Genauso, wie in der Überschrift ausgedrückt, empfand ich heute auf dem Elternabend die aufgezeigten Möglichkeiten, wohin man die Kids nach Beendigung der vier Grundschuljahre stecken kann.

Geladen waren drei Rektoren von drei verschiedenen Schultypen, nämlich von der Werkrealschule, der Realschule und vom Gymnasium. Jeder spulte mehr oder weniger launig sein Programm runter, gespickt mit Anekdötchen und hundertfach erzählten Bonmots, die vermutlich auf jedem der Info-Elternabende der letzten zwei Dekaden immer wieder gut ankamen.

Als Eltern(teil) sitzt man dann in dieser Veranstaltung, lauscht und weiß am Ende des Abends erst recht nicht, welche Schule denn fürs Kind die beste sein wird. Leistungsmäßig sieht es so aus, dass das Kind durchaus aufs Gymnasium gehen kann, egal ob mit verbindlicher Grundschulempfehlung wie noch vor ein paar Jahren oder ob ohne. Allein das schon scheint eine ziemliche Farce zu sein, dass Eltern ihre Sprösslinge komplett nach Gutdünken am Gymnasium ihrer Wahl anmelden können, um dann vielleicht ein bis zwei Jahre später feststellen zu dürfen, dass diese Entscheidung die falsche war. Es ist bei der Schulanmeldung nicht einmal mehr nötig, das Halbjahreszeugnis vorzulegen. Überspitzt gedacht können also ehrgeizige Eltern ihren Sprössling mit Notendurchschnitt 4,5 lässig am Gymnasium anmelden.

Gut, bei uns ist es notenmäßig soweit klar, da dürfte nicht mehr viel schief gehen können bis zum Halbjahreszeugnis, welches ja doch als Entscheidungshilfe herangezogen wird. Nur dann geht es los: Auf welches Gymnasium soll ich mein Kind denn eigentlich schicken? Naturwissenschaftlich, musisch-sprachlich oder humanistisch ausgerichtet? Im Grunde genommen – so erscheint mir das nach dem heutigen (Des)informationsabend – ist es sozusagen piepegal, welche Wahl man trifft, da mit Beginn der zehnten Klasse dann alle Gymnasien übergreifend auf dem gleichen Level sein sollten, was die fürs Abi relevanten Fächer betrifft, da das Abitur auf Länderebene die gleichen Anforderungen hat, gleichgültig ob man jetzt auf einem humanistischen, naturwissenschaftlichen oder musisch-sprachlichen Gymnasium war.

Wollte das Kind später mal Archäologin werden, dann wäre das humanistische Gymasium sicherlich ideal. Buddeln tut es gerne und für geschichtliche Fragen interessiert es sich bis jetzt auch noch. Andererseits ist es aber auch sprachbegabt. Es beherrscht die Muttersprache als Einserkandidat, es ist gut in Englisch – soweit man hier in der Grundschule schon von einer maßgeblichen Englischnote sprechen kann – und es sprach schon mit drei oder vier Jahren soundmäßig perfekt diverse chinesische Dialekte (Kantonesisch und Mandarin hauptsächlich). Aber auch die naturwissenschaftliche Richtung wäre sicherlich nicht zu verachten, da es gerne mit den verschiedensten in der Küche erhältlichen Flüssigkeiten Experimente veranstaltet und auch großes Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen hat. Tja…

Die nächste Entscheidung, die es auch noch zu treffen gilt: Soll mein Kind ab der fünften Klasse dann flugs mit einer 40 – 50 Stundenwoche starten, die sich bis zur Oberstufe dann sicherlich auf eine 55-Stundenwoche ausweitet? Oder soll es doch noch ein wenig Freizeit haben und die nächste Dekade nicht nur für die Schule leben? Je nach Beantwortung dieser Frage käme dann entweder eine Schule in Betracht, die entweder G8 oder G9 anbietet, auf deutsch: die die Kinder entweder in
acht oder neun Jahren zum Abi führt – sitzenbleiben einfach mal ausgeschlossen.

