Urban Gardening – was ist machbar?

3

Das Thema Selbstversorgung reizt mich schon lange. Vor Jahren lebte ich mit meinen Raubtieren in einem kleinen Hexenhäuschen mit handtuchgroßem Garten drum herum und hatte da eine kleine Kräuterplantage unterm Küchenfenster, alte duftende Rosensträucher entlang der Hauswand und einige mediterrane Kübelpflanzen, die mindestens grandios geduftet haben oder auch in entsprechenden Speisen verarbeitet werden konnten. Also Rosmarin, Thymian, Lavendel und so Zeug. Das grüne landläufige Zeug wie Borretsch, Petersilie, Schnittlauch usw. wuchs dann unterm Küchenfenster.

So, jetzt wohne ich seit über einem Jahrzehnt eben wieder in der Innenstadt, mit ohne Garten, dafür mit zwei Balkons und so langsam aber sicher würde ich hier gerne auf partielle Selbstversorgung umsteigen. Der Sinn von Blumenkästen mit Geranien und Petunien hat sich für mich noch nie erschlossen. Als das Kind klein war, pflanzte ich auch nur essbare Pflänzchen an wie Kräuter, Tomätchen, Gürkchen und ähnliches. Aber das war mehr oder weniger Zierrat und nur zum naschen gedacht. Und natürlich dazu, dass sich das Kind nicht den Bauch mit Engelstrompeten vollschlägt, sondern lieber mit Cocktailtomaten oder Salbeiblättern.

Dieses Jahr muss ich ganz schön was machen auf dem Balkon. Nachdem er ja vor zwei Jahren im Rahmen der Fassadenrenovierung wieder aufgehübscht wurde, zumindest vornerum, habe ich mir ein Jahr Pflanzpause gegönnt, weil ich Hemmungen hatte, die frisch gestrichene Fassade und Brüstung gleich potentiell zu versauen. Bepflanzungen bergen ja auch immer das Risiko, dass im Rahmen einer globalen, lokalen Sommergewitterbewässerung auch mal ein Erdrutsch über die Kästen tritt und die ganze schön gestrichene Fassade versaut.

Aber dieses Jahr werde ich’s anpacken! Als erstes muss ich noch den vorderen Balkon einzäunen und einen Katzenknast bauen. Miss Neko fordert ihre tägliches Gassi gehen mehrfach ein und ich möchte nicht immer am Rande eines Herzinfarktes stehen, wenn Frollein Katz in einem unbeobachteten Moment mal auf das Geländer springt. Wohnten wir im ersten Stock, wäre es nicht so das Problem. Aber hier könnte man eben etwas tiefer fallen und auch für die Katz‘ wäre das heile Aufkommen nicht mehr garantiert. Deswegen muss erstmal ein Katzennetz her.

Wenn das erledigt ist, dann können wir uns um die Bepflanzung kümmern. Ich habe da so gewisse Vorstellungen, die ich gerne alle in die Tat umsetzen würde. Zum einen natürlich Kräuter und Gewürze. Dringend gepflanzt werden sollten Petersilie, Knoblauch, Rosmarin, Thymian, Schnittlauch und Basilikum. Außerdem hätte ich gerne Vespergürkchen, die allerdings nicht unbedingt essigsauer sein müssten. Dann natürlich Tomaten, von mir aus gerne Cocktail- oder Kirschtomaten. Ein Kasten voller Pflücksalat wäre auch nicht schlecht, außerdem könnte man links und rechts einen Sichtschutz mit rankenden Bohnen basteln. Ganz ordinäre Stangenbohnen, das reicht mir schon.

Und dann gibt es da noch diese patentierten Kartoffeltöpfe, die es früher in einfacher Form auch schon gab. Aber heute sind sie im Doppeltopfverfahren praktisch ausgetüftelt, so dass man auf Balkon und Terrasse seine eigene Kartoffelplantage haben kann. Das müsste für den täglichen, nicht übermäßigen Bedarf ausreichen.

