Reise zum Äquator #8

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Den dreitägigen Ausflug in den Regenwald im Amazonasbecken haben wir im letzten Bericht schon hinter uns gebracht. Mittlerweile sind die beiden wieder im Hochland und marschieren auf einem weiteren Vulkanriesen herum, dem Chimborazo, der 6.310 m hoch ist. In einer Höhe von 4.000 m ging die Wanderung auf der Hochebene entlang indianischer Gehöfte.

Auf dem Chimborazo
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh


Brauchten sie erst vor ein paar Tagen noch möglichst dünne Klamotten im Amazonasbecken, so sind hier wieder richtig warme Sachen angesagt. Klar, in 4.000 m Höhe kann es schon mal etwas frischer werden. Laut Message meiner Schwester hatten sie wohl auch Schnee. Ganz hinten am Horizont qualmt dann ein weiterer Vulkan vor sich hin. Bei dem handelt es sich um den Tungurahua, der zwar nur etwas über 5.000 Meter misst, dafür aber ziemlich aktiv ist. Zuletzt hat er vor ein paar Wochen, kurz vor der Abreise meiner Schwester, wieder ein paar explosive Seufzer von sich gegeben, wie sich aus den Berichten hier herauslesen lässt.

Hochebene des Chimborazo
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
Indianisches Gehöft auf der Hochebene
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
Ackerbau in steiler Hanglage
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ich lasse hier einfach mal die Landschaftsbilder für sich sprechen. Man sieht die Landschaft der Hochebene, teilweise bestellte Felder, den Hof von Bewohnern in dieser Höhe, den Wechsel zwischen himmelblau und wolkengrau, ein Stück vom klimatisierten Reisebus . Da kann ich momentan nicht allzu viel dazu erzählen. Also lassen wir einfach nur die optischen Eindrücke auf uns wirken.

Auch in Ecuador herrscht wohl manchmal reinstes Kaiserwetter – und ganz hinten sieht man eine senkrechte Rauchsäule – indianische Rauchzeichen? Oder vielleicht doch der Vulkan Tungurahua?
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Es riecht nach Schnee
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Reisebus mit Straßenrand und sanften Hügeln
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Die Bevölkerung hier oben lebt wohl von Ackerbau und Viehzucht und von der Herstellung gewebter Taschen. Kinder verkaufen die selbstgemachten Webwaren um etwas zu verdienen, damit die Familien über die Runden kommen.

Kinder bieten Waren feil
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
Die Farben dieser Taschen sind toll!
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Die Wolle für die farbenfrohen Webwaren dürften sie von den hier lebenden Alpakas genommen haben. Die Wolle der Alpakas besitzt sehr gute Trageeigenschaften und wird bei uns zu ziemlich hochpreisigen, edlen Kleidungsstücken verarbeitet. Übrigens sieht ein geschorenes Alpaka lustig aus, weil es dann nur noch mit einem strubbeligen Haarschopf rumläuft und der ganze Körper relativ filigran und zierlich aussieht, wenn das Tier die Rasur hinter sich hat.
  

Weidende Alpakas
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ungeschorenes Alpaka in dicker Hochlandwolle
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Geschorene Alpakas auf der schwäbischen Alb
Foto: ich

Jetzt hat er es endlich warm und gemütlich
während seiner Reise durch das unwirtliche Hochland
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
Verkauf von Webarbeiten
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Wie mir Schwesterherz schrieb hatte sie vor ein paar Tagen bereits um die 800 Bilder gemacht. Was für ein Glück, dass sie sich noch vor der Reise zum Kauf einer guten Bridge-Kamera entschlossen hatte. Mit ihrer alten Kamera hätte sie so eine Menge Bilder sicherlich nie fotografiert. Ich bin schon sehr gespannt, was ich alles zu sehen bekomme. Die Bilder, die ich hier im Blog veröffentliche, sind ja alle über ihr Smartphone geknipst und verschickt. Anders wäre das sonst auf diese Distanz nicht so einfach möglich.

Die graue Tasche mit den Sternen würde mir auch gefallen
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ihr gefällt es bis jetzt außerordentlich gut in Ecuador. Sie schrieb gar, sie wolle dort bleiben, was ich ihr aber glücklicherweise dann doch wieder ausreden konnte. Das wird auf jeden Fall eine Reise sein, von der sie später noch meinen Enkelkindern vorschwärmen wird.

