…und stieß einen markerschütternden Schrei aus. Eigentlich hätte der Samstag ganz anders laufen sollen, wenn nicht diese Geschichte mit dem Tauwasser auf dem Küchenboden gewesen wäre. Aber genau diese Sache änderte den Plan grundlegend und zwang sie dazu, erstmal alles auf Eis und Eisbeutel aufs Knie zu legen.

Aber nun von vorne, sonst blickt hier ja keiner mehr durch…


Freitagnachmittag waren wir ja noch guter Dinge und fröhlich unterwegs, haben unter anderem diese entzückenden Ohrhänger gestaltet und es uns auch am Abend gut gehen lassen. Für den Samstag war dann vorgesehen, dass das Kind ab 13 Uhr im Kino ist, wo eine Veranstaltung der Innenstadtkinos für die Kidsclub-Mitglieder stattfand. Man hätte den Film Das magische Haus angeschaut, natürlich in 3D, und anschließend hätte ein Zauberer die Kids noch in allerlei Zaubertricks im Rahmen eines Zauberworkshops eingeweiht. Eigentlich eine unterhaltsame Veranstaltung. Eigentlich…

Und eigentlich freute sich mein Kind auch darauf, aber wie das oft so ist, wenn man mehr will als man haben kann, gibt’s auf einmal gar nichts. Zumindest in den Märchen ist das oft so. Der Vormittag eignete sich meiner Meinung nach perfekt, um kurz den Eisschrank abzutauen. Ich verstaute das mengenmäßig stark ausgedünnte Gefriergut mit ein paar Gefrierakkus in einer Kühltasche und nahm den Eisschrank vom Netz. Die Eisschichten tauten auch relativ gut weg, so dass ich viertelstündlich die kleine Auffangschale unter dem Gefrierschrank ausleeren durfte.

Das Kind telefonierte mit der halben Schulklasse um sich nach irgendwelchen Farben zu erkundigen, die angeblich so toll und so hoch pigmentiert seien. Aber leider kannte keines der Kids die Marke dieser Farben, die sie erst neulich im Unterricht verwendet hatten. Irgendwann landete sie dann bei dem Mädel, das grundsätzlich immer versucht, irgend etwas auszumachen, auch dann, wenn der andere bereits etwas vor hat (das kannst du doch absagen/verschieben…).

Und damit begann das Chaos. Mein Kind wollte auf einmal alle Pläne ändern und mit besagtem Mädchen erst eine Runde spielen, dann zusammen die Veranstaltung besuchen, die allerdings nur für geladene Gäste mit Reservierung war und machte mir auf einmal Vorschläge, die mich organisatorisch und zeitlich ziemlich in die Enge trieben.

Ich begann hin und her zu telefonieren, recherchierte noch im Internet dazu, ob öffentliche Filmvorführung und geschlossene Veranstaltung in ein und demselben Kino und Vorführraum stattfinden und vergaß bei der Gelegenheit für kurze Zeit komplett den Eisschrank.

Und als er mir wieder einfiel, hechtete ich in die Küche und wollte die Schüssel mit dem Tauwasser leeren und

…dann saß ich auf dem Boden. Ich stieß einen markerschütternden Schrei aus (siehe oben) und war erstmal erstaunt, wie gelenkig ich für mein Alter noch bin. Zumindest saß ich in halber Froschstellung auf dem Boden, das linke Bein vom Knie aus nach hinten abgewinkelt. Normalerweise setze ich mich so schon lange nicht mehr hin, weil das meine Knie nicht mehr so arg mögen…

Auf meinen Schrei reagierte das Kind erstmal mit völliger Gelassenheit und dachte wahrscheinlich, ich habe mich nur angestoßen oder so. Erst als ich sie nachdrücklich herbei rief, kam sie kurz, sah mich auf dem Boden sitzen und ging wieder, weil sie dachte, ich habe es mir gemütlich gemacht und räume den Gefrierschrank im Sitzen wieder ein.

Beim dritten Mal klappte es dann und sie war ganz besorgt um mich und wollte mich am liebsten im Hauruckverfahren wieder auf die Beine stellen, was ich aber für eine weniger gute Idee hielt. Irgendwie zog ich mich am Küchentisch hoch, ließ mich unter Ächzen auf dem Stuhl nieder und bat um Eisakkus und Waschlappen, was mir meine frischgebackene Krankenschwester auch gleich brachte.

