Wenn ich an die Zeiten zurück denke, als ich selbst noch ein Kind im Grundschulalter war, dann gab es damals für mich herzlich wenig technisches Gerät, was zu meinem ureigenen Entertainment zur Verfügung stand. Das höchste der Gefühle war, wenn ich entweder sonntags dem Kinderhörspiel im Radio lauschen durfte oder auf unserem schmucken, grauen Philipps-Plattenspieler zum 180. Mal meine Langspielplatten mit Hörspielen zu Räuber Hotzenplotz, Pumuckl und Consorten ablaufen lassen durfte.

Später, als ich schon größer war, also nicht mehr in der Grundschule, bekam ich noch einen Kassettenrekorder, mit dem ich dann fortan meinem inzwischen gewandelten Musikgeschmack Rechnung tragen konnte und die tollsten Mitschnitte von A wie Abba bis Z wie Zappa aufzeichnen konnte. Da war dann auf einem Tape übrigens alles querbeet gemischt, es konnte also sein, dass nach einem Satz Klarinettenkonzert von Mozart gleich Child in Time von Deep Purple folgte und danach direkt der Kriminaltango mit Hazy Osterwald. Das ist ja das schöne an Kindern, dass sie noch nicht so nach festgelegten Mustern denken und Mut zum Außergewöhnlichen haben – und sei es nur eine außergewöhnliche Musikzusammenstellung.

Schnitt.

Heute läuft das irgendwie anders. Heute muss ein Grundschulkind, vor allem wenn es in der Stadt lebt, schon relativ bald eine multimediale Vollausstattung verschiedenster Geräte aus dem Bereich Unterhaltungselektronik besitzen, um mithalten zu können. Und wehe den Eltern, die die Wünsche versagen! Denen wird so lange die Hölle heiß gemacht, bis sie sich ergeben und das gewünschte Gerät kaufen und dem Nachwuchs überlassen.

Angefangen mit der Sache hat es eigentlich schon im Kleinkindalter meiner Tochter. Sie war zwei und wollte ständig die CD-Schublade des Rechners auf und zu machen, weil das so lustig war. Außerdem wollte sie unbedingt immer meinen Fotoapparat. Also bekam sie einen eigenen Ghettobluster mit CD-Spieler, damit sie zukünftig DJane für die schönsten Kinderlieder spielen konnte, und als sie drei war einen Fotoapparat von Vtech für Kleinkinder. Damit fotografierte sie dann alles, jeden und vor allem aus dem unvorteilhaftesten, aber grundehrlichsten Blickwinkel. Ich habe gerade nach Beispielen gesucht, aber irgendwie fehlt mir da der Mut, die zu veröffentlichen.

Irgendwann später gab es dann einen richtigen Fotoapparat, der aber leider vergangenen Sommer im Zeltlager das Zeitliche segnen durfte. Er hat den Ausflug im strömenden Regen nicht überlebt.

Das Thema Mobile Phone haben wir auch schon abgehakt, nachdem in einer Dauerschleife rumgenölt wurde, dass alle in der Klasse schon mit einem iPhone ausgestattet seien – was sich auf Nachfrage dann aber leider nicht bestätigen ließ. Also bekam das Kind ein ganz normales, gebrauchtes Mobile Phone, mit dem man nur telefonieren konnte. Zunächst war sie glücklich darüber. Später wollte sie wieder ein iPhone, was in dem Alter wohl eine Art Synonym für ein Smartphone zu sein scheint.

Das bekam sie auch, weil ich die Gelegenheit hatte, gleich zwei Kindersmartphones zu testen. Zunächst war das eine ganz tolle Sache und es wurde gespielt, fotografiert, probiert und vor allem damit angegeben. Nur irgendwann reichte das nicht mehr und es musste etwas neues her.

Am liebsten wollte sie in letzter Zeit einen Nintendo 3DS in metallic rot, obwohl sie schon einen Nintendo DS besitzt. Da machte sie in den vergangenen Wochen ständig Anstalten, mich zu bekehren, dass ein dreidimensionaler Bildschirm im Zigarettenschachtelformat doch um Klassen besser sei als ein zweidimensionaler. Und man könne sogar ins Internet mit dem Ding – na sowas aber auch! Nur sah ich bereits kommen, dass dieses Ding in spätestens 3 Monaten unbrauchbar sein würde.

Also überredete ich sie, nachdem sie einen Sponsor für ihren Wunsch gefunden hatte, doch lieber ein Tablet haben zu wollen. Da war sie gleich dabei, zumal ein Tablet für sie gleichbedeutend mit einem iPad ist – ähnlicher Fall wie beim Smartphone.

