Seit Oktober probt und entwickelt meine Tochter im Rahmen eines Theaterprojektes mit 10 anderen Kindern zusammen ein Stück, dass sich von einer anfänglich vage umrissenen Rahmenhandlung zu einem aufführbaren Stück entwickelt hat.

Beim Jungen Ensemble Stuttgart – kurz JES – können schauspielinteressierte Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren in den sogenannten Spielclubs zu einem vorgegebenen Thema ein Theaterstück einstudieren, das aber nicht durch stures Auswendiglernen von vorgegebenen Dialogen entsteht, sondern von den jungen SchauspielerInnen selbst mit entwickelt wird und dadurch wahrscheinlich spielerischer gelernt und später auf der Bühne überzeugender dargestellt wird.

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Schon früher ging sie ganz selbstbewusst auf die Bühne

Mein Frollein Tochter hatte schon immer ein Faible dafür, in irgendwelche Rollen zu schlüpfen oder jemanden naturgetreu und trotzdem überzogen zu imitieren. Was haben wir uns da teilweise schon schlapp gelacht, wenn die abendliche Vorstellung im Esszimmer begann. Vor allem dann, wenn wir heiteres Familienmitglieder und Freunde raten machten. Sie hat immer auf den Punkt genau die Eigenheiten getroffen, diese dann aber maßlos überzogen und uns eine private Comedy Show aufs Parkett gelegt.

In der Schule durfte sie als frischgebackene Zweitklässlerin zusammen mit anderen aus dieser Klassenstufe für die Erstklässler zur Einschulung eine komprimierte Form des Musicals „König der Löwen“ aufführen. Danach sprachen mich ein paar Eltern an und meinten, das Kind sei talentiert und müsse unbedingt diesbezüglich gefördert werden. Sie war tatsächlich eines der wenigen Kinder, denen man bei der Aufführung anmerkte, dass sie voll dabei sind und nicht nur „Dienst nach Vorschrift“ machten.

Also meldeten wir sie damals in einer Schauspiel- bzw. Musicalschule an, bei der sie jeden Freitagnachmittag drei Stunden verbrachte. Eine Stunde Schauspiel, eine Stunde Gesang und eine Stunde Tanz – eben das Allroundprogramm, was man als Musicalstar benötigt. Gekostet hat’s ganz ordentlich, über hundert Euro im Monat – nicht viel für die Leistung, die geboten wurde, aber viel für den Geldbeutel einer Alleinerziehenden. Glücklicherweise übernahm dann des Kindes Opa das Sponsoring.

Der Aufwand war jedenfalls groß, die Ergebnisse, die wir im Rahmen einer jährlichen Leistungsshow, sprich Weihnachtsfeier, zu sehen bekamen, waren eher so naja. Kein Wunder, wenn bei einem Musical fast 100 Kinder mitwirken, die aus unterschiedlichen Gruppen kommen und vom Alter her die Spanne 3 bis 17 Jahre umfassen. Nach stark eineinhalb Jahren hatten wir genug, kündigten den Vertrag und ich meldete sie zum Oktober 2013 bei einem Theaterprojekt bei einem richtigen Theater an.

Jetzt haben wir nicht mehr die Fahrtzeit, gehen zu Fuß nur 5 Minuten zum Spielort, es sind nur zwei Stunden in der Woche, die sie relativ klaglos ausgerechnet an dem Tag noch absolviert, an dem sie Mittagschule hat. Und sie studieren ein Stück ein, bei dem jeder eine Rolle spielt und nicht nur als Chor oder Tanzeinlage einer von vielen ist. Da wurden auch die Faschingsferien gerne für Intensivproben geopfert – aus meiner Sicht allemal besser, als sich zuhause zu langweilen.

Gestern war Generalprobe, das Kind war ausgerechnet gestern fiebrig. Heute ist Premiere und so wie es aussieht, ist sie fit genug, dabei zu sein. Zumindest sagt sie es. Die Premierenfeier werden wir vorsichtshalber sausen lassen, damit sie noch Zeit genug hat, sich zu erholen. Und am Dienstagvormittag haben wir die Schulvorstellung, bei der diverse Schulklassen, unter anderem auch die meiner Tochter, im Publikum sein werden. Die beiden Vorstellungen sind bereits ausverkauft, aber am kommenden Wochenende gibt es nochmal drei Vorstellungen am frühen Abend, für die es sicherlich noch Karten gibt.

Mehr Infos findet ihr hier – interessant für alle Stuttgarter Kids, die gerne ins Theater gehen oder auch selbst spielen wollen und am kommenden Wochenende Zeit und Lust haben.

2 KOMMENTARE

  1. Grins, ich habe den Eindruck, je kleiner desto hemmungsloser gehen sie auf die Bühne. Die Hemmungen kommen eher mit zunehmendem Alter. Autogrammkarten haben wir jetzt noch keine drucken lassen, aber ich denke mal, wenn ein paar Fans nach Autogrammen fragen, dann wird sie die bereitwillig geben 😉
    LG
    SvL

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