Patchworkfamilie – bringt’s das?

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Es wird euch sicherlich nicht entgangen sein, dass dieser Blog hier von einer sogenannten SingleMom betrieben wird, auf deutsch auch alleinerziehendes Muttertier genannt. Ich für mich bevorzuge aber den Begriff SingleMom, weil er sich einfach nicht ganz so dröge anhört, wie die deutsche Version davon.

Wenn ich mich so umschaue, dann gibt es einige Mütter in meinem Umfeld, die ihr Kind oder ihre Kinder alleine großziehen. Manche von ihnen wuppen wirklich alles selbst, andere wiederum befinden sich längst wieder in einer neuen Partnerschaft, manche mit dazu gewonnenen Kindern, manche ohne.


Aus der Ecke meines Bekanntenkreises, in der man ordnungsgemäß verheiratet ist und das Modell Kernfamilie lebt, bekam ich schon hin und wieder die Empfehlung, ich solle mir doch endlich mal einen suchen, damit mein Kind auch mit einer Art Vater aufwächst. Dass dieser Ratschlag bei mir auf taube Ohren fällt, haben die mit Rat um sich schlagenden erst nach vielen vergeblichen Versuchen begriffen. Ich suche mir natürlich nicht einfach einen Partner, nur damit ein Mann im Haus lebt. Ohne geht es nämlich auch ganz gut!

Ich müsste schon wirklich unsterblich verknallt sein, um mit all den Punkten bzw. Nachteilen, die eine Patchworkfamily mit sich bringt und die hier graphisch sehr gut dargestellt sind, konfrontiert werden zu wollen. Wow! Ich stelle mir das mit einem erhöhten logistischen Aufwand vor, allen gerecht werden zu wollen und natürlich auch mit erhöhten emotionalen Strapazen. Da frage ich mich dann wirklich ganz nüchtern und sachlich, ob sich dieser Aufwand lohnt.

Kinder sind ja oft eifersüchtig, wenn ein neuer Partner ins Spiel kommt. Aber auch neue Partner können genauso eifersüchtig auf vorhandene Kinder reagieren. Und wenn dann auch noch von der anderen Seite Kids da sind, potenzieren sich meiner Meinung nach die Möglichkeiten, dass es zu Schwierigkeiten oder Problemen kommt. Womit dann die nächste Trennung vorprogrammiert wäre und die Kinder vielleicht eine Art von seriellen Partnerschaften vorgeführt bekommen, deren Verlauf ja implizieren muss, dass Partnerschaft grundsätzlich etwas sehr temporäres ist.

Natürlich gibt es auch Patchworkfamilien, in denen das alles ganz wunderbar funktioniert und die Kids super miteinander auskommen. Vielleicht kommt es auf einen Versuch an, vielleicht bin ich auch zu wenig mutig für solche Projekte, da ich bei einem eventuellen Misslingen nicht auch noch mein Kind mit Gefühlschaos belasten möchte. Man stelle sich nur vor, das Kind versteht sich ganz toll mit den dazu gewonnen Patchworkgeschwistern, nur der Mann und die Frau verstehen sich nach einem Jahr absolut nicht mehr. Was dann!?

Egal wie man zu Patchworkfamilien steht – ich finde dieses Familienmodell nicht grundsätzlich schlecht – man sollte sich wirklich vorher reiflich überlegen, was da auf einen zukommt und welche Abstriche man zukünftig machen muss, um friedfertige Kompromisse einzugehen. Da schadet es sicher auch nicht, sich Infos von entsprechenden Ratgeberseiten zusammen zu suchen und daraus dann eine Plus-Minus-Liste zu basteln, mit deren Hilfe man dann eine Entscheidung treffen kann.

Gibt es unter euch jemanden, der erfolgreich das Modell Patchworkfamilie lebt und dazu etwas erzählen kann? Oder gibt es jemanden, der mit diesem Familienmodell total auf die Nase gefallen ist und auch etwas dazu erzählen mag? Ich freue mich auf jeden Fall auf eure Kommentare!

4 Kommentare

  1. Ich habe gute Freunde, da hat sie und er je ein Kind mit in die Beziehung gebracht, nach 9 Jahren gemeinsamen Zusammen leben kam nun noch ein gemeinsames Kind dazu. Ich finde es klasse und bei ihnen läuft alles wie geschmiert. LG Romy

    • Das ist super, wenn es klappt. Ich kenne oder kannte selbst auch Familien, die zusammen gewürfelt waren. Aber aktuell kenne ich auch einige Konstellationen, wo es nicht so gut aussieht.
      LG
      Salvia von Liebstöckelschuh

  2. Hallo, ich bin als Kind eine zeitlang in einer Patchworkfamilie groß geworden und fand es ganz toll. Meine "Patchwork"-Geschwister sind für mich tatsächlich genau so wie richtige Geschwister und ich bin sehr froh, dass ich nun noch weitere – ganz wertvolle – Menschen zu meiner Familie zählen darf – auch wenn sie eben nicht "blutsverwand" sind.

    Grundsätzlich stimme ich Dir aber zu, dass man den Kindern nicht sofort jeden neuen Partner präsentieren muss. Ich denke, man sollte sich schon sehr sicher sein, dass man mit diesem Partner zusammenbleiben möchte, bevor man die Kinder einweiht. Und auch das sollte behutsam geschehen. Dennoch glaube ich, dass Kinder schon sehr gut verstehen, dass auch Mama und Papa mit einem Partner glücklich sein wollen und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass solch eine "Patchwork"-Zusammenstellung das Leben bereichern kann.

    Ich wünsche Dir alles, alles Gute – egal was auch kommen mag 🙂

    • Vielen Dank, dass Du deine Erfahrung hier teilst. Ich denke schon auch, dass man eben über die neuen Geschwister wertvolle Menschen dazu gewinnen kann, sehe aber gleichzeitig die Problematik, die auftreten kann, wenn die Beziehung zwischen den Erwachsenen wieder in die Brüche geht.
      Aber schön, dass Du postive Erfahrungen als "Patchwork"-Kind machen durftest.
      LG
      Salvia von Liebstöckelschuh

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