Reise: Essen (wie Gott) in Frankreich – Teil 1

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Bekanntermaßen soll man ja in Frankreich göttlich speisen können, was ich so auch in fast allen Fällen bestätigen kann. Aber trotzdem gibt es auch hier Abstufungen und hin und wieder speist man auch einfach ganz bescheiden irdisch, vor allem wenn man gerade nach einer 13-stündigen Autofahrt am Ziel angekommen ist und einfach das nächstbeste Lokal ansteuert.

aber auch Hummer, Krabben, Langusten oder Shrimps findet man auf Plats du fruits de mer
Ein Bild für Götter ist die Meeresfrüchteplatte, die sich Liebhaber der Atlantikküche nicht entgehen lassen sollten.


Wie ihr hier und hier nachlesen könnt, waren wir ja in der Bretagne an der Atlantikküste. Genauer gesagt waren wir in der Ecke der Bretagne, die sich Finstère nennt. Da ist es zwar nicht so finster, wie der Name vermuten lässt, dafür wirkt es stellenweise eher so, als sei man am Ende der Erde angelangt – daher auch der Name abgeleitet von „finis terrae“. Aber eigntlich wollte ich euch ja übers Essen berichten. Nachdem wir also ziemlich k.o. am Ziel angelangt waren und die erste Schockstarre über die nicht vorhandenen Quadratmeter unserer Behausung bzw. über unsere Gepäckmengen überwunden hatten, wollten wir einfach nur noch irgendwo gemütlich sitzen und etwas verzehren.

Bar&Tabac Le Transat in Saint Nic

Da fiel uns dann der Spruch ein „Warum denn in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah“ und wir kehrten direkt in das neben dem Campingdorf gelegene Le Transat ein. Im Nachhinein kann ich sagen, dass dies ein typischer Anfängerfehler war.

Dieses Lokal war unserer Ansicht eher etwas für die Hartgesottenen
Schöner Ausblick und gutes Bier

Die Kneipe war zwar einigermaßen gut besucht, aber das kann nur am grandiosen Ausblick gelegen haben oder daran, dass es auch in Frankreich Menschen gibt, die eher die Sättigung als ein Geschmackserlebnis anstreben. Frollein Tochter und ich bestellten uns vorsichtshalber nur Galettes, diese herzhaften, hauchdünnen Buchweizenpfannkuchen mit klassicher Füllung aus Schinken und Käse. Das ging so und war einigermaßen genießbar, wenn nur nicht immer dieser große alte schwarze Hund durchs Lokal geschlendert wäre und seinen zerfledderten Schweif in Tischhöhe gewedelt hätte…

Schwesterherz und Voltaire stiegen gleich mit Miesmuscheln in ihre Atlantikdiät ein und wurden herb enttäuscht. Die „Moules“ wurden mir irgendeiner schmierig-cremigen Soße serviert und fettigen Fritten – naja, wenigstens war der Ausblick grandios und das bretonische Bier schmeckte auch. Den Hund übrigens sahen wir noch öfters, er ging jeden Tag alleine den Gehweg und den Strand vollkacken…

Imbiss links neben dem Campingdorf Ker Ys Le Domaine St. Nic

Gleich nebenan auf der anderen Seite des Eingangs zu unserem Campingdorf befand sich ein Imbiss, der in drei Stationen aufgeteilt war. An der ersten Station bekam man Fritten, Burger, Sandwiches, belegte Baguettes und Getränke, an der zweiten Station gab’s die Desserts wie zum Beispiel Waffeln, Beignets, Eis oder anderer Süßkram und zwischen den beiden Futterstationen war dann Endstation: die Bar mit den harten Sachen.

Hier konnte man bei wunderschönem Ausblick sehr preiswert, aber gut vespern
Manchmal kann auch an einem Imbiss das Essen richtig gut sein

Anfangs rümpften wir ein wenig die Nase über den Imbiss, aber als es sich dann einmal so ergab, dass Schwesterherz mit Voltaire zum Essen 30 km weiter weg fuhren und wir zwei keine Lust auf Atlantikdiät hatten, gingen wir notgedrungen in den Imbiss. Und siehe da, das Essen war gar nicht mal so übel. Die Fritten schmeckten frisch, das belegte Baguette war wirklich lecker, die Orangina sowieso und der Nachtisch bestehend aus Beignets mit Zucker oder Himbeerkonfitüre war auch sehr lecker. Also, weg mit den Vorurteilen und lieber einen guten Imbiss ansteuern statt einem schmuddeligen Lokal.

Sonntäglicher Markt in Crozon

Sonntags fuhren wir durch Crozon, was nur Zwischenstation für unser eigentliches Ziel war. Hier blieben wir aber kurz hängen, nicht zuletzt deswegen, weil wir noch ein paar Kleinigkeiten für unsere Frühstücksausstattung holen wollten und auch die eine oder andere Köstlichkeit, die man sich abends dann noch gemütlich im Salon einverleiben konnte. Bei der Gelegenheit entdeckten wir einen ganz entzückenden kleinen Markt auf dem Kirchplatz, bei dem man mehr Fruits de Mer einkaufen konnte als irdische Früchte.