Am Samstag war es dann soweit. Ich holte noch eine Runde Empfehlungen für Tablets ein, die kindertauglich sind und schickte die beiden dann mit den Empfehlungen auf den Weg. Heim kamen sie mit einem Samsung Galaxy Tab II 10.1 – ein Teil, was ich durchaus auch selbst gerne haben wollte. Ab diesem Zeitpunkt begann dann mein Part, da ich mit der entzückenden Aufgabe betraut wurde, dieses Ding internetlauffähig zu machen, was sich leider nicht als Angelegenheit von fünf Minuten herausstellte. Aber letztendlich habe ich es geschafft, ohne irgendeinen technischen Support vom Tablethersteller oder Internetprovider in Anspruch nehmen zu müssen. Toll, was mein Kind für eine technisch begabte Mutter hat!

Das Kind war dann auch hellauf begeistert, als endlich WLAN funktionierte und wir ein paar Apps downloaden konnten, allen voran die Furby-App, damit sie ihren elektronischen Fellfreund mit Leckerlis füttern kann. Den Furby hat sie übrigens auch neulich einem technisch nichtsahnenden männlichen Verwandten abgequatscht… ich war immer standhaft und unnachgiebig geblieben bei der Quengelei, dass sie so einen Furby brauche, weil den alle haben.

Bevor ich also gestern das WLAN so eingerichtet hatte, dass sie mitbekam, dass es funktioniert, nahm ich ihr noch das Versprechen ab, nie auf irgendwelche komischen Werbebanner, Links u.ä. zu klicken. Das wurde natürlich ruckzuck hoch und heilig versprochen. Das zweite Versprechen war, möglichst immer offline zu spielen, damit keine komischen Werbeeinblendungen kommen. Klar Mama, das wird gemacht, ich muss nicht online sein zum spielen. Das dritte Versprechen war, dass wir ab sofort nicht täglich jede freie Stunde vor dem Tablet verbringen werden, ganz besonders eben sie nicht, da es auch noch andere Dinge im Leben gäbe außer Computerspiele zu daddeln. Auch dieses Versprechen ging in Aussicht auf die WLAN-Verbindung aalglatt und wie geschmiert raus.

Heute morgen, am ersten Schultag nach den Herbstferien und am zweiten Tag nach Kauf des Tablets, sah es dann schon wieder ganz anders aus. Geweckt wurden wir früher als sonst, nämlich um sechs Uhr mit Hilfe eines elektronischen Hahnengeschreis, natürlich vom Tablet. Nett – normalerweise reicht es, eine dreiviertel Stunde später aufzustehen. Dann saßen wir beide in ihrem Bett und spielten ein paar Level Candy Crush Saga – war ja noch genügend Zeit. Als es dann Zeit war, fühlte ich mich bemüßigt, etwas Dampf in die Bude zu lassen und zur Eile anzutreiben, was dann unweigerlich zu Stress führte. Töchterlein war der Meinung, bis zum Anschlag spielen zu dürfen und zu können und ich war der Meinung, sie sollte rechtzeitig in der Schule sein. So ganz nebenher lud sie dann auch noch irgendein Spiel runter, mein kompletter Googleaccount wurde außerdem aufs Tablet synchronisiert und ich entdeckte das alles erst, als sie in der Schule war und ich sturmfreie Bude hatte, um nochmal das Tablet genauer zu inspizieren.

Jetzt heißt es für mich, das Ding so zu konfigurieren, damit möglichst von vornherein Schadensvermeidung bzw. -begrenzung angesagt ist. Weder möchte ich eines Tages von einer horrenden Telefonrechnung überrascht werden noch möchte ich, dass das Kind allzu leichtfertig an sämtliche Inhalte des Netzes kommt. Das bedeutet für mich, dass ich sicherlich noch den einen oder anderen Abend damit verbringen werde, mich mit der kindersicheren Konfiguration von mobilen Android-Geräten zu beschäftigen… das Leben ist ein ewiges Lernen – vor allem heutzutage!

Ich frage jetzt nicht, ob Kinder in dem Alter reif genug für Tablets sind. Da gehen die Meinungen sicherlich himmelweit auseinander. Aber vielleicht hat jemand von euch einen brauchbaren Tipp, wie ich das Teil administrieren, konfigurieren oder kindersicher machen könnte. Dann freue ich mich auf Kommentare!

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