Die letzte Dekade des Wonnemonats Mai beginnt nun und damit normalerweise auch so allmählich das Frühsommerwetter und die bevorstehende Ernte der ersten reifen Früchte. Nach den Erdbeeren, deren Hochsaison zusammen mit dem Spargel jetzt im Mai ist, kommen direkt die Kirschen, auch die zum Teil wild wachsenden Sauerkirschen, die man in Bayern, Österreich und in der Schweiz auch unter dem Begriff Weichsel kennt. Und wer sich auskennt, weiß, dass die Weichselkirsche weniger gerne als unverarbeitetes Obst wie Herzkirschen direkt vom Baum bzw. Strauch genascht wird, sondern sie wird meistens verarbeitet und veredelt und kommt Monate später dann in gläserner Verpackung in den Handel, nämlich als hochprozentiger Edelbrand, für den man locker ein kleines Vermögen liegen lassen kann.

Diese Himbeeren wissen noch nicht, ob sie eines Tages auf dem Kuchen oder geistreich in der Flasche landen.

Natürlich gibt es auch günstigere Angebote, aber spätestens nach ein paar Verkostungen weiß man den Unterschied zu schätzen, nämlich dann, wenn der Edelbrand, der möglicherweise auch noch jahrgangsrein ist, warm und rund die Kehle hinunter rinnt und sich nicht anfühlt wie das berühmt berüchtigte Feuerwasser, mit dem einst den Indianern Ländereien abgekauft wurden.

Geistreiche Genüsse werden heutzutage richtig kultiviert. Es geht nicht darum, möglichst schnell und günstig den geistigen Abflug machen zu können, sondern wer sich auf Messen wie der SlowFood umschaut, der erkennt schnell, dass namhafte und exklusive Destillen oder Brennereien Wert auf allerbeste Erzeugnisse legen, die dann in edle Flakons abgefüllt werden und darauf warten, zu besonderen Gelegenheiten kredenzt zu werden. Leider war ich auf der SlowFood bereits vormittags unterwegs und hatte nur ein leichtes Frühstück zu mir genommen, so dass ich auf die angebotenen Verkostungen verzichtet habe.

Aber als Digestif nach einem guten Essen bietet sich durchaus nicht nur Geistreiches aus Frankreich, Italien, Irland oder Schottland an, sondern man kann hier guten Gewissens auch auf Erzeugnisse einheimischer Brennereien oder aus dem deutschsprachigen Ausland zurückgreifen. Deswegen kamen wir neulich wohl auch auf die Idee, man müsste mal einen alpenländischen Spezialitätenabend veranstalten, am besten dann, wenn das Frollein Tochter sowieso verreist ist, also um Pfingsten herum. Mit einem habhaften Menü als Grundlage und ein paar guten Freunden am Tisch könnte man dann mal den einen oder anderen Tropfen, natürlich in homöopathischer Dosierung, verkosten und liefe weder Gefahr, als schlechtes Beispiel für die Jugend dienlich zu sein noch, am frühen Abend unter dem Tisch zu liegen.

Bei einem Online-Händler, der ein Spirituosen-Spezialist im Internet zu sein scheint, habe ich jetzt mal ein wenig gestöbert und eine ganz gute Auswahl an Edelbränden aus dem deutschsprachigen Raum entdeckt. Alleine das anschauen des Angebotes inspiriert schon zu verschiedenen Ideen, was man an so einem Abend nicht nur im Glas servieren kann, sondern was sich vielleicht auch für das eine oder andere Rezept verarbeiten ließe.

Marillen zum Beispiel, die österreichische Bezeichnung für Aprikosen, schmecken nicht nur als reife Früchte ganz hervorragend, sondern auch in flüssiger, gebrannter Form. Vorausgesetzt natürlich, dass die Brennerei ihr Geschäft versteht. Alte Marille nennt sich der Obstbrand der österreichischen Fein-Brennerei Prinz, die außer Marillen auch noch anderes Obst in geistreiche Form bringt. Seit vier Generationen kultiviert man hier charakteristische Obstbrände und Liköre aus reifen Äpfeln, Zwetschgen, Kirschen, Quitten, Birnen und anderen Frucht- und Obstarten. Die ausgewählten Brände, die nach alter Tradition im Holzfass reifen, bekommen nicht nur eine mehr oder weniger intensive Färbung, sie nehmen auch Geschmacksnuancen aus dem Holz auf, die je nach Holzsorte und -alter unterschiedlich ausfallen können. Unter Berücksichtigung all dieser Komponenten darf der „Brandmeister“ dann den optimalen Obstbrand kreieren und aus dem Destillat ein Meisterwerk entstehen lassen.

Leider findet man im Netz so gut wie keine Rezepte, die als Zutat etwas Hochprozentiges haben, schon gleich gar nichts, wo ein Obstbrand eine Rolle spielt. Kochen mit Gin und Whisky scheint in manchen Szenen momentan ein wenig angesagt zu sein, aber ich könnte mir auch gut vorstellen, dass man nicht nur eine Marillenkonfitüre mit einem Marillenbrand oder -likör verfeinern, sondern diesen Geschmack vielleicht auch an Saucen mit leicht fruchtiger Note schätzen könnte. Da werde ich mir auf jeden Fall noch ein paar Gedanken machen, wie man einen Obstbrand kulinarisch in ein Hauptgericht integrieren könnte.

Bei Süßspeisen ist es schon wieder wesentlich einfacher. Im Grunde genommen kann man fast alle Desserts mit Bränden oder Likören veredeln. Man muss einfach nur darauf achten, dass die Geschmacksnoten zusammen passen. Sowohl als Hauptgericht als auch als Dessert funktionieren beispielsweise Topfenknödel, die meist mit einem Obstkompott serviert werden. Hier kann man, je nach verwendeten Früchten, den Geschmack mit einem Gläschen Obstbrand verfeinern. Beispielsweise würde sich für ein Zwetschgenkompott ein Zibärtle eignen oder ein Gläschen Weichsellikör für Topfenknödel mit Schattenmorellen. Ein einfaches Dessert wie Vanille-Eis mit heißen Himbeeren verträgt natürlich auch einen kleinen Schuss Waldhimbeergeist.

Bevor ich jetzt hier weiter vor mich hinträume und mir überlege, welche Spirituose zu welchem Dessert passen könnte, frage ich lieber euch, ob ihr eine Idee habt, die ihr mir gerne mitteilen möchtet. Ich hätte gerne ein paar Rezeptinspirationen, wie man Obstbrände in der Küche einsetzen kann, egal ob für Hauptspeisen oder Desserts. Wie immer freue ich mich über eure Vorschläge in den Kommentaren!

Und weil es wichtig ist: Wenn Kinder, Schwangere oder Alkoholkranke mitessen, hat natürlich Alkohol nichts in den Speisen verloren! Grundsätzlich gilt: Alkoholhaltige Getränke nur in Maßen zu konsumieren, da Alkoholmissbrauch die Gesundheit gefährdet!

1 KOMMENTAR

  1. Ich nutze Obstbrände gern beim Backen, Verfeinern von Süßspeisen und Konfitüren sowie in selbst gemachter Schokolade oder auch für Pralinenfüllungen. Beim Kochen selbst finden sie relativ selten Verwendung, da sie zu meinen überwiegend veganen, häufig indischen Speisen, nicht so recht passen wollen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ein guter Nussbrand prima zu Nusssaucen und/oder Nussbraten schmeckt. Muss ich selbst mal ausprobieren … Hast du schon bei Chefkoch gestöbert? Da tummeln sich ja viele sehr pfiffige Köchinnen.

    Herzliche Grüße

    Sissi

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