Inzwischen waren meine beiden Berichterstatter ja ein paar Tage nicht erreichbar. Ich wusste wohl, dass sie im Dschungel unterwegs sind und dass in diesem Wald hie und da das WLAN nicht einwandfrei funktioniert. Aber dass sie dann gleich ganze 4 Tage nix mehr von sich hören lassen, das ging dann doch etwas zu weit. Ich habe mir ja wirklich schon Sorgen gemacht. Da kann ja so viel passieren! Vom Floß fallen und sofort von Piranhas, Krokodilen oder Alligatoren verspeist werden. Von Moskitos gestochen werden und ab sofort nur noch im Fieberwahn vor sich hinbrabbelnd. Von der Schlange Kah erst hypnotisiert und dann eingewickelt werden… ja, ich weiß, ich bin zu belesen und habe zuviel Fantasie!

Honeymoon in the Jungle and the Lion sleeps tonight – sieht aus wie ein Brautschleier
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Aber sie haben sich ja glücklicherweise wieder gemeldet. Demnach scheint bis jetzt alles in Ordnung zu sein. Ich bin natürlich erst beruhigt, wenn sie wieder hier sind – nur damit das klar ist. Sie waren also jetzt drei Tage im Amazonasbecken unterwegs und besuchten den echten Regenwald. Hier regnet es übrigens auch gerade, man könnte also auch in den Degerlocher Wald gehen – aber das nur am Rande. Wer gerne Musik beim lesen hört, der bekommt hier die passende Geräuschkulisse.

Das sind andere Dimensionen als in deutschen Birkenwäldchen
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Also im Urwald da gibt es so richtige Urwaldriesen. Das sind keine Menschen, sondern das sind Bäume, die dort wachsen. Deren Wurzelausläufer scheinen schon mehr als mannshoch zu sein. Natürlich weiß ich jetzt nicht, wie hoch genau dieser Mann war, aber das wirkt auf mich doch schon ziemlich riesig, was ich da an Baumteilen sehe. Das obere Ende des Baumes erfasst man dann wahrscheinlich nur mit einem wirklich guten Tele-Objektiv.

Osterhasenkraklpoti ist immer mit dabei und freut sich, soviel von der Welt zu sehen
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Die Osterhasenkrake ist immer noch dabei. Aber wenn ich mir das richtig anschaue, dann finde ich , sie schaut ein wenig traurig. Ich denke, sie hat Heimweh. Ganz oben haben wir übrigens einen Blick ins Schlafzimmer meiner beiden Auslandskorrespondenten werfen dürfen. Ich finde, die beiden haben es richtig romantisch dort. Man könnte wirklich gerade meinen, sie seien in den Flitterwochen und hätten den Brautschleier übers Bett gehängt. Aber nein, das ist nur die Anti-Moskito-Maßnahme, so wie sie sich tagsüber literweise mit entsprechenden Mittelchen einreiben. Hoffen wir mal, dass die Prophylaxe erfolgreich ist!

Sogar ein eigenes Badezimmer gibt es in der Dschungel Lodge
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
Als Reisender durch den Dschungel muss man nicht einmal auf sanitäre Anlagen verzichten. Zumindest dann nicht, wenn man in einer Urwaldlodge übernachten darf. Wie das im Dschungelcamp aussieht, weiß ich nicht – vielleicht nicht ganz so komfortabel oder aber mit entsprechenden Krabbeltierchen garniert.
Ganz ehrlich, ich hätte mehr Vertrauen in eine Bergseilbahn am Matterhorn
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
 

Mit der Gondel ging es dann wohl über ein Stückchen Fluss, vielleicht der Amazonas, vielleicht aber auch ein anderes Flüsslein. Da hofft man ja nur, dass das Seil stabil ist und nicht ausgerechnet in diesem Moment der Materialermüdung erliegt!

