Kindergeschichten

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Mit einem oder mehreren Kindern im Haushalt wird das Leben nie langweilig. Egal, ob man täglich vor neue Herausforderungen – auf neudeutsch: Challenges – gestellt wird in Form von vermasselten Matheaufgaben, eingehandelten Blessuren, Virusinfekten oder vehement eingeforderten Wunscherfüllungen (ich will aber jetzt ein Pferd!) oder ob man zwischendurch auch einfach mal nette Dinge erlebt, über die man einfach ganz entspannt schmunzeln kann.

Derzeit ist mein Kind weitestgehend in einer netten Phase, d. h. wir kommen momentan zu einem überproportionalen Prozensatz wirklich friedlich miteinander aus. Das muss nicht immer so sein. Manchmal haben Kinder auch so Phasen – zumindest hofft man immer, dass es eine temporäre Angelegenheit ist und keine dauerhafte Charaktereigenschaft – in denen sie systematisch zu versuchen scheinen, die Eltern oder das erziehungsberechtigte Elternteil zu zermürben. Im Fachjargon heißt das dann „Grenzen ausprobieren“ und je nachdem wie sehr die Grenzpatrouille strapaziert wird, kann das dann durchaus auch mal grenzwertig werden.

Aber wie gesagt, momentan ist alles bestens und wenn sich das Kind doch mal im Tonfall verhaut und meinerseits eine entsprechende Antwort kommt, dann bekomme ich zu hören: „Das ist ganz normal, dass ich so rede. Ich pubertiere gerade.“ Aha. Na dann… das kann ja noch heiter werden! Zumal das alles jetzt in dem Alter ja noch unter vorpubertär läuft.

Man könnte auch sagen, das Kind steuert im Eiltempo auf die Wechseljahre zu. Es wechselt gerade vom Kind sein zum erwachsen werden und je nachdem, auf welcher Seite es sich gerade wähnt, ist es zwischendurch mal wieder sehr niedlich und kindlich und manchmal dann auch schon irgendwo zwischen altklug und erwachsen. Das wird bestimmt noch spannend.

Richtig süß fand ich neulich, als wir einen Krankheitsfall in der Familie zu verzeichnen hatten, dass Töchterlein sich sofort ans Werk machte und für ihren Opa ein ungefähr 30-seitiges Buch bastelte, mit dem er sich die Langeweile in der Klinik vertreiben sollte. Bunt gemischtes hat sie da reingeschrieben, vom Schülerwitz über Kreuzworträtsel bis hin zu Bildergeschichten war da alles vorhanden. Leider habe ich versäumt, dieses kleine Meisterwerk zu fotografieren. Sie hat es ihrem Großvater überreicht, nachdem er aus der Klinik wieder entlassen war. Aber er wird es sicherlich noch in der anschließenden Reha gut gebrauchen können.

Aber das Buch war nicht alles, sie hat auch noch ein Kuscheltier für ihn gebastelt. Frei Schnauze zugeschnitten aus braunem Filz, lässig zusammengestichelt mit farbigem Garn und mit Watte ausgefüllt entstand dieser süße Bär, den sie wirklich ohne Vorlage und aus der Lamäng heraus gestaltet hat. Ich weiß noch, wie ich mal versucht habe einen Hasen im Stil eines Kindes zu nähen. Der sah bei weitem nicht so gut aus, hat ihr aber dann trotzdem gut gefallen. Wenn man nähen gelernt hat und dann darauf basierend versucht, etwas dilettantisch zu machen, dann fällt das doch ganz schön schwer!

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, was mein Vater heute zu diesem süßen Herzbär sagen wird, wenn er ihn dann überreicht bekommt! Dann darf das Bärchen ihn bei den Reha-Maßnahmen unterstützen und ihn vor allem daran erinnern, wieviel er seiner Enkelin und seiner Familie bedeutet…

Richtig nett fand ich gestern auch, als ich morgens eine Reli-Arbeit vom Kind auf den Tisch geknallt bekam mit der Bitte, diese doch zu unterschreiben. Klar, mache ich ja gerne, aber ich wollte rein Interesse halber den Test noch durchlesen, weil ich wissen wollte, was man denn so in der vierten Klasse zum Thema Reformation alles gefragt wird. Ich staunte nicht schlecht, da ich garantiert die Hälfte aller Fragen nicht richtig hätte beantworten können. Das Kind hatte den Test relativ unvorbereitet nachgeschrieben, da es beim ersten Termin erkrankt war und dafür dann die bestmögliche Note erhalten.

Amüsant fand ich dann die Beantwortung der Frage Nr. 13, zumal sie sonst so gut wie alle Fragen richtig hatte. Aber sie hätte ja als Antwort auch noch schreiben können: Halloween… 

Es gibt eigentlich noch viel mehr nette Sprüche, Anekdötchen und rührende Geschichten, aber irgendwie vergesse ich dann meistens zweimal die Hälfte, statt  mich gleich hinzusetzen und diese Stories für die Nachwelt bzw. erstmal für meinen Nachwuchs festzuhalten. Aber ich gelobe Besserung und wenn ich dran denke, dann werde ich in Zukunft spontaner darüber schreiben!

Wie macht ihr das? Manche Eltern haben ja ein Buch, in dem sie alles notieren, was die Sprösslinge so von sich geben, was sie erleben oder was sie so machen. Ich hatte mir das vor fast zehn Jahren auch mal vorgenommen, aber wie das mit den Vorhaben so ist, manche werden dann einfach nicht umgesetzt… Geht es euch genauso? Oder seid ihr da disziplinierter als ich?

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