Und wenn man sich das alles mal ganz gemütlich durch den Kopf gehen lässt, nebenbei noch berücksichtigt, dass man zwar bei der weiterführenden Schule nicht mehr ortsgebunden wählen muss, sondern großzügigerweise sogar seinen Schulsprengel verlassen darf, dann kommt man letztendlich zu dem Schluss, dass es nach Berücksichtigung aller Gegebenheiten tatsächlich nur ein bis zwei Schulen gibt, die in Frage kommen, aber lediglich aus praktischen Erwägungen und weniger aus den Neigungen des Kindes heraus.

Die Auswahl der Schüler wird dann nach Prioritäten getroffen wie Geschwisterkinder – haben wir keine – und räumliche Nähe. Mehrfachanmeldungen sind nicht gestattet und wenn ein Kind Pech hat und nicht an der Wunschschule landet, weil da a) keine Geschwisterkinder sind, b) diese nicht im Schulsprengel ist obwohl man ja Wahlfreiheit hat und c) auch noch eine überbordende Zahl von Anmeldungen verzeichnet – tja, dann wird man eben auf einer Art Rangierbahnhof hin und hergeschoben, bis man das Kind in irgendeiner Schule untergebracht hat.

Genau das habe ich heute alles auf dem Eltern(des)informationsabend herausgehört und fürchte deswegen, dass die Wahlmöglichkeit der weiterführenden Schule so im Grunde genommen gar keine ist…

Oder habe ich da etwas Wichtiges übersehen?

Ach, und eigentlich war das, was man uns heute erzählt hat, alles schon wieder fast hinfällig, da es demnächst wieder ein paar bildungspolitische Reförmchen gibt, die wieder alles umbenennen, neu sortieren und nicht wesentlich zur Klärung solcher Fragen beitragen werden.

Abgesehen davon hatte dieser Abend allerdings auch einen gewissen Unterhaltungswert für mich. Schließlich saß ich in der ersten Reihe und konnte nicht nur mit dem zweiten besser sehen, dass die zu Rektoren aufgestiegenen Lehrer der drei verschiedenen Schultypen alle ihre lehrertypischen Macken hatten, wie ich sie aus meiner eigenen Schulzeit noch kenne. Der eine blinzelte etwas zu häufig, vielleicht ein beginnendes Tourette Syndrom, der andere sprach davon, dass Polen noch nicht verloren sei wenn die Kids nicht das Zeug fürs Gymnasium oder die Realschule haben und versuchte möglichst geistreich zu sein, und der dritte im Bunde erinnerte mich dermaßen an einen Vogel, vielleicht einen Hühnervogel, dass ich mir zeitweilig ein breites Grinsen verbeißen musste, wenn er da vorne mit seinem Vogelgesicht und den zuckenden, eckigen Bewegungen herumhampelte. Ich glaube, Schule kann auch heute noch lustig sein – wenn man mal von dem ganzen Lehrplan absieht…

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr eure Kids schon in die weiterführenden Schulen einsortieren dürfen? Wenn ja, was habt ihr da für Tipps für mich?

8 KOMMENTARE

  1. Ich habe leider keine Tipps für dich, da wir diese Fragen bereits hinter uns gebracht haben. Bei Sohn 2 war ja dann plötzlich die 4-stufige Realschule zugunsten einer 6-stufigen abgeschafft worden. Das bedeutete, dass die oft entwicklungsverzögerten Jungs (*Scherz)in etwas landeten, was sich M-Zug nannte. Das ist in Bayern ein Zug an der Hauptschule, bei dem man einen Realschulabschluss machen kann. Dieses System ist so schlecht, wie halt die inzwischen ausgebluteten Hauptschulen eben sind. Letztendlich hat sich für unsere beiden Jungs der 2. Bildungsweg, also irgendein mittlerer Abschluss, Lehre, Berufsoberschule als die bessere Lösung herausgestellt.
    Ich möchte nicht mehr jemand sein, der vor solchen Entscheidungen steht, wie du. Denn wie man es macht, könnte es falsch sein.
    Da dein Kind ja immer schon gerne im Sand gebuddelt hat und mehrere fernöstliche Sprachen beherrscht, stehen ja viele Wege offen. Die Erfahrung lehrt aber, dass man anscheinend als Betriebswirt die besten Chancen hat, reich und schön zu werden. Hast du also schon mal an eine Wirtschaftsschule gedacht? 😉
    LG
    Sabienes

