Seit Ende 2012 gibt es die ersten Niederlassungen der neuen Restaurantkette „Tialini“, die Ex-Porschechef Dr. Wendelin Wiedeking als Alleingesellschafter der Firma zusammen mit einem Expertenteam zum Start gebracht hat. Nach Filialeröffnungen in Ludwigshafen und Karlsruhe steht jetzt auch Stuttgart in den Startlöchern. In den Räumlichkeiten des Metropol-Gebäudes, in denen sich einst schon ein Nobel-Italiener befand, wird in den nächsten Tagen ganz offiziell das Stuttgarter Tialini eröffnet. Wir hatten jetzt die Gelegenheit, schon einmal zu testen und das haben wir auch ausgiebig getan.

Zunächst einmal haben mich die Räumlichkeiten wirklich positiv beeindruckt. Ich kannte sie vorher schon, aber was man jetzt daraus gemacht hat ist wirklich ein starkes Stück! Auf einmal wirkt das Lokal nicht mehr wie ein durchgestylter, langweiliger Italiener, zu dem man geht um zu sehen und gesehen zu werden, sondern jetzt gleicht es einer Osteria, die über die Jahre hinweg einfach gewachsen ist. Tische, Stühle, Raumdekoration – es passt einfach alles zusammen, obwohl es eben nicht aus einem Guss ist. Die Stühle wirken, als seien sie im Laufe der Jahre zusammen gesammelt worden, genauso die Tische, derer es ein paar Standardtypen gibt, die dann aber mit individuellen Fundstücken ergänzt wurden.

Dazu findet man Lampen im Industrie-Design, Deko aus dem Alimentari in Form von Flaschen voller Aceto Balsamico oder Olio Extra Vergine Di Oliva, aber genauso ordentlich große Dosen voller Tomaten oder alte Gemüsewaagen vom Wochenmarkt. Einfach schön! Nichts sieht neu und geschniegelt aus, sondern alles wirkt wie ein Ambiente voller Geschichte und Geschichten. Deswegen wohl auch „Tialini – una Storia italiana“ – das passt! Und zwar passt es meiner Meinung nach für Familien mit Kindern, Großeltern, Onkel und Tante genauso wie für die hippen Singles oder die Damenrunde, die nach dem Shopping noch eine Stärkung braucht.

Getestet haben wir in großer Runde diverse Speisen. Ein paar davon möchte ich hier kurz vorstellen, so zum Beispiel den Insalata Mista, der für € 4,50 zu haben ist und mit verschiedenen Blattsalaten garniert mit ein paar halbierten Cocktailtomaten daher kommt. Die Portion ist wirklich in Ordnung, der Salat frisch und das Dressing, welches separat in einem kleinen Kännchen gereicht wird, schmeckt sehr gut und ausgewogen.  

Die Bruschetta gibt es für € 3,90 und eignet sich sowohl als Vorspeise als auch als kleiner Snack, wenn man abends nach dem Kino nicht mehr groß etwas essen möchte, aber doch Gelüste auf irgend eine Kleinigkeit verspürt. Laut Tochter schmeckte sie ganz hervorragend, war gar die beste Bruschetta, die sie jemals gegessen hat. Die Dame vom Service hat sich jedenfalls sehr gefreut über dieses Lob und versprach, es umgehend an die Küche weiter zu geben.
  
 Wer Wein predigen, aber lieber Wasser trinken möchte, der hat hier die Wahl zwischen Markenwasser wie San Pellegrino oder aber das günstigere Tafelwasser, naturale e frizzante, gekühlt serviert in dieser chicen azurblauen Glasflasche. Dieses Wasser schmeckt übrigens wirklich gut und ist mit € 3,50 per Liter deutlich preiswerter als das Wasser bekannter Marken.
  
