Brot & Butter – zu mehr reicht es dann auch nicht mehr

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Schon vor vielen Jahren entdeckte ich Manufactum, diesen damals reinen Versandhandel, bei dem es noch die guten Dinge gibt. Anfang der neunziger Jahre kaufte ich dort das eine oder andere Teil für Wohnung und Küche, einfach weil ich von Qualität, Preis und Nachhaltigkeit überzeugt war. Zwar damals schon etwas teurer als andere, aber durchaus im Rahmen.

Ein Butterbrot gefällig?


Mittlerweile wechselte der Inhaber, Manufactum gehört seit ein paar Jahren als Tochter des Heine Versands zur Otto Group und hat seitdem kräftig expandiert, nicht zuletzt durch die Warenhäuser, die in mehreren großen Städten entstanden.

Letztes Jahr entdeckte ich in München das zu Manufactum gehörende Brot&Butter und wollte mit meiner Tochter eigentlich den Laden auch von innen anschauen. Aber irgendwas hielt uns davon ab, vielleicht war es zu voll oder kurz vor Ladenschluss – ich weiß es nicht mehr.

Das Vollkornbrot sieht ja wirklich gut aus!

Wenn man aber lang genug wartet, kommen die guten Dinge auch zu einem und so haben wir jetzt seit vergangenen Donnerstag ein Brot&Butter auch in Stuttgart, in der Lautenschlagerstraße, da wo eben auch seit Jahren das Manufactum Warenhaus im magazin untergebracht war. Nach mehrmonatigen Umbaumaßnahmen – oder war es mehrjährig, keine Ahnung – war am 8. Mai 2014 Eröffnung des vorne angebauten Teils mit dem Shop Brot&Butter.

Neugierig wie ich bin ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, mal einen Blick zu riskieren und den Laden näher anzuschauen. Gleich wenn man zur Tür reinkommt, sieht man hinter Glas die Schaubäckerei und die Brotbäcker, wie sie Brot basteln. Das ist ganz interessant anzuschauen, wenn man es nicht ohnehin kennt.

Nur ist es ein wenig klein für einen Haushalt mit Kind und täglichem Vesper für die Schule

Anschließend gibt es eine Verkaufstheke zur linken und ein klösterlich spartanisch eingerichtetes Bistro zur rechten – letzteres hat mich jetzt rein gar nicht angemacht, einen Kaffee und einen Kuchen dort zu mir zu nehmen. Die Kuchen in der Vitrine hatten allesamt optisch rein gar nichts, was mir appetitlich erschien. Sie wirkten schwer und trocken, so wie ein paar Tage alter Käsekuchen, der sich massiv verdichtet hat. Probiert habe ich sie allerdings nicht, weil sie mich wie gesagt schon optisch nicht anmachten.

Eine Runde durch den Laden gezogen und mich über die Preise gewundert. Gut, es war schon immer etwas teurer, bei Manufactum einzukaufen, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, das die Preise noch ein Stück gewachsen sind. Beweisen kann ich es aber nicht, es war wie gesagt ein Gefühl.

Auch das Sauerteigbrot sieht gut aus

Auf dem Rückweg wollte ich noch ein frisches Brot mitnehmen, frisch gebacken nach traditioneller Art im Holzofen. Die Preise fand ich auf den ersten Blick auch nicht schlecht, ich erkor mir dann ein kleines Vollkornbröt-lein (im Sinne von kleines Brot und nicht im Sinne von Brötchen) aus, das mit einem Preisschild „ab 4 Euro“ beziffert war.

Ich verlangte ein helles Modell, was gar nicht so einfach zu finden war, da die meisten eine deutlich schwarzbraune Kruste hatten. Nun, mancher mag’s, ich mag’s nicht so sehr. Man wog das Brot, packte es ein und kassierte ab. Schlappe 4,57 € für ein Vollkornbrot von keinem Kilo, sondern von zierlichen 544 Gramm. Klar, so ein Brot auf herkömmliche Weise backen ist teurer als Industriebrot, das ist mir durchaus bewusst. Rechnen wir hier den Kilopreis aus, dann sind wir bei 8,40 € für ein Kilo Vollkornbrot! Das schreit ja fast nach einer französischen Revolution, damit wenigstens Brot als Grundnahrungsmittel noch bezahlbar bleibt!

Die Preise sind nichts für arme alleinerziehende Mütter!

Unweigerlich kamen mir sofort die Worte meiner längst verstorbenen Großmutter in den Sinn, als sie mir früher immer von noch früher erzählte, wie das damals war in Deutschland. Wenn der Vater morgens die Lohntüte bekam und ein Brot kaufen wollte, die langen Schlangen vor den Bäckereien und wenn man Pech hatte, dann war das Brot bis man dran kam so teuer, dass nicht einmal mehr der Inhalt der Lohntüte ausreichte, um es bezahlen zu können. So ist es glücklicherweise (noch) nicht, es gibt ja auch handwerklich hergestelltes Brot, was wesentlich günstiger über den Ladentisch geht, als das von Brot&Butter. Aber die Erinnerung an die Erzählungen über die Hyperinflation war sofort da.

Glücklicherweise bekam ich dann aufgrund der Eröffnung noch einen kleinen Laib Sauerteigbrot geschenkt, so dass sich der Preis dann wieder relativierte. Zuhause angekommen war ich ziemlich gespannt darauf, wie dieses Brot wohl schmecken würde. Für diesen Preis musste es ja phantastisch schmecken!

Viele Körner im Teig, das ist schön. Was ist das an der rechten unteren Ecke des Vollkornbrotes?

