Ich hau Dir eins aufs Auge, Kleines

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Wer kennt es noch, das berühmte Zitat „Ich seh‘ Dir in die Augen, Kleines“, was oftmals falsch wieder gegeben wurde!? Und wer weiß noch aus welchem legendären Film mit welchen Charakterschauspielern das war!? Ich hab den Film bestimmt zigmal gesehen, wenn nicht gar öfter. Damals konnten wir ganze Dialoge nachsprechen, ich als Ilsa Lund-László, er als Rick Blaine – beide dem Original nahekommend eingedirndlt in Trenchcoats, Borsalino (er), Hütchen (ich) und filterlose Zigaretten ggf. aus schwarzen Bakelitspitzen rauchend. Sehr mondän das alles und vor allem ganz außergewöhnlich.

Ok, ich seh’s ein – Humphrey Bogart hat doch ein wenig anders geschaut 😉 – außerdem fehlt mir der Hut


Wir pflegten den Stil bis ins Detail. Ich stöckelte in Pencilskirts, Pumps, Nahtstrümpfen und taillierten Jäckchen durch die Weltgeschichte, er trug im Nachhinein betrachtet unsägliche Hosen incl. Hosenträgern, weiße Hemden, Ärmelschoner, Burberries und Borsalino. Nicht zu vergessen die Budapester Treter und natürlich Camel ohne, das wichtigste Accessoire unserer Zeit um den Lifestyle der Dreißiger voll zu inhalieren. Auch die Musik passte selbstverständlich, wir hörten ausnahmslos Jazz, hauptsächlich eben aus dieser Ära und literarisch hatten wir uns auf alles eingeschworen, was von Raymond Chandler war oder zumindest diesem Schreibstil ähnelte. Die Verbindung zwischen Chandler und dem eingangs erwähnten Zitat war natürlich Humphrey Bogart, der sowohl im Filmklassiker „Casablanca“ mitwirkte als auch in ein paar Chandler-Verfilmungen den Privatdetektiv Philip Marlowe spielte.

Mit dem Abendkleid hätte ich aber in jedem Filme Noir mitspielen können
und das exotische Outfit wäre auch dramatisch genug für einen Spielfilm gewesen.
Übrigens alles von mir entworfen und genäht.

Natürlich hat sich unser Spleen irgendwann gelegt. Der Mode der Dreißiger und Vierziger Jahre bin ich noch relativ lange treu geblieben, auch als die Beziehung zum Gegenspieler bereits beendet war. Mir gefiel der Stil recht gut, die femininen Klamotten, die aber trotzdem irgendwie cool rüberkamen. Aber irgendwann  ließ ich mich dann aufgrund gesellschaftlicher Gegebenheiten beeinflussen und begann mich relativ angepasst zu kleiden, bis auf fünf Jahre experimenteller Phase während der ich die Schneiderei und das Modedesign studierte.

Mittlerweile bin ich klamottenmäßig dermaßen am anderen Ende angekommen, dass mein Kleiderschrank außer praktischen Teilen, die sich alle mit jedem kombinieren lassen und trotzdem irgendwie immer gleich aussehen, nicht viel hergibt. So ein wenig habe ich mir das auch von meinem alten Herrn abgeschaut, der die Devise vertritt: ich trage meine Klamotten, bis sie mir vom Leib fallen, gemäß der Einstellung einiger Personen, die dem alten Adel angehören. Er hat übrigens seinerzeit auch Schneider gelernt – das nur mal so als Info, um diese Aussage in Relation zu setzen.

In den letzen zwei Jahren habe ich mehrfach versucht, mich damit auszusöhnen, dass ich einfach nicht mehr so filigran bin wie vor dem Erscheinen meiner Tochter. Aber vielleicht können wir ja zukünftig wieder etwas femininere Gewänder überwerfen, die keinesfalls alles verhüllen, was in irgendeiner Weise sehenswert wäre, sondern die eine oder andere Kurve hervorheben und damit von den paar Schwachstellen gekonnt ablenken bzw. diese dank dauerelastischer Fasern in irgendeiner Weise im Zaum halten.

Habt ihr früher auch irgendwelche Klamottenphasen gehabt und euch sehr speziell gekleidet? Manche laufen als Gothics rum, andere als Punks, wieder andere im Mittelalter Look – was war euer Thema in Sachen Styling? Ich bin neugierig, schreibt es mir ins Kommentarfeld!

2 Kommentare

  1. ohh ich hab damals so ziemlich alles was Provokant war ausprobiert, angefangen mit Rockklamotten dann Punk über Metal Kluft (natürlich mit Kutte) bishin zum Gothic Stil, geblieben ist mir davon heute aber nur noch die Musik aus den Bereichen und meine fast ausschliesslich schwarzen klamotten, die aber nichts mehr mit Metal oder Gothic zu tun hat.

    • Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn ich Leuten gegenüber stehe, die sich tatsächlich ihren Jugendspleen erhalten haben und zum Beispiel auch noch als kurz vor der Rente stehender als Rocklegende rumlaufen. Da frage ich mich dann, ob sie den Absprung verpasst haben oder ob ich einfach zu sehr eingefahren bin…
      Andererseits wäre es manchmal vielleicht nicht schlecht, wenn man sich mal wieder etwas mutiger anzöge, wie damals, als man noch jung war *seufz*…

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