterin und Ehefrau kenne das von dir in der Rezension beschriebene Dilemma nur all zu gut! Ich habe versucht , mich von diesem Druck weitestgehend zu lösen. Klappt mal besser oder schlechter… Ich werde das Buch gerne lesen. LG Mia

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