Eine Neuerscheinung im Monat März, die ich gerne hier vorstellen möchte, ist das Buch „Die Abschaffung der Mutter – Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – warum es so nicht weitergehen darf“, geschrieben von Alina Bronsky (Bestsellerautorin) und Denise Wilk (Doula/Geburtsbegleiterin), erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt München.

Auszug aus dem Klappentext

Eine Schwangerschaftsvorsorge, die in Entmündigung gipfelt. Geburten, bei denen es vor allem um eines geht: (Kosten-)Effizienz. Ein Wochenbett, das seinen Namen nicht mehr verdient. Stillen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und keinesfalls zu lange. Väter, die versuchen, die bessere Mutter zu sein. Eine Politik, die alles dafür tut, Kinder so schnell wie möglich in die Krippe zu stecken. Die Verunsicherung von Müttern als Geschäftsmodell. Wertschätzung? Unterstützung? Fehlanzeige.

Die Abschaffung der Mutter: Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – warum es so nicht weitergehen darf

Der Titel alleine war mir schon gleichermaßen ansprechend und provokativ genug, dass ich dachte, das Buch ist doch thematisch sicherlich eine gute Ergänzung zu denen, die ich in jüngster Zeit gelesen hatte und die in die gleiche Kerbe hauen: Mütter heute, irgendwo zwischen Emanzipation, feministischer Aufgabenstellung und traditioneller Heimchen-am-Herd-Rolle.

Bronsky und Wilk wissen worüber sie schreiben, schließlich haben sie laut Klappentext zusammen zehn Kinder, die Stiefkinder nicht mit eingerechnet. Und entsprechend beherzt starten sie auch gleich im Vorwort damit, vorab klarzustellen, dass dieses Buch keineswegs dazu dienen soll, andere Mütter zu bekehren oder ihren Lebensentwurf streitig zu machen. Dieses Buch soll vielmehr die Missstände aufzeigen, wie sie für werdende, junge und gestandene Mütter vielerorts heute zu finden sind. Themen, von denen beiden aus deren Umfeld teilweise abgeraten wurde, darüber zu schreiben, da diese mitunter die Brisanz von aufgescheuchten Wespennestern haben.

Kontrolliert

Sobald ein Paar geheiratet hat, wird auch heute noch im privaten und beruflichen Umfeld der kontrollierend scannende Blick ausgesandt, ob denn bald mit Nachwuchs zu rechnen sei. Schon hier beginnt laut Bronsky und Wilk für Frauen teilweise die mehr oder weniger subtile Grenzüberschreitung durch andere, die es eigentlich nichts angehen sollte, wie das private Thema Familienplanung gehandhabt werden soll. Und ist es dann tatsächlich soweit, gehen die möglichst engmaschigen Kontrollen der werdenden Mütter auf medizinischer Ebene weiter. Hier ein Screening, dort ein Test – alles unter dem Deckmäntelchen der wohlwollenden Sorge um das ungeborene Leben und vor allem, so mutet es an, um der offensichtlich inkompetenten Mutter den richtigen Weg zu weisen. Den heutigen Müttern wird jegliches selbstbestimmte, instinktiv richtige Handeln abgesprochen, da ab dem Zeitpunkt der positiv festgestellten Schwangerschaft nur noch der medizinische Apparat die richtigen Entscheidungen herbeiführen kann.

Manipuliert

Mehr oder weniger subtil verlaufen die Manipulationen, die Mütter ausgesetzt sind und die für sie teilweise nur schwer zu durchschauen sind. So ist zu lesen, dass Schwangere oft zu medizinischen Maßnahmen gedrängt werden, deren Wirkung oder diagnostische Präzision zweifelhaft sind, die aber die Schwangere, die obwohl gesund mittlerweile zur Patientin mutierte, kaum kritisch hinterfragen darf. Denn dann wäre die nächste Manipulation gleich vorprogrammiert: Sie wollen doch nicht, dass Ihr Kind dem Risiko XY ausgesetzt ist!?

