Reise zum Äquator #4

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Dank hochtechnisierter Telekommunikation bekomme ich täglich
frische Bilder und Berichte aus Ecuador.
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Weiter geht es mit unserer Telenovela Bloggonovela „Barfuß durch die Anden“. Das wäre ja eigentlich ein viel besserer Titel gewesen als meine emotionslose sachliche Überschrift, aber manche Sachen fallen einem eben erst viel später ein. Übrigens muss meine Schwester ja doch nicht barfuß durch die Anden marschieren, sie hat ja noch ein Paar Wanderschuhe in Quito bekommen. Wie ich mittlerweile erfuhr, sind ihre eigenen aufgrund von Materialermüdung bereits am Flughafen in Deutschland förmlich zerbröselt. Das ist natürlich wirklich Pech, aber zum Glück hat sie ja Ersatz bekommen.

Hier scheint man wie in Schwaben sehr viel Wert auf die Kehrwoche zu legen
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Nachdem meine beiden Auslandskorrespondenten im letzten Teil unter anderem im Nebelwald waren, wo sie übrigens keine Kolibris gesichtet haben, geht es jetzt weiter mit der Tour.

Die Straßen sehen besser aus als hierzulande!
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Sie machten einen Abstecher nach Ibarra, wo sie einen Lebensmittelmarkt mit Anbauprodukten aus ganz Ecuador besucht haben. Dieser sieht dann doch ein klein wenig anders aus als das, was wir hierzulande so kennen. Die Bananen zum Beispiel sind sommersprossig und offensichtlich reif, ein Zustand, den sie hier in Deutschland maximal zuhause im Obstkorb erreichen und dann oft aufgrund ihrer äußeren Hülle entsorgt werden.

Kochbananen, Mangos, Äpfel – alles was das Herz begehrt
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Auch interessant ist, wie man Hühnchen verkauft. Das ginge hierzulande gar nicht, lieber kauft man zerteilte und fast schon künstlich aussehende Filetteile in Frischeschalen eingeschweißt, meist von Hühnern, die ein grauenvolles Dasein fristeten. Wie es jetzt speziell den ecuadorianischen Hühnern zeitlebens erging weiß ich natürlich nicht, aber ich vermute einfach, sie sind auf kleineren Höfen rumgezuckelt und haben die Freiheit genießen dürfen, bevor sie dann irgendwann auf dem Lebensmittelmarkt angeboten wurden. Vielleicht werden sie aber auch lebend angeboten und nach Bedarf geschlachtet, so wie ich es in der Türkei erlebt habe.

Schlachtfrische Hühnchen – garantiert frisch!
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

 
Wer Hunger hat, kann sich direkt an den Garküchen etwas auswählen. Ich weiß aber nicht, was sich hier in den Töpfen befindet und vermute nur, dass es Hühnchen in Variationen ist, Gemüse und vielleicht auch das eine oder andere Meerschweinchen, das hier zum Verzehr angeboten wird.

Eine Portion Eintopf gefällig!?
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Meine Schwester hatte großzügig die ganze Gruppe zu einer Runde Speiseeis einladen wollen, aber die hatten wohl alle dankend abgelehnt – warum auch immer… da will man einmal eine Runde ausgeben und dann will keiner!

Inspiration für Foodblogger – Speiseeis nach Art des ecuadorianischen Hochlandes
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Nachdem sie dann den Lebensmittelmarkt gesehen hatten, ging es weiter quer durchs Chota-Tal mit seinem großen afroecuadorianischen Bevölkerungsanteil, um anschließend das Schutzgebiet von El Angel zu erreichen. Dieses befindet sich auf einer Höhe von 3.700 m und laut den nächtlichen Mitteilungen, die mich hier täglich erreichen, gab es auch schon die ersten Ausfälle wegen Höhenkrankheit. In dieser Höhe lässt der Sauerstoffanteil der Luft spürbar nach und wer das nicht gewohnt ist oder sensibel darauf reagiert, kann durchaus schon ab einer Höhe von 2.500 m mit Symptomen wie Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen etc. zu kämpfen haben.