Ein guter Teller voller Spaghetti Bolognese hat bislang noch jedes Kinderherz erfreut. So auch hier. Was den Preis betrifft, so erfreut er auch das Elternherz. Eine wirklich große Portion für € 7,90 mit einer hausgemachten Hackfleischsauce aus 100 % Rindfleisch, die geschmacklich keinen Grund zu meckern gibt! Die Bolognese hat meines Erachtens nach auch wirklich italienisch geschmeckt und war nicht so angepasst an den deutschen Gaumen.

Sehr gut waren auch die Spaghetti aglio, olio e peperoncini. Alles frisch und appetitlich zubereitet und serviert. Ordentlich Knoblauch, der nicht angebrannt war, was man ja durchaus auch manchmal so serviert bekommt. Jedes der Gerichte roch auch sehr appetitlich, so dass man unweigerlich schlucken musste, wenn am Nachbartisch etwas neues serviert wurde. Und was mir auch sehr gut gefiel, war, dass mindestens 4 verschiedene Teller auf den Tisch kamen, so zum Beispiel der Suppenteller mit dem blauen Rand für den Salat, die ovale Schale, die aussah wie aus Nonas Küchenschrank für die Spaghetti Bolognese, der runde, tiefe Teller für die Spaghetti aglio, olio e peperoncini und ganz flache, große Teller für die Pizzen. Selbst beim Tafelgeschirr ist nicht alles aus einem Guss und genau das macht die Sache sehr sympathisch!

Auch die Pizzen lassen keinen Wunsch offen. Wir haben zwei davon getestet, einmal die Pizza Prosciutto, die wirklich sehr gut und lecker schmeckte. Hauchdünner Boden, genau richtige Menge an Belag und ein Duft, der einfach unglaublich ist! Die Pizzen werden übrigens im Holzofen zubereitet und haben eine wirklich gute Größe. Leute mit großem Hunger werden davon satt, die anderen können sich sicherlich eine Pizza zu zweit teilen.

Auch die Pizza Funghi schmeckte ganz hervorragend und wenn ich da jetzt gerade alles revue passieren lasse, dann könnte ich schon wieder eine bestellen. Übrigens empfiehlt es sich, die Pizza schon vom Service vorschneiden zu lassen, damit man sie dann bequem Stückchen für Stückchen aus der Hand essen kann. Wir haben es jedenfalls so gehandhabt. Aber ich ließ mir sagen, dass auch die Messer scharf genug seien, diese Teigfladen so zu zerteilen, dass man keine schlechte Laune bekommt.

Kein ordentliches Essen ohne Nachtisch. Auf der Karte stehen nur drei Desserts zur Auswahl, nämlich Tiramisù, Gelato oder Panna cotta. Wir haben uns für letzteres entschieden und das war definitiv kein Fehler. Die Panna cotta wird im Wasserglas serviert und kommt mit einem Deckel aus gefiltertem Himbeerpürree daher. Zumindest haben mir das meine Rezeptoren so mitgeteilt. Und sie schmeckt einfach himmlisch! Ein echter Genuss!

Jetzt freue ich mich schon wirklich und ganz echt auf die offizielle Eröffnung dieses Lokales und bin mir sicher, dass ich mich hier öfter blicken lasse. Die Preise sind moderat, das Ambiente ist so entspannt und locker, dass man automatisch in eine gelöste Stimmung verfällt, der Service ist aufmerksam und unaufdringlich und das Essen ist genau das, was ich unter einer ehrlichen Küche verstehe. Keine aufgeblasenen Dinger, man weiß genau, was man erwarten kann und wird dann noch mit einer wirklich hervorragenden Qualität und einem unübertrefflichen Geschmack überrascht.

Ich freue mich jedenfalls schon auf viele schöne Stunden im Tialini!

Update: Seit 19. August 2013 hat das Tialini ganz offiziell geöffnet und ist ab sofort im Normalbetrieb und nicht mehr im Testbetrieb!

4 KOMMENTARE

  1. Ein schöner Bericht! Ich würde mir größere Bilder ohne diese Rahmen wünschen – sieht irgendwie sehr nach Instagram aus. Aber ansonsten gut zu lesen 🙂

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