Heute Neueröffnung im Milaneo Stuttgart
Außenansicht rund ums Milaneo hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof

Stuttgart wird gerade zur Metropole zwischen abgeholztem Park-Wald und Reben und eröffnet derzeit ein Einkaufszentrum nach dem anderen. Neulich erst das Gerber, heute dann endlich das Milaneo auf dem Mailänder Platz hinter dem Hauptbahnhof, welches auch dem Konzept Malochen, Wohnen, Shoppen folgt. Mit anderen Worten, wer Geld genug hat, sich die Mieten oder Quadratmeterpreise dort leisten zu können, der kann sozusagen angebunden ans Einkaufszentrum auch gleich wohnen, dort direkt seine Güter des täglichen Bedarfs kaufen und möglicherweise auch direkt im Viertel arbeiten – zumindest rein theoretisch.

Milaneo ist fast schon fertig
Der Weg ins Milaneo führt durch eine Art Wildwest

Ich fuhr mit der Stadtbahn bis zum Hauptbahnhof und dachte mir, die paar Meter bis zum Milaneo gehe ich dann vollends zu Fuß. Das aber zieht sich und der Weg geht an S21-Baustellen vorbei durch den geisterhaften Bankenkomplex, vorbei am Bücherknast und dann steht man auch schon vor dem fast fertigen Konsum-Tempel Milaneo.

eine kleine Alibi-Demonstration vor dem Milaneo Stuttgart
Das Milaneo Stuttgart wirkt nicht zuletzt dank der Demonstranten schon recht gut besucht

Schon vor dem Einkaufszentrum an der Stadtbibliothek aufgestellt, sieht man eine kleine Anstands-Demo, die von einer Handvoll Polizisten bewacht wird. Man demonstriert wohl gegen Primark, diesem irischen Billigklamottenhändler, der bei Teenies immer so einen Hype auslöst und jetzt endlich auch in Stuttgart gelandet ist. Das allein dürfte wohl ein Merkmal sein, dass Stuttgart genauso wie Frankfurt, Berlin und Karlsruhe jetzt zur Weltstadt geworden ist.

Erwartungsvoll marschiere ich morgens um acht Uhr dreißig ins Innere dieses Komplexes und stehe gleich anfangs vor dem Problem bzw. vor der Entscheidung, welchen Eingang ich nehmen soll und ob ich lieber zuerst in den West- oder Ostflügel gehen sollte. Für irgendwas entscheide ich mich, betrete diesen vieldiskutierten Bau und bin…

architektonisch kein Kandidat für einen Designpreis finde ich
Das Milaneo Stuttgart von innen überrascht mich nicht

…enttäuscht. Es macht auf mich schon so einen etablierten Eindruck, es fehlt der Reiz und Zauber des Neuen, es wirkt, als sei das Milaneo schon seit mehreren Jahren geöffnet und hätte nicht heute,
am 9. Oktober 2014, seine Premiere. Alles so unüberraschend, vorhersehbar, unspektakulär, noch nicht einmal charmant, was ich zum Beispiel vom Gerber sagen würde.

Ok, nach der ersten Enttäuschung schaue ich mir an, was es so an Läden gibt. Immerhin sind es ja um die 200 Läden, die hier Einzug gehalten haben. Aber auch hier gibt es wenig, von dem ich sagen könnte, dass es hier in Stuttgart gerade noch gefehlt habe, außer vielleicht der Primark. Der hat uns tatsächlich gerade noch gefehlt. Das Ding ist schon morgens gerammelt voll und der Laden brummt, dass mir schier die Augen aus dem Kopf fallen. Ich muss gestehen, ich bin das erste Mal in einem Primark, kannte diese Marke seither nur von Bloggern, die regelmäßig ihre Hauls über tütenweise Beute aus dem Billigklamottenhandel vorstellen. Da sieht ja manches noch ganz nett aus.

eine kleine Demo versucht zwischendurch Primark-Kunden zu irritieren
Primark gerammelt voll – wen wundert’s. Sogar Polizeischutz gibt es für den Laden

