Schöner wohnen mit kreativitätsfördernden Modulmöbeln

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Upcycling ist in aller Munde, DIY findet immer mehr Anhänger, Ressourcen wollen geschont werden und kreatives, individuelles Wohnen steht hoch im Kurs. Wer beispielsweise in Facebook bestimmte DIY-Seiten abonniert hat, der weiß, dass Möbel aus Europaletten derzeit absolut hip sind. Finde ich auch super, aber für Regale sind die Europaletten wiederum nicht so ideal. Hier bieten sich alte Weinkisten an, je älter, desto besser, weil sie dann so eine schöne Patina haben.


Über Paletten- oder Kistenmöbel denke ich schon seit ein paar Jahren nach, hatte aber nie den Mut, mir ein paar alte Paletten oder Weinkisten in die Wohnung zu holen. Warum nicht? Ganz einfach, ich hatte immer so ein Kopfkino, wie einen hinterhältige, fiese kleine Tiere aus den Ecken dieser Holzkonstruktionen heraus anfallen (Pfui Spinne!) oder sich mit einem Bärenhunger auf die Massivholzmöbel stürzen (Gruß an den Holzwurm!). Das war eigentlich immer so ein wenig mein Hinderungsgrund, warum ich mich noch nicht an diese mittlerweile zu Trendmöbeln avancierten Teile gewagt habe.

Aber glücklicherweise gibt es ja auch manchmal tolle Tipps im Netz, so zum Beispiel neulich auf einer Seite in Facebook, die über Geheimtipps aus Stuttgart berichtet. Da entdeckte ich mal wieder, dass ich erstens nicht mal über meine Nachbarschaft Bescheid weiß und dass es zweitens keine 3 Gehminuten von mir entfernt ein Abhollager und eine Art Zweigstelle von www.deineweinkiste.de gibt. Das besondere an den Weinkisten von denen ist nämlich, dass sie wohnzimmertauglich sind. Die zum Teil 50 Jahre alten Weinkisten wurden einer Wärmebehandlung unterzogen, die dem Holzwurm den Garaus macht und somit auch keine Gefahr für Türrahmen, Massivholzmöbel oder Dielenböden von den Weinkisten aus geht. Genau richtig für mich!

Ich vereinbarte kurzerhand einen Abholtermin für gestern vormittag bei der Stuttgarter Abholstelle und konnte mir dort im Lager direkt die Kisten aussuchen. Fürs erste nahm ich mal nur zwei Kisten mit, da ich wissen wollte, ob ich so ein paar alte Weinkisten tatsächlich wohntauglich einsetzen könnte. Ich bin ja schon für Stilmix und Improvisation, aber ich war mir nicht sicher, ob alte Weinkisten bei mir gut zur Geltung kommen. Also habe ich heute den ganzen Tag mal hin und her dekoriert und ausprobiert, wie sich die Teile am besten einsetzen lassen. Und ich muss sagen…

… ich bin begeistert! Mir sind so viele Ideen durch den Kopf gegangen, dass zwei Weinkisten dann definitiv zu wenig waren. Man kann sie zum Beispiel einfach als Regal aufeinander stapeln, in meinem Fall habe ich die zwei Kisten senkrecht übereinander gestellt und mit bunten Pappschachteln bestückt, in denen ich Schul- und Bürobedarf und Kosmetika aufbewahre. Wäre eine Möglichkeit.

Eine zweite Möglichkeit, die ich mit den beiden Holzkisten ausprobiert habe, war, sie als Aufbau für ein Buffet zu verwenden. Die Idee dahinter: Party, Gäste, alles lässig. In der Küche darf man sich die kulinarischen Genüsse selbst holen. Dazu wird der Küchentisch in ein Buffet umgebaut und mit Hilfe der alten Weinkisten kann man hier noch schön in die Höhe stapeln und beispielsweise Teller, Gläser oder Schalen in diesem Aufbau unterbringen. Entprechend mehr Platz ist dann auf dem Küchentisch für diverse Platten mit Fingerfood und für Eintöpfe…

Aber auch als Aufsatz auf einer Anrichte könnte ich mir die Weinkisten gut vorstellen. Würde total zu Shabby Chic passen, vereint DIY, Vintage und Typografie als Wohntrends und ist wirklich ein kreativitätsförderndes Modulmöbel.

Auch im Zimmer von Frollein Tochter würden sich die Weinkisten gut machen. Ich weiß nur nicht, ob das politically correct wäre, einer Viertklässlerin alte Kisten mit der Aufschrift „Wein aus deutschen Landen“ oder „Wein schenkt Freude“ neben das Bett zu stellen. Nicht dass alleine der Aufdruck schon wegweisend für den späteren Umgang mit Genussmitteln verantwortlich ist. Das weiß man ja heutzutage nie so genau…

Ihr jedenfalls hat der Aufbau von den beiden Weinkisten neben dem Bett gut gefallen. Das wäre endlich mal ein ausgewachsener Nachttisch, auf dem sich gut der Stapel ungelesener Bücher bauen ließe, die Nachttischlampe Platz hätte, der Wecker ebenso und jede Menge Krimskrams abgelegt werden könnte. Übrigens war hier ein nicht verwendetes Regalbrett ideal als Platte über die beiden Kisten.

