Zehn Jahre Facebook

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Heute konnte man es überall lesen: Am 4. Februar 2004 erblickte Facebook sozusagen das Licht der Welt und heute ist das Ding schon zehn Jahre alt. Wie doch die Zeit vergeht! Am 4. Februar 2004 war ich gerade noch ein bißchen schwanger und befand mich sozusagen auf der Zielgeraden – oder befand sich das Kind auf der Zielgeraden!? Egal, wie auch immer, damals dachte ich noch nicht einmal annähernd daran, mich mit der halben Welt und erdumspannend zu unterhalten.


Das kam dann erst später. Natürlich blieb mir dieses neue soziale Netzwerk nicht verborgen, aber ich hielt es zunächst einmal für überflüssig, blödsinnig und unnötig. Irgendwann, vielleicht drei Jahre später, trudelten die ersten Einladungen zu Facebook in meinem E-Mail-Postfach ein, die ich allerdings noch geflissentlich ignorierte.

Wer es schaffte, dass ich mich tatsächlich im Jahr 2009 dazu hinreißen ließ, mir doch einen Account bei der Datenkrake zuzulegen, weiß ich noch genau, auch wenn diese Person für mein weiteres Leben absolut keine Rolle spielte. Egal, die Neugierde war da, ich wollte auch mitspielen und begann dann auch bald damit das allseits beliebte Freunde sammeln auszuprobieren.

Das ging recht gut und irgendwann hatte ich dann ein paar tausend neue Freunde in der Liste, ohne auch nur wirklich jemanden richtig zu kennen. Ok, ein paar kannte ich schon persönlich, aber gemessen am Rest war das ein verschwindend geringer Anteil. Dafür war ich auf einmal mit Leuten befreundet, an die ich im echten Leben niemals herangekommen wäre, zumindest nicht so einfach: Schauspieler, Schriftsteller, Paradiesvögel, Politiker, alter und neuer Adel, Charityladies und natürlich auch jede Menge ganz normale Leute, wie zum Beispiel Blogger… (ich meine hier jeweils die männliche und weibliche Form).

Mit dem Beitritt zu Facebook hatte ich auf einmal das eine oder andere Problem, das sich vorher noch nicht ergeben hatte. So wollte ich zum Beispiel nicht unbedingt bestimmten Leuten (ich sage das mal völlig geschlechtsneutral) aus meiner Vergangenheit begegnen. Also musste ich denen irgendwie zuvor kommen und sie erstmal suchen, bevor sie mich finden konnten, und dann möglichst gleich auf die Sperrliste setzen. Man will ja nicht unbedingt mit jedem Ex/Kollegen/Schulfreund nach Jahren wieder kommunizieren… Diese Methode funktioniert natürlich nur dann zuverlässig, wenn die zu sperrende Person auch unter ihrem Klarnamen – wie bei Facebook erwünscht – angemeldet ist und das auch noch zu dem Zeitpunkt, an dem man nach ihr sucht.

Außerdem ergab sich auf einmal noch ein neues Problem. Facebook erwartet ja ein wenig, dass man vor sich hinplaudert und der Welt erzählt, dass man gerade aufgestanden ist und einen Kaffee getrunken hat, zehn Minuten später postet man dann, dass die Peristaltik dank des Kaffees in Gang kam und wieder ein paar Minuten später postet man zur Veranschaulichung noch ein hübsches Foto. Je nachdem, wer so alles in der Freundesliste hockt, kann es sein, dass nicht jede dieser Mitteilungen auch wirklich für jeden Facebookfreund gleichermaßen interessant ist.

Dass man einen Frühstückskaffee zu sich nahm, darf ja ruhig die ganze Welt erfahren. Was der dann jedoch mit dem Innenleben angestellt hat, das möchte man vielleicht den Kollegen und entfernten Bekannten nicht unbedingt auf die sprichwörtliche Nase binden. Also bieten sich hier Listen an, in die man seine Facebookfreunde einsortieren kann, so dass man zielgruppengerecht die etwas heikleren Nachrichten und Fotos ungesehen an den Chefs, Kollegen und Consorten vorbei schleußen kann. Dass dies immens wichtig ist, liest man immer mal wieder, wenn ein Arbeitnehmer ganz groß rauskommt und aus der Firma fliegt, nur weil er ein Foto von sich postete, wo er beispielsweise gerade sturzbetrunken auf das Konterfei des Firmengründers vomierte.

Wer Facebook vielschichtig verwenden und einsetzen möchte, der kommt eigentlich nicht umhin, die Kontakte alle bestimmten Kategorien bzw. Listen zuzuordnen und vor allem auch bei jedem Post hellwach zu sein und sich wirklich zu fragen, ob diese Message jetzt wirklich für die ganze Welt gedacht ist oder nur für engste Freunde, Familie und die NSA.

Natürlich hat mir Facebook nicht nur erhöhten Arbeitsaufwand gebracht, sondern durchaus auch Freude gemacht. So konnte ich stets mehr oder weniger live dabei sein, wenn FB-Freunde in schönster Abendstimmung mit dem Hund noch eine Runde um den See drehten oder wenn aus meiner Nachbarschaft jemand vom Dachfenster aus einen spektakulären Sonnenuntergang knipste und direkt vom Smartphone auf Facebook hochlud, was mich dann dazu animierte, direkt zum Küchenbalkon zu eilen und noch die letzten zwei Minuten des Himmelsschauspiels mitzuerleben. Oder wenn hier ein Massenaufgebot an Feuerwehr, Polizei und Notarzt zu hören war, dann wusste ich bereits fünf Minuten später, was wo geschehen war, weil ich die richtigen Kontakte in der FB-Liste hatte. Ich frage mich manchmal, wie ich früher ohne diesen Newsstream ausgekommen bin!

Insgesamt hat mir Facebook mehr Vor- als Nachteile gebracht, da ich mir stets ziemlich bewusst war, was mit den von mir gegebenen Worten und Bildern geschehen kann. Solange man sich darüber im klaren ist, dass manche Statusmeldungen/Fotos/Videos lieber nur im vertrauten Kreis und manche am besten gar nicht veröffentlicht werden, kann eigentlich nur wenig schief gehen. Vieles, was ich in den letzten Jahren gemacht und erlebt habe, wäre ohne dieses Medium sicherlich nicht zustande gekommen! Und deswegen freue ich mich auf weitere zehn Jahre mit Facebook – mindestens!

Wie steht ihr zu Facebook? Habt ihr gute oder schlechte Erfahrungen gesammelt? Ich bin gespannt auf euere Kommentare!

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