Reise zum Äquator #3

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Mittlerweile sind ja seit meinem letzten Bericht zur Ecuador-Reise meiner Schwester wieder ein paar Tage vergangen, aber ich wollte einfach ein wenig mehr Material haben um darüber zu schreiben. Bei mir geht’s nachts zu wie im Newsroom einer Zeitung, pünktlich dann, wenn ich endlich im Tiefschlaf angekommen bin, fängt mein Telefon an zu tönen und signalisiert mir, dass wieder neue Nachrichten angekommen sind. Und nicht nur die Nachrichten aus der Ferne kommen regelmäßig gegen drei Uhr nachts, auch die Nachrichten/Bilder von meiner Süßen aus dem Zeltlager werden so ungefähr um die gleiche Zeit online gestellt. Das raubt mir dann immer 1-2 Stündchen Schlaf, weil ich sooo neugierig bin, das alles sofort zu lesen, zu beantworten und die Fotos anzuschauen.

Die Ecuadorianer und mich trennen derzeit 7 Stunden Zeitunterschied. Wenn ich also Nachrichten bekomme, dann ist’s bei denen kurz vor acht Uhr abends und damit kurz bevor sie im Hotel zum Abendessen gehen. Sie können ja auch nur im Hotel online gehen, die anderen Hotspots sind im Hochland zum Teil wirklich rar gesät. Und was schreibt mir dann meine Schwester, wenn ich mitten in der Nacht ihre Nachrichten mit schlaftrunkenen Zweiwortsätzen beantworte!? Schläfst du nicht? Machst du jetzt die Nacht zum Tag, seit deine Tochter im Zeltlager ist!? – dabei will ich es mir nur nicht nehmen lassen, die eine oder andere Frage zu stellen…

Straße vor dem ersten Hotel
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh


Nachdem also Schwesterherz und Freund gut angekommen waren und sich erst einmal einigermaßen ausschlafen durften, stand für den ersten Tag in Quito eine Stadtbesichtigung an. Quito, die Hauptstadt Ecuadors, liegt in einem Becken der Anden auf ca. 2.850 m Höhe und verdient damit die Bezeichnung „höchste Hauptstadt der Welt“. Mit ca. 1,4 Mio Einwohnern ist Quito die zweitgrößte Stadt Ecuadors – die größte ist Guayaquil, wo sich Ecuadors wichtigster Hafen befindet.

Sie durften einen Ausflug zum Panecillo-Hügel inmitten der Altstadt von Quito unternehmen, von wo aus man einen Blick über die ganze Stadt hat. So als erste Orientierung mal nicht schlecht. Anschließend gab es noch eine Exkursion durch die Altstadt mit ihren kolonialen Gebäuden, Kirchen und Klöstern. Bei der Gelegenheit entdeckte meine Schwester auch schon auf entsprechenden Märkten das eine oder andere schöne Teil, wie zum Beispiel schöne Schals. Hoffentlich bringt sie etwas mit, die nächste Herbst/Winter Saison steht ja schon vor der Tür.

Hand Craft Market in Parque El Ejido Quito Ecuador
Foto von Quitolabicicleta (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Auf meine Frage, wie denn das Essen sei, was für mich immer ein sehr wichtiger Aspekt ist, bekam ich die Antwort, es würde ihnen schmecken. Es gäbe so Sachen wie Hühnchen mit Reis und Gemüse oder mit Pommes Frittes, Kochbananen und Salat, wobei der Salat zunächst einmal verspeist wurde und erst danach fiel ihr ein, dass man das doch lieber bleiben lassen sollte. Möge ihr Montezuma wohlgesonnen sein – oder wer auch immer dafür zuständig ist…

Hotel in Quito
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Bald hieß es dann auch schon wieder Koffer packen und die kleine Osterhasenkrake hatte Glück und wurde nicht einfach im Hotelzimmer in Quito zurückgelassen. Der kleine spricht doch gar kein Quitonisch oder wie die Mundart dort heißt.