Dann hätte ich gerne noch eine kleine Champignonzucht, die ich auf dem Küchenbalkon, da schattig bis halbschattig, aufziehen könnte. Das ganze Jahr über frische Champignons, das wär’s doch!

Und für’s Kätzchen würde ich extra auf dem Boden noch ein paar Töpfe Katzengras, Baldrian, Katzenminze und ähnlich katzenfreundliches Zeug anbauen. Und das wäre doch alles total im Trend, zumal Urban Gardening schon länger in aller Hipster Munde ist. Vielleicht sogar mittelfristig in die Zukunft gesehen eine Notwendigkeit für Ottilie Normalverbraucher, um unabhängiger zu werden.

So ein Gemeinschaftsgarten ist auch nicht schlecht, wenn es zwischenmenschlich funktioniert. Da gibt es ein paar Einrichtungen hier in Stuttgart, wie das El Palito oder das Ding auf dem Dach des Züblinparkhauses. Wie das dort funktioniert und wie oft man zum gießen, Unkraut jäten und umgraben kommen muss, weiß ich nicht.

Wohl dem, der ein Fleckchen Land vor dem Haus hat und es nicht nur mit Zierpflanzen und 10-mm-Rasen nutzt. Statt einer Thujahecke würde ich lieber eine Rosen- und Brombeerhecke ziehen und statt Koniferen wüchsen bei mir Tomaten oder Bohnen. Die einzigen Zierpflanzen, die mir in die Tüte kämen, wären Lavendel und Teerosen, die man zur Not beide auch noch kulinarisch verarbeiten kann.

Wer von euch hat einen Nutzgarten auf dem Balkon oder auf der Terrasse und kann mir Tipps geben? Was habt ihr angepflanzt? Gedeiht das Zeug? Worauf muss man achten? Baut ihr vertikal an? Wenn ja, was nutzt ihr als Konstruktionen für den vertikalen Anbau? Fragen über Fragen… aber ich zähle auf euch und euer Wissen!

3 Kommentare

  1. Toller Bericht! Ich find Urban Gardening auch klasse und nutze jeden noch so kleinen Fleck auf meinem Balkon. Ich habe immer Pflücksalat in den Blumenkästen, viele verschiedene kleine Hänge-Töpfe mit Kräutern (auf jeden Fall immer Basilikum, Schnittlauch, Kresse und Dill), 1-2 große Töpfe mit selbst gezogenem Paprika und 1-2 Tomatenstauden. Ich achte eigentlich auf nix besonderes. Hab allerdings auch das Glück, dass mein Balkon überdacht und sehr geschützt ist. Meine Tomaten letztes Jahr sind bis in November rein gewachsen. Kanns gar nicht erwarten, dieses Jahr wieder los zu legen.

    Viele liebe Grüße
    Dila

    http://www.dilavskitchen.de

  2. Wow. Das klingt nach einem wirklich anspruchsvollen Plan. Darf man fragen, was du bisher umgesetzt hast?

    Und wie funktioniert eigentlich Champignons anpflanzen? Sind die nicht furchtbar empfindlich?

    • Das mit den Champignons habe ich noch nicht ausprobiert, aber soweit ich weiß gibt es fertige Kits für die heimische Zucht und es ist sicherlich auch für den unbedarften urbanen Bauern (m/w) geeignet. Bis heute tatsächlich umgesetzt habe ich diverse Kräuter, Setzlinge für Salate, Erdbeeren und Sellerie stehen parat, Sichtschutzrankpflanzen wie Clematis, Rosen und lausverhindernder Lavendel sind an Ort und Stelle eingetopft und die Blaubeerbüsche blühen auch schon – was will man mehr!? Fehlen nur noch die ganzen anderen Sachen, aber ob ich das alles schaffe!?
      Liebe Grüße
      Salvia von Liebstöckelschuh

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here