Aber als ich dann durch die 3 Etagen schlich und dachte, vielleicht finde ich ja was klitzekleines Hübsches für mein Töchterlein – ja, ich hab was gefunden, Handschuhe mit Katzengesicht für wenig Geld – da war mein Erstaunen noch größer. Massenweise Leute und Ware, die für meine Begriffe wirklich qualitativ unter dem Untergeschoss angesiedelt ist. Ich verstehe ja wirklich, wenn Teenies hier ihr Taschengeld hinbringen, weil es wirklich für Taschengeldpreise sehr modische Klamotten gibt. Aber so wie es aussieht, kleiden sich ganze Clans dort ein, die in Horden durch den Laden marschieren und bemüht sind, möglichst schnell die überdimensionierten Einkaufskörbe voll zu bekommen. Ok, jetzt hab ich das auch mal gesehen und weiß jetzt endlich einigermaßen über das Phänomen Primark Bescheid.

im Milaneo Stuttgart bekommt man alles, was man braucht oder nicht braucht
Diese Läden im Milaneo fand ich optisch interessant

Ein paar Läden sind mir neben den stets präsenten Shops aufgefallen, zum einen Rituals, was wir aber jetzt auch im Gerber haben und für mich somit bequemer zu erreichen ist. Dann ein ganz reizender virtueller Laden namens Linas Köttbullar, der zumindest momentan bis jetzt nur auf Papier respektive Fototapete existiert, der aber so manch einem zukünftig die Fahrt zu IKEA ersparen wird, da es dort wohl die berühmt-berüchtigen Köttbullar geben soll. Und dann noch ein Sushifließbandladen namens Tokyo, der japanisch anmutend in Ebenholz und lackrot gehalten ist, aber vor allem von chinesisch sprechenden Leuten betrieben wird. Gut, Sushi müssen ja nicht zwingend von Japanern hergestellt werden, Chinesen oder Taiwanesen können das bestimmt auch.

Retro-Style für Klamotten und Wohnaccessoires
Das war der einzige Laden, den ich entdeckte, von dem ich sagen konnte: ist mal was anderes!

Der einzige Laden, der optisch wirklich in mein Auge stach – autschn – war einer namens „Heimatliebe“. Das hört sich so schön nostalgisch an, erinnert an Vintage-Zeugs und siehe da, so ähnlich war es dann auch. Die Sachen, die verkauft werden, sind zwar alle neu, haben aber trotzdem irgendwie einen Retro-Touch. Klamotten im mittleren Preissegment gibt es genauso wie Accessoires fürs schönere Wohnen. Da könnte ich sicherlich demnächst mal fündig werden, sofern es mich mal wieder in diese Ecke verschlägt.

Alles in allem bin ich vom Milaneo nur mäßig begeistert, um nicht zu sagen, dass ich eigentlich mehr erwartet hätte nach dem ganzen Brimborium, was da vorher getrieben wurde. Positiver Effekt war, dass als ich zu Fuß nach Hause ging, die Königstraße und der Wochenmarkt nur sehr gemäßigt besucht waren, weil die Masse vermutlich hinter dem Hauptbahnhof zu finden war. Von mir aus darf das gerne so bleiben, dann gehe ich bei gutem Wetter weiterhin in der City shoppen und bei schlechtem ins nahe gelegene und um einiges charmantere Gerber.

Praktisch ist es für die ganzen Umländer, die mit der S-Bahn nach Stuttgart zum Shoppen reinfahren können, direkt am Hauptbahnhof aussteigen, den ganzen Tag inklusive Vollverpflegung (es gibt auch Mc Donalds und Burger King) im Milaneo verbringen und abends dann direkt wieder nachhause düsen können. Wer dann zwei bis drei supergünstige Flachbildschirme zuviel eingekauft hat und die mit der S-Bahn nicht bis nach Hinterbeutelshausen transportieren möchte, der kann sogar im Milaneo den Delivery Service von Liefery in Anspruch nehmen und sich die Einkäufe für wenig Geld nach Hause transportieren lassen. Perfekt!

4 KOMMENTARE

  1. Oh je schade, dass es eher eine Enttäuschung ist. Aber der Laden Heimatliebe sieht wirklich sehr interessant aus! 🙂
    Schöner Bericht!
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

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