Außerirdischer im Koffer
Foto: Nerakel v. Liebstöckelschuh

Am nächsten Tag ging es dann nach Pahuma, ein Orchideenreservat in knapp 2.000 m Höhe. Dieses liegt westlich von Quito inmitten eines Nebelwaldes. Der Nebelwald bietet vormittags blauen Himmel und Sonnenschein und nachmittags Nebel und Regen – nicht schlecht, sozusagen Juli und November an einem Tag. Eine schöne Auswahl von Bildern zum anschauen habe ich hier gefunden. Dort gibt es mehrere bis zu 80 m hohe Wasserfälle und mehr als 270 verschiedene Orchideenarten – ein idealer Lebensraum für Kolibris, den berühmten Andenklippenvogel und den Bergtukan. Ich freue mich hier schon auf hoffentlich viele schöne Fotos meiner Schwester, die mit der richtigen Kamera gemacht wurden.Wir waren nämlich extra vor ein paar Wochen anlässlich dieser Reise noch eine ordentliche Kamera kaufen…

Wasserfall im Nebelwald
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh
Blick in Richtung Nebelwald
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Bevor dann der nächste Übernachtungsort angesteuert wurde, ging es dann noch auf einen Abstecher zur „Mitad del Mundo“ – was sicher gleichbedeutend mit dem Nabel der Welt ist. Hier befindet sich das Äquatordenkmal und man kann, einmal dort gewesen, zumindest von sich behaupten den Gürtel der Erde einmal betreten oder gar überschritten zu haben – auch wenn sich nach neueren Erkenntnissen der Äquator 240 m nördlich von diesem Monument befinden soll. In Zeiten von Informationstechnologie und GPS wird eben so das eine oder andere entzaubert – aber wir lassen uns davon nicht beirren…
 

Die Sonne brennt gnadenlos auf die Mitte der Welt – Äquatordenkmal Mitad del Mundo
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Auf dem Programm stand auch ein Besuch des von Indigenas geleiteten Inti Nan Museums, das nach meinen Recherchen von hier aus die Reisenden wohl in zwei Lager polarisiert. Die einen sagen, man muss es gesehen haben, die anderen sagen, es sei folkloristischer Kitsch, den man sich ersparen könne. Wie meine beiden Auslandskorrespondenten dazu stehen weiß ich momentan noch nicht…

Soweit erstmal aus Ecuador. Neue Berichte werden folgen, sobald ich hier wieder etwas Material zusammen habe. Dazu lasse ich mich auch wieder mit dem größten Vergnügen nachts um drei wecken. Das meine ich übrigens ernst. Ich könnte ja auch das Telefon ausschalten und mir erst am nächsten Tag die News anschauen. Aber schließlich will ich – wenn auch nur in halb wachem Zustand – ein paar Worte mit meiner Schwester wechseln.

Bin jedenfalls gespannt auf die nächsten Fotos und Neuigkeiten. Es stehen ja noch einige interessante Ziele auf der Liste! Wart ihr schon einmal am Äquator? Muss ja nicht zwingenderweise in Ecuador gewesen sein, sondern den kann man sicherlich auch noch an genügend anderen Stellen überqueren – wenn auch nicht unbedingt so sichtbar. Ich freue mich wie immer über eure Kommentare!

10 Kommentare

  1. Wow, was für tolle Bilder! Leider habe ich es noch nicht weiter als bis in die Türkei geschafft. Wenn es dort auch schön war, die Reise deiner Schwester ist schon ein Erlebnis der besonderen Art. Das macht man kein 2. mal im Leben.

    LG Romy

  2. Super spannend! Mein Sohn war dieses Jahr einige Wochen in Peru und mir ging es auch wie Dir- ungeduldig wurden die Bilder und Infos erwartet und in Gedanken machte ich die Reise mit.
    Deiner Schwester und Begleiterung weiterhin alles Gute und viele schöne Erlebnisse!
    Ach ja- im Hochland ist eine Spezialität: cuy= Meerscheinchen- soll sehr lecker schmecken!
    Grüßle aus der schwäbischen Provinz.
    Veronika

    • Meerschweinchen haben sie schon irgendwo angeboten bekommen. Ich bin mir aber jetzt nicht sicher, ob sie die auch probiert haben. Vielleicht denkt sie dann an unser Meerschweinchen, das wir als Kinder hatten *schnief* … nein, so sentimental sind wir dann doch nicht 😉
      Aber ich finde den Namen witzig: Cuy klingt ja genauso, wie die Tierchen immer Laute von sich geben.
      Grüßle aus der schwäbischen Landeshauptstadt 😉
      SvL

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