Stell‘ Dir vor, Du bist in der Schule kurz vor Deinem Abschluss. Alles ist geordnet und behütet, Deine Leistungen sind super und Dir stehen alle Wege offen, mehr als sich der durchschnittliche Jugendliche erträumen könnte. Doch eines Tages, wie aus heiterem Himmel, ändert sich von einer Stunde auf die andere alles für Dich. Auf einmal bist Du nicht mehr der verwöhnte Upperclass-Teenie, sondern auf einmal stehst Du mit Mördern und Gewalttätern am Rande der Gesellschaft. Nicht etwa, weil Du etwas verbrochen hast. Nein, einfach nur deswegen, weil Du ein bestimmtes Merkmal aufweist, das statistisch gesehen die Mehrzahl aller verurteilten Mörder gemeinsam mit Dir haben…

 

 Infernale von Sophie Jordan

Vor ein paar Wochen erhielt ich schon vorab zur Rezension den Titel Infernale, geschrieben von der New York Times-Bestsellerautorin Sophie Jordan und erschienen im Loewe Verlag. Anfangs wunderte ich mich noch, da ich eigentlich nur selten mehrteilige Jugendromane rezensiere, aber ein Blick auf den Klappentest verhieß mir dann eine spannende Geschichte:

Wirst du als Mörder geboren?
Als Davy positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin?

Kurz zur Handlung, ohne jedoch zuviel zu verraten: Davy, die Protagonistin des Romans, aus deren Sicht er geschrieben wurde, wächst wohlbehütet bei ihren gut situierten Eltern auf. Papa ist Bankier, Mutter kümmert sich um das familäre, der Bruder ist das schwarze Schaf der Familie, da ehrgeizlos und Davy ist die Hoffnungsträgerin, da ihr alles zuzufliegen scheint und sie scheinbar mühelos alles erreichen kann, was für sie erstrebenswert ist.

Von klein auf hörte ich Wörter wie begabt. 
Überdurchschnittlich. Begnadet. 
Ich hatte all diese Wünsche, wollte etwas werden.
Jemand. 
Niemand sagte: Das geht nicht. 
Niemand sagte: Mörderin. 

Durch einen DNA-Test als potenzielle Mörderin eingestuft, wird Davy Hamiltons perfektes Leben auf den Kopf gestellt. Ihre Freunde und ihre Familie wenden sich von ihr ab. Doch dann findet sie Zugehörigkeit und Liebe, wo sie es am wenigsten erwartet hätte.

Nachdem also das positive Ergebnis des staatlich angeordneten DNA-Tests vorliegt, bricht von einer Stunde auf die nächste das Leben von Davy zusammen. Eben war sie noch gut gelaunt und allseits beliebt in der Schule, als sie durch einen Anruf ihrer Mutter mitten am Tag nach Hause gebeten wird um dort dann vor versammelter Familie und Behördenmitarbeitern davon in Kenntnis gesetzt zu werden, dass sie Trägerin des Mördergens HTS ist und aus diesem Grund ab sofort nicht mehr in die private Highschool gehen darf, sondern sich am nächsten Tag in einer öffentlichen Schule einzufinden hat…

 

 Infernale von Sophie Jordan

Von da an nimmt die Geschichte rasant an Geschwindigkeit auf. Hatte ich die ersten Seiten noch etwas Mühe bei der Sache zu bleiben, weil die Story für mich anfänglich wie ein Teenie-Highschool-Roman anmutete, begann sie ab dem 3. Kapitel mich förmlich zu fesseln, so dass ich ab diesem Zeitpunkt das Buch nur noch selten aus der Hand legte.

Davy wird auf einmal zwangsweise an den Rand der Gesellschaft katapultiert, zusammen mit anderen Trägern des Mördergens, die angeblich gefährlich für ihre Umgebung sind. Man separiert die Träger von der Gesellschaft, behandelt sie wie Aussätzige und es werden ihnen schikanöse Verhaltensregeln auferlegt, die sie unter allen Bedingungen einzuhalten haben. Wer gegen die Regeln verstößt, wird markiert und damit zukünftig für den Rest der Welt als Träger des Mördergens erkennbar sein.

Die kultivierte Davy, die sich seither mehr mit schöngeistigem beschäftigt hatte, ist auf einmal nur noch von potentiellen Mördern umgeben, die genau wie sie allein durch den Nachweis des Gens HTS zu solchen klassifiziert wurden. Manche von ihnen weisen tatsächlich ein erhöhtes Gewaltpotential auf, was sich teilweise alleine schon durch deren Biografie ergibt: aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, als ungeliebtes Kind in einer Pflegefamilie und ähnliches.

Hat sich die weibliche Protagonistin nicht zuletzt dank ihrer Erziehung anfangs noch weitgehend im Griff und passt sich der neuen Situation so gut wie nur möglich an, so entkommt sie trotzdem nicht der Zwangsmarkierung. Einfach deswegen, weil sie, für mich völlig normal und verständlich, auf Ausgrenzungen seitens der alten Freunde reagiert, die Contenance verliert und diese ihrerseits auf einmal in das Lager der Denunzianten wechseln.

 

Davy findet in ihrer neuen Situation als mittlerweile markierte Mördergenträgerin jedoch Freunde und eine neue Liebe, ebenfalls HTS-Träger, die zu ihr halten und ihr ein paarmal aus der Patsche helfen. Aufgrund bestimmter Vorkommnisse von anderen HTS-Trägern beschließt die Regierung, sämtliche durch das Gen gekennzeichneten potentiellen Mörder entwerder in Internierungslager zu stecken oder die nicht ganz hoffnungslosen Fälle, zu denen dann eben Davy und ihre neuen Freunde gehören, in ein dubioses paramilitärisch anmutendes Ausbildungscamp zu stecken, wo sich noch einige Begebenheiten zutragen, die die Spannung im Buch bis zum Schluss aufrecht erhalten.

Sophie Jordan lässt das Ende dieses ersten Bandes offen, denn im Juli 2016 erscheint dann auch schon der zweite Band mit dem Titel INFERNALE – Rhapsodie in Schwarz.

Für mich war das Buch sehr spannend, ein dystopischer Roman eingebettet in einen gesellschaftlichen Kontext, wie er im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mehr oder weniger ähnlich vorkam: Menschen, die ein bestimmtes gemeinsames Merkmal haben, werden auf einmal zu Sündenböcken gemacht, ausgegrenzt, geächtet, kaserniert, bezahlen mit dem Leben. Seien es Rothaarige, die im Mittelalter als Hexen verbrannt wurden, seien es versklavte Schwarze in von Weißen dominierten Gesellschaften, seien es Juden im Dritten Reich oder heute Moslems, die nicht korrekt genug glauben in den Augen einer selbsternannten Elite. Der Plot lebt von einem Phänomen, das sicherlich so alt wie die Menschheit ist: Andersartigkeit und dadurch bedingte Ausgrenzung. Meiner Meinung nach bietet dieses Buch sehr viel Stoff um über Themen nachzudenken wie Vorurteile, Ausgrenzung, staatliche Kontrolle, echte und falsche Freunde oder inwiefern man sich seiner genetischen Veranlagung entziehen kann oder nicht.

Infernale
von Sopie Jordan

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Loewe; Auflage: 1 (15. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 378558167X
ISBN-13: 978-3785581674
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

Originaltitel: Uninvited

Preis: € 17,95

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here