Interessant, auf welche Themen man so manchmal gebracht wird. Und auch interessant, durch wen man auf solche Themen gelenkt wird. Bei mir war es so: Meine Tochter war bei ihrer Großmutter und las dort ein Nachrichtenmagazin, welches gerade in dieser Ausgabe das Titelthema den Psychopathen widmete. Scheint interessant für Grundschülerinnen zu sein.

Daraufhin erzählte sie mir davon, sogar ziemlich exakt und detailliert, und ich begann, mich für dieses Thema zu interessieren. Erst fand ich eine wirklich gute Doku von arte darüber in Youtube (Titel: Ich bin ein Psychopath), dann lief mir zufällig beim Buchhändler der Titel von Kevin Dutton über den Weg: Psychopathen – Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann.

Der Titel verspricht viel und verrät gleich im Vorfeld, dass man Psychopathen wohl nicht nur unter hoffentlich inhaftierten Serienmördern finden kann, sondern auch in anderen Berufsgruppen, die gesellschaftlich zudem noch einen gewissen Stellenwert genießen.

Wenn man nun einfach die Psychopathen außer Acht lässt, deren Begegnung mit akuter Lebensgefahr einhergehen kann, dann findet man noch in erstaunlicher Breite bezüglich der Verteilung diverse Gruppenzugehörige, die eindeutig erhöhtes psychopathisches Verhalten an den Tag legen können.

Zu denen gehören laut Dutton, der sich hier auf die Studie „Great British Psychopath Survey“ bezieht, beispielsweise Anwälte, Chirurgen, Beamte, Journalisten, Polizisten oder CEOs, während eher weit entfernt von psychopathischem Verhalten die Gruppenzugehörigen der Pfleger, Krankenschwestern, Handwerker, Kulturschaffenden oder Ärzte sind.

Interessant zu lesen ist auch, dass die hervorstechenden Persönlichkeitsmerkmale von sogenannten Psychopathen auf wenige Fähigkeiten/Merkmale reduzierbar sind, die uns in dieser Kombination sicher schon das eine oder andere Mal über den Weg gelaufen sind: Skrupellosigkeit, Charme, Fokussierung, Mentale Härte, Furchtlosigkeit, Achtsamkeit und Handeln. Wer damit ausgestattet ist, dürfte kein Problem haben, in dieser Gesellschaft eine Spitzenposition zu erlangen. So gesehen fragt man sich dann schon, ob nicht der eine oder andere Spitzenpolitiker oder Konzernchef eigentlich ein Psychopath ist.

Prof. Dr. Kevin Duttons Buch lässt sich auch für einen psychologischen Laien gut lesen, obwohl es doch mit einigen medizinischen und psychologischen Fachwörtern durchwachsen ist. Aber es gibt in Fußnoten immer wieder Erklärungen und für diejenigen, die das Thema vertiefen möchten, gibt es einen umfangreichen Anhang, der auf vertiefende Literatur verweist. Trotz des teilweise wissenschaftlichen Jargons ist PSYCHOPATHEN durchaus auch unterhaltsam geschrieben, da immer wieder Fallbeispiele aufgegriffen werden und auch die Erläuterungen diverser wissenschaftlicher Studien und Experimente so geschrieben sind, dass eben auch der Laie versteht, worum es geht.

Es ist sicherlich kein Buch für Leser, die auf kettensägende Psychopathen in Action aus sind. Hier geht es weniger um die blutrünstige Seite der Psychopathie, die zwar auch zur Sprache kommt, aber nicht detailliert. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf den „normalen“ Psychopathen, also jenen, die eben nicht eine Blutspur hinter sich herziehen, sondern diejenigen, die unsere Gesellschaft oft als sogenannte Leistungs- und Funktionsträger bereichern. Es werden beispielsweise Zusammenhänge aufgezeigt, wie sich die Psychopathen von den Heiligen/Lämmern/Opfern abhängig machen und diese wiederum von den Psychopathen abhängig sind als immer währender Kreislauf.

Wer sich auf dieses Thema von der sachlichen Seite her einlassen möchte, vielleicht auch um psychopathisches Verhalten in seiner direkten Umgebung entdecken und wahrnehmen zu können oder um sich von den erfolgreichen Psychopathen eine Scheibe abzuschneiden, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es eignet sich allerdings weniger, um abends im Bett kurz vor dem Einschlafen noch ein oder zwei Seiten zu lesen. Dazu ist das Thema mitunter zu anspruchsvoll und man verlöre dann zu schnell den Faden.

Kurz zusammengefasst: Ich bin froh, dass mein Kind so komische Artikel liest und mich dadurch dazu bringt, dass ich mir interessante Bücher kaufe. Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen für jeden, der sich laienpsychologisch mit diesem Thema beschäftigen möchte.

Kevin Dutton
PSYCHOPATHEN
Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423249757
ISBN-13: 978-3423249751

€ 14,90
Weiterführend möchte ich an dieser Stelle noch zu einer Rezension bei Amazon.de verlinken, die genau das wiedergibt, was mir momentan in Worte zu fassen etwas schwer fällt. Wen es interessiert, der klickt hier.

Kennt ihr dieses Buch schon, was ja schon seit einiger Zeit bei den SPIEGEL-Bestsellern gelistet ist? Habt ihr es vielleicht schon gelesen und wenn ja, wie fandet ihr dieses Buch? Ich bin gespannt auf eure Antworten!

2 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here