Auch im Außenbereich ließen sich die alten Weinkisten perfekt einsetzen. Die eine Kiste wurde kurzerhand hochkant hingestellt und zum Beistelltisch umfunktioniert, der auch noch für ein paar Lieblingsbücher Platz hatte. Ob das nun auf dem Balkon ist, im Garten oder im Wohnzimmer, ist eigentlich völlig gleichgültig. Als ebene Tischplatte verwendeten wir einen Künstlerkoffer meiner Tochter, der ein Sortiment von verschiedenen Kreiden beherbergt, und darauf stand dann absolut kippsicher eine Tasse mit heißem Tee und ein bißchen was zu naschen.

Die zweite Kiste wurde mit der Öffnung nach unten gestellt, darauf eine mehrfach gefaltete Decke gelegt und fertig war die Fußbank! Das Kind hat sich schier nicht mehr eingekriegt vor lauter Gemütlichkeitsjauchzanfällen. Am liebsten wäre es den ganzen Nachmittag lesend auf dem Balkon gesessen – bei Temperaturen um die 4 ° Celsius.

Wofür sich die beiden Kisten natürlich auch eignen, ist, sie als Gartenregal oder Balkonregal zu nutzen. Dafür habe ich sie mit der Breitseite aufeinander gestellt und sofort fanden ein paar Blumentöpfe ihren Platz. Die Äpfel wollten auch ein wenig an die frische Luft, die kleine Laterne versuchte, das ganze ein wenig freundlicher zu beleuchten und die ganze Herbstdeko, die noch auf unserem Balkon herumlag, passte wunderbar aufs Foto. Wenn man nämlich Kinder hat, hat man im Herbst auch meistens überall Kastanien rumliegen – und zwar so lange, bis sie entweder von selbst verrotten oder bis die Hexe Mutter mit dem Besen durchjagt. Die roten Ahornblätter bekommen wir als Herbstdeko dann immer kostenlos dazu vom über uns wohnenden Nachbarn!

Lustigerweise habe ich heute abend mit meiner Tochter auf dem Rundgang durchs Revier noch entdeckt, dass ein recht neuer Laden in der City auch voll auf Weinkisten setzt. Im Schaufenster stand ein 12er Weinkistenregal mit hochkant gestapelten Kisten. Wenn ich mich richtig erinnere, war das Regal vier Kisten breit und drei Kisten hoch. Und oben drauf lag noch eine passgenau zugeschnittene Holzplatte, die ebenfalls so einen antiken Touch hatte. Die Weinkisten von diesem Laden schienen die gleichen Modelle zu sein, wie ich sie habe – also nehme ich mal an, sie haben die gleiche Quelle wie ich. Auch im Laden selbst wurden Weinkisten zu Regalen gestapelt, schön ordentlich übereinander und mit einer abschließenden Platte. Das hat mir richtig gut gefallen.

Ich finde übrigens, wenn man mit patinierten Materialien arbeitet, die etwas uriger aussehen, wirkt ganz stark der Grundsatz „Gegensätze ziehen sich an“. Will heißen, wenn die Kisten schon alt sind, leicht fleckig und fast verstaubt wirken, dann sehen klare, neue Farben richtig frisch dazu aus, am frischesten natürlich reines weiß. Auch finde ich es grundsätzlich besser, hier absolut symmetrisch ranzugehen, statt die Kisten relativ wild übereinander zu stapeln, was dann schnell nach Bretterverschlag aussieht. Und bei der Schaufensterdeko von dem Laden habe ich bemerkt, dass wirklich ein einziges Brett oben drauf das ganze Regal komplett aufwertet. Auf einmal hat man nämlich kein Weinkistenregal mehr vor sich, sondern ein altes Ladenregal – oder wenn die Höhe niedriger ist, dann ein altes Sideboard.

Diese Dinger eröffnen wirklich ungeahnte Möglichkeiten, egal ob Regale, Tische, Hocker oder Sitzbänke, ob im Wohnbereich, im Laden- oder Messebau oder einfach zur Deko. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Adventskalender in der Weinkiste? Einfach 24 Tütchen oder Päckchen in die Kiste stellen, bißchen Weihnachtsdeko drum herum und fertig ist der Adventskalender im Vintagelook!

Wie findet ihr die Weinkisten? Wofür würdet ihr diese Kisten einsetzen? Gefallen sie euch mit Patina oder würdet ihr sie lackieren? Ich freue mich auf eure Antworten!

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