Notiz

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Diese Notiz muss ich erst einmal in klare Gedanken und anschließend in Worte fassen. Der Platzhalter dafür ist angelegt.

Jetzt sind meine Gedanken wieder sortiert und ich kann darüber so schreiben, dass es chronologisch richtig und nicht zu emotional ist.

Vergangen Freitag kam er nochmals vorbei, um sich persönlich zu verabschieden bevor es in den Kurzurlaub ging. Leider traf er nicht alle an, so dass er samstags noch zweimal zur Verabschiedung erschien – auch hier wieder nicht genau die Person angetroffen, die ihm am Herzen lag.

Mir kam es seltsam vor und ich dachte schon, es wird doch hoffentlich nichts… Man mag ja solche Gedanken gar nicht zuende denken, alleine schon wegen der bekannten selbsterfüllenden Prophezeiung.

Sonntags fuhren sie dann los und sind wohl auch gut angekommen. Montagmorgen gegen neun Uhr traf ich die übliche Meute von Müttern vor dem Discounter unseres Vertrauens und wir tratschten eine Runde, so wie wir es gerne machen. Es gesellte sich dann noch eine mir bis dahin unbekannte Dame dazu, die mit einer anderen Mutter bekannt war. Irgendwie scherzten wir herum und amüsierten uns darüber, dass wir Montagmorgens so gut drauf sein können und keine Montagsvisage hatten. Wie genau im Zusammenhang weiß ich nicht mehr, aber auf einmal machten wir unsere Witzchen über schlecht gelaunte Patienten im Aufwachraum, die man dann erstmal mit einer Herzdruckmassage wieder in die hiesige Welt befördern muss. Es stellte sich heraus, dass die neu dazu gekommene Dame in einer Klinik als Aufwachschwester arbeitete.

Als ich mich dann meinen Routinearbeiten widmete, zwischendurch eine Riesenschachtel voller Schuhe bekam und diese auch gleich anprobieren wollte, hatte ich auf einmal starke Kreislaufprobleme. Ich fühlte mich ständig so, als wollte mir gleich der Boden unter den Füßen weg kippen und hatte ständig ein flaues Gefühl in der Magengegend, irgendso ein Mittelding zwischen allerniedrigstem Blutdruck und dem Gefühl, gleich spucken zu müssen. Ich lief so unsicher durch die Gegend, dass ich fast jemand anderes bitten wollte, die Tochter ins Schwimmen zu bringen. Aber dann riss ich mich zusammen und schlich von dannen. In meinem Kopf war ständig das Wort „Herzinfarkt“ unterwegs – unsicher, ob das Anzeichen dafür sein könnten oder nicht.

Als ich gegen vier Uhr wieder zuhause war, erreichte mich ein Anruf aus dem Urlaubsort. Seine Begleiterin eröffnete das Telefonat mit den Worten, es sei nichts Schlimmes, aber schon etwas Ernstes. Er habe heute morgen einen Herzinfarkt erlitten. Mir fiel nur ein „Oh Scheiße, ich hab’s geahnt, dass etwas passieren würde“ ein und ich notierte wie automatisch sämtliche Daten, die sie mir durchgab, Klinikname, Telefonnummern, Hotel und wasweißichnichtalles. Ich fragte sie, ob er ansprechbar sei, was er glücklicherweise war.

Natürlich rief ich sofort dort an, erreichte ihn auf der Intensivstation und konnte ein paar Minuten mit ihm reden. Er klang nicht wirklich fit und ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen. Ich fragte, was ich für ihn von hier aus tun könne und er gab mir ein paar Anweisungen, mit wem ich mich diesbezüglich alles in Verbindung setzen sollte. Der Infarkt war wohl morgens um fünf und erst gegen neun Uhr wurde er dem Arzt vorgestellt! Unglaublich! Warum auch immer…

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Update: Mittlerweile scheint es ihm wesentlich besser zu gehen, zumindest via Telefon lässt sich das so raushören. Eigentlich wäre er gestern (25.01.2014) vom Urlaub zurückgekommen, aber so wie es aussieht wird er frühestens morgen aus der Klinik entlassen. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass er den Schuss vor den Bug als solchen auffasst, ein paar Dinge in seinem Leben ändert und sein Versprechen wahr macht, hundert Jahre alt zu werden. Schließlich will meine Tochter ihren Opa noch eine ganze Weile behalten!

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