Schon vor einiger Zeit las ich bei meinem Stuttgarter Lieblingsfoodblogger Johannes Guggenberger mal ein Rezept namens Kartoffel-Stierum. Mir war so, als ob ich das schonmal irgndwo gehört hatte, aber eine richtige Vorstellung dazu hatte ich nicht. Das Rezept hörte sich für mich aber irgendwie lecker an und ich schrieb das Kartoffel-Stierum auf meine imaginäre To-Do-Liste – und vergaß es.

Bis heute vormittag eben jener eine Variante zu diesem Rezept bloggte und über Facebook verteilte. Und dann wusste ich, was es heute abend zum Essen geben sollte: Kartoffel-Stierum mit irgendeinem Dip und irgendwas dazu. Da ich zu der Sorte Mensch gehöre, die Rezepte niemals minutiös abarbeitet, sondern immer schaut, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, indem in erster Linie Zutaten verwendet werden, die ohnehin im Haus sind oder ohne große Rennerei zu beschaffen sind, überließ ich das Beiwerk zum Kartoffel-Stierum zunächst ein wenig dem Zufall bzw. wartete darauf, was mir beim Einkaufen über den Weg laufen würde.


Genau das liebe ich übrigens an den Rezepten von stuttgartcooking, dass sie zum einen Raum für freie Entfaltung lassen und nicht wie ein Laborrezept mit genauestens abgewogenen Ingredienzen nachzubasteln sind, zum anderen hauptsächlich aus regionalen Produkten bestehen, die auch noch der jeweiligen Jahreszeit entsprechen. Wie früher eben und wie man es heute wieder immer häufiger vorfindet. Was ich auch schätze, ist, dass die Zutatenliste meistens überschaubar ist und man nicht schon 5 Tage vorher mit der Einkaufsplanung anfangen muss, weil dermaßen exotisches Zeug drauf steht, was man nur in ausgewählten Läden bekommt.

Unterwegs beim Einkaufen lachten mich dann Radieschen und Frühlingszwiebeln an, die ich als schmückendes Beiwerk für den Dip mitnahm. Außerdem kam mir ein Räucherlachs entgegen und ich dachte mir, der könnte eigentlich auch noch ganz gut dazu passen. Geschmacklich auf jeden Fall, vom Fettgehalt insgesamt würde ich im nachhinein sagen, war es schon etwas heftig. Das kann man dann eher so mit dem Räucherlachs kombinieren, wenn es draußen klirrende Minusgrade hat oder wenn man einen gleichermaßen schmackhaften wie verdauungsfördernden Digestif zuhause hat.

Ich habe mich also in etwa an die Zutaten von Johannes‘ Rezept gehalten, die Mengenangaben aber einfach nach Gutdünken variiert. Und beim Kartoffel-Stierum habe ich vergessen, den Knoblauch hinzuzufügen, was mich letztlich aber nicht weiter gestört hat. Ist bestimmt beides lecker.

Mein Dip bekam anstelle von Rettich-Kresse und Schnittlauch ganz einfach klein gewürfelte Radieschen und in dünne Ringe geschnittene Lauch- oder Frühlingszwiebeln. Der Lachs ging dann sowieso extra und war sozusagen unsere Fleischbeilage für diese Woche, wenn man mal von der schwäbisch-hällischen Bratwurst von gestern absieht.

Beim Anbraten dieser flachgedrückten Kartoffel-Mehl-Häufchen musste ich höllisch aufpassen. Die erste Lage war auf der einen Seite ziemlich verkohlt, weil ich mich nebenher mit etwas anderem beschäftigt hatte und die Flamme wohl zu kräftig eingestellt war. Naja, einfach wenden, die Kohle abkratzen und weiterbraten, es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Bei der dritten Lage war ich dann übrigens soweit eingebraten, dass das Ergebnis dann so richtig gut wurde: goldbraun ausgebackenes Zeug.

Mein Kind war natürlich total begeistert von dem Abendessen und hat gleich eine Vorbestellung aufgegeben: Kartoffel-Stierum mit Apfelmus, mit Zimt und Zucker, mit was-weiß-ich-noch…

Na, dann bin ich ja in nächster Zeit beschäftigt und es wird sich nie wieder die Frage stellen: Was koche ich morgen?

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