Das kleine kastenförmige Vollkornbrot war von einer hohen Dichte, rein vom Gefühl her hätte man damit sicherlich auch Backsteinhäuser bauen können. Es ließ sich zwar hervorragend mit einem Wellenschliffmesser schneiden, aber je mehr man in die Mitte kam, desto bröckeliger wurde es. Das ist dann der Punkt, wo ich schon auch mal das ganze „G’lump“ zusammenklatschen und in den Müll befördern könnte, vor allem morgens, wenn es schnell gehen muss. Aber glücklicherweise war das Brot so putzig klein, dass ich gar nicht groß in die Verlegenheit kam, morgens die Geduld zu verlieren, weil es dann nämlich schon so gut wie aufgebraucht war.

Geschmacklich war es einwandfrei, auch der mit eingebackene schwarze Faden – ich hoffe doch, dass es ein Faden oder eine Borste war und kein Haar vom Bäcker – beeinträchtigte den Genuss nicht allzu sehr. Es reichte tatsächlich als Belag lediglich Butter und ein wenig Salz.

Ah, jetzt sehen wir es genauer. Ein schwarzer Faden, ein Rosshaar vielleicht? Die geborgenen Abschnitte waren
mehr als 5 cm lang, dieses schwarze Ding war richtig schön eingebacken.

Auch das kleine Sauerteigbrot war nicht schlecht, zumindest am ersten Tag. Da war es schon von der Krume her so fest, dass man es gut von Hand in sehr dünne Scheiben schneiden konnte. Nach zwei Tagen allerdings ging mir der Geschmack so auf die Papillen, dass ich nach einer halben Scheibe Brot würgen musste und den Rest dann der Tonne anvertraute. Das hat jetzt nicht unbedingt etwas mit der Qualität des Brotes zu tun, sondern nur mit meiner persönlichen Reaktion auf leicht altbackenes Sauerteigbrot.

Das Sauerteigbrot lässt sich gut schneiden und hat schon am ersten Tag eine feste, aber dennoch blasige Krume

Ich für meinen Teil verspüre absolut kein Bedürfnis mehr, mein Brot dort zu kaufen. Es gibt glücklicherweise ganz in meiner Nähe noch eine handwerklich arbeitende Bäckerei, die gutes Brot zu einem wesentlich günstigeren Preis anbietet und wo ich definitiv auch noch nie einen Würgreiz verspürte. Und wenn ich mir jetzt den Preis als ewiggestrige D-Mark-Umrechnerin mal so ganz genüsslich durchs Hirn wabern lasse, dann würde ich auch heute noch nicht ca. 16,50 DM für ein Kilo Brot ausgeben wollen – dazu haben sich meine Einnahmen zu wenig in die gleiche Richtung entwickelt…

Wie sieht es bei euch aus? Kennt ihr diesen Laden? Würdet ihr zu diesem Preis ein Brot kaufen? Rechnet ihr auch noch manchmal in D-Mark um? Ich freue mich auf eure Kommentare!

4 Kommentare

    • Probier's! Kauf dir eines oder ess eine Scheibe Brot vor Ort – ich nehme mal an, dass man bei diesen Preisen auch mal probieren darf. Beim veganen Sektiererladen darf man das ja auch… da ist das Brot übrigens nicht so teuer, aber schon auch teurer als bei den Bäckereien im Viertel. Und meiner Meinung nach ist das Brot schmackhafter und bekömmlicher – auch Sauerteig.
      LG
      SvL

  1. Manufactum ist mir ein Begriff. Mehr aber auch nicht.
    Der Preis ist im Vergleich zum abgepackten Supermarkt-Brot hoch.
    Wurden jedoch regionalen Bioprodukten verwendet, auf Zusatzstoff und Co verzichtet sowie echte Bäcker dafür bezahlt finde ich den Preis in Ordnung. Ob das der Fall ist kann ich nicht beurteilen. Am besten ist es, wenn man sein Brot selbst in den Ofen haut. Preis-Leistung ist dabei immer im grünen Bereich. 🙂

    Allzu oft erwische ich mich dabei, wie ich in DM umrechne. Jedesmal bekomme ich einen Schock und denke mir "Was? So viel Geld!". Dieser Gedanke verschwindet einfach nicht aus meinem Kopf. Mal sehen ob ich es in 10 Jahren immer noch tue.

    • Ich vergleiche den Preis nicht mit abgepacktem Supermarktbrot, sondern mit dem Brot vom handwerklich arbeitendem Bäcker im Wohnviertel. Und da ist ein deutlicher Unterschied. Unser Bäcker im Viertel verwendet auch nur regionale Produkte – genauso wie Brot&Butter. Auf BIO-Zertifizierung legt unser Bäcker keinen Wert, da es seiner Meinung nach eine Geldschneiderei ist. Von BIO ist auch bei dem beschriebenen Anbieter keine Rede, zumindest konnte ich nichts dergleichen entdecken.
      Verglichen mit einem anderen Anbieter, der auch Steinofenbrot nach herkömmlicher Backweise anbietet, dessen Zutaten und Produkte aber alle als BIO und vegan ausgezeichnet werden, sind die Brot&Butter Preise immer noch deutlich höher…

      DM-Umrechnung: Ich glaube nicht, dass das in der Generation, die die Währungswandlung von DM zu Euro bewusst mitbekommen hat, irgendwann komplett vergessen wird. Vergessen wird es erst dann sein, wenn diese Generation entweder komplett dement oder aber ausgestorben ist 😉
      LG
      SvL

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