Verlängertes Wochenende in München #4

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Montagmorgen, an unserem Abreisetag, wurden wir wieder von einem wunderschön blau-weißen, bayerischen Himmel empfangen. Der Blick aus unserem Badezimmerfenster offenbarte uns außer diesem schönen Wetter auch noch ein wunderschönes Tierchen, das aber glücklicherweise bis jetzt noch keine Anstalten machte, in die warme Bude zu krabbeln.

Madame genießt die Aussicht und entspannt kopfüber vor weißblauem bayerischen Himmel


Nach einem ausgiebigen Frühstück, nach dem Koffer packen und dem auschecken aus dem Hotel fuhren wir wieder mit der S-Bahn zum Münchner Hauptbahnhof und suchten uns dort erstmal ein Schließfach in der Nähe unseres Gleises, von dem wir abends nach Stuttgart fahren würden. Gepäck verstaut und dann ab ins Getümmel.

Zuerst wollte ich wissen, ob der Tipp aus meinem Reiseführer wirklich so gut ist, wie er sich für mich anhörte. Man solle angeblich von der Dachterrasse des Kaufhauses Oberpollinger eine prima Aussicht über die Münchner Innenstadt haben. Wir probierten es aus, aber aus fotografischer Sicht überzeugte mich der Blick nicht wirklich. Also ging es weiter und wir machten uns auf die Suche nach den Orten, die noch auf meiner/unserer Wunschliste standen und die wir am letzten Tag noch erreichen konnten.

Der Winter scheint hart zu werden, die Münchner stricken schon ihre Fahrräder ein

Zum einen wollte das Kind unbedingt ein Souvenir, wahlweise ein neues Nintendo-Spiel oder eine krachlederne Hose oder so etwas ähnliches. Da aber das eine kein echtes Münchensouvenir gewesen wäre und die schönen krachledernen Hosen derzeit mein Budget überstiegen hätten, einigten wir uns auf etwas preisgünstigeres, was aber erst noch gefunden werden musste.

Und ich wollte eben noch das Schuhbeck-Imperium am Platzl und drum herum bestaunen und mal die Maximilianstraße entlangschlendern, die früher auch immer zu meinem Pflichtprogramm gehörte, mit dem Unterschied, dass ich mich früher in die Läden reintraute und heute irgendwie nicht mehr. So ändern sich die Zeiten…

Oans, zwoa, gsuffa… achso, das ist das Hofbräuhaus in München

Mit Hilfe des Stadtplans und ohne Hemmungen, den Stadtplan so lange zu drehen und zu wenden, bis zwar die Schrift auf dem Kopf, dafür aber mir bekannte markante Punkte an der richtigen Stelle platziert waren, fanden wir dann auch die Ecke rund ums Platzl mit dem Hofbräuhaus und natürlich mit den Restaurants von Schuhbeck, der Südtiroler Stuben und dem Orlando, welches wir dann für unser Mittagessen aufsuchten, aber erst, nachdem wir einmal durchs Hofbräuhaus marschiert sind, um auch diese Bildungslücke zu schließen. Naja, wir sind jetzt auch keine Bierzeltbesucher, insofern konnten wir uns das Mittagessen im Hofbräuhaus guten Gewissens schenken. Aber ich staunte schon, wie voll es ist und wie viele Leute bei Blasmusik ihren Schweinebraten mit Semmelknödeln genießen.

Nach der Besichtigung des Hofbräuhauses gingen wir also ins Orlando und setzten uns wohlweislich gleich im Lokal statt auf der Terrasse an einen Tisch. Kurze Zeit später kam nämlich Am Platzl ein kleiner Platzlregen runter und wir mussten dann eben nicht nach drinnen fliehen wie all die anderen.

Blick aufs Orlando-Haus

Die Mittagskarte war übersichtlich, ich hatte schnell meine Auswahl getroffen, nur das Kind brauchte etwas länger, entschied sich letztlich dann aber für Rostbratwürste auf Kraut mit Kartoffel-Gurken-Salat. Herzhaft eben und passend zur Umgebung. Ich nahm das Tagesessen, nämlich Schwammerlragout an Brezenstampf – was auch immer sich speziell hinter dem Stampf verbergen mochte.

Blick ins Orlando, auf unser Essen (oben Pilzragout mit Brezenstampf) und rechts unten Eisdiele

Irgendwann kamen unsere Essen und wir probierten. Überraschenderweise fand ich das jetzt gar nicht so gut, wie es allerorten gepriesen wird oder meine Erwartungen waren zu hoch. Das Geheimnis der Schuhbeck’schen Küche scheint u. a. wohl darin zu liegen, alles mit Chili zu würzen, egal ob Kraut, Kartoffelsalat oder Pilzragout… Aber wenigstens sah es schön aus und es hat natürlich auch geschmeckt, aber eben nicht so atemberaubend wie ich es erwartet hatte. Übrigens, der sogenannte Brezenstampf entpuppte sich meines Erachtens nach als eine Scheibe von einem Semmelknödel auf Basis von Brezen statt Semmeln.