Da wächst eine Tafel Schokolade! Die gute aus Ecuador!
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Und im Regenwald oder am Rande dessen sieht man dann so tolle Gewächse wie zum Beispiel den Schokoladentafelbaum. Die Tafelschokolade wächst hier schön verpackt in grüner Hülle, damit sie während der größten Hitze zur Mittagszeit nicht schmilzt. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall ist diese Frucht sozusagen eine Kakaobohne oder beinhaltet solche. Und die muss man dann erstmal ein bisschen mahlen und mit ein wenig Zucker und Vollmilch vermischen, damit daraus etwas genießbares wird. Man kann auch noch Mandeln, Rum und Rosinen rein mischen…

Ist es kalt im Regenwald? Oder hat Tarzan Auflagen von den Behörden bekommen,
sich anständig anzuziehen?
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Und während man dann so durch den Regenwald stiefelt, begegnet einem so manch seltsame Gestalt. Das kann Balou der Bär sein oder King, der König der Affen. Aber manchmal hat man auch Glück und man trifft Tarzan, der hier offensichtlich immer noch sein Unwesen treibt und sich mit der Liane von Jane zu Lilly schwingt. Nur heutzutage darf er aufgrund erhöhter Sicherheitsbestimmungen nicht mehr im Lendenschurz durch den Urwald tingeln, sondern ordentlich angezogen mit Gummistiefeln, Mütze und Hemd. Ordnung muss schließlich sein! Vielleicht ist es aber auch nicht Tarzan, sondern ein Imker oder ein Storch im Salat. Man weiß es nicht.

Sieht fast aus wie Kaffee
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Wer den Film Fitzcarraldo mit Klaus Kinski gesehen hat, der kann sich in etwa vorstellen, wie der amazonische Urwald von Wasseradern durchzogen ist, die teilweise echte Verkehrshindernisse darstellen – vor allem wenn man Opernhäuser mitten im Dschungel bauen möchte. Auf dieser kaffeebraunen Brühe haben sich Schwesterherz und Freund mit Sicherheit auch irgendwie fortbewegen müssen. Ich schätze mal, sie haben diesen Fluss nicht nur per Gondel überquert, sondern sind streckenweise auch per Boot und per Floß darauf herum gegondelt. Da möchte man jedenfalls nicht hineingefallen sein!

Und im hohen Sumpfgras lauert bestimmt ein grinsender Alligator
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Nicht nur in Venedig lässt sich romantisch rumgondeln, sondern eben auch im Amazonasbecken. Auch hier kann ich nur hoffen, dass das Seil den Anforderungen gewachsen ist.

Gondelfahrt zum Wasserfall – voll beladen und open air
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
  
Aber wenn man es dann geschafft hat überzusetzen, dann wird man mit zwei gigantischen Freiluftduschen belohnt. Was es mit diesen Wasserfällen speziell auf sich hat, werde ich wohl auch erst nach Schwesters Rückkehr erfahren. Auf dem Foto wirken sie fast ein wenig klein, aber vermutlich sind sie viel größer und lauter, wenn man direkt vor ihnen steht. Als Vergleich habe ich gerade nämlich die Wasserfälle von Iguazú im Hinterkopf…

Über wieviel Brücken musst du geh’n!? Und dann auch noch über so Wackeldinger…
Foto Nerakel von Liebstöckelschuh

Ob als Alternative zur Gondelfahrt oder als Fortsetzung dessen, man kann direkt in die Nähe der Wasserfälle noch über ein paar Hängebrücken gelangen. Hier auf dem Foto sehen die für meine Begriffe doch noch recht sicher aus. Da habe ich schon ganz andere Bilder gesehen von Hängebrücken, die definitiv auf Lücke gebaut waren und über tiefe Schluchten und reißende Gebirgsflüsse führten. Diese Brücke hier sieht ja fast aus, als sei sie vom TÜV Baden-Württemberg abgenommen worden.

Restauranttipp – aber fragt mich nicht wo das ist! In Ecuador natürlich, aber genaue Adresse!?
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ganz zum Schluss hier noch eine Restaurantempfehlung mit Bootsanlegeplatz. Wer also hier mal vorbei schippert, der sollte unbedingt Halt machen und in diesem reizvollen Gasthaus mit Blick zum Wasser einkehren. So zumindest habe ich die Message meiner Schwester interpretiert.

Jetzt mal ehrlich, so eine Gondelfahrt über einen reißenden, braunen Strom – wäre das was für euch? Oder bevorzugt ihr die Gondelfahrten in Venedig oder auf dem Jahrmarkt? Also ich bin da ganz eindeutig eher der Typ für Venedig. Und wie sieht es mit eurer Moskitoresistenz aus? Ich meine mit der mentalen Resistenz? Ich gehöre ja eher zu den Typen, die beim Verdacht auf Stechfliegen im Umkreis von 2 km schon leicht hysterisch werden! Ich freue mich wie immer auf eure Antworten als Kommentar!

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