Wenn ich Muscheln und Krustentiere esse, dann am liebsten direkt vor Ort
Diese Sachen kennt man sonst nur aus dem Aquarium in der Wilhelma

Wir staunten ein wenig rum, kauften aber dann weder Muscheln noch Austern oder Seeschnecken, sondern gingen lieber in einen kleinen Supermarkt, um dort so einfache Dinge wie Mineralwasser, Camembert, der uns dann täglich aufs neue erfreute, wenn er aus dem geöffneten Kühlschrank duftete, und Apfelsaft und Cidre ein. Wer aber Lust und Laune hat, selbst zu kochen, dem kann man nur ans Herz legen, sich auf den kleinen Märkten, die fast überall abgehalten werden, mit entsprechenden Zutaten einzudecken. Speziell die Meeresfrüchte bekommt man hier natürlich richtig frisch.

Austern päckchenweise fast zum Dumpingpreis - und absolut frisch!
Auf dem kleinen Markt gibt es mehr Zeug aus dem Meer als vom Land,
obwohl hier auch viel Landwirtschaft betrieben wird.

Restaurant Saveurs et Marée in Crozon-Morgat

Rein zufällig entdeckten wir in Crozon-Morgat bereits am Mittag in Lokal, dass zu Fuß innerhalb von 5 Minuten vom Yachthafen zu erreichen ist. Gelegen an der Strandpromenade kamen wir da mittags unweigerlich daran vorbei. Wobei man sagen muss, da liegt ein Lokal neben dem anderen. Aber speziell aus dem Saveurs et Marée roch es so verdammt lecker, dass wir beschlossen, hier abends zum essen nochmal herzufahren. Schwesterherz wollte nämlich unbedingt eine Meeresfrüchteplatte genießen, am liebsten für zwei Personen und da der Preis vergleichsweise günstig war, versuchten wir abends dann ohne Reservierung unser Glück.

Hier hat uns der Duft mittags so angesprochen, dass wir abends dort essen gegangen sind
Ein Glücksgriff, weil wir unserer Nase folgten

Wir hatten Glück und bekamen noch einen Tisch, wenngleich es eher ein Tisch mit eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit war. Aber es sollte kein Fehler gewesen sein, diesen Ecktisch anzunehmen. Was wir dort genießen durften, entschädigte für alles! Als Aperitif tranken wir einen Pommeau de Bretagne, der mich ein wenig an Sherry erinnerte, nur eben auf Apfelbasis. Töchterlein bekam einen alkoholfreien Aperitif, der aus diversen Säften gemischt war.

Dann ging’s ans Essen. Schwester und Voltaire bestellten eine Plateau de Fruits de Mer für zwei Personen, die es dort wie in den meisten anderen entsprechend ausgerichteten Lokalen für 79 Euro gab. Gemessen an dem, was da alles serviert wurde und verglichen mit den Preisen in unserer Heimat war das ein echtes Schnäppchen. Von der Frische ganz zu schweigen.

Die Platte für 2 Personen war mehr als üppig bestückt.
Die Meeresfrüchteplatte war so üppig, dass wir sogar noch mithelfen mussten sie zu leeren

Töchterlein und ich hielten uns hingegen eher an Coquilles Saint-Jaques, die ich meiner Tochter als unsüße Marshmellows aus dem Meer schmackhaft machte. Sie bestellte die Jakobsmuscheln auf Tagliatelle, ich bestellte sie als gratiniert mit Reis. Allein schon wenn ich jetzt daran denke, läuft mir das Wasser im Munde zusammen – so lecker waren sie! Absolut zart und hinreißend zubereitet.

Creme Caramel und Far breton mit Backpflaumenfüllung
Jakobsmuscheln schmecken einfach phantastisch!

Ein Dessert gab es natürlich auch noch, nämlich entweder einen Far breton, so eine Art Eierkuchen mit Backpflaumenfüllung, der sehr kompakt ist und eigentlich nicht notwendig gewesen wäre. Geschmeckt hat er aber trotzdem. Und es gab eine Crème Caramel fürs Kind, die nicht ganz so habhaft war wie der Far breton.

Den Service im Saveurs et Marée haben Madame & Monsieur Lefebvre gut im Griff, auch wenn die Bestellungen bei Monsieur hin und wieder unter den Tisch fielen, aber dann trotzdem auf der Rechnung standen. War aber kein Problem, Madame konnte es zu unserer Zufriedenheit richten. Insgesamt kann ich das Saveurs et Marée absolut empfehlen, wenn man in dieser Gegend ist und Lust auf Meeresfrüchte, Fisch und andere Leckereien aus dem Atlantik hat.

Bevor jetzt dieser Artikel jedoch zu lang wird, mache ich hier erst einmal eine kleine kreative Pause und schreibe als nächstes an der Fortsetzung. Was liebt ihr an der französischen Küche? Die Atlantikküche? Oder eher die erdverbundene Küche aus Fleisch, Eiern oder Gemüse? Ich bin gespannt auf eure Antworten. Auch wenn ihr mal in der Ecke wart und eine Empfehlung oder Warnung abgeben könnt, dann dürft ihr mir die gerne in die Kommentare schreiben.

2 Kommentare

  1. Was für eine Wahnsinns-Fischplatte und ein schöner Einblick in die leckere Vielfalt Frankreichs 🙂 Auf unserem Frankreich Roadtrip letztes Jahr haben wir uns auch fleißig durch probiert, von Jakobsmuschel auf der Pizza, Töpfen voll Miesmuscheln und einer Auster auf die Hand. Und natürlich an jeder Ecke süße Leckereien…

    Liebe Grüße, Mona

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