Es ist doch immer wieder interessant, mal in alten Büchern zu blättern und zu lesen, was man früher als Empfehlungen für die Haushaltsausstattung gegeben hat. Vorhin blätterte ich dazu in zwei Büchern, die ich vor ein paar Wochen aus dem Bücherschrank meiner Mutter bekommen hatte, da sie sich von dem „alten Zeug“ trennen wollte. Ich hielt sie sozusagen in letzter Minute noch davon ab, das „alte Zeug“ wegzuwerfen, da es für mich und erst Recht für meine Tochter sicherlich interessant zu lesen ist.

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Heute wieder angesagt: graphische Muster aus den 70er Jahren


Wenn man mal einen Blick zurück wirft und sich überlegt, wie früher zum Beispiel die Bettwäsche als fester Bestandteil der Aussteuer beschaffen war und wie sie heute angeboten wird, dann ist das doch ein himmelweiter Unterschied. War es ganz früher gang und gäbe, dass sich die Mädchen ab einem bestimmten Alter so langsam anfingen, die Aussteuer und damit auch die Haus- und Bettwasche selbst zu nähen und zu besticken, so ist das heute glücklicherweise nicht mehr erforderlich und man kann sich ganz nach Geschmack und Vorlieben die Bettwäsche direkt im Laden oder im Online-Handel kaufen.

Meine Großmutter zum Beispiel hatte noch schwere Leinenbettwäsche, die teilweise verziert war mit Stickerei, Lochsaum und dem obligatorischen Monogramm. Selbstverständlich alles in weiß, deswegen wurde diese Art von Hauswäsche inklusive der Tischwäsche auch Weißwäsche genannt. Es gab übrigens früher auch eine besondere Berufsform, nämlich die Weißnäherin, die nichts anderes machte, als auf Bettüchern, Bettbezügen, Tischdecken und Mundtüchern (Stoffservietten) Stickereien aufzubringen.

Dieses Buch bekam man früher bei der Eheschließung.
Hier steht alles Wissenswerte von A wie Aussteuer bis Z wie Zwiebelsuppe drin. 

Heute hingegen gibt es neben der mittlerweile sündhaft teuren Leinenbettwäsche auch Bettbezüge in unterschiedlichsten Farben, Mustern und Materialien. Für den täglichen Gebrauch gibt es die günstige Linon-Bettwäsche aus 100 % Baumwolle in Leinwandbindung, die meist in unterschiedlichsten Mustern bedruckt ist, wie zum Beispiel bildhafte Motive für Kinder- und Jugendbettwäsche oder Ethnomuster für das jugendliche Schlafzimmer.

Für den gehobenen Geschmack und den etwas besser gefüllten Geldbeutel gibt es die Bettwäsche aus Mako-Satin, die man zum Beispiel hier sehen kann, ebenfalls aus 100 % ägyptischer Baumwolle, die dank ihrer Atlasbindung einen edlen, leichten Oberflächenglanz bekommt und vor allem im Sommer leicht kühlend wirkt.

Zum Beispiel hier die Empfehlung für die Grundausstattung an Hauswäsche

Satinbettwäsche gibt es auch aus Seide oder aus Kunstfaser. Erstere ist anspruchsvoller in Pflege und teurer in der Anschaffung, aber auch eine ideale Sommerbettwäsche. Letztere ist günstig in der Anschaffung, aber kann im Gebrauch zu Schweißattacken führen, weswegen bei mir Bettwäsche aus Kunst- oder Mikrofaser nicht ins Bett kommt.

Erwähnenswert wäre noch die winterliche Bettwäsche, die aus Baumwollflanell hergestellt wird und oft in karierter Hüttenoptik gestaltet ist. Ich liebe solche Bettwäsche ab spätestens Ende Oktober, da sie dank ihrer aufgerauten Oberfläche wirklich wärmer gibt als beispielsweise Bettbezüge aus Mako-Satin. Eben so richtig gemütlich und kuschelig, am liebsten in Holzfällerkaro und gleich noch den passenden Schlafanzug dazu…

Auch dieses Buch ist ein wahrer Schatz hinsichtlich allerlei Haushaltstipps,
auch wenn der eine oder andere nicht mehr ganz zeitgemäß sein mag.

