Verlängertes Wochenende in München #2

3

Nach unserer ersten Nacht im Hotel zeigte sich der Samstag dann gleich von seiner allerschönsten Seite. Perfektes Wetter, nicht zu warm, nicht zu kalt, sondern genau richtig für eine Tour in den Englischen Garten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg in Richtung Innenstadt. Aufgrund der Entfernung des Hotels zur City, musste ich für mich eine Tageskarte XXL lösen und fürs Kind sowieso nur eine Tageskarte für das Gesamtnetz. Fahren konnten wir allerdings nur bis München-Laim und dann hieß es aussteigen und sich auf die Suche nach dem Schienenersatzverkehr machen. Wäre ich samstags schon so schlau wie sonntags gewesen, dann hätte ich in Pasing die S-Bahn gewechselt und wäre mit der S6 bis zum Bahnhof durchgefahren. So aber lernten wir die Hauptverkehrsadern von Laim kennen und fanden dann auch irgendwann den richtigen Bus, der uns in die City brachte, wo wir dann noch in die passende U-Bahn umsteigen konnten um zur Münchner Freiheit zu gelangen.

Wie verzaubert – gerade eben noch durch Straßen gegangen
und schon steht man mitten in einem großen Märchengarten

Diese Haltestelle hatte ich nämlich als die optimale auserkoren, um in den Englischen Garten einzusteigen und von dort aus gemütlich wieder in Richtung City zu spazieren. Wir sahen dadurch noch ein wenig vom Münchener Stadtteil Schwabing, der tagsüber eigentlich recht beschaulich wirkt und mich irgendwie auch an unser Heusteigviertel hier erinnerte. Nicht umsonst behaupten manche Stuttgarter, das Heusteigviertel sei unser Schwabing…

Leider war es windstill, sonst hätte man sicherlich die Glöckchen bimmeln hören können

Kaum waren wir in den Englischen Garten eingetaucht, schon war die Stimmung eine ganz andere. Durch die vielen alten Bäume, das Plätschern des Wassers und durch dieses stimmungsvolle Licht kommt man sich wirklich vor, als sei man per  Zauberspruch flugs in einer anderen Welt gelandet.

Auf unserem Weg begegneten wir erst dem Chinesischen Turm mit dem riesigen Biergarten, der zu unserem großen Erstaunen so gut wie vollständig belegt war. Erstaunlich, wieviele Leute in München Samstagmittag im Biergarten sitzen und sich den Gerstensaft schmecken lassen!

Der Englische Garten scheint entspannend auf Mensch und Tier zu wirken

Dann hatten wir auf einmal wieder eine ganz andere stimmungsvolle Szenerie vor Augen, nämlich diesen Golden Retriever, der irgendeinem Mann zu gehören schien, der jenseits von unserem Ufer auf der anderen Seite des kleinen Flusses oder Baches saß und von diesem japanischen Pärchen, bei dem die Frau versuchte, den Hund ins Wasser und zu sich hinüber zu locken, während ihr Mann fotografierte…

Ausgelassene Wasserspiele

Anschließend weiter gewandelt und auf einmal standen wir an einer Art Flußkreuzung mit kleinem Wasserfall. Und auch da war Action geboten! So um die zehn Engländer, die möglicherweise noch ein paar Liter Gerstensaft vom Vortag intus hatten, versuchten sich im Synchronspringen und ließen sich entweder parallel oder in feinabgestufter Serie in die Fluten fallen – nicht ohne sich vorher vor dem Publikum verbeugt zu haben. Überhaupt waren relativ viele Schwimmer in dem doch recht bewegten Wasser unterwegs – und das, obwohl ein Hinweisschild am Ufer das Schwimmen verbot und auf die vorherrschende Lebensgefahr hinwies…

Die Liebesschlösser sind auf jeden Fall ein schönes Fotomotiv

Unser Weg führte uns weiter über eine entzückende kleine Brücke, die von schmiedeeisernem Geländer gerahmt war, welches wiederum zwei bis drei Dutzend kleiner Liebesschlösser beherbergte, so wie man das zum Beispiel von der Hohenzollernbrücke in Köln kennt. Ich fragte mich nur, ob das eine oder andere Paar, das sich hier seit Anfang der neunziger Jahre verewigt hatte, wohl immer noch zusammen war…

Kaum hatten wir diesen überaus romantischen Platz verlassen und anschließend die lustigen Synchronspringer nochmal von der anderen Seite aus beobachtet, führte uns der Weg in Richtung Hauptstraße und mein Stadtplan verriet mir, dass wir nur kurz aus dem Park auftauchen und an der nächsten Ecke wieder eintauchen  könnten. Bevor wir noch den Ausgang erreicht hatten, bemerkte Töchterlein zu unserer rechten einen sogenannten Menschenauflauf am Bachufer. Bach ist eigentlich stark untertrieben für dieses Gewässer mit der starken Strömung. Neugierig wie wir waren gesellten wir uns zu der Menschenmenge am Ufer und waren baff, was da auf dem Eisbach abging! Links und rechts am Ufer standen Surfer mit ihren Boards und sprangen der Reihe nach in die Fluten, um möglichst lange auf der Eisbachwelle zu surfen! Das war schon ein ziemliches Spektakel und bot natürlich richtig Stoff für jede Menge sportliche Fotos, die ich heute nacht dann noch zu einer kleinen Diashow montiert habe. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welches Foto am besten ist und deswegen packte ich kurzerhand alle in das Video…

Im Nachhinein las ich, dass die Eisbachwelle in Surferkreisen bis nach Australien bekannt ist. Scheint also eine echte Attraktion in München zu sein, anspruchsvolles Wellenreiten mitten in der City! Es schien wohl eine zeitlang nicht ganz geklärt zu sein, ob das Surfen dort erlaubt bzw. geduldet sein soll oder nicht. Mittlerweile gibt es an dieser Stelle ein Hinweisschild, das ausschließlich erfahrenen Sportlern das Surfen auf der Eisbachwelle erlaubt. Ganz ungefährlich ist das sicherlich nicht, da hier doch eine ziemliche Strömung herrscht. Das war dann übrigens das sportliche Schmankerl, was ich gestern bereits angekündigt hatte.