Eingang zu einem Park (?)
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Im Nationalpark „El Angel“ wachsen ganze Wälder von Mönchsblumengewächsen, die sehr resistent sind gegen die Kälte, die in dieser Höhe vorherrschen kann und die wohl auch Flächenbrände überleben und danach inmitten verbrannter Landschaft wieder ausschlagen sollen.

Das da vorne dürfte so ein Mönchsblumengewächs sein
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Bei der Wanderung durch das Hochmoor gab es auch Enzian zu entdecken, man muss also nicht unbedingt in die Dolomiten fahren um diese blauen Blüten zu sehen, sondern kann auch mal eben in den Anden danach suchen. Wobei mir diese Blüten hier etwas filigraner vorkommen als die, die ich aus europäischen Gefilden kenne.

Jaja so blaublaublau blüht der Enziaaaan (altes ecuadorianes Volkslied)
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Nach der Wanderung da oben, die sicher nicht vergleichbar ist mit Tagestouren in den Dolomiten von Hütte zu Hütte auf schmalen Trampelpfaden, war mein Schwesterherz trotzdem reichlich erschöpft, weil hier ganz einfach die Luft so dünn ist. Sie dürfte wohl dann kurz nachdem sie mir die Bilder geschickt hatte (gegen 20 Uhr Ortszeit) in einen komatösen Schlaf gefallen sein.

Zeitungskiosk vor kolonialem Gebäude mit Yellow Cab im Vordergrund
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ich habe schon wieder eine ganze Ladung neue Bilder bekommen, die ich dann aber im nächsten Teil des Fortsetzungsromans „Barfuß durch die Anden“ unterbringen werde.

Jetzt meine Fragen an euch: Hand aufs Herz, würdet ihr euch einen Teller Hühnerragout von so einer Garküche genehmigen? Oder würdet ihr lieber zum Veganer oder Fruitarier werden und nur noch pflanzliche Nahrungsmittel zu euch nehmen!? Vor allem auch nachdem ihr die frisch geschlachteten Hühner gesehen habt. Was mich betrifft, ich wäre ein Feigling und würde lieber nur Früchte essen, die ich schälen kann – von mir aus auch dunkel gepunktete Bananen – und auf Hühnereintopf verzichten. Ich freue mich auf eure Kommentare!

8 Kommentare

  1. Tolle Bilder, einiges kommt mir sehr bekannt vor von meinen Mittelamerika Reisen 🙂

    Ich bin schon oft zum Essen in solchen Garküchen auf Märkten oder am Strassenrand gewesen. Es schmeckt meist besser als es aussieht

    und Magenprobleme habe ich auf dem letzten Trip nur nach einem Essen in einem "richtigen" Restaurant bekommen.

    • Ich vermute in den "richtigen" Restaurants wird sicherlich auch viel auf Vorrat produziert/eingekauft und manches dann eben nicht rechtzeitig entsorgt, sondern den Gästen noch zum Fraß vorgeworfen – findet man aber auch hier…

      Freut mich, dass Dir die Fotos meiner Schwester gefallen!
      LG
      SvL

  2. Also bis auf die Food-Bilder sind das ja tolle Impressionen. Ich glaube die exportieren alles was gut ist und behalten den Rest, oder?

    Bei Eis hätte ich wohl auch dankend abgelehnt, wegen Magen-Darm-Alarm. Muss man ja nicht ausreizen zumal ich mir den Komfort auf den Toiletten auch nicht so angenehm ausmale.

    LG Romy

    • Ich glaube, wir sind hier nur sehr verwöhnt, was die Optik von Obst und Gemüse betrifft. Bananen kennen wir beim Einkaufen nur in unreifem Zustand und wenn sie dann zuhause nachreifen, dann traut man sich ab einem bestimmten Bräunungsgrad nicht mehr ran 😉 – mein Kind zum Beispiel isst keine sommersprossigen Bananen, außer ich jubel sie irgendwo unter (Müsli etc.).
      Magen-Darm möchte man sich auf solchen Trips immer ganz besonders ersparen, das ist zuhause dann noch am erträglichsten 😉

      LG
      SvL

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