Die letzten Jahre hatte ich die SlowFood Messe ein paar Mal ausfallen lassen, weil ich einfach keine Lust mehr auf das Bad in der Menge hatte, aber dieses Jahr habe ich es mir mal wieder gegeben. An und für sich finde ich diese Messe wirklich interessant, man kann viel entdecken und natürlich auch schmecken, es gibt viele kleinere Hersteller, die es verdient haben, dass man ihr Zeug kauft und nicht die „Äquivalente“ aus dem Supermarkt, also alles toll, wenn nur – ja, wenn nur nicht die vielen Leut‘ dort wären!

Bei den ersten Veranstaltungen ab 2007 der SlowFood in Stuttgart war es wirklich noch gemütlich und entspannt auf der Messe, man konnte gut probieren, verkosten und kam mit den Ausstellern ins Gespräch, und zwar nicht nur ins Verkaufsgespräch, sondern man konnte immer so einiges aus dem Nähkästchen geplaudert erfahren.


Heute hingegen empfinde ich es nur mehr als Durchschleusen von Massen, der vormals etwas elitäre Charakter der SlowFood hat die breite Masse erreicht, und zwar so, dass man mit dem Hackenporsche oder wahlweise Bordcase durch die überfüllten Hallen zieht und einkauft, was das Zeug hält. Wenn ich Messeveranstalter wäre, würde ich keine Trolleys in den Messehallen zulassen. Mehr als einmal musste ich aufpassen, dass ich nicht über so ein Ding stolpere und wie ich beobachten konnte, ging es nicht nur mir so.

Aber wir wollen hier nicht nur meckern. Nein, natürlich gab es auch viele positive Eindrücke auf dem Markt des guten Geschmacks. Zum einen waren jede Menge italienische Aussteller da, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass die SlowFood Bewegung Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts – wie sich das anhört! – in Italien begann. Ein weiteres Kriterium dürfte sicherlich auch sein, dass in Italien viele gute Lebensmittel hergestellt werden, die eben noch mit der Hand am Arm gefertigt werden und nicht unbedingt industrielle Fertigungsstraßen durchlaufen. Das gibt es zwar auch, aber es gibt eben auch jede Menge Manufakturen, die noch Wert auf hochwertige Qualität und traditionelle Herstellung legen – und zwar nicht nur auf dem Etikett.

Auch in Deutschland hat man sich seit einigen Jahren wieder darauf zurück besonnen, dass gut Ding eben ’ne Weile braucht und auch hier sprießen die kleinen Hersteller allmählich aus dem Boden. Zum Beispiel auf der schwäbischen Alb, die mittlerweile so eine Art SlowFood Paradies zu werden scheint. Da wachsen ganz gemächlich Albbüffel, schwäbische Whiskys und Nudeln heran, die alle nur darauf warten, von Gourmets ganz langsam und keinsfalls als FastFood verspeist und verkostet zu werden.

Das Maskottchen für die SlowFood Bewegung ist ja die Schnecke, wie könnte es auch anders sein, ist doch die Schnecke eines der langsamsten Tiere überhaupt. Und die Schnecke ernährt sich überaus gesund und geht nur an den Salat, der nicht überdüngt oder sonstwie chemiebelastet ist. Daraus lässt sich schließen, dass ein Tierchen, dass sich dermaßen gesund und vegan ernährt, selbst bestimmt auch sehr lecker und gesund für seine Fressfeinde sein muss. Genau deswegen ließ ich mir die mit Weinbergschnecken gefüllten Champignonköpfe am Stand „Schwäbische Auster“ nicht entgehen. Für fünf Euro gab’s ein Sixpack Schnecken in den Pilzköpfen mit einem milimetergenau abgemessenen Stück Bauernbrot – schwäbisch eben. Aber es hat gepasst, super geschmeckt, war genau richtig und selbst das Brot reichte bei guter Einteilung für jeweils einmal Eintunken in die leckere Kräuter-Öl-Pfütze pro Mulde im Schneckenpfännchen.

Echt schwäbische Sparsamkeit muss übrigens der Vorreiter für die ganze Nachhaltigkeitsbewegung sein. Aus den Schneckenhäusern lassen sich hübsche Lampenschirme basteln, sie lassen sich als Pflanzgefäße für Minisukkulenten verwenden und man kann sie auch reizend bemalen und in der Verwandtschaft verschenken. Das ist Nachhaltigkeit hoch drei – nix wird auf den Müll geworfen, alles wird verwendet und die kaputten Schneckenhäuser kann man immer noch auf dem Kompost zu Dünger werden lassen. Hier schließt sich ganz extrem der Kreis – ohmmmm!

Optisch und geschmacklich sehr ansprechend kamen die Mädels und Jungs von Knusperreich daher. Der Messestand bestach durch Originalität, die Kekse durch <knusperknusperknäuschen> Frische, Geschmack und appetitliches Äußeres. Die Dinger wurden direkt auf der Messe stets frisch nachproduziert und wenn ich an dem Stand die einzige gewesen wäre, wäre ich am Abend nicht mehr durch die Tür gekommen. Alle Zutaten sind frisch, BIO, die Kekse sowieso ofenfrisch und wer jetzt nicht auf der SlowFood Messe sein konnte, der kann sich bei knusperreich.de auch welche bestellen. Die sind lecker, ich schwör’s!