Schön, wie hier Illusion und Realität verschmelzen

Nach dem Essen gingen wir noch in die benachbarte Eisdiele von Schuhbeck und holten uns dort je zwei Kugeln Eis von den Sorten, die wir in Stuttgart teilweise noch nicht probieren konnten. Die Auswahl ist hier naturgemäß größer und ich muss sagen, das Fenchel- und das Arganöleis haben ganz hervorragend geschmeckt! Bewaffnet mit der Eiswaffel gingen wir einmal ums Karree und schauten uns von außen die anderen Schuhbeck’schen Läden an. Von Tee über Schokolade, Küchenutensilien oder Gewürzen ist hier fast jeder Bereich der Bedürfnisse eines kochenden Feinschmeckers abgedeckt. Die Läden sehen natürlich auch alle viel hübscher aus als unserer in Stuttgart, das sah man bereits von außen.

Maximilianstraße mit Luxusgeschäften

Gesättigt und zufrieden machten wir uns dann auf den Weg zur Maximilienstraße und schauten die Schaufenster von Dior, Chanel, Armani & Co. an. Hatte ich von früher noch die chic gekleideten Damen in Erinnerung, die hier einkaufen gingen, so ist diese Straße jetzt hauptsächlich von Damen aus den Emiraten bevölkert, die wohl in München übersommern und die Zeit auch gleich nutzen, um Luxusklamotten einzukaufen.

Schnell noch zu Chanel

Irgendwann kamen wir mal wieder am Neuen Rathaus vorbei und es war noch nicht kurz nach der vollen Stunde. Wir hatten es nämlich während unseres ganzen Aufenthaltes immer ganz toll geschafft, um ein paar Minuten das Glockspiel mitsamt Puppenkarussell im Rathausturm zu verpassen. Ausgerechnet am letzten Tag waren wir bereits 15 Minuten vor der vollen Stunde da und Töchterlein bestand darauf, zu warten. Da mir oft ihr Wille Befehl und mir mein stabiles Nervenkostüm wichtig ist, gab ich nach und wir warteten eben bis zur vollen Stunde.

Ein Stückchen vom Rathaus

Außer uns waren noch viele andere Touristen auf dem Rathausplatz und starrten gebannt nach oben, wann es denn endlich losgehen würde. Und auf einmal kam dann das erste Glockengeklimper und die Figuren setzten sich wenig später in Gang.

Touristen und ihre Dokumentation des Glockenspiels mit Puppentheater

Da das fotografisch gar nicht so toll festgehalten werden kann, zumal die Figuren hinter einem Hasengitter stehen, damit die Tauben die Turmzimmer nicht als wunderbaren Nistplatz auserwählen, habe ich mich eher damit beschäftigt, Bilder von den Touristen auf dem Platz zu knipsen.

Kurz darauf fanden wir dann endlich ein Souvenir fürs Kind, das preislich im Taschengeldbereich lag und wenig später schlenderten wir dann Richtung Hauptbahnhof, um auf jeden Fall rechtzeitig und ohne Hast unseren Zug zu erwischen. Während wir warteten, gab es noch einen letzten Drink auf der Empore und gegen 19:28 Uhr setzte sich dann der ICE nach Stuttgart in Bewegung.

Ist er nicht schön, der Münchner Hauptbahnhof!?

Die Rückfahrt kam uns total kurz vor, vermutlich hatten wir Rückenwind, und als wir in Stuttgart landeten, waren wir erstmal richtig enttäuscht von unserem mittlerweile reichlich zerstörten Bahnhof. Ein Unterschied wie Tag und Nacht – zwei Kopfbahnhöfe, einer davon gepflegt und schön, den anderen ließ man erst verkommen und begann anschließend mit dessen Zerstörung. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Unser verlängertes Wochenende in München war jedenfalls sehr schön und wir haben beide beschlossen, so bald wie möglich eine Fortsetzung in die Wege zu leiten. Schaumermal, es gibt schließlich noch viel zu sehen!

5 Kommentare

  1. Uhhh, was für ein Empfang! Ich mag Spinnen mal so gar nicht, dafür aber das umstrickte Rad, das sieht ja mal klasse aus. Auch die restlichen Impressionen von München. Einfach mal klasse.

    LG Romy

    • Ich mag Spinnen aus Distanz beobachten. Wäre sie im Badezimmer gewesen, hätte ich bestimmt einen schrillen Schrei durch die Hallen tönen lassen…
      Ja, Räder umstricken, ein ganz neues Projekt für die kommende Herbst-/Winter-Saison ;-)… anschließend vielleicht ein Motorrad und dann ein Auto ^^
      LG
      SvL

  2. Super! Da wir jetzt im März auch ein verlängertes WE in München verbringen werdenhaben wir hier schon mal reichlich Informationen bekommen. Perfekt – wollen wir hoffen das wir auch tolles Wetter haben…

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