Was bislang die meisten Kinder wussten, viele Eltern nicht wahrhaben wollten und von LehrerInnen und SchulleiterInnen oft nur schöngeredet und/oder ignoriert wurde, scheint tatsächlich wahr zu sein: Die Kinder in unseren Schulkantinen werden wohl recht häufig mit Fraß abgefüttert, und zwar auch mit Zeug, was man normalerweise entsorgen sollte.

Das ist zwar noch nicht amtlich bestätigt, aber doch mal wieder vom „Undercoveragent“ Wallraff & Team an die Öffentlichkeit gebracht worden, allerdings momentan noch in verhaltener Präsenz, da wohl anberaumte Sendetermine zum Thema abgesagt wurden – warum auch immer.


Ich entdeckte den Hinweis zu dieser Sache heute in meiner Facebooktimeline, ein Artikel auf Focus online, der für mich deswegen interessant ist, weil ich selbst ein schulpflichtiges Kind habe, das zwei- bis dreimal die Woche über Mittag in der Schule isst. Allerdings haben wir recht schnell auf Selbstverpflegung im Sinne von doppeltem Vesperbrot umgestellt, da zwar über das Essen selbst keine Klagen kamen, aber die Organisation und der Ablauf nicht so ganz zu klappen scheinen. Der Schwachpunkt liegt hier sicherlich schwerpunktmäßig bei Fünftklässlern, die noch zu verpeilt sind, als dass sie sich zuverlässig für das Schulessen anmelden würden bzw. dann auch immer die € 3,50 parat haben, die das Essen pro Person und Mahlzeit kostet.

In der Grundschule hatten wir ja auch Schulessen. Dort wurde vom Küchenteam des auf dem Gelände untergebrachten Kindergartens und Schülerhorts gekocht und die SchülerInnen der Grundschule durften nach halbjährlicher Anmeldung jeweils auch mitessen, was für die meisten Eltern ja sehr praktisch ist. Leider schmeckte das Essen wohl nicht nur meiner Tochter nicht, obwohl es angeblich täglich frisch zubereitet und eben nicht vom Caterer geliefert wurde. Für mich war es dann auch nicht wirklich prickelnd, dafür € 3,25, mittlerweile € 3,50 pro Mahlzeit zu bezahlen, dass meine Tochter dann sowieso die Hälfte oder zwei Drittel auf dem Teller ließ und mit Bärenhunger aus der Schule kam.

Deswegen machte ich mir hier auch schon mal Gedanken, wie man das Problem mit dem Hunger in der Mittagspause lösen könnte. Ein paarmal nahm sie fertig gekochte Speisen vom Vorabend mit, nur geht das auch nicht bei jedem Gericht. Also ich könnte jetzt nicht eiskalte mit Tomatensoße vollgesogene Nudeln vom Vortag verspeisen. Und irgendwann hatten wir dann das Vorkochen im Sande verlaufen lassen, so dass es eben entweder eine doppelte Portion Vesperbrot mit Obst und Gemüse gibt oder ein wenig Essensgeld, damit sie sich etwas in Schulnähe holen kann. Nicht perfekt und auch nicht zufrieden stellend, aber besser als mit Kantinenessen abgespeist zu werden, das einem nicht schmeckt oder bei dem man nicht blickt, wann man sich für welches Essen anzumelden hat.

Ich werde aber demnächst mal wieder das Projekt „Henkelmann“ in Angriff nehmen. Ich wollte ja schon länger so ein Isoliergefäß für Speisen haben, eines das auch wirklich stundenlang das Essen warm oder kalt hält. Da das Kind ja sicherlich noch ein paar Jahre zur Schule geht und Mittagschule auch bestimmt nicht abgschafft wird, lohnt sich die Investition natürlich, ein hochwertiges Thermogefäß anzuschaffen. Dann wird wieder abends vorgekocht und ich kann mir sicher sein, dass gegessen wird, was aus dem Schulranzen kommt…

Übrigens, wer den Artikel im Focus online noch nicht gelesen hat, von Schimmelgurken und Gammelfleisch sind nicht nur Schulkantinen betroffen, sondern auch die von Altenheimen, Gefängnissen oder der Mittagstisch der Kleinsten, nämlich in den Kindergärten. Häufig dort, wo das Essen über Caterer bzw. Großküchen angeliefert wird. Ich frage mich nur, warum die Leute, die in diesen Institutionen arbeiten und meist auch von diesem Fraß zehren müssen, nicht soviel Mumm in den Knochen haben und gegen so eine Abfütterung aufbegehren!

Klar, bei Kindern wird oft gesagt, sie sollen sich nicht so anstellen, sie seien schleckig oder ähnliches, die Bewohner von Altenheimen sind vermutlich oft auch nicht mehr in der Lage sich entsprechend Gehör zu verschaffen und ein JVA-Insasse, der sich übers Essen beschwert, wird bestimmt auch keine große Beachtung finden. Es scheint hier genau die zu treffen, bei denen man sich fast sicher sein kann, dass keine großartige Gegenreaktion zu erwarten ist.

Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, während der ich in der weiterführenden Schule fünfmal die Woche mittags warmes Essen serviert bekam, dann sind das auch nicht nur positive Erinnerungen. Bei uns wurde damals das Essen im wöchentlichen Wechsel entweder von einer Kantinenküche oder von einem Gasthaus in der Nähe angeliefert. Im Sommer hatte der Blattsalat oft Beinchen bzw. wollte man uns weismachen, diese komischen Punkte auf den Blättern seien Kräuter. Im Pflaumenkompott entdeckten wir nicht nur einmal weiße schwimmende Mädchen – wir waren ja in einem Mädchengymnasium – auf der Oberfläche der Zuckerbrühe. Und manchmal prickelte auch das Dessert auf Joghurt- oder Quarkbasis so, als sei es wieder zum Leben erweckt worden. Beschweren war zwecklos, weder die Lehrer, schon gleich gar nicht der Rex, noch die Eltern wollten sich mit solchen Kinkerlitzchen abgeben…

Ich bin gespannt, ob der aktuelle Wallraff-Fall Wellen schlägt. Wünschen würde ich es mir. Natürlich sind nicht alle Küchen, in denen die Verpflegung für die genannten Instiutionen gekocht wird, über einen Kamm zu scheren. Aber es wäre wünschenswert, wenn sich da etwas zum positiven ändert, wo eben solche Missstände herrschen.

5 KOMMENTARE

  1. Ich kann mich erinnern, dass es vor einiger Zeit einen Bericht über Schulkantinen gegeben hat. Es kann sein, dass sich dieser nur auf Bayern bezogen hat, aber ich glaube, dass hier hauptsächlich die mangelnde Vielfalt der Speisen kritisiert worden ist. Häufig bekommen die Kinder zu fettige und zu salzige Speisen ohne gesunden Nährwert. Natürlich sind die Kids begeistert von Fischstäbchen und Pasta, aber auf die Dauer ist das nix. Ich habe keine schulpflichtigen Kinder mehr, aber ich meine, dies sollte durchaus mehr thematisiert werden. Eine Großküche, die 3.50 Euro pro Mahlzeit nimmt, sollte mehr an Leistung erbringen. Im Übrigen schaffen es andere Länder auch, ihre Schüler, Studenten, Kindergartenkinder anständig zu versorgen.
    LG
    Sabiene

  2. Da habe ich ja wirklich noch Glück mit "meinem" Schulessen. Arbeite zur Zeit in einer Hortgruppe, was tägliches Mittagsessen aus der Schulmensa beinhaltet – da schmeckt zwar auch nicht immer alles, aber zumindest scheinen die Sachen halbwegs frisch zu sein. Bei uns gibt es die Möglichkeit, sich von der Kantinenmitarbeiterin die mitgebrachten Speisen in der Mikrowelle wieder erwärmen zu lassen – vielleicht wäre das ja auch an der Schule der Tochter eine Maßnahme?!

  3. Ich bin durch Sabines Blog http://www.sabienes.de/blogblueten/ auf Deinen Artikel hier gestoßen und finde das alles alarmierend. Auch ich habe eine schulpflichtige Tochter die zu Mittag in der Schule isst. Das das Essen nicht dem Maßstab einer gesunden und ausgewogenen Mahlzeit hat – nun das habe ich mittlerweile hingenommen und versuche den Schaden so gering wie möglich zu halten, indem es eben zu Haus dann Bio und ausgewogen gibt. Aber wenn es sich dann noch um Schimmel etc. handelt- da hört der Spaß echt auf. Das grenzt schon an Körperverletzung – finde ich. Denn mit der Ernährung ist der Grundstein für Gesundheit oder Krankheit gelegt. Armes Deutschland.
    Vielen Dank für diesen ausfschlußreichen Artikel.
    Liebe Grüße
    Birgit

  4. Ein wirklicher toller Post mit einer traurigen Gewissheit! Denn leider wird hier auf die Qualität nicht sehr geachtet und die Armen, unschuldigen bekommen diesen Fraß vorgesetzt! Was wäre wenn diese Leute die dahinter stecken diesen Fraß "fressen" müssten? Darüber könnt ich mich Tag und Nacht grün und blau ärgern, aber leider kann man da nicht wirklich was unternehmen, aber ich hoffe doch zumindest das diese Sendung einige von uns aufgeweckt haben und jetzt endlich was unternommen wird.

    LG,
    Mel

  5. Ich habe den Bericht auch mit entsetzen gesehen. Ich finde unverantwortlich was da passiert und dies ist ganz sicher kein Einzelfall. Ich habe selber ein Kind in der Kita in Mittagsverpflegung und bin heilfroh das dort Frisch gekocht wird. Wenn ich mir überlege was manchen Kindern hinten herum angetan wird wird mir einfach Schlecht, ale Vater und auch als Mensch. Ich hoffe das zuständige Behörden eingeschaltet werden, und die Provitgier ein Ende hat. Im Sinne der Gesundheit aller Betroffenen.

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