Ihr seht schon, bei meiner Überschrift konnte ich mich nicht so richtig entscheiden, ob es lieber ein „Willkommen auf der Schule“ als neuer Lebensabschnitt sein soll oder ob es einfach das übliche Zeremoniell nach den Sommerferien ist, dass man eben zurück zur Schule geht, optimalerweise eine Klassenstufe höher als im Jahr zuvor.

In Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen hat ja die Schule schon längst (wieder) begonnen, doch für die restlichen Bundesländer wird es schön der Reihe nach erst ab kommendem Montag wieder ernst. Ich bin wirklich froh, dass wir in Baden-Württemberg zusammen mit den Bayern das Schlusslicht bilden. So heiß wie es momentan noch ist, fände ich es mehr als quälend, bei diesen Temperaturen schon wieder mit fast 30 Kindern in einem zu kleinen Klassenzimmer zu schwitzen.

Mit der Einschulung beginnt der Ernst des Lebens – nicht nur für die Kids

Die Einschulung der Erstklässler findet meistens etwas später als der reguläre Schulbeginn statt. Hier dürften die betroffenen Eltern jetzt vielfach damit beschäftigt sein, Schultüten zu basteln und hübsche Kleinigkeiten mitsamt Süßkram zu kaufen, damit die Tüte auch wirklich eine Bombenüberraschung wird. Den Kauf von Füllern, Buntstiften und Heften sollte man lieber abwarten, bis die Lehrer*innen jeweils ihre Wünsche und Vorstellungen bekannt gegeben haben. Je nach Schule erfährt man das eventuell schon in einem vor der Einschulung stattfindenden Elternabend oder aber erst nachdem die Schule begonnen hat. Wir hatten in der Grundschule meiner Tochter das Glück, dass die Klassenlehrerin sämtliches Material besorgte und wir einfach nur bezahlten.

Wie die Einschulung bei uns verlief

Ich erinnere mich zwar so gut wie nicht mehr an meine eigene Einschulung, außer vielleicht daran, dass ich es irgendwie spannend fand. Aber an die meiner Tochter erinnere ich mich gut, ist ja auch noch nicht so lange her. Ich weiß noch, wie sehr sie sich auf die Schule gefreut hatte und wie es ihr in den letzten Wochen und Monaten im Kindergarten gar nicht schnell genug gehen konnte, bis sie endlich eingeschult würde.

Zwischen diesen beiden Bildern liegen tatsächlich nur ungefähr fünf Stunden.
Links vor der Einschulungsfeier voller Vorfreude und strahlend, rechts nach der Feier und desillusioniert.

 

Kaum war es dann so weit und kaum hatten wir den Einschulungsgottesdienst hinter uns, von dem mir noch der Spruch des Mädchens, was in Kirche eine Bank vor uns saß und ständig auf ihren Eltern rumturnte, bestens in Erinnerung geblieben ist („Mama, dein Busen stinkt!“), schon sank dann spätestens bei der weltlichen Feier der Einschulung in der Turnhalle die Motivation meines Kindes. Als sie aus der Turnhalle trat und mit den anderen Kindern ins Klassenzimmer gehen durfte, zog sie bereits eine Flunsch wie nach 10 Jahren Einzelunterricht bei Frollein Rottenmeier – übrigens war dann auch das oben erwähnte Mädel in der Klasse meiner Tochter.

Zuhause bekam ich dann schon Vorwürfe zu hören im Stile von „Du hast doch gesagt, Schule wäre toll!“ – da war mir mein Kind doch um einiges voraus in der Erkenntnis, dass Schule eben manchmal auch Sch@|ße ist. Aber das darf man ja als Eltern nicht so einfach zugeben, man möchte ja möglichst lange die Motivation aufrecht erhalten. Also versucht man eben nach Art der sanften Gehirnwäsche dem Kind wider besseren Wissens einzureden, dass alles ganz prima sei und es schon auch noch auf den Geschmack kommen würde. Schließlich kann man es sich nicht leisten, jeden Morgen einen tobenden Sprössling zu haben, der partout nicht zur Schule gehen will…

Die Mischung macht’s

In der Grundschule ist es noch eine kunterbunte Mischung aus dem gleichaltrigen Nachwuchs sämtlicher Familien, die im sogenannten Schulsprengel wohnen. Wenn man da nicht dickfellig genug ist, dann kann einem diese Mischung ziemlich schnell auf die Nerven gehen. Vom Nachwuchs aus bildungsfernen Familien über Mittelschichtkinder bis hin zu Juristen-, Mediziner- und Unternehmernachwuchs findet sich hier alles wieder. Und das ganze dann auch noch einmal quer durch verschiedene Herkunftsländer. Da prallt dann eine gewaltige Mischung aus unterschiedlichsten Hintergründen aufeinander, was natürlich nicht immer reibungslos vonstatten geht.