Es gab zahlreiche Anbieter von Würsten aller Art, vor allem aber von geräucherten, haltbaren Wurstwaren wie Salami & Co.. Die Anbieter stammten aus den Regionen Schwäbische Alb, Italien rauf und runter, Frankreich, Südtirol (ok, ist auch Italien) und Polen. Die anderen, die ich nicht entdeckt habe, mögen mir verzeihen. Jedenfalls konnte man so die eine oder andere leckere regionale Spezialität probieren und bei Gefallen auch kaufen. Bei einem Stand jedoch stutzte ich erstmal, weil mein erster Gedanke war, dass die hier Salamis passend zum Sternzeichen verkaufen. Ok, nicht ganz, weil Oliven gibt es ja nicht als astrologisches Tierkreiszeichen. Ob die Salamis hier geschmeckt haben, weiß ich nicht. Ich habe sie nicht probiert.

Aber was geschmeckt hat, war der Pfeffer. Der war ganz edel und wirklich eine Offenbarung. Den Pfeffer gab’s nur in drei Farben wie die Pfeffermühlen eben auch. Schwarz, rot und weiß – mehr braucht es auch nicht unbedingt an Farben. Und der Pfeffer hat ganz exorbitant gut geschmeckt. Ich blieb just in dem Moment an dem Stand stehen, als eine junge Dame gerade weißen Pfeffer über dünn geschnittene Äpfelscheibchen mahlte und mir anbot, so ein Apfelstückchen zu probieren. Da ich selbst ein Pfefferliebhaber bin, ließ ich mir das nicht zweimal sagen. Probiert, geschmeckt, gestaunt. Sehr gut! Und super edle Pfeffermühlen dazu. Das Label ist Hennes Finest, zu erreichen unter hennesfinest.com.

„From nose to tail“ ist derzeit das neue Motto auf sämtlichen Kochblogs, die nicht vegan, vegetarisch oder als Frutarier unterwegs sind. Also im Grunde genommen geht es um Fleischverarbeitung so, wie wir es vielleicht nur noch vom Hörensagen von unseren Altvorderen kennen. Da wurde auch alles verwertet und es wurde kein Trara drum gemacht. Heute ist es anders…

Heute gilt es wieder als chic und eingeweiht, wenn man von der Sau eben nicht nur das Filet, das Schnitzel und das Kotelett kennt und isst, sondern auch all das, was sich zwischen Rüssel und Schwänzchen befindet inclusive derselben. Wer nur Schnitzel und Filet isst, bekommt das Zeug dazwischen spätestens mit der Wurst serviert, nur dass man da eben nicht mehr weiß, was genau so alles drin ist. Das mag vielleicht der Grund gewesen sein, dass vom Küchengerätehersteller Gaggenau in einer groß aufgebauten Showküche genau die Teile verarbeitet wurden, die sonst bei dem einen oder anderen nur ein Naserümpfen hervorrufen.  

Da hing eine formatfüllende Rinderzunge auf dem Thresen, der von den Ausmaßen ähnlich war wie eine Metzgertheke. Von oben herab baumelten Innereien, die meiner Meinung und meiner anatomischen Kenntnisse nach Leber und Nieren vom Rind enthielten. In der Vitrine lag ein gehäuteter Kalbskopf mit dem berühmtbrüchtigten Kalbsbries und ein paar Meter weiter war ein Damentrio bestens damit beschäftigt, eine Rinderleber zu parieren. So etwas sieht man heute nicht mehr beim Metzger, schon gleich gar nicht in der City, wo mittlerweile fast jeder kleine Metzgerladen schließen musste – Supermarkt und Discounter sei Dank!

 Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den Metzger bei uns im Viertel, bei dem in der Auslage eben auch Leber von Rind, Schwein und Kalb lag, bei dem man Kalbsbries auf Vorbestellung bekam und der im Standardsortiment Kutteln führte. Das sieht man heute alles nicht mehr, deswegen begrüße ich die Kochbewegung „from nose to tail“ und hoffe, dass sie wieder mehr ins Bewusstsein bringt, dass ein geschlachtetes Tier aus mehr besteht als aus Filet, Schnitzel und Kotelett.

Sehr interessant fand ich auch die Gewürzöle von der österreichischen Ölmühle Gegenbauer in Wien. Gewürzöle an und für sich sind nicht neu, aber hier war ich von den Geschmacksrichtungen beeindruckt und – zugegeben – von den herrlich altmodischen Flaschen, die mich an Parfumflaschen aus den 20er oder 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnern. Das trifft mich voll ins Nostalgikerherz. Verkostet habe ich das Öl nicht, beschnuppert aber sehr wohl. Mich reizt es zum experimentieren und ich hätte da schon die eine oder andere Idee im Hinterkopf, wie man dieses Gewürzöl bestmöglich verwenden könnte.

Dann lasse ich mir jetzt zum Abschluss noch ein Stück Salami vom Eichelschwein schmecken, esse eine Scheibe guten Bauernbrotes von der Alb dazu und freue mich, wenn ich die eine oder andere Neuentdeckung per Netz kontaktieren kann und dann auch die Zeit finde, mich mit dem Zeug näher zu beschäftigen. Das soll keinesfalls abwertend gemeint sein, aber in dem Trubel auf dre Messe vergeht mir sowohl das probieren als auch das einkaufen. Ich kam mit sehr wenig nach Hause, die Followers auf Instagram wissen bereits Bescheid, wie üppig meine Beute ausfiel.

Wart ihr auch auf der SlowFood? Oder vielleicht auf einer anderen Messe hier in Stuttgart? Ich freue mich über Kommentare und gerne auch über Hinweise auf andere Messe-Erlebnis-Berichte.

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