#Kapfenhardt
Der Schwarzwald kann schon ganz schön düster wirken

Derzeit haben wir ja Herbstferien und da der Herbst die schönste Jahreszeit für uns ist, haben wir die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und einen kleinen Kurztrip unternommen. Frollein Tochter lag mir schon etwas länger in den Ohren, sie wolle mal wieder eine richtig schöne Wanderung mit mir unternehmen – hört, hört, ein Kind, das freiwillig wandern möchte! – und genau das haben wir jetzt während unserem Kurztrip gleich in die Tat umgesetzt.

#Kapfenhardt #Mühle
Die letzten vier Kilometer vor dem Ziel marschierten wir zu Fuß, mit Gepäck über Stock und Stein…


Aber fangen wir einfach mal von vorne an. Montagvormittag setzten wir uns in den Zug, der uns mitsamt unserem Gepäck zunächst von Stuttgart nach Pforzheim und von dort aus weiter nach Unterreichenbach bringen sollte. Ziel sollte Mönchs Waldhotel bei den Kapfenhardter Mühlen sein. Da war ich mal als Kind mit meinen Eltern und hatte irgendwie eine sehr romantische Erinnerung daran, idyllische Umgebung, gemütliches Hotel und gutes Essen. Genau das wollte ich gerne meiner Tochter zeigen, zumal ich mir sicher war, dass es ihr dort bestimmt auch gefallen würde.

#KapfenhardterMühle #Nordschwarzwald
Endlich im Hotel angelangt! Erstmal total k.o. aufs Bett fallen und wieder zu Kräften kommen

Eigentlich hätten wir ja vom Bahnhof Unterreichenbach die 4 Kilometer zum Hotel mit dem Taxi vollends hinter uns gebracht, aber da wir mit den Tücken des Bahnfahrens konfrontiert wurden und dadurch später als geplant ankamen, war natürlich auch kein Taxi mehr da, was uns zum Hotel hätte fahren können. In der Bahnhofspinte, die es immerhin dort gab, fragte ich nach dem Bus und man zeigte mir bierselig mit wankendem Arm in etwa die Richtung, wo sich die Bushaltestelle befinden sollte. Glücklicherweise fanden wir sie und durften gleich feststellen, dass der nächste Bus frühestens in einer Stunde fahren würde, wenn nicht gar erst in ein paar Tagen, weil eben derzeit Herbstferien sind und Busse auf dem Land manchmal nur für Schüler fahren. Kurzerhand beschloss ich, die paar Meter zum Hotel zu Fuß zurückzulegen. Vier Kilometer sind normalerweise kein Hexenwerk und die Ausschilderung Richtung Kapfenhardt war beispielhaft.

Obere Kapfenhardter Mühle
Töchterlein ist erstmal alles andere als begeistert

Eine gute Stunde später kamen wir fix und fertig am Hotel an und hatten unsere erste Ochsentour bereits hinter uns. Schließlich lässt sich so eine Reisetasche mit kleinen Rädern nicht unbedingt über jedes Gelände und über jeden Wanderweg problemlos transportieren.

#Nordschwarzwald #Kurzurlaub
Beim ersten Rundgang durch die Umgebung fallen die Ressentiments mit jeder gestreichelten Katze mehr

Angekommen, angemeldet und gleich erstmal das Zimmer aufgesucht, um uns erstmal kurz zu erfrischen. Sobald wir wieder bei Kräften waren, genehmigten wir uns Kakao, Kaffee, Torte und Kuchen. Nach der ersten Stärkung machten wir uns daran, die nähere Umgebung zu erkunden, nur um zum Leidwesen von Frollein Tochter feststellen zu müssen, dass es eigentlich nichts hier gibt. Nichts bedeutet: keinen Laden, keinen Kiosk, kein Kino, keine Restaurants außer denen im Hotel, eben zumindest nicht in der Dichte, wie sie es aus der Landeshauptstadt gewohnt ist. Gut, wir waren schließlich im Schwarzwald im romantischen Kapfenhardter Tal. Dafür gab es gleich beim ersten Rundgang jede Menge Begegnungen mit rundköpfigen, moppeligen Bauernkatzen, die allesamt sofort ihre Streicheleinheiten einforderten und damit meine Tochter schnellstens mit dieser Schwarzwaldwildnis versöhnten.

Ringhotel Mönchs Waldhotel
Abends nach einem Einkauf von Naschereien im Mühlelädle der oberen Kapfenhardter Mühle und einem zünftigen Essen in der unteren Kapfenhardter Mühle sind wir wieder fröhlich und schleichen dann erledigt den Hotelflur entlang zu unserem Zimmer.

Das Abendessen nahmen wir nicht im Hotel zu uns, sondern in der benachbarten Unteren Kapfenhardter Mühle, wo es etwas rustikaler zugeht und wo man in so einem richtigen Landgasthaus deftige Speisen zu sich nehmen kann. Wie früher eben, aber uns gefiel es.

#Nordschwarzwald #Kapfenhardt #Mühlbach
Da wo der Wildbach rauscht…

Die Schwarzwälder Luft versetzte uns kurz nach zehn bereits in einen halbkomatösen Zustand, so dass wir nicht einmal mit viel gutem Willen noch großartig fernschauen konnten, sondern schlicht und ergreifend vom Schlaf übermannt wurden.

