Schlüsselerlebnisse

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Eine meiner größten Befürchtungen, wenn ich das Haus verlasse, ist immer die, ob ich auch tatsächlich den Schlüsselbund eingesteckt habe. Und zwar bevor ich schnell die Tür zuziehe, weil die Katze schon lauert und am liebsten mit mir die Wohnung verlassen würde.

Wer Katzen hat, kennt sicherlich solche Situationen, die es regelmäßig sowohl beim Verlassen der Wohnung als auch bei der Heimkehr gibt, nämlich dass die Pelztiger unbedingt die Chance wahrnehmen möchten und ihnen schon eine wenige Zentimeter geöffnete Wohnungstür ausreicht, um nahezu unbemerkt aus der Wohnung huschen zu können. Wäre ja nicht schlimm, wenn man ländlich wohnte und die Katzen ohnehin Freigänger wären. Aber in der Innenstadt mit vielbefahrenen Straßen in der Nähe ist das weniger gut. Bisher ist es mir allerdings immer geglückt, den Schlüsselbund einzustecken, bevor ich im gedankenlosen Stress schnell die Wohnungstür zuziehe.

Gut ist, wenn man ein paar vertrauenswürdige Leute in erreichbarere Nähe hat, denen man einen Zweitschlüssel anvertrauen kann, falls man sich eben doch mal aussperrt. Das passiert ja mitunter schneller als einem lieb ist. Ich erinnere mich da gleich an drei Fälle in jüngerer Vergangenheit. Neulich zum Beispiel war es die junge Studentin aus dem ersten Stock, die Sonntagabend an der Tür klingelte, weil sie sich versehentlich ausgesperrt hatte. Der Schlüssel steckte von innen im Wohnungstürschloss und sie wollte nur mal eben kurz zum Briefkasten oder Müll wegbringen und ruckzuck war die Wohnungstür zu, der Schlüssel drinnen und sie draußen. Bekannt war ihr, dass ihr Vermieter einen Zweitschlüssel zur Wohnung hat, aber wie erreicht man den, wenn sämtliche Telefonnummern in der Wohnung sind und selbstverständlich auch die Telefone, in denen möglicherweise eine Nummer gespeichert wäre!?

Ich konnte ihr jedenfalls erstmal nicht weiterhelfen, ein Schlüsseldienst kam für sie aus Kostengründen nur als allerletzte Möglichkeit infrage, da sie doch wortwörtlich „keine Anfahrtskosten zahlen wolle, als habe sie einen Schlüsseldienst aus Mönchengladbach angefordert.“ Zur Information: wir leben hier eher im südlichen Teil Deutschlands…

Sie versuchte es weiter und hatte Glück, als sie beim handwerklich begabten Nachbarn landete. Gut, ich möchte jetzt nicht spekulieren, auf welche Art und Weise er seine praktischen Übungen beim Ausbau seiner Begabungen durchgeführt hat, aber er konnte jedenfalls ihre Wohnungstür von außen öffnen, obwohl er keinen Schlüssel hatte und obwohl der Wohnungsschlüssel von innen im Schloss steckte. Soviel ich weiß, funktionierte es nicht mit dem Kreditkartentrick, den man hin und wieder in irgendwelchen Krimis bei Film und Fernsehen beobachten kann. Wäre ja auch zu einfach gewesen! Aber immerhin bekam der Nachbar die Türe auf und sie konnte sich den Schlüsseldienst sparen.

Meiner Mutter hingegen passiert es einigermaßen regelmäßig, dass sie die Wohnung verlässt und den Schlüssel nicht mitnimmt. Zum Glück habe ich einen Zweitschlüssel und zum Glück bin ich meist recht schnell erreichbar, nämlich ein Stockwerk weiter oben. Blöd nur, wenn das passiert, wenn ich eben nicht zuhause bin. Einmal war es an Silvester. Frollein Tochter und ich waren auf eine Party eingeladen, die ein paar Straßen weiter weg stattfand. Meine Mutter ging gegen 22 Uhr zu uns in die Wohnung, um zu schauen, ob auch alle Fenster dicht sind, bevor die große Knallerei anfängt. Blöd nur, dass sie ihren und unseren Wohnungsschlüssel dann bei uns vergaß, als sie die Wohnungstür zuzog. Glücklicherweise wusste sie, in welchem Haus wir Partygäste waren, so dass sie sich mit Hausschuhen und lediglich einer Strickjacke als Kälteschutz auf den Weg durch die verschneiten Straßen  machte und auf einmal wie ein Geist aus der Finsternis auf der Party auftauchte und mich bat, sie doch kurz zuhause wieder in die Wohnung zu lassen, was ich selbstverständlich tat. Sie hatte wirklich Glück, dass ich ihr ein, zwei Tage vorher noch sagte, wo genau wir uns aufhalten würden und vor allem, dass es eben wirklich in zu Fuß erreichbarer Nähe war!

Ein anderes Mal war es, als ich mit Frollein Tochter aus München zurück fuhr und meine Mutter sich eben schon ein paar Stunden bevor wir wieder da waren, aus der Wohnung sperrte. Zum Glück bekam sie Asyl, Kaffee und Kuchen bei Nachbarn, bis wir gegen 21.30 Uhr wieder zuhause waren und ich ihr die Tür zu ihrer Wohnung wieder aufsperren konnte. Schön, wenn man immer jemanden in der Nähe hat, der einen im Notfall wieder in die eigene Wohnung lässt!

Wie geht ihr mit diesem latent lauernden Problem um? Habt ihr Zweitschlüssel bei sämtlichen Bekannten und Verwandten deponiert? Oder seid ihr Stammkunde beim Schlüsseldienst? Oder habt ihr einen ganz anderen Tipp, wie man sich hier am besten vor dem Einsatz kostenintensiver Aufsperrdienste schützt? Ich freue mich schon auf eure Antworten als Kommentare!

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