    • Ich glaube so etwas wie Wirtschaftsschulen stehen erst als Option offen, wenn man schon etwas älter ist und zumindest den Realschulabschluss in der Tasche hat. Zumindest schwant mir das aus meiner eigenen Schulzeit so, vielleicht hat sich das auch schon wieder geändert… Aber grundsätzlich hast du recht, mit BWL und so Zeug kann man später beruflich mehr anfangen als mit all dem anderen Käse…
      LG
      SvL

  2. Das Problem wird bei uns wohl auch nciht mehr lange warten ._. Nur noch 1 Jahr Kindergarten, 2 Grundschulen zur Auswahl. Die eine direkt die Straße hoch, die andere dann weiter weg im Ort, wo auch der Kindergarten ist. Die 2. ist allerdings heruntergekommen und man muss eben immer mit dem Auto hinfahren, weil es auch keinen Bus in diese Richtung gibt. Und wenn man den normalen Linienbus nimmt, müsste Kind dann immer noch alleine durch die Seitenstraßen zur Schule laufen. *seufz* Was mach ich nur?

  3. Was ist denn eine Werkrealschule?
    Gibt schon interessante Schulformen. Ich war auch auf dem Gymnasium, aber das war ein stink normales, also ohne Fachrichtung. Zum Glück bleiben mir bis zu der Entscheidung noch ein paar Jahre und bis dahin hat sich bestimmt wieder vieles geändert.
    Ich finde Abitur in der 13. Klasse, also G9? besser. Das eine Jahr mehr kann nicht schaden.

    • Eine Werkrealschule ist das, was man früher Hauptschule nannte. Man hat es umetikettiert, damit es aufgewertet wird oder wasweißich…
      Ja, dir bleiben noch ein paar Jahre und bis dahin wird sich bestimmt jede Menge ändern, also müßig sich heute schon den Kopf darüber zu zerbrechen, da bis dahin sowieso alles anders ist.
      Ich finde G9 grundsätzlich auch besser, andererseits finde ich es nicht besser, wenn das Kind deswegen einen langen Schulweg hat. Da bin ich noch ein wenig am hin und her hadern …

      Demnächst werden wir dann als Tag-der-offenen-Tür-Touristen durch die Schulen touren und schauen, wo die schönsten Klassenzimmer sind – vielleicht trägt das zur Entscheidung bei.
      LG
      SvL

  4. Moin S'chen,
    nimm den G9, dann hat die *Kleine* noch etwas von der Kindheit. Ich persönlich habe den Umweg über den zweiten Bildungsweg gemacht, einmal sozialpädagogisch angehaucht (Realschule), dann hauswirtschaftlich (hat mich weder vor Bio und Chemie gerettet, die meine Leistungskurse waren)
    und hat es mir etwas gebracht?
    Ich landete anschließend auf einer Modeschule und danach arbeitete ich als Dekorateurin,,,
    Vielleicht hilft es dir etwas, die dir Notendurchschnitte der Schulen bei den letzten Abiprüfungen anzusehen,
    mein Biokurs damals hatte im Schnitt eine 20% bessere Note in der Abiturprüfung als die der anderen Schulen. Unser Lehrer war einfach Sahne.
    LG
    Marianne

    • Ich fürchte es wird doch auf G8 rauslaufen, denn die Profile der Schulen, die G9 haben, entsprechen nicht unbedingt den Neigungen/Schwerpunkten/Entfernungen, die wir hier für ideal halten. Also darf das Kind eben nur noch in den Ferien "Kind sein" und zwischendurch muss es pauken, bis die sprichwörtliche Schwarte kracht. Bin gespannt, ob dann überhaupt noch Platz bleibt um Theater zu spielen…
      Wie der Lebenslauf sich später entwickelt, das weiß man jetzt noch nicht. Das war auch bei mir nicht vorhersehbar. Aber für irgendwas müssen wir uns demnächst entscheiden und rein theoretisch haben wir da mittlerweile eine Schule im Fokus. Schaumermal.
      LG
      SvL

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