#Kapfenhardt
Der Winter kann kommen, die Holzvorräte sind aufgestockt

Das Frühstücksbüffet am Dienstagmorgen bot allerlei für die erste Tagesmahlzeit und Mademoiselle und ich ließen es uns schmecken. Wir hatten uns vorgenommen, eine mittlere Wanderung zu unternehmen, so, wie sich das eben in fremden, unbekannten Wäldern durchführen lässt, denen man nachsagt, sie seien dunkel. Die Dame an der Rezeption gab uns den Tipp nach Schömberg zu wandern, zumal es dort auch ein paar Läden gäbe, womit sie wohl Gedanken lesen konnte. Also machten wir uns auf die Socken, verließen uns weitgehend auf die Beschilderungen des Schwarzwaldvereins und ich muss sagen, damit sind wir gut gefahren. Die Wege sind wirklich dermaßen gut ausgeschildert, dass man auch als Ortsunkundiger durch den finst’ren Wald wandern kann, ohne die Wanderkarte oder das Navi im Smartphone zu bemühen, welches ohnehin fast nie eine richtige Verbindung bekam.

#Schömberg #Kapfenhardt #Calw
Markante Punkte auf dem Weg und beste Beschilderung machen das Wandern einfach

In Schömberg deckten wir uns mit ein paar unverzichtbaren Kleinigkeiten ein, kauften noch ein paar Katzenleckerlis, falls uns wieder Bauernkatzen über den Weg laufen sollten und kehrten in einem Café ein, das uns einen Zeitsprung nach 1972 bescherte. Offensichtlich hatte man seit ungefähr dieser Zeit nichts mehr am Interieur verändert. Auch der an die Wand gekleisterte Teppichboden in braunbeigem Muster war noch original. Dafür schmeckte der Kuchen wenigstens frisch…

Im Herbst im Nordschwarzwald
Stimmungsvolle Bilder ergeben sich auf unserer kleinen Wanderung von Kapfenhardt nach Schömberg

Abends stand dann in Mönchs Waldhotel für uns das Schwarzwaldmenü mit drei Gängen auf dem Programm. Zum Glück hatten wir für jeden Gang zwei Möglichkeiten zur Auswahl, denn Frollein Tochter mag zum Beispiel nicht mit Fischgräten rumkämpfen, während ich natürlich die Gelegenheit wahrnahm, die Forelle Müllerin zu verspeisen – übrigens nicht nur bestens zubereitet, sondern auch noch säuberlichst filettiert.

Wandern von Kapfenhardt nach Schömberg
Der Wald ist mal dunkel und mal hell und leicht. Wenn es Tiere zu sehen gibt, ist jede Wanderung spannend.

Auch am Dienstagabend überlebten wir nur knapp die zehn-Uhr-Marke und fielen bald ziemlich erledigt ins Bett. Diese Gegend ist ja auch bekannt für ihr Heilklima. Ich vermute mal, die Patienten gesunden hier vor allem dadurch, dass sie die meiste Zeit durchschlafen, weil sie von einer Sauerstoffüberdosis direkt in die Federn geworfen werden…

#Nordschwarzwald #Kurzreise #Wandern
Es klappert die Mühle am rauschenden Bach…
Die untere Kapfenhardter Mühle

Und heute war unser Kurzurlaub leider schon wieder vorbei. Nach einem reichlichen Frühstück und einem wiederholten kleineren Rundgang in der Umgebung, bei dem wir nochmals die Forellen zählten, die sturen Shetlandponies versuchten herzulocken und uns vom Damhirsch im benachbarten Wildgehege das Salz auf den Händen abschlabbern ließen, ging es dann leider schon wieder Richtung Heimat. Dieses Mal fuhren wir die vier Kilometer zum Bahnhof mit dem Taxi, was übrigens teurer war als die einfache Fahrt von Unterreichenbach nach Stuttgart. Der Zug rauschte auch schon ein, kaum waren wir am Bahnhof. Wir fuhren nach Pforzheim um dort nicht wie geplant das Schmuckmuseum anzuschauen, sondern um einfach den Zug nach Stuttgart zu bekommen, weil wir doch von den vielen Eindrücken etwas müde waren.

#Nordschwarzwald #Kurztrip #Wanderung
Dank eigener Forellenzucht gibt es diese immer fangfrisch

Dieses verlängerte Wochenende unter der Woche hat uns jetzt richtig gut getan und wir können bestimmt ein Weilchen von diesen neuen Eindrücken zehren. Für mich hatte ich festgestellt, dass ich noch einiges in Erinnerung habe von dem Aufenthalt, den ich vor zig Jahren mit meinen Eltern und meiner Schwester in Mönchs Waldhotel verbracht hatte. Das muss auch so um die gleiche Jahreszeit gewesen sein, wie mir meine Ma heute bestätigte. Für sie gab es damals Rehrücken Baden-Baden…

Forelle Müllerin und andere Genüsse
Alles strahlt beim köstlichen Schwarzwaldmenü

Bemerkenswert fand ich auch, dass das Kind nach anfänglichem Meckern (ich will jetzt sofort wieder heim!) schon am zweiten Tag sagte: „Schade, dass wir nicht die ganze Woche hier bleiben können!“. Ich will hier auch unbedingt wieder her, am liebsten mal im Winter, wenn der ganze Schwarzwaldzauber auch noch mit Schneesternchen verzaubert wird! Für alle Fälle hat sich das Töchterlein im Gästebuch verewigt, man weiß ja schließlich nicht, ob sie vielleicht mal mit meinen Enkeln dort aufkreuzen wird. Einen Eintrag meiner Eltern haben wir in den Gästebüchern von 1958 bis heute leider vergeblich gesucht – wäre doch irgendwie schön gewesen.

Diese Reise kam aufgrund einer Kooperation mit der Reisehummel Baden-Baden zustande, die auf Kurzreisen spezialisiert ist. Mein Bericht gibt meine Erlebnisse sowie meine Meinung wieder und ist nicht durch die Kooperation beeinflusst.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here