Dann empfahl ich ihr, ihrer Schulfreundin am besten gleich abzusagen, da sie nun den Wochenendeinkauf zu übernehmen habe, zumal ich akut erstmal kaum auftreten konnte und mich nur mit Müh und Not an den Möbeln festhaltend von A nach B schleppen konnte. Das Kind war erstmal total entrüstet, dass sie jetzt nicht für Stunden ins Kino etc. gehen konnte, sah es dann aber ein und ging dann tatsächlich allein den Wochendeinkauf besorgen – auf den zweiten Anlauf.

Im ersten Anlauf ging’s zu Frau Kokelores um dort erst einmal das Kinderherz auszuschütten, da ich natürlich in meinem ersten Schrecken das arme Kinderseelchen über Gebühr angepflaumt hatte, getreu dem Motto „harte Schale, weicher Kern“.

Nachdem die Einkäufe soweit erledigt waren, machte sich das Kind nochmal auf zu Tante Marianne und borgte sich bei ihr ein Paar chice schwarze Krücken aus und eine Kniebandage, was sich als echte Erleichterung für mich herausstellte. Mithilfe der Krückstöcke konnte ich wenigstens durch die Wohnung humpeln ohne mich an Möbeln entlang hangeln zu müssen.

Da solche Sachen natürlich immer gerne am Wochenende passieren, ist es nur suboptimal, ärztliche Versorgung zu beanspruchen. Und da ich eher weit entfernt vom Jammerlappen und ganz weit entfernt vom Hypochonder bin, versuche ich immer erstmal, ohne Mediziner auszukommen und auf die Selbstheilungskräfte zu setzen. Und in die Notaufnahme eines Krankenhauses wollte ich auch erstmal nicht gehen.

Deswegen habe ich ziemlich genau die PECH-Regel befolgt, die bei Prellungen erstmal als Sofortmaßnahme angesagt ist: Pause – Eis – Compression – Hochlagern. Mein Vater brachte mir im Laufe des Tages dann noch ein paar Mittelchen zur Auswahl mit, die ich mir aufs Knie schmieren könnte. Unterstützend dazu schluckte ich auf Empfehlung meiner Schwester noch Arnica D6, was ich mir selbst sicherlich auch verordnet hätte, wenn ich daran gedacht hätte. Ja, ich glaube an Homöopathie und deswegen schlägt sie bei mir auch immer so gut an – das möchte ich nur im Vorfeld gleich gesagt haben, bevor es eine Diskussion pro und contra Naturheilverfahren gibt.

Und was soll ich sagen!? Heute, zwei Tage danach, kann ich zwar noch nicht hüpfen wie ein junger Gott, auch ist mein Knie ein wenig dick und heiß – früher in der Schule wäre mein aktuelles linkes Knie der katholischen Rundkniefraktion zuzuordnen gewesen, während mein unversehrtes rechtes Knie immer noch den Leitlinien der protestantischen Spitzkniefraktion entspricht. Aber ich spüre eine deutliche Besserung zum akuten Schmerz am Samstag und vor allem kann ich das linke Bein auch schon wieder etwas mehr belasten, was mich wirklich freut.

Vorsichtshalber spiele ich aber diese Woche noch nicht Fußball, werde auch an keinem Tanzturnier teilnehmen und mache auch sonst keinen Mist. Ich schone meine Knochen, bewege sie nur entsprechend der hoffentlich weiterhin fortschreitenden Verbesserung und hoffe, dass mir so etwas kein zweites Mal passieren wird! Wenn es schlimmer geworden wäre, wäre ich natürlich schon zum Doc gegangen, aber wenn es auch ohne Mediziner besser wird, dann überlasse ich das Wartezimmer gerne den anderen.

