Vom 24. März bis zum 4. Oktober 2015 befinden sich hunderte von Einheitsmännchen vom Künstler Ottmar Hörl auf Deutschlandreise. Vergangene Woche kamen sie in Stuttgart an, als eine von sechs Stationen, wo diese Installation aufgebaut wurde. Sie wird zwei Wochen auf dem Schlossplatz unter der Kastanienallee zu bewundern sein, ein sehr gelungen ausgesuchter Platz wie ich finde.

Wir waren zufällig dabei, als die grünen Männchen gerade aus einem großen gelben DHL-Anhänger ausgeladen und auf dem Gitternetz festgeschraubt wurden. Zum Glück hatte ich die Kamera dabei, so dass ich gleich ein paar Aufnahmen von diesen Ampelmännchen machen konnte.

Der Anlass dieser Wanderausstellung ist das 25-jährige Jubiläum der Deutschen Einheit und Hintergedanke der putzigen grünen Männchenanhäufung ist wohl auch der Titel der begleitenden Website, nämlich Grenzen überwinden, ein Thema, was derzeit aktueller nicht sein könnte. Nicht nur im Kontext mit der Wiedervereinigung Deutschlands.

Zu DDR-Zeiten hätte sicherlich keiner ernsthaft daran geglaubt, dass Deutschland jemals wieder vereint sein würde. Wir hatten damals ungefähr die Hälfte unserer Verwandtschaft jenseits des Eisernen Vorhangs und besuchten sie bestimmt alle zwei Jahre. Das war auch jedes Mal mit einer spürbaren Überwindung von Grenzen verbunden, die sich nicht nur dadurch bemerkbar machte, dass es insgesamt ein lange zu planendes und umständliches Unterfangen war, die innerdeutsche Grenze zu überwinden, sondern auch manchmal an die Grenze der persönlichen Belastbarkeit ging. Vor allem, wenn ein misstrauischer Grenzer „von drühm“ dachte, er müsse unser Auto durch meinem Vater auseinandernehmen lassen, sprich Sitze ausbauen, alle Fußmatten rausnehmen, Gepäck durchwühlen etc…  

Das gehört nun glücklicherweise innerhalb Deutschlands der Vergangenheit an. Dafür wurden Grenzen andernorts inzwischen in ihrer Überwindbarkeit erschwert, man denke nur an die verschärften Einreisebedingungen in die USA. Andere Grenzen werden derzeit überwunden, um zuhause dem Krieg und dem Elend zu entkommen, was teilweise wiederum dazu führt, dass Menschen in ihren verhältnismäßig sicheren Heimatländern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit herangeführt werden.

Für mich persönlich erinnert diese Installation daran, dass zum einen das einzig verlässliche der Wandel ist und durch den Wandel bedingt Grenzen auch immer wieder überwunden, aber gleichzeitig auch neu geschaffen werden, sei es nun physisch in Form von Staatsgrenzen oder sei es psychisch in Form von mehr oder weniger selbst auferlegten Barrieren. Letztlich hilft sicherlich zur Grenzüberwindung einmal der kollektive, aber auch individuelle Glaube daran, sie überwinden oder eine Situation verändern zu können, auch wenn es zeitweilig danach aussieht, als sei es unmöglich.

Abgesehen vom tieferen Sinn dieser Installation gibt es die süßen Ampelmännchen uch zu kaufen. Nicht nur in freundlichem Verkehrsgrün, sondern auch – wer hätte es gedacht!? – in Schwarz, Rot und Gelb.

Habt ihr diese Installation schon entdeckt? Oder war sie bei euch in der Stadt schon zu Gast? Wie findet ihr dieses Kunstprojekt von Ottmar Hörl? Ich bin gespannt auf eure Antworten!

2 KOMMENTARE

  1. Das ist ja völlig jenseits jeglicher Gender-Dingens. Ich meine: Da gibt es ja gar keine Ampelfrauen? Ist die Einheit was Geschlechtspezifisches oder so? Lass das mal nicht die Emanzen und so sehen!
    Dennoch eine schöne Aktion und deine Fotos sind Klasse!
    LG
    Sabiene

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