Mittlerweile kamen schon wieder jede Menge neue Bilder an, die ich dann aber erstmal ein wenig sichten und sortieren muss, bevor ich sie hier im Blog poste. Außerdem muss ich mir noch ein paar Hintergrundinfos zusammen suchen, da die Begleittexte über das Smartphone dann doch eher im Telegrammstil ausfallen.

Ich bin zwar wirklich beeindruckt von der Landschaft und den Bildern, die ich hier zu sehen bekomme, aber trotzdem käme ein Urlaub in der Nähe von aktiven Vulkanen für mich nicht so sehr in Frage. Gut, der ist jetzt nur in Sichtweite und schon eine ganze Ecke noch entfernt, aber allein der Gedanke, dass dessen Gequalme vielleicht den einen oder anderen schlafenden Vulkan wecken könnt…

Wie sieht es mit euch aus? Würdet ihr euch die Füße am Kraterrand wärmen wollen? Wart ihr schon einmal in der Nähe eines aktiven Vulkans? Oder gehört ihr diesbezüglich auch eher zu den vorsichtigen Mitmenschen, die lieber in die heiße Badewanne als in die Therme am Fuße des Vulkans steigen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Nachtrag: Wie mir diefahrradfrau per Kommentar schrieb, gibt es bei ihr auf dem Blog einen Gastartikel, der hier wunderbar dazu passt: Mit dem Fahrrad durch Ecuador – Etappe Chimborazo. Da gibt es nochmal tolle Bilder zu sehen und einen informativen Beitrag aus erster Hand.

11 Kommentare

  1. Sehr schöne Bilder, auch wenn mir die Kinder und Erwachsenen wirklich ein wenig Leid tun. Aber so eine Reise ist schon was feines. Solche Eindrücke kann man auch nur an diesem Punkt der Welt sammeln.

  2. Man beachte, dass die Muster und die Art der Stoffe, die die Indigenen selbst tragen andere sind als die, die sie in Ponchos, Taschen und Decken verkaufen. Die Muster werden von Stadtmenschen, den Nachfahren aus der Zeit der Kolonialisierung, vorgegeben. Sie sind nicht die Zeichen der Inkas bzw. der heutigen Indigenen. Die Indigenen werden bis heute nicht integriert, werden sogar von vielen Plätzen verstoßen. Die Wolle muss gekauft werden, die Farbe ebenso. Oft verdienen sie daran kaum einen cent, ernähren sich selbst von Maisbrei.
    Wer kauft, sollte nicht in Verhandlung treten sondern auf den Preis, den der Indigene vorgibt eine stattliche Summe darauf legen.

    • Genau das ist mir auch aufgefallen, dass die Kleidung anders gemustert ist als das was sie verkaufen. Auch die Farben sind andere. Die Kleidung der Indigenen sieht eher nach Pflanzenfärbung aus während die Webarbeiten, die zum Verkauf feilgeboten werden, nach industrieller Färbung mit Chemiefarben aussehen… Mich haben auch die Muster stutzig gemacht, weil sie eben doch aussehen wie z.B. gängige Norwegermuster oder teilweise auch einfach an die Figuren östlicher Kelims erinnern – wobei ich mir das noch erlären könnte als naive Volkskunst, die in vielen Teilen der Welt ähnlich aussehen kann.

    • Gute Anregung, auf den Preis noch was draufzulegen. Das Runterhandeln der Preise als Touristenvolkssport find ich auch ziemlich arrogant und einfach unsozial. Ein bisschen mehr Respekt würde da manchen Reisenden gut zu Gesicht stehen…

  3. Für mich ist dies auch kein Gebiet, um dort Urlaub zu machen. Es ist aber trotz allem interessant, darüber zu lesen, wie andere Menschen auf diesem Planeten leben. Wenn ich daran denke, wie verwöhnt viele Kinder heutzutage sind …
    Und komischerweise sind die Kinder in der Gegend glücklich. Das hört man immer wieder.
    Sehr schöne Zusammenfassung und sehr beeindruckende Bilder!
    Sonnige Grüße
    Sandra

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