Sibirische Wildgänse neben dem japanischen Teehaus im Englischen Garten

Nach diesem sportlichen Intermezzo ging es dann geradewegs weiter am japanischen Teehaus vorbei, dann in Richtung Hofgarten und von dort aus auch schon wieder in die Innenstadt von München. Nach diesem ausgiebigen Spaziergang tat uns eine kleine Pause auf den Stufen der Feldherrnhalle gut, wo man der Musik von einem wirklich gut spielenden Quintett lauschen konnte. Hier scheint Straßenmusik durchaus auch die Qualität von Kammermusik zu haben!

Wer gerne wissen möchte, welches schöne Stück wir gehört haben, der klickt hier

Elise Aulinger (bayerische Volksschauspielerin) ist neben Karl Valentin oder Liesl Karlstadt
auch ein Denkmal auf dem Viktualienmarkt gewidmet.

Zur Stärkung holten wir uns später wieder ein Schmankerl auf dem Viktualienmarkt und tranken zum Abschluss noch Eiskaffee und Eisschokolade in einem netten Lokal namens Laurin, das sich in unmittelbarer Nähe zum Markt befindet, aber nicht ganz so abgehobene Preise wie zum Beispiel das Café Rischart hatte, dafür aber mit einer sehr netten Atmosphäre aufwartete.

Das hat geschmeckt!

Übrigens war in diesem Café und Restaurant auch der Service freundlich, was auch nicht in jedem Münchner Lokal in der Innenstadt selbstverständlich ist. Zumindest wir haben da auch ein paar grantelnde KellnerInnen kennen gelernt.

Straßenkünstlerin vor dem Münchener Rathaus

Und dann war unser Tag auch schon fast gelaufen. Auf dem Weg zum Hauptbahnhof schauten wir uns zwar noch in dem einen oder anderen Laden um, blieben mal bei Straßenkünstlern stehen, staunten über die doch sehr gelassenen bayerischen Fußballfans (die Bayern hatten wohl gewonnen, aber wir vernahmen kein Freudengeheul) und erwischten dann irgendwann mal die S6, um mit dieser nach Pasing zu fahren und dort dann in unsere Linie umzusteigen. In der Zwischenzeit verdunkelte sich der Himmel immer mehr und wir schafften es pünktlich zum Beginn der Regenzeit in unserem Heimathafen einzulaufen und die restlichen gefühlten 3,5 km zu Fuß zurückzulegen. Glücklicherweise hatte ich zwei Taschenschirme dabei – Mutter denkt schließlich an fast alles…

Da braut sich was zusammen…

Gemütlich bei Regenwetter, leicht durchgefroren und ein wenig ausgehungert begaben wir uns nach einer kleinen Frischmachrunde dann ins Hotelrestaurant, um dort zu Abend zu essen und später reichlich müde in die Federn zu fallen.

Wie es am nächsten Tag weiterging, was das Wetter machte und wie wir trotzdem noch einen schönen Sonntag verbrachten, das erzähle ich euch voraussichtlich morgen.

Kennt ihr die Eisbachwelle in München oder habt ihr schon einmal davon gehört? Ich kannte sie vorher jedenfalls noch nicht, sondern habe sie dank meiner Tochter jetzt erst entdeckt. Und wo geht ihr rund um den Viktualienmarkt einen Kaffee trinken? Habt ihr vielleicht noch einen Tipp, falls ich bald wieder in München sein sollte? Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare!

3 Kommentare

  1. Der Englische Garten ist immer ein Besuch Wert. Dort kann man spazieren gehen, die Natur genießen, die Füße abkühlen im kalten, vorbeiplätschernden Nass und wenn man eine Pause einlegen möchte, existieren genügend Biergärten, an denen man sich stärken und relaxen kann. Ein herrlicher Ort.
    Für mich ist München immer ein Muss. Ich war auch schon zweimal bei der Sightseeing-Tour zum Bavaria-Film. Beim ersten Mal hatte es gewaltig geschüttet, sodass ein zweiter Besuch her musste. Meine Jungs und ich waren schwer begeistert.
    Wer in Bayern wohnt, sollte seine Zelte dort für immer aufschlagen. Es hat so wundervolle Ecken.

    Ich bin gespannt, welche Erlebnisse du noch so hattest. Ach ja, die Surfer hatte ich vom Bus aus gesehen. Scheint ein sehr begehrtes Hobby dort zu sein.

    Sonnige Grüße
    Sandra

  2. Herrlich <3

    Münchner Freiheit ist übrigens mein "Heimathafen", ich sag auch immer, Schwabing ist wie ein Dorf. Wenn man schon in der Stadt wohnt, dann Schwabing.

    ich freu mich schon, wie es bei es weiter geht :-))

    und morgen radeln wir zum Eisbach 😉

    war ich schon recht lange nicht mehr

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here