 

 

Auch die Wahl des Geburtsortes verläuft meist nicht ohne Einflussnahme. Sollte sich eine Frau ganz mutig für eine Hausgeburt entscheiden, dann wird ihr beinahe schon Fahrlässigkeit im Umgang mit der Gesundheit ihres Babies unterstellt. Die Tendenzen gehen laut Bronsky und Wilk ohnehin in die Richtung, dass es hinsichtlich der Entbindung bald nur noch eine einzige Option geben wird, wie es teilweise in benachbarten europäischen Ländern schon so umgesetzt wird.

Und sobald das Kind dann auf Erden ist, geht die Manipulation geradewegs weiter. Möchte die Mutter die erste Zeit mit dem neuen Erdling genießen, klammert sie und gluckt, will sie sich gleich wieder ins Berufsleben stürzen, ist sie die böse Rabenmutter – pauschal formuliert, aber deswegen nicht weniger wahr.

Abkassiert

Von überflüssigen IGEL-Leistungen während der Schwangerschaft angefangen bis hin zu ungerechter Besteuerung von berufstätigen (alleinerziehenden) Müttern bis hin zu Kosten, die sich aus der immer früher stattfindenden Fremdbetreung von Kindern ergeben und die oft einen Großteil des Verdienstes der Teilzeit arbeitenden Mutter wieder aufbrauchen – abkassiert werden sie nicht nur pekuniär. Auch im übertragenen Sinne von Vätern, die mit ihnen wetteifern, die besseren Mütter zu sein oder von unflexiblen Arbeitgebern und Kollegen.

Meine Meinung zum Buch

Auch wenn ich auf den ersten Blick dachte, es ist ein Buch, das sicherlich krampfhaft die Mütter wieder zuhause an den Herd stellen möchte, kann ich jetzt sagen: Nein, so ist es nicht. Vielmehr geht es meines Erachtens darum, die vielen Ungerechtigkeiten und Manipulationen aufzuzeigen, den Finger in die Wunde zu legen, oft bei Situationen, die uns mittlerweile schon so normal vorkommen, die es aber bei kritischer Betrachtungsweise absolut nicht sind.

 

Mehr als einmal erkannte ich Situationen wieder, die ich genau so wie im Buch beschrieben erlebt und empfunden habe, die mir aber in der jeweiligen Lage als „bestimmt normal“ erschienen und ich höchstens dachte, dass es möglicherweise nur an mir selbst läge, dass ich bestimmte Dinge seltsam, verwunderlich oder sonstwie merkwürdig fand, die mir in meinem mütterlichen Dasein so über den Weg liefen.

Das Buch selbst ist gut lesbar geschrieben, kommt trotz des ernsten Themas mit einer aufmunternden Portion Humor daher und reißt einige Themen an, die es zu vertiefen lohnt. Im Anhang findet man ein Literaturverzeichnis, welches noch einige weiterführende Titel und Links beinhaltet.

Wer sich als Frau mit dem Gedanken an Familienplanung trägt oder sich bereits mitten drin befindet, der kann aus diesem Buch ganz bestimmt wertvolle Informationen ziehen und Impulse finden. Denn wenn man weiß, wie der sprichwörtliche Hase läuft, kann man besser agieren, anstatt nur zu reagieren.

Die Abschaffung der Mutter
Kontrolliert, manipuliert und abkassiert –
warum es so nicht weitergehen darf

Alina Bronsky, Denise Wilk
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (8. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342104726X
ISBN-13: 978-3421047267
€ 17,99

Ich bin interessiert an deiner Meinung! Hast du dieses Buch zufällig schon gelesen? Wenn ja, dann erzähle mir, was du davon hältst. Wenn nicht, dann kannst du vielleicht etwas aus eigener Erfahrung zur angesprochenen Thematik sagen. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

2 KOMMENTARE

  1. na ja , bei einem preis von 17,99 € frag ich mich allerdings wer hier wen abkassiert …. ich finde es eigentlich bedenklich wenn Frauen , modern und aufgeklärt, immer noch neue Ratgeber brauchen ? und die Zusammenfassung klingt schon recht manipulativ … *grübeln*

  2. Hallo Salvia,
    endlich komme ich dazu deine Rezension zu lesen! Das Buch finde ich persönlich ein wenig zu teuer. Vor allem, weil ich weiß, dass Bücher nicht lange bei mir bleiben.
    Danke für deine Meinung!

    Liebe Grüße,
    Alex.

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