Aber eigentlich wollte ich doch etwas über die Bettwäsche im Wandel der Zeit schreiben. Wie gesagt, meine Großmutter hatte noch die leinene Wäsche, die eigens für sie angefertigt wurde. Bei meiner Mutter hingegen kam irgendwann mal der sogenannte „Haipfler“ vorbei, der vermutlich die Haushalte abklapperte, in denen weibliche Backfische (= Teenager) wohnten. Beim Haipfler (= Handelsvertreter für Aussteuerwäsche im Schwabenland) wurde dann hierzulande die Aussteuer bestellt, bestehend aus zum Beispiel 6 Kopfkissenbezügen (=Haipfel, siehe auch hier, Begriff Nr. 98), 6 Bettbezügen, 6 Paradekissenbezügen und 6 Bettücher, dazu noch Tischdecken, Servietten, Geschirrtücher und noch einiges mehr. Die Bettwäsche war natürlich auch weiß, vorzugsweise in der Zeit dann aber aus Damast und wurde ebenfalls mit Monogrammstickereien verziert. Damastwäsche ist in sich gemustert und wurde damals meist einfarbig hergestellt.

Anleitungen, um Kissen- und Bettbezüge selbst zu nähen und zu gestalten

Und als ich dann irgendwann mal 14 Jahre alt war, dachte meine Großmutter, die mit der Leinenbettwäsche, sie müsse mich jetzt auch ausstatten, da ich ja bald ins heiratsfähige Alter käme. Von dem Zeitpunkt an bekam ich zu jedem sich bietenden Anlass Bettwäsche, Leintücher, Handtücher, Speise- und Kaffeegeschirr geschenkt, alles eher konservativ in Design und Aufmachung und nicht unbedingt zur hellsten Freude einer Heranwachsenden. Diese Sachen lagerten dann jahrelang ungenutzt in Schränken, bis ich dann irgendwann mal froh war, als ich auszog, diese Grundausstattung zu haben. Bis dahin hatte ich mich dann auch wieder mit weißer Damastbettwäsche angefreundet, die mich genauso getroffen hatte wie meine Mutter damals und habe erst im Laufe der Jahre angefangen, mir Bettwäsche, Geschirr und ähnliches nach eigenem Geschmack zuzulegen.

Bestickte Stoffserviette aus den 50er Jahren

Mittlerweile gibt es die alte Wäsche nicht mehr, sie würde auch nicht mehr auf mein heutiges Kingsize Bettdeckenmaß passen, aber so langsam wäre ich wieder reif für weiße Wäsche. Grundsätzlich mag ich übrigens lieber zurückhaltend gemustere Bettwäsche, sowohl bei mir als auch beim Kind. Was ich zum Beispiel überhaupt nicht mag, sind Bezüge, die so stark bebildert und gemustert sind, dass man den Mensch im Bett erstmal suchen muss. Ich finde, Bettwäsche sollte einem auch irgendwie zu Gesicht stehen, sonst sieht es immer aus, als läge ein Kranker inmitten der Bettdecken in der falschen Farbe. Meine Empfehlung ist hier, sich lieber auf sanfte Farben oder klassische Farben wie blau, weiß oder grau einzulassen. Und natürlich sollte die Wäsche im Idealfall zum Schlafzimmerambiente passen.

Was meint ihr dazu? Welche Farben bevorzugt ihr für die Bettbezüge? Habt ihr auch noch Aussteuer geschenkt bekommen und dann erstmal zwar eine Grundausstattung gehabt, die aber nicht unbedingt eurem damaligen Geschmack entsprach? Welche Art von Bettwäsche bevorzugt ihr, Satin, Flanell, Damast oder etwas anderes? Ich bin gespannt auf eure Antworten!

2 KOMMENTARE

  1. Ein sehr interessanter Bericht! Besuch mich doch auch mal auf Filines Testblog, ich würde mich freuen. Hast nun eine Leserin mehr:-) Liebe Grüße Silvia

  2. Aloha,

    wir haben deinen Beitrag auf unserer Facebookseite "blogARTig" verlinkt.
    Solltest du etwas dagegen haben, bitte laut schreien.

    Liebste Grüße
    blogARTig

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