Ach, falls es jemanden interessiert, mit welchen Schuhen es mich so dermaßen hingehauen hat: Ich trug als Hausschuhe so nachgemachte Crocs, die an und für sich recht bequem sind. Aber sie sind verteufelt rutschig, sobald man unbedacht auf feuchten oder nassen Fließenboden tritt. Schon ein paar mal konnte ich mich in letzter Sekunde noch fangen und es hat mich nicht hingehauen. Aber am Samstag war ich durch dieses hausgemachte Chaos so dermaßen unkonzentriert, dass es eben dieses Mal nicht funktionierte. Mein Schwesterherz meint, auch die echten Crocs sind nicht minder gefährlich. Sie haut es manchmal fast die Treppen runter, wenn sie mal eben den Müll runtergebracht hat und die Crocs dank Regennässe rutschig geworden sind.

Merke: Auf richtiges Schuhwerk achten, auch zuhause und sich nie aus der Ruhe bringen lassen, auch nicht von Kindern!

Hat es euch auch schon mal so richtig reingehauen, wo ihr es nicht vermutet hättet? Ich meine damit, wenn man bei Bodenfrost das Haus verlässt, rechnet man schon irgendwie ein wenig damit, dass es passieren könnte, aber nicht unbedingt, wenn man ganz normal zum Beispiel mit Hausarbeit beschäftigt ist. Was macht ihr, um solche Situationen zu vermeiden? Ich bin gespannt auf eure Antworten!

12 KOMMENTARE

  1. Erst einmal gute Besserung.
    Ja, mich hat es auch einmal komplett unverhofft erwischt – auf der Arbeit. Ich flitzte ins Lager, sauste um die Ecke und ein nicht aufgekehrtes Plastikteilchen ließ mich Schlittschuhe fahren.
    Mir riss es die Beine weg und ich stürzte – zuerst auf die linke Hand, da ich mit der rechten noch die Schere von mir warf, die ich noch gehalten hatte.
    Mir brach es das Handgelenk….
    LG Marianne

    • Danke Dir! Ich bin ja soooo froh, dass ich deine Krücken vorübergehend geerbt habe 😉
      Mittlerweile geht es fast schon wieder ohne, nur morgens fühle ich mich im Knie noch etwas wackelig und bin dann froh, wenn ich mich aufstützen kann.
      Ja, das ist Käse, wenn so Kleinteile rumliegen auf denen man auch ganz prima ausrutschen kann… und ein Handgelenksbruch ist auch kein Spaß!
      LG
      Salvia von Liebstöckelschuh

  2. ohh dann erstmal gute Besserung, ich persönlich hab leider ein Talent dafür in den unmöglichsten Positionen mit einem Fuß umzuknicken, daher kenn ich natürlich das gehumpel, deine PECH Regel werd ich mich dehalb mal merken.

    • Danke, mittlerweile geht es schon erheblich besser als am Wochenende. Das ist auch nicht gerade toll, wenn man ständig mit dem Fuß umknickt. Ich kenne das bei mir nur, wenn ich einmal umgeknickt bin, dass dann kurzfristig eine Serie entsteht, weil das Fußgelenk etwas schwächelt…

  3. oje, gute Besserung. Das kenn ich auch, hab sozusagen schon eine Sollbruchstelle am Fuß, wenn dann knickst immer genau daaa um wo es richtig weh tut 🙁

    • Eine Sollbruchstelle zu haben halte ich auch nicht gerade für ideal… ich kenne das auch in ähnlicher Art, wenn ich mir einmal auf die Zunge oder Backe gebissen habe, dass ich mir dann garantiert noch zehnmal draufbeiße, bevor es verheilt ist…

    • Danke, deine Wünsche kamen trotzdem an, ich spür's genau!
      Im Spam ist Dein Kommentar nicht gelandet, hab gerade extra geschaut. Dafür habe ich dort einen anderen Kommentar rausgefischt, der da auch nicht reingehörte 😉
      LG
      Salvia von Liebstöckelschuh

  4. Ohje ich würde sagen dumm gelaufen, aber ich kenne solche Unfälle auch, einen werde ich nie vergessen. Vor einigen Jahren wollte ich an Weihnachten so kurz vor der Bescherung noch den Engel an der Christbaumspitze etwas gerade rücken, das Ergebnis ein gebrochener Finger, ein umgefallener Weihnachtsbaum, weinende Kinder und die Erfahrung niemals mehr den Weihnachtsbaum am Heiligen Abend aufzustellen sondern einen Tag vorher. Dir wünsche ich jetzt Gute Besserung und ja ich glaube auch an Naturmedizin.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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