Mittlerweile, seit wir in der weiterführenden Schule angekommen sind, ist Schule wohl tatsächlich toll geworden, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass eben jetzt die Kids beieinander sind, die irgendwie ähnlich gelagert sind. Den Tipp für das Gymnasium hatte ich übrigens von unserer Grundschulklassenlehrerin bekommen und sie hat damit voll und ganz ins Schwarze getroffen. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, dieses Gymnasium auszuwählen, ganz einfach, weil man einmal quer durch die Stadt fahren muss.

Die obligatorische Sonnenblume für Erstklässler spendet nur wenig Trost

 

Inzwischen habe ich mich als Elternteil auch daran gewöhnt, dass mein Lebensrhythmus in erster Linie durch die Schule bzw. den Staat bestimmt wird. Reichte es mir früher, so gegen 7:30 Uhr unter der Woche aufzustehen, so wäre das heute fatal. Dann würde nämlich meine Tochter garantiert haushoch zu spät zum Unterricht erscheinen. Also fängt der Wecker so gegen 6 Uhr an zu bimmeln.

Was für Eltern mit Schulkindern nicht mehr funktioniert

Möchte man heute mal spontan verreisen, so kann man das sofort knicken. Spontan in den Ferien geht oft nicht, weil alles schon spontan ausgebucht oder aber zwar noch frei, dafür zu teuer ist. Und spontan außerhalb der Ferien geht eben gleich dreimal nicht, solange man das Kind mit dem Gasherd in der Küche noch nicht tagelang alleine lassen möchte.

Übrigens, spontan unter der Woche mal länger ausgehen und aufbleiben geht auch nicht unbedingt. Warum? Siehe oben -> Weckerklingeln. Wäre ja dann nicht nur so, dass einem ein paar Stunden Schlaf fehlen. Nein, man muss ja morgens auch gleich eine ganze ToDoList abarbeiten, angefangen beim sanften Wecken des Kindes über Frühstück machen und Vesper richten bis hin zur mehrfachen Beratung bei Stylingfragen. Beim Abschied muss man dann noch mehrfach versichern – und zwar glaubhaft – dass alles ganz fantastisch zusammen passt und auch die Haare optimalst gestyled sind. Und dann sollte man eben nicht vergessen, das Kind montags und donnerstags an die Mitnahme der Sportklamotten zu erinnern, dienstags aufs Schwimmzeug achten, mittwochs darauf, dass der große Zeichenblock mitgenommen wird und freitags – was war da gleich nochmal? Hab ich vergessen…

Vergessen ist übrigens fatal. Dann bekommt nämlich zunächst das Kind om Lehrer (m/w) einen Anschiss und später dann die Mutter vom Kind einen. Wenn das öfters vorkommt, dann kriegt die Mutter auch noch einen zusätzlich vom Leerkörper, was sich meist in Form von Zettelchen mit der Bitte um Gesprächstermine ankündigt…

Trotz allem: Schule ist schön!

Aber ansonsten gilt: Schule ist schön, vor allem zwischen dem letzen Schultag vor den Sommerferien und dem ersten Schultag danach. Schön ist dann meistens auch noch die erste Schulwoche, vor allem fand ich früher immer toll, wenn wir die Listen mit den Materialien bekamen, die es dann neu zu kaufen galt. Das gefällt übrigens auch meiner Tochter, wenn dann neue Buntstifte im Mäppchen glänzen, ein neuer Kalender oder Organiser auf Termine wartet, jede Menge bunte Umschläge an nagelneue Schreibhefte gepfriemelt werden, deren Etiketten hochmotiviert in Schönstschrift bemalt werden und vielleicht auch schon die neuen Herbstklamotten ausgeführt werden können. Das alles motiviert in der ersten Zeit nach den Sommerferien ungemein, möglichst früh aus dem Haus und überpünktlich in der Schule zu erscheinen. Aber keine Sorge, nach zwei bis drei Wochen Schulbetrieb merkt man davon nichts mehr…

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schulpflichtige Kinder oder kommen eure dieses Jahr in die Schule? Wie ist die Motivation bei euren Kids? Wie war es bei euch selbst, seid ihr immer gerne in die Schule gegangen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Übrigens, ich werde noch ein paarmal etwas zum Thema Schule schreiben – also bleibt dabei, wenn es euch interessiert!

1 KOMMENTAR

  1. Wie passend und genau auf den Punkt gebracht,
    wundervoll!
    Ab Donnerstag geht der Schulalltag wieder los,
    wobei ich finde das dies langsam zum Zweitjob mutiert…..
    Ich wünsche dir eine ruhige und schöne Woche,
    Liebe Grüße aus Hannover

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